Dies ist der private Weblog von Beat Döbeli Honegger

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Bücher zu Herausforderungen der digitalen Gesellschaft

05 December 2011 | Beat Döbeli Honegger
So, gleich noch ein Bücherposting. Bald ist Weihnachten und ich gebe mich der Illusion hin, dann mehr Zeit zum vertieften Lesen in folgenden Büchern zu haben, die sich alle mit Herausforderungen der digitalen Gesellschaft beschäftigen:

Bild und Bibliografisches Klappentext

Peter Schaar:
Das Ende der Privatsphäre (2008)
Der Weg in die Überwachungsgesellschaft
Biblionetz:b04746
Die rasante Entwicklung der Informationstechnologien geht einher mit einem wachsenden Kontrollbedürfnis. Peter Schaar warnt vor der Tendenz, den Einzelnen als Risikofaktor zu betrachten, der beobachtet, registriert und bewertet werden muss. Er skizziert, wie sich demokratische Staaten aus Angst vor Angriffen von außen und vor den eigenen Bürgern zu Überwachungsgesellschaften entwickeln. Ohne unser Wissen werden immer mehr Daten von uns im Internet gesammelt, zu "Profilen" verarbeitet und zu wirtschaftlichen und Informationszwecken ausgewertet. Passdaten sollen weitergegeben werden, private PCs werden von Geheimdiensten durchsucht. Ein brisantes Gemisch, das unsere Demokratie im Kern bedroht.

Christian Heller:
Post-Privacy (2011)
Prima leben ohne Privatsphäre
Biblionetz:b04674
Google StreetView, Facebook & Co - Privatsphäre als persönlicher Raum, der sich sicher weiß vor fremden Blicken, ist praktisch tot. Schuld ist das Internet. Datenschutz ist bestenfalls Hinauszögern des Unausweichlichen, schlimmstenfalls ein Kampf gegen Windmühlen. Wichtiger ist die Frage, wie wir unser Leben ohne die Sicherheiten der Privatsphäre lebenswert machen können. Es gab früher Zeiten ohne Privatsphäre, und es wird wieder Zeiten ohne Privatsphäre geben. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass sie ohnehin nicht der lupenreine Wohltäter ist, den Datenschützer gern aus ihr machen. Ihre Auflösung bringt nicht nur Aufgaben, denen wir uns stellen, sondern Chancen, die wir ergreifen sollten. Hierbei will dieses Buch helfen: durch Aufzeigen neuer Lebensführungsstrategien und alter und neuer Vorbilder hierfür.

Dirk Baecker:
Studien zur nächsten Gesellschaft (2007)
Biblionetz:b04152
Die nächste Gesellschaft ist die Computergesellschaft. Sie wird sich von der Buchdruckgesellschaft der Moderne so dramatisch unterscheiden wie diese von der Schriftgesellschaft der Antike. Hatte es die Antike mit einem Überschuß an Symbolen zu tun und die Moderne mit einem Überschuß an Kritik, so wird sich die nächste Gesellschaft durch einen Überschuß an Kontrolle auszeichnen. Auf die Struktur eines Überschusses an Sinn, so hat Niklas Luhmann spekuliert, muß eine Kultur mit der selektiven Handhabung dieses Überschusses antworten, wenn die Gesellschaft die Einführung eines neuen Kommunikationsmediums überleben können soll. Die in diesem Band versammelten Studien arbeiten diese These aus und zeigen, wie die Soziologie mit relativ einfachen Ideen vielfach vernetzte und scheinbar opake Phänomene anschaulich werden lassen kann.

Siva Vaidhyanathan:
The Googlization of Everything (2011)
(And Why We Should Worry)
Biblionetz:b04504
What is the nature of the transaction between Google's computer algorithms and its millions of human users? Are we heading down a path toward a more enlightened age, or are we approaching a dystopia of social control and surveillance? With these and other questions, University of Virginia media studies and law professor Vaidhyanathan thoughtfully examines the insidious influence of Google on our society. In just over a decade, Google has moved so rapidly in its mission to "organize the world's information and make it universally accessible and useful" that cries of "Google it!" resound through high school classrooms, business offices, academic halls, and public libraries. As Vaidhyanathan points out, we must be cautious about embracing Google's mission and not accept uncritically that Google has our best interests in mind. He reminds us that Google is a publicly traded, revenue-driven firm that is dangerous in many subtle ways. By valuing popularity over accuracy and established sites over new ones, Google sets its own agenda regarding what information is most relevant to users, altering their perceptions about value and significance. Vaidhyanathan admirably concludes with a design for an information ecosystem called the Human Knowledge Project, which would be a more democratic means of parsing and organizing knowledge.

Jonathan L. Zittrain:
The Future of the Internet (2008)
and how to stop it
Biblionetz:b03620
This extraordinary book explains the engine that has catapulted the Internet from backwater to ubiquity—and reveals that it is sputtering precisely because of its runaway success. With the unwitting help of its users, the generative Internet is on a path to a lockdown, ending its cycle of innovation—and facilitating unsettling new kinds of control. IPods, iPhones, Xboxes, and TiVos represent the first wave of Internet-centered products that can’t be easily modified by anyone except their vendors or selected partners. These “tethered appliances” have already been used in remarkable but little-known ways: car GPS systems have been reconfigured at the demand of law enforcement to eavesdrop on the occupants at all times, and digital video recorders have been ordered to self-destruct thanks to a lawsuit against the manufacturer thousands of miles away. New Web 2.0 platforms like Google mash-ups and Facebook are rightly touted—but their applications can be similarly monitored and eliminated from a central source. As tethered appliances and applications eclipse the PC, the very nature of the Internet—its “generativity,” or innovative character—is at risk. The Internet’s current trajectory is one of lost opportunity. Its salvation, Zittrain argues, lies in the hands of its millions of users. Drawing on generative technologies like Wikipedia that have so far survived their own successes, this book shows how to develop new technologies and social structures that allow users to work creatively and collaboratively, participate in solutions, and become true “netizens.”

Eli Pariser:
The Filter Bubble (2011)
What the Internet is Hiding from You
Biblionetz:b04606
Imagine a world where all the news you see is defined by your salary, where you live, and who your friends are. Imagine a world where you never discover new ideas. And where you can't have secrets. Welcome to 2011. Google and Facebook are already feeding you what they think you want to see. Advertisers are following your every click. Your computer monitor is becoming a one-way mirror, reflecting your interests and reinforcing your prejudices. The internet is no longer a free, independent space. It is commercially controlled and ever more personalised. "The Filter Bubble" reveals how this hidden web is starting to control our lives - and shows what we can do about it.

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Eine App ohne Daten ist wie ein Sandwich ohne Fleisch

04 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | PHSZ, Software

%STARTBLOG% Beim Aufrufen der iPhone-App der PHZ Schwyz fühle ich mich etwas an ein altes Lied von Mani Matter erinnert: "Was ist ein Sandwich ohne Fleisch? Es ist nichts als Brot."

Meine Befürchtung scheint sich zu bestätigen: Der kleinen PHZ Schwyz fehlt das Fleisch für die erst einen Monat alte App (siehe Auch wir haben jetzt ne App...). Auf die bei grösseren Organisationen sinnvollen Orientierungskarte wurde von Anfang an wohlweislich verzichtet. Bei uns ist alles in einem Haus, da braucht es keinen grossen Plan. Doch auch die Terminliste gibt derzeit nicht viel her:

sandwich-one-fleisch-01.jpg

Das ist kein Programmierfehler, sondern eine Folge davon, dass an unserer PH derzeit auch auf der Homepage keine Termine aufgeführt sind. Nicht viel besser sah es am Mittwoch beim Menu vom Freitag aus:

sandwich-one-fleisch-02.jpg

Bereits nach einem Monat fehlt scheinbar die Zeit, den Menuplan zwei Tage vorher einzutragen.

Ein App ohne Daten ist aber nicht vegetarisch, sondern überflüssig.

Liebe App-Visionäre: Unsere App zeigt, dass die Entwicklung einer App nur sinnvoll ist, wenn auch genügend aktuelle Daten vorhanden sind und auch die Ressourcen, diese Daten regelmässig zu aktualisieren. Lasst

P.S.: Unsere App wurde auch/vorallem entwickelt als Gesellenstück, um hausintern den Aufwand für eine App abschätzen und sich die notwendigen Fertigkeiten aneignen zu können...


[…] wenn auch genügend aktuelle Daten vorhanden sind UND diese verwendet werden dürfen…

PS: Gesellenstück? Meisterstück! smile

-- Main.AndreaCantieni - 02 Dec 2011

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Poster

01 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, PHSZ, Schul-ICT

%STARTBLOG% Diese Woche ist das Poster "Schule in der Informationsgesellschaft" unter einer creative commons Lizenz als PDF unter http://www.schuleinderinformationsgesellschaft.ch online gestellt worden.

schule-poster.jpg

Das Poster "Schule in der Informationsgesellschaft" soll dazu anregen, über die aktuelle und künftige Rolle digitaler Medien in der Schule nachzudenken. Es kann als Grundlage für die gemeinsame Diskussion in schulinternen Arbeitsgruppen und Weiterbildungen dienen. Eine Entwurfsversion des Posters wurde am Rigi-Workshop "Pädagogische Überzeugungen: Die entscheidende Hürde schulischer ICT-Integration?" vorgestellt und in der Folge diskutiert. Einige Anregungen aus diesen Diskussionen wurden für die nun publizierte Version berücksichtigt.

Als Fan von Postern als Werkzeug für Diskussionen bin ich natürlich gespannt, wie das Poster in der Praxis ankommt!

Wenn der Beamer nicht mehr dem Lehrer vorbehalten ist...

04 November 2011 | Beat Döbeli Honegger | Schul-ICT

%STARTBLOG% Hier eine weitere Erfahrung aus der vergangenen Blockwoche (siehe Netzwerk-Scanner und Post-It-War). Als Vorbereitung für den Kurs-Nachmittag Netzwerktechnik in der Schule habe ich mir u.a. die in allen Seminarräumen an der Decke montierten Beamer endlich einmal genauer angeschaut. Ich wusste schon lange, dass unsere Modelle über ein WLAN-Modul verfügen, das aber bisher von unserer PH nicht genutzt worden war (und das sich auch nicht abschalten lässt...).

Nach einigem Umkonfigurieren (womit wir beim Thema des Nachmittags wären) hatte ich den Beamer soweit, dass er von Computern aus dem Netzwerk mit der entsprechenden Software als externer Monitor verwendet werden konnte. Soweit, so gut - an und für sich nichts neues. Spannend wurde es aber, als ich bei den Recherchen auf eine App für iDevices gestossen bin, die den drahtlosen Zugriff auf den Beamer von iPod Touch, iPhone und iPad ermöglichen:

Mit der Panasonic Wireless Projector for iOS lassen sich derzeit Bilder, PDFs, Webseiten und mit der integrierten Kamera gemachte Fotos drahtlos auf den Beamer übertragen. Dank Touchscreen lassen sich auf allen angezeigten Bildern auch Markierungen mit dem Finger anbringen.

wireless-beamer.jpg
Die iPad-App mit Fingernotizen

Da ich für die Blockwoche für die Studierenden persönliche iPhones organisiert hatte, konnten wir das auch real ausprobieren. Natürlich erschienen am ersten Tag während des Unterrichts immer mal wieder mehr oder weniger lustige Fotos, bereits am zweiten Tag konnte ich diese technische Spielerei auch ernsthaft nutzen: "Zeigen Sie doch mal ihre Ergebnisse auf dem Beamer" und kurz darauf erschien das Ergebnis der ersten Arbeitsgruppe vorne auf dem Beamer, ohne Gestöpsel und Geläuf im Schulzimmer.

Die App ist noch nicht wirklich perfekt, aber sie zeigt eine Entwicklung auf: Wie könnte sich in Zukunft die Beamernutzung verändern,
  • wenn nicht primär die Lehrperson den Beamer nutzt weil der benötigte Anschluss unter ihrer Kontrolle ist?
  • wenn für das Beamen nicht erst aufgestanden und gestöpselt werden müsste?
Nichts Revolutionäres. Aber eine massive Vereinfachung, die sich im Schulalltag eben auswirkt. P.S.: Im Projekt Klassenzimmer der Zukunft in Magdeburg wird dies bereits seit längerem mit Interaktiven Whiteboards, Tablet-PCs und einer speziell entwickelten Software gemacht. Für mich neu war, dass das mit iDevices bei uns im Haus auch klappt. Auch bei mir gilt: Selber erleben ist glaubhafter als von anderswo hören... wink


Jugendmedienkompetenzschutz?

03 November 2011 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Veranstaltung
Heute vor einer Woche war ich an einer gesamtschweizerischen Veranstaltung, die durch ein Begrüssungswort eines Bundesrats geadelt worden war. Aber auch eine Woche später ist mir noch nicht restlos klar, an was für einer Veranstaltung ich vor einer Woche eigentlich war. (Ein Gefühl, das Heinz Moser (Biblionetz:p00885) bereits vor der Veranstaltung beschlich.)

mewiko01.jpg

Die Dachveranstaltung nannte sich 1. Schweizer Tag der Medienkompetenz, zentraler Bestandteil darin war das Nationale Fachforum Jugendmedienschutz und zwischen diesen beiden Polen (?) bewegte sich die Veranstaltung, wobei ich öfters das Gefühl bekam, dass das Schützen gegenüber dem Kompetenzen fördern und den Potenzialen digitaler Medien die Überhand hatte. Offiziell waren beispielsweise die Fachforen schön aufgeteilt zwischen fördern und schützen, das Bauchgefühl aber blieb.

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Vor allem aber hatte ich das Gefühl, der Veranstaltung fehle eine Vision oder schon nur eine positive Grundstimmung, dass sich in diesem Bereich auch Chancen auftun. Der Tag machte eher den Eindruck einer Pflichtübung auf verschiedenen Ebenen: Wir müssen uns mit dem Thema beschäftigen, weil es die Politik aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung verlangt.

Selbstverständlich ist eine schweizweite Koordination der entsprechenden Aktivitäten wichtig. Die vom Bundesamt für Sozialversicherungen in Auftrag gegebene Bestandesaufnahme der Informations- und Schulungsangebote im Jugendmedienschutz und zur Förderung der Medienkompetenzen PDF-Dokument hat dann aber für mich den eher zweifelhaften Beigeschmack einer wenig innovativen oder visionären Amtshandlung. Bisher wurden 561 Angebote gefunden (wissenschaftlich: n=561) und an der Tagung präsentiert, aufgeschlüsselt nach Trägerschaft und Art der Objekte. Da wurde dann festgestellt, dass 27.8% der Objekte "Broschüren/Flyer/Merkblatt/Ratgeber" sind und nur 1.1% "Kampagnen/Programme/Strategien."

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Ach ja!? Trotz der Unterschiedlichkeit der Objekte wurden dann Prozentangaben präsentiert, welcher Anteil der Objekte von welchen Urhebern stammt und für welches Zielpublikum gedacht sind. Was sagen diese Zahlen aus, wem dienen sie? Hier entsteht leider eher der Eindruck, dass ein Thema verwaltet wird, um am Ende des Bundesprogramms sagen zu können, man habe etwas gemacht (und zwar wissenschaftlich).

Die Veranstalter gingen anscheinend nicht davon aus, dass die Teilnehmenden Internet und soziale Netze würden nutzen wollen. So gab es am Veranstaltungsort kein zugängliches WLAN und ein Hashtag für Twitter war keines vorgesehen.

Gefallen hat mir eigentlich die Eröffnungsrede von Bundesrat Didier Burkhalter unter dem Titel L'èducation est la clé! (Biblionetz:t14759). Hier einige Zitate:

Die Förderung von Medienkompetenzen ist ein Lern- und Bildungsprozess. Deshalb erachten wir es als entscheidend, dass alle Partner zusammenarbeiten, die in diesem Bereich tätig sind. Dazu gehören Schulen, pädagogische Hochschulen, Fachstellen auf kantonaler und lokaler Ebene, private Vereine und Stiftungen, Polizeidienste und die Wirtschaft: Wir alle sind gefordert und wir können und sollen uns unserer Verantwortung nicht entziehen.

Der Bundesrat hat gleichzeitig klargestellt, dass die Förderung eines kompetenten Umgangs mit den Chancen und Gefahren von Medien im Vordergrund steht und nicht die Ausarbeitung neuer Verbotsregelungen; denn eine sozusagen Überbevormundung erzielt oft den gegenteiligen Effekt und bietet nur kurzfristige Lösungsansätze an.

La clé de la réussite de ce processus passe d'abord et avant tout par ce que l'on peut donner aux enfants, ce que l'on doit donner aux enfants : l'éducation. Par l'apprentissage des chances et des dangers. Par une capacité à relativiser, à remettre les informations dans leur contexte, à faire usage de son esprit critique.

Die beste Antwort ist die aktive Begleitung der Medienaktivitäten von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene. Der Schlüssel dazu ist Bildung in Verbindung mit Vertrauen und Selbstverantwortung. Diese Kombination, diese Werte sind - und bleiben - die wichtigsten Jugendschutzmassnahmen.

Das Medienecho auf die Veranstaltung war in meiner Wahrnehmung relativ gering, abgesehen von Tagesschau und 10vor10. Diese beiden Beiträge bestätigen aber meinen zu Beginn geäusserten Eindruck, dass es vor allem um das Schützen vor den Gefahren des Internets ging. Beide Beiträge drehen sich ums Thema Cybermobbing:

Tagesschau vom 27.10.2011

10vor10 vom 27.10.2011


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