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Apples Vorstellung von der Zukunft des Schulbuchs

20 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Schul-ICT

%STARTBLOG% So. Gestern hat Apple ihre neuesten Vorstellungen zur Frage Wie sehen die Schulbücher der Zukunft aus? (Biblionetz:f00151) vorgestellt (siehe auch mein erstes Posting dieses Jahres: Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus?)

Schon bei der Einführung der iCloud hatte ich im Juni 2011 geschrieben:

Derzeit spielt die Firma Apple (Biblionetz:w00244) öfters die Rolle, in technisch interessierten Fachkreisen bereits seit längerem latente Konzepte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und verständlich (!) zu machen. Wenn eine Firma wie Apple neue Produkte lanciert, dann hat sie sich vermutlich einige Gedanken zur zukünftigen Computernutzung gemacht.

Somit: Was will uns Apple bezüglich Schulbüchern sagen?

apple-schulbuch01.jpg

Die Fakten

Die Initiative besteht aus drei Softwarekomponenten und einer vertieften Zusammenarbeit mit Lehrmittelverlagen:

  • Erweiterte eBook-Funktionen
    Die Version 2 der iPad-App iBook können Bücher auf dem iPad mehr multimediale Elemente enthalten (Bilder, Videos, 3D-Objkete) und die App bietet mehrere lernspezifische Erweiterungen:
    • Verbesserte Navigation und Suche
    • Farbige Markierungen und Annotationen
    • Übersicht aller Annotationen
    • Aus Begriffsdefinitionen lassen sich Lernkarten erstellen
    • Es lassen sich einfache Übungen (Multiple Choice, Zuordnungsübungen) inkl. Lösung einbetten
  • eSchulbuch-Erstellungsprogramm
    Für Mac gibt es neu die kostenlose Software iBooks Author, mit der sich Schulbücher für das iPad erstellen lassen. Gemäss ersten Berichten soll die Bedienung sehr einfach sein, so dass auch Laien Bücher erstellen können. Insbesondere lassen sich bestehende HTML5-Inhalte sowie Keynotepräsentationen einfach integrieren.
  • Die dritte Komponente iTunes U App muss ich mir erst genauer anschauen...

Quellen:

Erste Einschätzungen

So viel zu den Fakten. Doch wie ist dieser Schritt von Apple zu beurteilen? Ein erster Versuch einer Einschätzung:

  • Inhaltlich nichts Überraschendes
    Die gestrige Ankündigung enthielt wenig überraschende Elemente. Sobald bekannt war, dass Bildung das Thema sein würde, war verschiedentlich von "Garageband für eBooks" die Rede. Auch die multimedialen und interaktiven Erweiterungen sind nichts wirklich Neues.

  • Gewisse Inhalte müssen nun nicht mehr in ein App verpackt werden, sondern können als eBook publiziert werden.
    Die neuen Möglichkeiten vom iBook 2 führen hoffentlich dazu, dass die Lehrmittel-Appflut etwas eingedämmt wird und nicht mehr alle versuchen, ihre Version des Rades als App zu publizieren. Kapitelendtests sind ein Standardelement von Lehrbüchern, das muss wirklich nicht jeder App-Entwickler selbst programmieren.

  • KISS-Verpackungen sind die wahren Leistungen von Apple
    Wie schon öfters besteht die Leistung von Apple darin, bereits in Expertenkreisen vorhandene Elemente zu einem einfach nutzbaren und ansprechenden Gesamtpaket zu schnüren. Keep it Simple and Stupid!

  • Das Verpacken von Content wird einfacher. Das Erstellen nicht.
    Mit der von Apple vorgeschlagenen Lösung wird das Verpacken und Verteilen von Inhalten einfacher. Man darf sich aber darob nicht täuschen lassen: Das Erstellen solcher Inhalte (Filme, 3D-Modelle, aber auch inhaltlich korrekter und didaktisch sinnvoller Text) wurde nicht einfacher. Im Gegenteil, der Aufwand für ein Schulbuch dürfte steigen.

  • Apple versucht mit diesem Schritt das Hardware-Huhn und Content-Ei-Problem zu lösen
    Bei 1:1-Ausstattungen ist der fehlende digitale Content bisher immer ein wichtiges Gegenargument: "Für die Geräte sind ja gar keine geeigneten Lehrmittel verfügbar", hiess es bisher oft (auch wenn 1:1-Projekte auch ohne digital aufbereiteten Content bereits einige Potentiale besitzen...). Umgekehrt haben sich auch Lehrmittelverlage bisher zurückgehalten mit digitalen Produkten, da ja die Geräteausstattung gar noch nicht verfügbar war. Apple versucht hier ein Komplettpaket anzubieten. Dass dies (auch) im eigenen Interesse geschieht, steht ausser Frage.

  • Für Schulen wird das Apple-Ökosystem verlockender
    Das von Apple nun angebotene Komplettpaket von Hardware, Software und passendem Content ist verlockend. Schulen haben vermutlich weniger technische und organisatorische Probleme, wenn alles aus einer Hand kommt

  • Digitale Lehrmittel sind ein Markt
    Der gestrige Schritt von Apple zeigt deutlich, dass digitale Lehrmittel ein lukrativer Markt sind, sonst würde Apple die Bildungsbranche nicht so intensiv beackern.

  • Digitale Lehrmittel werden vermehrt zum Thema
    Apple schafft es, Agendasetting zu betreiben. Die Frage Wie sieht die Zukunft von Schulbüchern aus? wird in naher Zukunft sicher breiter diskutiert werden.

  • Die Erstellung von digitalen Lehrmitteln wird vereinfacht
    Mit der neuen Software iBook Author wird es für Lehrpersonen als auch für Lernende technisch einfacher, Lehrbücher herzustellen. Das ist spannend und bietet Potenziale.

  • Es wird auch mehr schlechte Lehrbücher geben. Doch ist das schlimm?
    Selbstverständlich wird die altbekannte Qualitätsdiskussion wieder aufflammen, die bei jedem neuen Publikationsmedium auftaucht: Es wird zwar technisch einfacher, die inhaltliche Herausforderung zur Herstellung von brauchbarem Unterrichtsmaterial hingegen bleibt. Somit ist zu erwarten, dass auch minderwertiger Content hergestellt wird.

  • Apple wird zum Content-Gatekeeper für kommerziellen Content im Bildungsbereich
    Die von Apple vorgeschlagene Lösung macht die Firma Apple in mindestens zweifacher Hinsicht zum Gatekeeper, d.h. kommerzielle Schulbücher kommen in zweierlei Hinsicht nicht an Apple vorbei:
    • Apples eBooks lassen sich nur auf Apple Hardware (iPads) nutzen. Damit wird man zur Nutzung von Schulbüchern von einer einzigen amerikanischen Firma abhängig (sollten die Inhalte nur in dieser Form verfügbar sein.
    • Kostenpflichtige eBooks dürfen nur via Apple vertrieben werden und Apple behält sich das Recht vor, Bücher abzulehnen (für Details siehe z.B. bei fefe.de.

  • Apple lässt aber für freien Content gewisse Alternativen offen
    Während Apple kostenpflichtige Bücher an die eigene Hardware und an den eigenen Store bindet, ist dies mit kostenlosem Content nicht der Fall: Mit iBook Author erstellte eBooks dürfen auch ausserhalb des Apple Bookstores angeboten werden und zwar auch als PDF. Somit lässt sich ein Apple eBook erstellen, dessen Inhalt auch ausserhalb des Apple Bookstores abrufbar und auf Nicht-Apple-Hardware nutzbar ist.

  • Apples Gatekeeper-Rolle ist massiv stärker als die bisher kritisierte Rolle von Microsoft
    In der Vergangenheit wurde die Firma Microsoft des öftern für ihren Einfluss im Bildungsbereich kritisiert. Im Vergleich dazu ist die Macht von Apple derzeit massiv stärker: Microsoft hat die Installation fremder Software zugelassen und auch den via Microsoft-Software nutzbaren Content nicht eingeschränkt. Es akzentuiert sich nun im Bildungsbereich die in diesem Blog im April 2010 erstmals angesprochene Frage Generatives Internet oder Gated Virtual Communities?.
Soviel fürs Erste. Jetzt weiterdenken smile

Weitere Quellen:


Lehrmittelverlage und Medienkompetenz

20 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung

SCNR...

Lehrmittelverlage merken, dass Medienkompetenz (Biblionetz:w00542) zunehmend wichtiger wird (aha?) und reagieren, wie Lehrmittelverlage (Biblionetz:w02223) bisher immer reagiert haben: Sie produzieren Bücher.

So auch der Klett-Verlag. Gemäss einer Mitteilung bei bildungsklick.de sind "Soziale Netzwerke das erste Thema der neuen Reihe "weboach" aus dem Ernst Klett Verlag. Auf rund 30 Seiten bietet das Arbeitsheft Sachtexte und Übungen für die Klassen 5-9." Dabei ist die Reminiszenz ans Buchdruckzeitalter unübersehbar:

"webcoach" erscheint im Ernst Klett Verlag. Erhältlich ist das Arbeitsheft "Datenschutz in sozialen Netzwerken" (10er-Paket ISBN 978-3-12-006649-1, Preis: 19,95 €, Blättern im Buch). "Recherche im Internet" (ISBN 978-3-12-006650-7) folgt im Mai 2012 und "Cybermobbing" (ISBN 978-3-12-006652-1) im Juli 2012. Weitere Titel sind geplant.

Gedruckte Arbeitshefte im 10er-Paket, damit Schülerinnen und Schüler lernen, wie digitale Medien ticken. Aha.

Ob das die Zukunft des Schulbuchs (Biblionetz:f00151) ist?

Aber da versteckt sich ja ein neckischer Link in diesem Zitat: Blättern im Buch. Machen wir doch!

klett-soziale-netze-01.jpg

Doch was muss ich bereits im Kapitel 1.1 auf Seite 4 lesen? Tim Berners Lee (Biblionetz:p01924) habe das Internet erfunden. Nein, nein und nochmals nein! Tim Berners Lee hat das World Wide Web (WWW) (Biblionetz:w00577) erfunden und nicht das Internet (Biblionetz:w00269)!

So wird das nichts mit Medienkompetenz, liebe Lehrmittelverlage!

Wenn das so weitergeht, haben Firmen wie Apple mit iBook 2 und iBook Author (mehr davon später...) leichtes Spiel...

Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus?

04 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Schul-ICT

%STARTBLOG% Der Jahresanfang verführt zu Prognosen, Ausblicken und Ähnlichem. Bei mir steht unter anderem eine Frage an, die mich dieses Jahr in mehrfacher Hinsicht intensiv beschäftigen wird: Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus? (Biblionetz:f00151)

Das Thema ist ja nicht komplett neu, das Buzzword Open Educational Resources (OER) (Biblionetz:w02058) geistert bereits länger durch die Community, aufs dynabook (Biblionetz:w01608) wollen wir schon gar nicht zurückgreifen. Nun scheint die Frage aber praktisch relevant zu werden. Mit Tablets wie dem iPad ist nun eine Gerätekategorie verfügbar, auf welcher das Lesen (und Bearbeiten?) von Schulbüchern leichter vorstellbar ist als auf (unterdessen bereits) traditionellen Notebooks. Der sinkende Preis und die steigende private Verfügbarkeit machen sowohl schulfinanzierte als auch elternfinanzierte (= BYOD (Biblionetz:w02286)) 1:1-Ausstattungen (Biblionetz:w02173) leichter realisierbar.

Eine 1:1-Ausstattung ist aber eine Grundvoraussetzung für digitale Schulbücher. Wenn jetzt 1:1-Ausstattungen zahlreicher werden (siehe http://1to1learning.ch), dann eröffnet sich plötzlich ein ganzer Reigen von Fragen, denen sich Schulbuchverlage und Schulen stellen müssen:
  • Was bringen digitale Lehrmittel?
  • Wer finanziert digitale Lehrmittel?
  • Wer stellt digitale Lehrmittel her?
  • Welche neuen Geschäftsmodelle können sich entwickeln?
  • Welche Lizenzmodelle sind sinnvoll und nachhaltig gangbar?
  • etc.
Alles keine neuen Fragen. Aber in den letzten zwei Jahren wurden sie zunehmend aktuell. Lehrmittelverlage erhalten entsprechende Anfragen, Schulen überlegen sich, ob beim Entscheid für eine 1:1-Ausstattung genügend Lehrmaterial verfügbar sei.

Grund genug also, dass sich auch im deutschsprachigen Raum einige Expertinnen und Experten mit dem Thema beschäftigen. Über die Debatte zum Schulbuchtrojaner habe ich ja schon mehrfach berichtet. Erfreulicher ist da die Vortragsreihe l3t talk von Martin Ebner (Biblionetz:p04053) und Sandra Schoen (Biblionetz:p05210) zu nennen, bei welcher im Monatsrhythmus Vorträge zu verschiedenen Aspekten digitaler Bücher, Zeitschriften und Lehrmittel gehalten werden. (Ja, ich habe mich auch überreden lassen, im März 2012 etwas unter dem Titel iLegende Wollmilchsau? Lehrmittel in Zeiten von iPad & Co. zu erzählen).

l3ttalk-01.png l3ttalk-02.jpg

Die beiden wirken auch als Herausgebende einer Schwerpunktausgabe der Online-Zeitschrift bildungsforschung:

Die in Schulen und Weiterbildung eingesetzten Lern- und Lehrmaterialien bzw. Lehrmittel verändern sich. Blickt man in die Schule, gehören seit einigen Generationen eine Kreidetafel, ein Skelett oder große Landkarten dazu. Aber auch abseits von Laptop- und iPad-Klassen, die im deutschsprachigen Europa weiterhin eine Besonderheit sind, stehen in den letzten Jahren immer häufiger regelmäßig einzelne Computer mit Lernprogrammen im Klassenzimmer. Während vor fünfzehn Jahren im Fernunterricht noch Lehrbriefe mit der Post verschickt wurden, gibt es heute zahlreiche internetgestützte Fernlehrangebote. Auch bei den Lehrbücher und Arbeitsblätter, die in Schule, Studium, Ausbildung und Weiterbildung zum Einsatz kommen, zeigen sich Veränderungen: Ein Schulbuch aus den 1970er Jahren unterscheidet sich inhaltlich deutlich von einem der 1990er Jahre. Ein „Lehrbuch“ muss heute aber gar nicht mehr gedruckt mit Seiten erscheinen, immer häufiger gibt es E-Book-Versionen, sogenannte Living Books mit integrierten Videos oder interaktiven Übungen. Und immer häufiger gibt es Lehr- und Lernmaterialien digital und auch kostenlos im World Wide Web zugänglich – im Zeitalter des Mitmachwebs von Lerner/innen und Lehrenden selbst erstellt (Wyatt 2010). Es zeigt sich so ein großer Wandel der Lern- und Lehrmaterialien. (Call als PDF PDF-Dokument.

Dann hat Oliver Ott, Mitarbeiter der PHBern, zu Jahresbeginn erneut ein lesenswertes Factsheet zum Thema digitale Unterrichtsmittel veröffentlicht, diesmal mit dem Schwerpunkt Flexbooks (Biblionetz:w02308): Lehrmittel bald nur noch digital? PDF-Dokument (Biblionetz:t13767):

Digitale Bücher sind heute nicht mehr nur Printbücher, die sich digital lesen lassen. Sie sind multimedial, interaktiv und bieten Möglichkeiten, sich innerhalb eines Buches mit anderen Leserinnen und Lesern auszutauschen. Mit dieser Entwicklung dürften auch die Schulen schneller konfrontiert werden als bisher vermutet wurde. Mit flexiblen digitalen Büchern können die Lehrmittel dem Unterricht ohne grossen Aufwand angepasst und rasch weitergegeben werden. In den USA werden Flexbooks heute schon in hunderten von Schulen und Universitäten erfolgreich eingesetzt.
Quelle: http://www.swisseduc.ch/methodik_didaktik/ebooks/

Zudem sind dieses Jahr verschiedene Veranstaltungen zum Thema geplant, Details folgen... ,

Drei Wochen Rückstand

04 January 2012 | Beat Döbeli Honegger
Für einmal beginne ich das neue Jahr mit Aufholen. Mitte Dezember hat mich eine unerwartet heftige Grippe erwischt, die sich zur Mittelohrenentzündung weiterentwickelt hat. Darum bin nicht nur ich, sondern auch viel Arbeit liegen geblieben. Nun bin ich am Genesen und Aufräumen der Inbox...

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Mit der Bitte um Verständnis und den besten Wünschen für ein gesundes 2012!


Auch wir haben jetzt ne App...

31 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | PHSZ, Software

%STARTBLOG% Eine App zu haben ist derzeit sehr in. Während vor 10 Jahren alle eine Website wollten und nicht wussten, was sie da eigentlich drauf schreiben sollten, wiederholt sich derzeit der hype cycle (Biblionetz:w01398) mit Apps. Alle schreien nach Apps: Firmen, Organisationen, Lehrmittelverlage.

Und wiederum stellt sich eigentlich die Frage: Warum eigentlich eine App? Was tun wir da rein, was ist der Mehrwert gegenüber einer Website, die auf einem Mobilgerät vernünftig ausschaut? Aber die Frage wird selten gestellt. Zwei Beispiele.

Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung hat seit Mitte 2011 eine iPhone/iPad-App:

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Aus der Selbstbeschreibung der App:
Das SKBF|CSRE App wurde für das iPhone und das iPad konzipiert.
  • Lesen Sie im About über die Aufgaben der SKBF.
  • Finden Sie im Projects eine Liste der Projekte der online Datenbank der SKBF mit mehr als 2000 Forschungsprojekten und suchen Sie nach Wörtern, Projekten oder Forschenden.
  • Mit einer Push-Nachricht machen wir Sie darauf aufmerksam, wenn ein Satz neuer Projekte in die Datenbank integriert wird.
  • Halten Sie sich im News auf dem Laufenden.

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Es ist ja keine schlechte Idee, wenn die Inhalte der Website der SKBF auch auf mobilen Geräten abrufbar sind. Aber mir ist nicht klar, warum dazu eine App entwickelt worden ist. Mit Ausnahme der Push-Benachrichtigungen liesse sich alles auch mit einer mobilen HTML5-Website umsetzen. Nutzende müssten nichts installieren und die Inhalte wären nicht nur auf Geräten der Firma Apple abrufbar.

Zweites Beispiel: Auch unser eigenes Institut hat für unsere PH eine iPhone-App entwickelt, die ich eher kritisch einschätze:

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Unsere Hochschule scheint mir schlicht zu klein für eine App. Eine Terminliste mit einem Termin ist einfach nicht besonders attraktiv:

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Dieser Termin zeigt auch schön, dass die Hauptprobleme bei solchen Projekten nicht technischer Natur sind. Wenn bereits auf der Terminliste auf der Website nicht steht, worum es bei diesem Referat geht, dann bringt auch eine automatisierte App-Umsetzung dieser Information nichts.

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Der bisherige Hauptvorteil der App besteht bisher darin, dass nun der Mensaplan online abrufbar ist. Die iPhone-App war dazu der Auslöser, aber eine App wäre auch hier nicht notwendig, eine Webseite hätte auch gereicht. Auch hier ist das Durchdenken der Informationsbedürfnisse und -flüsse wichtiger als die technische Umsetzung.

Es gibt aber auch Bereiche, wo eine mobiltaugliche Website besser gewesen wäre als die nun verfügbare App: Die App liefert meist nur eine Kurzfassung einer Information und verweist dann per Hyperlink auf die Langfassung im Web. Klickt man da drauf, öffnet sich der Browser des iPhones und zeigt den gewünschten Inhalt an. Doch nun folgt der Medienbruch: Ich komme nicht mehr mit einem Schritt (z.B. mit dem Back-Button) zurück zur Stelle wo ich vorher war, denn ich bin ja jetzt im Browser und nicht mehr in der App. Nicht alle Nutzenden merken, warum sie nicht mehr zurück können, sondern wundern sich nur, dass sie nicht mehr zurück können. Hier wäre das Usability-Erlebnis einer mobilen Website besser gewesen.

Darum liebe Unternehmen, Organisationen, Vereine und Lehrmittelverlage: Entwickelt bitte nur dann eine App, wenn sie auch einen wirklichen Mehrwert gegenüber einer für mobile Geräte optimierten Website bieten und fallt nicht schon wieder auf einen technikgetriebenen Hype rein.

P.S.: Ja, irgendwann wird es eine mobile Version des Biblionetzes geben, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Biblionetz-App. jQuery mobile reicht da vermutlich bestens:

wirhabenneapp-07.jpg

Sinnvolle Apps mit denen man etwas lernt findet ihr im AppStore unter dem Suchwort "lernklick". Eine Liste mit für die Schule brauchbaren Apps hier: http://www.lernklick.ch/pdf/App%20Liste%20fuer%20Schulen%2002.pdf

-- Main.AndresStreiff - 31 Dec 2011

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