Dies ist der private Weblog von Beat Döbeli Honegger

Archive

Neue Anforderungen an Schul-WLANs

12 March 2012 | Beat Döbeli Honegger | Schul-ICT

%STARTBLOG% Unterdessen ist es 11 Jahre her, seit ich an der ETH Zürich eine Semesterarbeit zu Funknetzwerken an Schulen betreut habe, aus der die Broschüre Empfehlungen zur kabellosen Vernetzung an Schulen (Biblionetz:b00671) entstanden ist.

b00671.jpg

Seither haben Funknetzwerke an Schulen (Biblionetz:w00830) stark zugenommen. Während bis vor kurzem praktische keine Anfragen bezüglich WLAN an Schulen mehr zu verzeichnen waren, nehmen entsprechende Mails und Telefone in letzter Zeit wieder zu und die Probleme mit Funknetzwerken häufen sich. Was ist hier los?

Veränderte Nutzungsweisen

Zu Beginn der schulischen WLAN-Nutzung dominierten meist Windows-basierte Notebooks. WLAN-Nutzung fand im Rahmen einer längeren Computernutzung (> 5 Min) statt und wurde bewusst initiiert ("Jetzt starten wir den Computer"). Seither haben sich verschiedene Aspekte der von Lehrenden und insbesondere Lernenden gewünschten WLAN-Nutzung verändert:

  • Die Zahl der WLAN-fähigen Geräte hat durch Tablets, Smartphones und Handhelds massiv zugenommen (je nach Schulstufe auf bis zu 2-3 Geräte pro Person)
  • Ein immer grösserer Anteil an Geräten verfügt über keinen Ethernet-Anschluss mehr. Solche Geräte sind also auf WLAN für einen Internetzugang angewiesen (Tablets, Handhelds) oder würden einen solchen dem Mobilfunk vorziehen (Smartphones)
  • Ein immer grösserer Anteil an Geräten ist technisch auch empfangsbereit, wenn der User nicht mit dem Gerät arbeitet (Tablets, Handhelds, Smartphones) und kann dann verschiedene Arten von Push-Nachrichten (Mail etc.) empfangen.
  • Cloud-Computing erhöht das Bedürfnis nach ubiquitärer Internetkonnektivität.
  • Internetzugang wird für kürzere Computernutzungen benötigt (30 sec).
  • Neuere Programme setzen teilweise auf peer-to-peer-Vernetzung per WLAN (kollaboratives Arbeiten und Spielen)
  • Neuere Datenübertragungsverfahren erlauben die direkte Übertragung von Multimediadaten zwischen entsprechend ausgerüsteten Geräten (z.B. Apple AirPlay zur Übertragung von Bild & Ton)

Neue Anforderungen an Schul-WLANs

Die oben genannten Nutzungsweisen führen zu neuen Anforderungen an zukünftige Funknetzwerke an Schulen:

  • Flächendeckende WLAN-Abdeckung:
    Während früher die partielle Abdeckung mit WLAN ausreichend war und beispielsweise genügend verfügbare Ethernet-Steckdosen an ausgewählten Orten WLAN überflüssig machten, trifft dies heute nicht mehr zu. Zur alltäglichen Nutzung moderner ICT-Kleingeräte ist im gesamten Schulhaus WLAN wünschenswert. Erst eine flächendeckende WLAN-Abdeckung erspart den Nutzenden das Nachdenken über WLAN und das Aufsuchen geeigneter Orte im Gebäude.
    Der Aspekt der dauernden Strahlenbelastung darf bei diesem Aspekt nicht ausgeklammert werden. Zu Bedenken ist jedoch, dass bei nicht verfügbarem WLAN zahlreiche Kleingeräte (Smartphones und andere Geräte mit SIM-Karte) regelmässig per Mobilfunk Daten übertragen, was unter Umständen zu einer grösseren Strahlenbelastung führt).

  • Interaktionsfreie Authentisierung:
    Damit die Authentisierung schneller geht und auch ohne Eingriff des Users möglich ist (Kleingeräte im Rucksack etc.) sollen zukünftige Schul-WLANs eine interaktionsfreie Authentisierung anbieten. Das geeignete Verfahren (mit Anbindung an bestehende User-Datenbanken) ist jeweils zu klären.

  • Berücksichtigung verbreiteter Betriebssysteme und Standards:
    Bei der Implementierung eines neuen WLANs ist darauf zu achten, dass das WLAN durch eine Vielzahl gängiger Betriebssysteme nutzbar ist (Windows OS, Mac OS, iOS, Android, Linux).

  • Sichtbarkeit der WLAN-Clients untereinander:
    In der Vergangenheit wurden zahlreiche (professionell aufgesetzte) Schul-Funknetze aus Sicherheitsgründen so konfiguriert, dass sich die einzelnen Geräte im Netz nicht sahen, d.h. nicht direkt Daten austauschen konnten. Das grössere Sicherheitsrisiko bezüglich Malwareverbreitung und Hacking sollte aber zukünftig zugunsten von neuartigen, kollaborativen Nutzungsarten eingegangen werden. Eine evtl. geeignete Unterteilung des WLANs in Subnetze muss in grösseren Schulen diskutiert werden.

  • Einbindung von Beamern und anderen Netzwerkgeräten ins WLAN-Konzept:
    Die Übertragung von Audio- und Videosignalen per Apple AirPlay ist ein prominentes Beispiel von neueren Nutzungsmöglichkeiten von WLAN, die didaktisch interessant sind. Neue WLAN-Konzepte sollten vorsehen, dass Beamer und evtl. andere Geräte (Mikroskop, WLAN-Kamera) per WLAN erreicht werden können. Welche Verfahren bei Beamern konkret unterstützt werden sollen, muss jeweils lokal geklärt werden.

Integrieren statt ignorieren

12 March 2012 | Beat Döbeli Honegger | Veranstaltung
Da ich noch immer nach einer Zusammenfassung des iPhone-Projekts (Biblionetz:w02165) gefragt werde, hier der Hinweis auf die kürzlich veröffentlichte Dokumentation des 1. Schweizer Medienkompetenztages vom Oktober 2011. Unter anderem ist auch eine Video-Aufzeichnung meines Referats Integrieren statt ignorieren verfügbar. Da habe ich versucht, in 17 Minuten Ziele und Erkenntnisse des Projekts zusammenzufassen.

P.S.: Es war wirklich nicht nett von den Veranstaltern, meinen Tablet-PC 50 Meter von mir entfernt zu platzieren, so dass ich nicht wie geplant auf die Folien zeichnen konnte. grummel

%STARTBLOG% Im Zusammenhang mit dem aktuellen Projekt Digitaler Alltag (Biblionetz:w02307) der Projektschule Goldau fällt mir eine gewisse Diskrepanz zwischen subjektiv empfundener Verbreitung von iPod touchs (Biblionetz:w02188) und (medien-)pädagogischer Wahrnehmung derselben auf:

In meinem beruflichen und privaten Bekanntenkreis erhalte ich das sehr subjektive Gefühl, dass jedes zweite Kleinkind Zugang zu einem iPod touch hat und bald jedes zweite Kind ab der ca. 5 Klasse selbst so ein Gerät besitzt. Bei den Geschwistern Kim, Jim & James ist aber über diese Gerätekategorie bis Ende 2011 nichts zu lesen und auch im Gespräch mit Leuten aus dem Bildungswesen muss ich öfters erklären, was ein iPod touch ist, während iPhone und iPad dank medialer Omnipräsenz bald allen bekannt ist.

Was ist da los?

Was ist ein iPod touch?

Wikipedia definiert den Apple iPod touch wie folgt:

Der iPod touch ist ein mobiler Mediaplayer, Spielekonsole, Organizer und Wi-Fi-Plattform des Unternehmens Apple. Er ist Bestandteil der iPod-Produktlinie. Der erste iPod touch erschien am 5. September 2007. Inzwischen sind vier verschiedene Generationen erschienen, die sich in ihren Ausstattungsmerkmalen in manchen Teilen unterscheiden.
Das Gerät baut auf der Technik des iPhones von Apple auf.

Umgangssprachlich versuche ich es jeweils folgendermassen zu erklären:

Ein iPod touch ist wie ein iPhone ohne SIM-Karte und ohne GPS-Empfänger. Man kann damit nicht auf dem Mobilfunknetz telefonieren und hat nur Internetzung per WLAN. Ansonsten ist aber (fast) alles möglich, was mit dem iPhone auch möglich ist.

Somit ist ein iPod touch
  • Eine mobile Gamekonsole
  • Ein Multimediaplayer (Audio, Bild, Video)
  • Ein Multimediarecorder (Audio, Bild, HD-Video)
  • Eine Internetkonsole
  • Ein GPS
  • Ein kleiner eReader
  • etc.
oder kurz und knapp:

  • Ein kleiner mobiler Multimediacomputer
Aus einer eher technisch orientierten Sicht könnte man einen iPod touch als iDevice (Biblionetz:w02187) bezeichnen, also einem Gerät, das mit dem Betriebssystem iOS von Apple funktioniert und auf dem sich somit Apps installieren lassen, die für iOS geschrieben worden sind.

In der Entwicklung der Gerätetypen könnte man den iPod touch als Handheld (Biblionetz:w01547) bezeichnen. Bekannte Vorläufer wären dann z.B. die Geräte der Firma Palm (Palm Pilots etc.)

iPod touch inexistent auf dem Radar der (Medien-)pädagogen?

Vor 10 Jahren (!) wurden Handhelds in Schulen eingesetzt und es wurde viel dazu geforscht und publiziert (siehe Biblionetz:w01551). Vor 10 Jahren waren Handhelds in Familien eine Seltenheit, Handhelds in Kinderhänden die Ausnahme. Heute sieht das (so meine ich) ganz anders aus, Handhelds in Form von iPod touchs sind heute in Familien weit verbreitet. Umso mehr erstaunt es mich, dass dieser Gerätetyp bisher von entsprechenden Studien wie KIM, JIM oder James nicht berücksichtigt worden sind.

Nimmt man die Ergebnisse der aktuellsten JIM-Studie 2011 (Biblionetz:b04725) zum Thema Medienbesitz, so sieht die entsprechende Grafik folgendermassen aus:

ipod-touch-02.jpg

Ich weiss ja nicht, wie die Fragen bei der Befragung konkret gelautet haben, aber ich wüsste jetzt beim besten Willen nicht, wo in dieser Grafik ein iPod touch einzuordnen wäre:

  • Bei MP3-Player/iPod? Tja, aber dann hat man einen Bruchteil der iPod touch-Möglichkeiten erfasst.
  • Überall dort, wo ein iPod touch die Funktion abdeckt?
    • MP3-Player
    • Computer/Laptop
    • Radio
    • Digitalkamera
    • Fernsehgerät
    • Tragbare Spielkonsole
    • Internetzugang (falls WLAN verfügbar)
(Dass die JIM-Studie 2011 iPads als Tablet-PCs bezeichnet, ist eine andere ärgerliche Geschichte...)

Bei der Schweizer JAMES-Studie (Biblionetz:b04424) wurden in etwa die gleichen Gerätekategorien verwendet wie bei JIM, somit in dieser Frage auch nicht sehr hilfreich:

ipod-touch-03.jpg

Hier haben solche Studien das Problem der zunehmenden Medienkonvergenz noch nicht gelöst...

Die üblichen Verdächtigen bei Medienausstattungsfragen (KIM, JIM und James) sind somit derzeit nicht sehr hilfreich. Gibt es andere Untersuchungen/Aussagen zur Verbreitung von iPod touchs oder allgemeiner Handhelds in Familien oder persönlich bei Kindern und Jugendlichen im deutschsprachigen Raum?


Balsam auf meine Seele! Ich habe für das Projekt Digitaler Alltag absichtlich den iPod touch gewählt, obwohl ich ja auch hätte das iPad auswählen können. Beim iPhone-Projekt habe ich in jedem Vortrag erwähnt, dass wir Geräte einsetzen, welche die Kinder in den nächsten 5-10 Jahren sowieso haben werden. Jetzt kann ich ein Projekt durchziehen mit Geräten, welche die meisten Kinder schon haben. iPad in Ehren, aber ich glaube kaum dass es dieselbe Verbreitung bei meiner Zielgruppe (9-13 jährige) finden wird.

-- Main.ChristianNeff - 01 Feb 2012

Drei kleine Anmerkungen: - Heute in der S8 stand ich neben einem 18 Monate altem Kind, das im Kinderwagen gerade mit einer Vogelstimmen-App spielte. - In der 3. Klasse meiner Tochter stand der iPod-Touch ganz oben auf vielen Weihnachtswunschzetteln. - Könnte man - um jemanden das Gerät zu erklären - beim iPod-Touch statt von einem «iPhone ohne Telefonfunktion» vielleicht auch von einem «Mini-iPad» sprechen?

-- Main.CasparNoetzli - 07 Feb 2012

Mini-iPad: Gefällt mir sehr! Oder «iPad nano» wie Main.AndreaCantieni vorschlägt?

-- Main.BeatDoebeli - 07 Feb 2012

In der Schweiz (Biblionetz:w00806) wird am 11. März 2012 über die erneute Einführung der Buchpreisbindung abgestimmt. Derzeit beginnt der Abstimmungskampf und beide Seiten bedienen sich auch digitaler Mittel:

preisbindung-ja.jpg
preisbindung-nein.jpg

Aus Sicht des Leitmedienwechsels (Biblionetz:w02306) sind jedoch andere Aspekte dieser Diskussion um den kulturellen Wert einer Buchpreisbindung spannend. Öffentlich diskutiert wird derzeit, was der zur Abstimmung kommende Gesetzestext (Biblionetz:t13786) zur Preisbindung von ausländischen Internetbuchhändlern sagt. Artikel 2 liest sich folgendermassen:

Art. 2 Geltungsbereich
Dieses Gesetz regelt die Preise von ungebrauchten und mängelfreien Büchern in den Schweizer Landessprachen, die:
  • a. in der Schweiz verlegt werden;
  • b. gewerbsmässig in die Schweiz eingeführt werden; oder
  • c. in der Schweiz gehandelt werden.

(Sorry, aber als Informatiker und Nichtjurist ist mir da nicht mal klar, was da als UND und was als ODER gelesen werden muss! Macht doch Klammern!)

Für gröberen Unmut hat in den vergangenen Tagen die Aussage von Bundesrat Schneider-Ammann gesorgt, ausländische Internetbuchhändler wie Amazon würden nicht der Buchpreisbindung unterliegen, da es sich nicht um gewerbsmässig in die Schweiz eingeführte Bücher handeln würde. Befürworter der Buchpreisbindung werfen dem Bundesrat nun vor, die in den Ratsdebatten klar erkennbare Haltung der Mehrheit falsch auszulegen. Gegner der Buchpreisbindung hingegen meinen, die Befürworter seien selber schuld, wenn sie den Gesetzestext nicht genau genug lesen würden. Siehe «Eine Schwäche des Milizparlaments» oder Biblionetz:t13785

Während dieser Aspekt der Globalisiserung (Biblionetz:w01244) des Buchmarktes wenigstens öffentlich diskutiert wird, scheint ein anderer Aspekt komplett unterzugehen, auf den mich Marc Pilloud (Biblionetz:p00336) aufmerksam gemacht hat:

Artikel 3 des Gesetzes definiert nämlich, was ein Buch ist (eine Definition, die gemäss David Weinberger (Biblionetz:p01471) im Buch "Das Ende der Schublade" (Biblionetz:b03258) nicht mal Bibliothekare wirklich geben können):

Art. 3 Begriffe
In diesem Gesetz bedeuten:
  • a. Buch: jedes Verlagserzeugnis in gedruckter Form und jedes kombinierte Erzeugnis, bei dem das Verlagserzeugnis in gedruckter Form die Hauptsache bildet; nicht als Bücher gelten namentlich Zeitungen, Zeitschriften, Musiknoten und kartografische Erzeugnisse;

Als Informatiker irritiert mich natürlich als erstes, dass der der Definition verwendete Begriff Verlag im Gesetz nicht definiert wird.

Doch bald fällt etwas anderes auf: Es geht nur um gedruckte Bücher bzw. um Verlagserzeugnisse, bei denen die "gedruckte Form die Hauptsache bildet". Hmm, wenn aber Amazon bereits heute mehr eBooks als gedruckte Bücher verkauft, wie muss dann "die Hauptsache bilden" verstanden werden? Könnte sich dann Amazon nicht auf den Standpunkt stellen, gedruckte Ausgaben seien nur ein Nebenprodukt des digitalen eBooks? Sozusagen ein Nischenprodukt wie Bücher für Blinde nun auch eines für (digital herausgeforderte) Leute ohne Lesegerät...

Das zur Abstimmung kommende Gesetz scheint somit weder mit der Globalisierung noch mit der Digitalisierung klar zu kommen. Keine gute Ausgangslage für ein neues Gesetz im Jahr 2012...

Informatiker ausbilden, aber nicht arbeiten lassen?

21 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Medienbericht
Der Tages Anzeiger berichtet heute (21.01.2012) unter dem Titel Ausländische Fachkräfte für Google & Co., nicht aber für KMU (Biblionetz:t13777) über eine Geschichte, die ich in den letzten Tagen im Netz gelesen habe und ergänzt sie mit Stellungnahmen von verschiedenen Seiten. Worum geht es?

t13777.jpg

Kleine Start-Up-Firmen im Raum Zürich beklagen sich, zuwenig Arbeitsbewilligungen für ausgebildete Informatiker aus dem Nicht-EU-Raum zu erhalten. Dies schränke sie in ihrer Entwicklung ein. Insbesondere fühlen sie sich aufgrund des bürokratischen Aufwands zur Einholung der notwendigen Bewilligungen gegenüber grossen Firmen wie Google im Nachteil. Das Fass zum Überlaufen hat nun ein Fall eines türkischen ETH-Informatik-Doktoranden gebracht, der zwar in Zürich ausgebildet wird, aber trotz Empfehlungsschreiben seines Professors keine Arbeitsbewilligung im Kanton Zürich erhalten hat, weil nach Einschätzung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit nicht nachgewiesen werden konnte, dass kein gleichwertiger Schweizer oder EU-Bürger zu finden sei.

Wenn wieder mal über die fehlenden Informatiker in der Schweiz (Biblionetz:a00930) geklagt wird, wird meist als Ursache genannt, dass eben zu wenige ausgebildet würden. Doch dies scheint nicht der einzige Grund zu sein...

Kontakt

  • Beat Döbeli Honegger
  • Plattenstrasse 80
  • CH-8032 Zürich
  • E-mail: beat@doebe.li
This page was cached on 16 Mar 2026 - 00:06.