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Warum meine Folien nicht auf slideshare sind

18 October 2012 | Beat Döbeli Honegger | Biblionetz, Geek

%STARTBLOG% slideshare ist das Youtube der Folien. Scheinbar alle stellen ihre Folien nach oder bereits vor der Präsentation auf Slideshare zur Verfügung und erhalten dafür im Gegenzug detaillierte Statistiken, wann ihre Folien wie oft angeshcaut worden sind.

Bereits seit längerem denke ich drüber nach, ob ich meine Folien ebenfalls auf Slideshare hochladen sollte. Nicht wenige berichten ja vom Effekt, dass die Views auf Slideshare massiv höher ausfallen als die jeweilige Zuhörerschaft vor Ort beim realen Vortrag.

Es gibt jedoch drei Gründe, warum ich mich weiterhin dagegen entscheide:

  • 1. Hoheit über meine Daten
    Auch wenn ich die meisten meiner Arbeitsergebnisse kostenlos veröffentliche will ich trotzdem eine gewisse Kontrolle darüber behalten. Ich will entscheiden können, wo, wann und wie lange welche Produkte von mir im Netz zu finden sind. So kann ich auch bestimmen, in welchem Kontext meine Produkte zu sehen sind. Konkret bedeutet das z.B., dass ich keine Werbung neben meinen Folien haben will.
    Zugegeben, mir als Informatiker fällt es leichter, mir meine eigene Infrastruktur aufzubauen, aber mir scheint es wäre allgemein keine schlechte Idee, wenn man die eigene digitale Identität nicht auf fremden kommerziellen Dienstleistern aufbauen würde (siehe dazu Sascha Lobo: Euer Internet ist nur geborgt (Biblionetz:t14297)).

  • 2. slideshare-usability
    Für mich unverständlicherweise werden bei mir in zahlreichen Firefox-Versionen keine Navigationsknöpfe angezeigt, sprich ich komme bei einer Präsentation nie über Folie eins raus. Im Netz findet man dazu einige Problembeschreibungen, erstaunlicherweise nicht aber im Supportbereich von slideshare selbst. Will ich meine Folien wirklich an einem Ort präsentieren, der mit einem weitverbreiteten Browser nicht navigierbar ist? (Ja, evtl. könnte ich das Problem für meinen Browser lösen, aber wie vielen anderen mit Firefox ist der Zugang verwehrt?)
    Das schwerwiegendere Usability-Problem aus meiner Sicht ist die fehlende Möglichkeit von slideshare, einzelne Folien einer Präsentation mittels einer URL zu referenzieren. Ich möchte in Tweets/Blogposts/etc. auf Folie 57 der Präsentation abcde verweisen können. Meines Wissens bietet slideshare diese Möglichkeit bisher nicht.

  • 3. Biblionetz-Integration
    Der dritte Grund ist nicht sehr übertragbar: Zu meinen Denk- und Arbeitswerkzeugen gehört das Biblionetz. Nur wenn ich die Folien selbst publiziere, habe ich die Möglichkeit, zwischen Biblionetz und Folien gegenseitige Bezüge, sprich Links zu setzen. Konkret wird bei vielen Folien von mir auf entsprechende Biblionetzobjekte (Bücher, Begriff, Aussagen etc.) verwiesen und umgekehrt ist im Biblionetz sichtbar, auf welchen meiner Folien das entsprechende Objekt auftaucht.
slideshare02.jpg
Verweise auf Biblionetzobjekte bei Folien

slideshare01.jpg
Verweise auf Vortragsfolien im Biblionetz

Was dadurch natürlich unerbittlich sichtbar wird, ist mein zunehmendes Folien-Recycling : Ich werde dummerweise öfters für Vorträge angefragt als ich etwas neues zu erzählen habe, so dass ich gezwungenermassen anfange, neue Vorträge aus bestehenden Vorträgen nach Zeitbudget und Zielpublikum zusammenzustellen (etwas, dass ich frühere immer gehasst habe...).

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Die Bezüge zwischen Folien und Biblionetz-Objekten muss ich in meiner Datenbank von Hand herstellen (wie sonst?). Mühsam war aber bisher, dass ich diese Bezüge erneut herstellen musste, wenn ich eine Folie in einem anderen Vortrag erneut verwendet habe. Die sechsstünde Bahnfahrt von Zürich nach Hagen vom vergangenen Sonntag hat mir nun die notwendige Ruhe am Stück verschafft, um dieses Problem wegzuprogrammieren. Meine Datenbank (MS-Access) kann nun die Notizenfelder der Präsentationssoftware (MS Powerpoint) auslesen und verändern. Damit kann ich alle Biblionetz-Metadaten ins Notizfeld einer Folie schreiben. Wenn ich nun diese Folie per copy&paste in eine neue Präsention einfüge, werden diese Metadaten mitkopiert und können nach Fertigstellung der Präsentation auf Knopfdruck ins Biblionetz eingelesen werden. Das Wiederverwerten von Folien ist somit mit weniger Aufwand verbunden. (Keine Sorge, ich werde trotzdem weiterhin neue Folien generieren wink

slideshare03.jpg
Biblionetz-Metadaten im Notizfeld der Folie

Hier zwei Ausschnitte aus dem Code, wie man mit VBA aus Access auf die Notizen in einer Powerpoint-Präsentation zugreifen kann:

   Set pp = New PowerPoint.Application
   Set praesi = pp.Presentations.Open(c_PRESENTATIONS & speicherort, , , msoFalse)

   [...]

   If praesi.Slides(folienNummer).NotesPage.Shapes.Placeholders(2).TextFrame.hastext Then
       foliennotizen = praesi.Slides(folienNummer).NotesPage.Shapes.Placeholders(2).TextFrame.TextRange

Damit wären aus meiner Sicht alle Fragen zu slideshare beantwortet. Ausser einer: Warum habe ich Follower auf slideshare, auch wenn ich dort noch nie was publiziert habe? wink

slideshare04.jpg
Worauf warten diese Follower?


Auf Deine Abschlussfrage kann ich Dir eine (Teil-)Erklärung geben, Beat: Ich wurde automatisch Dein Slideshare-Follower, da ich mich auf Slideshare mit meinem Facebook-Account eingeloggt habe und wir im Gesichterbuch befreundet sind. Gruss, Ruedi

-- Main.RuediArnold - 18 Oct 2012 OK, das erklärt einiges.

-- Main.BeatDoebeli - 18 Oct 2012

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Derzeit geistert vielerorts die Meldung durch die Medien (z.B. St. Galler Tagblatt, Sonntagszeitung), dass die Schweiz zu den bestausgerüsteten Ländern bezüglich ICT gehören würde, jedoch weltweit nur den 41. Platz bezüglich ICT-Kompetenzen aufweisen würde. Wasser auf die Mühlen derjenigen, die mehr ICT-Ausbildung fordern, oder?

Doch Vorsicht: Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht genauer studiert hast!

Worum geht es?

Am 11.10.2012 hat die International Telecommunication Union (ITU) den Bericht Measuring the Information Society 2012 (Biblionetz:b05010) publiziert. Die Studie vergleicht seit 200X zum 4. Mal den so genannten ICT Development Index (IDI) (Biblionetz:w02353) (Wikipedia:ICT_Development_Index) von 193 Staaten.

Hinter dem IDI steckt folgendes Modell:

idi-01.png
Quelle: ITU (Biblionetz:b05010, Seite 16)

Für jedes Land werden zur Berechnung des IDI drei Subindices erhoben:

  1. Access sub-index: This sub-index captures ICT readiness, and includes five infrastructure and access indicators (fixed-telephone subscriptions, mobilecellular telephone subscriptions, international Internet bandwidth per Internet user, percentage of households with a computer, and percentage of households with Internet access).
  2. Use sub-index: This sub-index captures ICT intensity, and includes three ICT intensity and usage indicators (percentage of Internet users, fixed (wired)-broadband subscriptions, and active mobilebroadband subscriptions).
  3. Skills sub-index: This sub-index captures ICT capability or skills as indispensable input indicators. It includes three proxy indicators (adult literacy, gross secondary enrolment and gross tertiary enrolment), and therefore is given less weight in the computation of the IDI compared with the other two sub-indices.
Quelle: ITU (Biblionetz:b05010, Seite 16)

Aufhorchen lassen muss nun der Begriff der proxy indicators für den skills sub-index . Denn während für den access sub-index und den use sub-index in den meisten Ländern tatsächlich Zahlen vorhanden sind, fehlen diese eben für die ICT-Kompetenzen. Die ITU nimmt stattdessen folgende Ersatz-Indikatoren:
  • adult literacy: Prozentsatz der Erwachsenen des Landes, die lesen können.
  • gross secondary enrolment: Prozent der 12-17 Jährigen, die eine Sekundarschule besuchen (siehe Wikipedia:Gross_enrolment_ratio)
  • gross tertiary entrolment: Prozent der Bevölkerung, die eine akademische Ausbildung macht (siehe Wikipedia:Gross_enrolment_ratio)

Als erstes ist festzuhalten (man halte sich fest): Da wird überhaupt nicht ICT-Kompetenz der Bevölkerung der jeweiligen Länder gemessen, sondern die Lesekompetenz und der Anteil derjenigen Leute, die lange zur Schule gehen und eine akademische Ausbildung machen!

Die ITU geht einfach davon aus, dass ICT-Kompetenz mit der Lesekompetenz und dem Anteil der Akademiker korreliert...

Nun ist auch klar, warum die Schweiz beim IDI sub-index ict-skills derart schlecht abschneidet: Lesen können die Schweizerinnen und Schweizer vermutlich nicht schlecht und eine Sekundarstufe besuchen auch die meisten, aber wegen des (in der Schweiz erfolgreichen) dualen Bildungssystems ist der Anteil der Akademiker in der Schweiz vergleichsweise sehr klein. Mit ICT-Kompetenz hat das aber gar nichts zu tun.

Schade nur, dass derzeit viele Schweizer Medien den oben gemachten Recherche-Aufwand nicht treiben (können?) und diese Meldung unhinterfragt publizieren.

P.S.: Wer sich tiefer für solche Indikatoren interessiert, dem sei die Publikation Messung von informatorischer und technologischer Reife PDF-Dokument (Biblionet7:b05011) der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH aus Österreich empfohlen. Die Lektüre hat mir meinen gegenüber dem IDI gehegten Verdacht bestätigt.

Siri kann die Auskunft nicht anrufen

09 October 2012 | Beat Döbeli Honegger | Annoyance
Dieses Posting wird vermutlich alle Nichtinformatiker freuen, die immer meinen, nur sie hätten Angst, den IT-Support um Rat zu fragen.

Dem ist nicht so. Auch mir wird bereits Angst und Bang beim Gedanken, mich jetzt dann der Hotline-Maschinerie ausliefern zu müssen, vom einen zum anderen Ort verwiesen zu werden und es nie zu schaffen, wenigestens zweimal den gleichen Menschen am Draht zu haben, um nicht die gesamte Geschichte erneut erzählen und auf die üblichen Standardfragen ("haben Sie das Gerät schon neu gestartet" etc) anworten zu müssen.

Worin besteht denn die Geschichte? Ich berate jemanden, der die Spracherkennung Siri seines iPhone 4s nutzt, um zu telefonieren und SMS zu schreiben. Das klappt bis auf eine - allerdings relevante - Ausnahme einigermassen gut. Bei der Ausnahme handelt es sich um den Auskunftsdienst 1145 den Swisscom in Zusammenarbeit mit der Pro Infirmis anbietet. Menschen mit Behinderung können sich via 1145 kostenlos Auskünfte geben und/oder Nummern wählen lassen.

siri2.jpg

Diese Nummer ist im besagten iPhone 4s in den Kontakten unter "Auskunft" gespeichert. Die Nummer wird auch brav gewählt, wenn ich von Hand den entsprechenden Eintrag im Telefonbuch auswähle. Wenn man das gleiche mit Siri versucht ("Rufe Auskunft an!") dann funktioniert das nicht. Siri erkennt zwar, dass sie der Auskunft anrufen soll, antwortet dann aber einige Sekunden später mit:

"Tut mir leid [Name], ich kann Auskunft nicht auf der Geschäftsnummer anrufen."

siri.png

Erste Internetrecherchen haben bisher wenig Brauchbares zutage gefördert. Mindestens jemand im deutschsprachigen Raum scheint das gleiche Problem mit Siri und Kurznummern zu haben, aber auch keine Lösung.

Für mich fängt das Problem erst jetzt an: Wo frage ich um Rat?

  • Bei Apple, denn schliesslich handelt es sich um Apple Hard- und Software
  • Bei Swisscom, denn schliesslich besteht dort ein Abo und es geht ums Telefonieren, das nicht klappt
  • Bei Pro Informis, denn die bieten den Dienst an und haben vielleicht am ehesten bereits mit dem Problem zu tun gehabt.

Mit graut aber ehrlicherweise davor, mich mit der Schilderung dieses Problems in den Hotline-Djungel zu begeben.

Dieses Postings hat damit neben der Solidaritätserklärung für arme in den Hotlines gefangene Nichtinformatiker auch den zweiten Sinn, evtl. die #followerpower zu aktivieren: Vielleicht kennt ja jemand bereits eine Lösung oder hat mindestens sachdienliche Tipps...


Tritt das Problem auch bei anderen Kurznummern auf oder nur der Pro Infirmis Auskunft? (There we go: die erste Standard Frage wink

-- Main.RogerLeMarie - 02 Oct 2012 Ist immerhin schon eine recht sophisticated Standardfrage! (die mir beim Schreiben des Postings auch kam, ich aber mangels Siri-fähigem iPhone nicht gleich selbst beantworten konnte).

-- Main.BeatDoebeli - 02 Oct 2012 Update 02.10.12: Nach einer Anfrage per Twitter kümmert sich nun Swisscom drum, meint @Swisscom_care. Thx!

-- Main.BeatDoebeli - 02 Oct 2012 Update 02.10.12: Das Problem bestand bereits bei iOS 5, ist also nicht iOS 6-spezifisch.

-- Main.BeatDoebeli - 02 Oct 2012 Mmh. Heisst das, wenn ich in der Lawine unbeweglich eingegossen mich tieriesch über mein mitgeführtes iPhone, den ausnahmsweise ausgezeichneten Empfang und Siri freue und Siri auffordere: «Siri, ruf die Rettungsflugwacht an!», Siri mir antworten könnte: «Tut mir Leid, Roger, ich kann die Rettungsflugwacht nicht auf der Geschäftsnummer anrufen»? Da liesse sich doch glatt eine neue Serie iPhone Witze draus basteln wink

-- Main.RogerLeMarie - 03 Oct 2012 Ich habe sagen hören, dass Du Siri die Nummer diktieren kannst, so Du denn die Nummer trotz digitaler Demenz wink noch auswendig weisst...

-- Main.BeatDoebeli - 04 Oct 2012 Update 04.10.2012: Swisscom hat sich bisher noch nicht wieder gemeldet.

-- Main.BeatDoebeli - 04 Oct 2012 Upate 05.10.2012: Swisscom hat das Problem bestätigt und empfiehlt, sich an Apple zu wenden:

swisscom-care.jpg

-- Main.BeatDoebeli - 05 Oct 2012 Und jetzt fängt der Ärger an: Weil das iPhone älter als 90 Tage ist, will Apple Geld von mir, damit ich Ihnen berichten kann, dass das Gerät nicht wie gewünscht funktioniert. #grmbl

-- Main.BeatDoebeli - 05 Oct 2012 Update 05.10.2012: Problem jetzt in den Supportforen von Apple versenkt deponiert.

-- Main.BeatDoebeli - 05 Oct 2012

Mein üblicher Apple-Ärger

07 October 2012 | Beat Döbeli Honegger | Annoyance
Kein weltbewegendes Posting, nur der übliche Ärger mit Apple-Software, von der man doch immer sagt, wie einfach und unproblematisch sie sei. Diesmal bei der Migration von einem iPhone 4 auf ein iPhone 4s.

Märchen:

Machen Sie ein Backup Ihres alten iPhones. Wenn Sie das neue iPhone starten, stellen Sie es mit Hilfe des bestehenden Backups aus der iCloud her. So einfach.

Meine Realität:

  • Restore aus der iCloud funktioniert nicht. Fehlermeldung: "Backup kann nicht wiederhergestellt werden."
    Diese Fehlermeldung ist natürlich im entsprechenden Supportartikel bei Apple gar nicht aufgeführt.

  • Backup und Restore via iTunes. Nicht auf das neue iPhone geladen werden dabei:
    • Loginangaben von Twitter, Facebook, Mail-Accounts (OK, kann man als Sicherheitsmassnahme noch verstehen)
    • Logindaten zu WLAN-Netzwerken (wohl aber zu VPN-Verbindungen)
    • Musik
    • Fotos

  • Beim Laden meiner Musiksammlung fehlen sämtliche Albumcover, die auf dem alten iPhone drauf waren
  • iTunes schafft es wieder nicht, meine Fotosammlung aufs iPhone zu kopieren. Keine Fehlermeldung. Die Fotos fehlen einfach.

tbc..

(Für sachdienliche Hinweise: iOS 6, iTunes 10.7.0.21, Windows 7 32 Pro)

Bei den Fotos war es bei meinen SuS auch so. Einige Minuten warten - dann waren sie da …

-- Main.ChristianNeff - 07 Oct 2012 Es geht nicht um den Fotostream. Es geht um das Synchronisieren meiner Fotosammlung auf dem Windows-Computer mit dem iPhone. Aus leidgeprüfter Erfahrung mit dem iPhone 4 weiss ich, dass es nicht reicht, einige Minuten zu warten. Es geht ums Löschen des Foto-Caches unter Windows und ähnliche Dinge, ich eigentlich gar nicht wissen möchte....

-- Main.BeatDoebeli - 07 Oct 2012 Hier der 29 Seiten umfassende Thread bei Apple, dass es wirklich oft ein Problem ist, viele Fotos von Windows auf ein iDevice zu kriegen...

-- Main.BeatDoebeli - 07 Oct 2012

Die Masterarbeit mit dem Smartphone schreiben

04 October 2012 | Beat Döbeli Honegger
Der September ist der traditionelle Konferenzmonat und so war ich zuerst an der GMW in Wien, wo ich gestaunt habe, wie flink Nachwuchswissenschaftlerinnen wink mit dem iPad umgehen können (bei mir dauert der Task-Switch das trotz Gestensteuerung immer so lange).

Zwei Wochen später war ich Mitveranstalter des 3. Workshop "Lerninfrastruktur in Schulen“ in Hagen wo unter anderem über die auch nicht ganz neue Frage One to One Computing - Aber mit welchen Geräten? (hier ein Posting vom Oktober 2010) diskutiert wurde.

In Hagen war man sich in den Diskussionen weitgehend einig: Der ideale Gerätetyp bei 1:1-computing (Biblionetz:w02173) hängt von der Schulstufe ab. Und ab einer gewissen Schulstufe muss es ein "richtiger" Computer sein, ein Tablet reicht nicht mehr (weil die Tastatur in Hardware fehlt und es derzeit nicht möglich ist, mehrere Programmfenster gleichzeitig zu sehen). Soweit war meine Welt in Ordnung, es gab keinen Widerspruch zu meiner entsprechenden These vom Frühjahr dieses Jahres:

img058.jpg
Eine meiner Thesen aus dem OPCO12

Trotzdem hat mich bereits die Wiener Erfahrung irritiert. War es mein Alter, dass ich nicht so geschickt mit einem Tablet hantieren konnte wie die echten digital natives? Irgendwie wollte mir diese Erfahrung noch mehr sagen und so spukt mir die Frage nach dem idealen Gerät seit einigen Tagen im Kopf umher - eigentlich die Frage, ob diese Frage überhaupt sinnvoll ist.

Den Stein zum aktuellen Posting ins Rollen gebracht hat dann eine Diskussion mit Beat Rüedi bei Google+. Da schrieb Beat Rüedi:

Nur, wie soll ich dies meiner jüngeren Tochter erklären, die ihre Masterarbeit mit dem iPhone schreibt und nicht wüsste, warum sie sich an einen PC setzen sollte?
Quelle: Google+

Als ich dies zum ersten Mal las, musste ich erschreckt feststellen, dass ich in etwa so reagierte, wie die meisten Leute, denen ich vor einigen Jahren vom /das-iphone-projekt (Biblionetz:w02165) erzählte: Mit unglübigem Staunen: "Ja kann da was Sinnvolles dabei rausschauen?". Oha, schon wieder: Bin ich bereits so alt, dass ich die Arbeitsweise der Jungen nicht mehr verstehe?

Ich habe nachgefragt:

Masterarbeit auf dem iPhone schreiben? Das interessiert mich sehr, denn ich war gestern auf einer Tagung, wo u.a. intensiv diskutiert worden ist, auf welcher Schulstufe welche Geräte notwendig/sinnvoll sind. Konkret interessiert mich: In welchem Fachbereich kann man mit einem iPhone eine Masterarbeit schreiben und mit welchem Programm lässt sich das machen?

und bekam zur Antwort:

Meine jüngere Tochter schreibt ihre Masterarbeit in Jus darum mit dem iPhone 4S, weil sie viel unterwegs ist. Laut ihrer Aussage bekommt ihr das Schreiben mit 2 Daumen mindestens so entgegen wie mit einem iPad (hierin allerdings nur eine Erfahrung im Zug ZH-Genf und zurück).
Sie schreibt ihre Arbeit in Pages. Das ist laut Fakultät resp. ihrem Prof kein Problem, weil allein die gedruckte Version massgebend ist

Mein vorgestriges Posting Nun habe ich - vorläufig - genügend Bildschirmfläche kam somit nicht zufälligerweise vorgestern, sondern war die Vorbereitung für dieses Posting um die extrem unterschiedlichen Vorstellungen von sinnvoller Bildschirmfläche aufzuzeigen. Während ich nun mit 2400 x 1900 Pixeln auf ca. 70 x 56 cm glücklich bin, begnügen sich andere mit einem 5.5 x 7.5 cm kleinen Smartphone-Bildschirm!

masterarbeit-mit-dem-smartphone-02.jpg
Der Grössenvergleich: Zwei 24-Zöller, ein Notebook-Bildschirm und in der Mitte ein Smartphone

Um entsprechende Generationen-Hypothesen gar nicht aufkommen zu lassen: Beat Rüedi kommentierte mein Posting so:

masterarbeit-mit-dem-smartphone-01.jpg

Tja, ich glaub, es geht weniger drum, was wir nun voneinenander halten, sondern eher um die Frage, ob wir Abstand von der Idee des für alle optimalen Gerätes nehmen müssen. Ist es je länger desto mehr eine schlechte Idee, allen Schülerinnen und Schülern das gleiche Gerät zur Verfügung stellen zu wollen? Sind Gerätetypen wie Lerntypen (über deren Definition und empirische Feststellung ich mich hier nicht auslassen möchte...)?

Im aktuell laufenden Projekt Digitaler Alltag an der Projektschule Goldau liess ich die drei beteiligten Lehrer entscheiden, welchen Gerätetyp (Handheld oder Tablet) sie für ihre Klasse ideal fänden. Hätte ich die Schülerinnen und Schüler statt der Lehrpersonen entscheiden lassen müssen? Also zukünftig Bring Your Own Device (Biblionetz:w02286) mit voller didaktischer Absicht und nicht nur aus Notwendigkeit? Aber ab welchem Alter haben Lernende die Kompetenz, das für sie tatsächlich geeignete Gerät zu wählen? Und wo setzt die Schule die Schranken nach unten und nach oben?

Lauter unbeantwortete Fragen! (Das sollte jetzt kein Werbeposting für einen nächsten Workshop sein, aber den braucht's bestimmt!)

Ich bin verunsichert. Und das macht auch Spass!


-- Main.BeatRuedi - 02 Oct 2012 Nach meinen Beobachtungen (Beat Doebeli während Referaten, aber auch meinerselbst in der Schule) sind sowohl Referenten als auch Lehrer, welche mit den neuen Medien unterrichten, für viele andere auch Marktfahrer. In dem Sinne, als diese mit der "Salatraffel" virtuos umgehen können - und der gewöhnliche Anwender Zuhause konsterniert feststellen muss, dass die Rafflerei am Stand wohl einfach ausgesehen hat, nun aber ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint - oder so

-- Main.BeatRuedi - 02 Oct 2012 Eine weitere und aus digitaler Sicht uralte Frage stellt sich wieder... als weiteres Workshopthema.. Welcher Lehrer, welche Lehrerin braucht es (noch?) für diese Schule mit wasauchimmer für Geräten? Langsam könnte man daraus nicht bloss einen Workshop sondern eine Tagung machen.. und bitte..'bring your own teacher' wink

-- Main.MicheleNotari - 02 Oct 2012 Hmm, lieber Main.BeatRuedi, das mit der Salatraffel mag durchaus zutreffen (unter anderem auch, weil ich neue Raffeln zuhause im stillen Kämmerlein zuerst teste und beübe, bevor ich sie auf der Bühne brauche), aber was hat das nun mit den Bildschirmgrössen zu tun?

-- Main.BeatDoebeli - 02 Oct 2012 Könnte es sein, dass Main.BeatRuedi meint, dass subjektiv immer der Weg zum Ziel am leichtesten scheint, den man selber am besten beherrscht? Lasst mich – da ich zumindest meinen grünen Salat selten raffle – auf Gemüse ausweichen: wenn ich seit 40 Jahren mit dem Kochmesser Gemüse klein schneide bringt es mich in ein grösseres, menschliches Dilemma, wenn mir ein Lehrer beibringen will, dass ich, wenn ich mit der Gemüseraffel nur 15 Jahre übe, sehr viel schneller wäre als mit dem Kochmesser. Selbst wenn er es mir direkt auf der Bühne vorführen kann.

-- Main.RogerLeMarie - 02 Oct 2012 Eigentlich diskutierst Du ja gerade zwei Fragen, lieber Beat:
  1. Welches Gerät unterstützt Produktivität?
    1. 1 Korreliert die Tastaturgröße mit der Produktivität?
    2. 2 Korreliert die Displaygröße mit der Produktivität?
  2. Welches Gerät ist für Schulzwecke optimal?

zu 1.1: Auf jeden Fall! Ich werde nie mit einer Smartphone-Tastatur so schnell sein wie mit einer "normalen". Mit einer guten Computertastatur kann ich annähernd so schnell schreiben wie ich ausformuliere. Mit einer Zwei-Finger-Tastatur geht das nur, wenn ich dazu in erheblichem Maße die Autovervollständigung nutze. Das ist desto schwieriger, je fachlicher der Text ist, den ich schreibe. Außerdem ist es "cognitive load", wie Du schreibst, lenkt also vom eigentlichen Task ab.

zu 1.2: Ich habe gerade das Textfeld, in dem ich diesen Kommentar schreibe, größer gezogen; zum Glück ist das möglich! Für längere Zusammenhänge finde ich es ungemein angenehm, mehr als den Umfang eines Tweets gleichzeitig sehen zu können. Auf einem iPhone wird wesentlicher Raum durch die Tastatur blockiert. (Ja, man könnte eine Bluetooth-Tastatur nehmen, aber dann kann man m. E. auch gleich ein MacBookAir einpacken.)

Taskswitching hast Du oben schon ausgeführt: +1.

Zusätzlich genieße ich unter MacOS die Möglichkeit, Fenster verschiedener Programme nach Belieben zu layern. (Ich muss unter aktuellen Windows-Versionen mal wieder untersuchen, ob das da inzwischen geht.) Erschwerend kommt mobil hinzu, dass mehrere Tabs nicht gleichzeitig leicht switchbar offen sein können und auch nicht mehrere PDFs.

zu 2: Die Kürze der Texte und die meist geringe Schreibgeschwindigkeit auf herkömmlichen Tastaturen führen dazu, dass Smartphones und Tablets hier keinen Nachteil für Schüler/-innen der Sek I darstellen dürften.

Wenn man das Gerät nicht selbst programmieren darf, ist es für Informatik-Unterricht nutzlos. Damit ist ein wesentlicher Aspekt der Allgemeinbildung mit dem Gerät nicht vermittelbar, es disqualifiziert sich. (Nein, jedem/-r SuS einen Developer Account bei Apple zu stiften, damit er/sie iPhone bzw. iPad selbst programmieren kann, ist nicht ausreichend.)

Wieder einmal gilt der Grundsatz der "pädagogischen Ergonomie", nicht nur für Raumausstattungen in der Schule, sondern dito auch für persönliche Geräte: So wie Beat auf dem Foto deutlich macht, dass er eine Tastatur ausgewählt hat, die seine Handgelenke erhält, so müssen auch für Lehrsituationen zunächst die Anforderungen definiert werden, bevor ein Gerät ausgewählt wird: "iPad ist cool.", "Android Tablets sind cool und offen.", "Windows7 hat den größten Marktanteil." sind keine hilfreichen Argumente. Wenn man vorher weiß, was man mit den Geräten vorhat, kann man solche auswählen, die dazu passen.

-- Main.TorstenOtto - 02 Oct 2012

Ob jemand mit der virtuellen Tastatur eines Smartphones so effizient schreiben kann wie ein anderer mit der realen Grosstastatur auf dem Schreibtisch mag auch viel mit Nutzungsgewohnheiten zu tun haben. Das kann man vielleicht mit dem Lesen und Bearbeiten (Anmerkungen, Korrekturen) von Texten entweder am Bildschirm oder im Ausdruck vergleichen; da gibt es Vorlieben, die vor allem aus Gewohnheiten entstehen (und natürlich aus der Ergonomie der Arbeitsumgebung).

Auch ich sehe gerne mehr von dem Text, an dem ich gerade schreibe, als nur die letzten 2 Zeilen, das hat aber wohl mit meiner persönlichen Mediennutzungsgeschichte zu tun, die zugleich typisch für meine Generation und Bildungsstufe sein dürfte. Entstehen neue Werkzeuge, so verändern sie die Fähigkeiten der Menschen, die sie nutzen. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass Menschen, die es gewohnt sind, nur die letzten 2 Zeilen ihres Textes zu sehen, den Rest des Textes stärker in ihrem Kurzzeitgedächtnis präsent haben.

-- Main.LukaPeters - 04 Oct 2012 Wow, das würde ja der Digitalen-Demenz-These von Spitzer widersprechen und man müsste alle Schülerinnen und Schüler sofort mit möglichst kleinen Bildschirmen ausstatten, damit sie den Rest des Textes memorieren (was nach Spitzer ja fast gleichbedeutend mit Lernen ist wink )

-- Main.BeatDoebeli - 04 Oct 2012 Spitzer sprach kürzlich vor der versammelten Lehrerschaft des Kantons Schaffhausen. Ich war nicht dabei, meine Frau schon. Ich habe in: http://beatrueedi.ch/dumm.htm#dumm darüber geschrieben.

-- Main.BeatRuedi - 04 Oct 2012

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