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Lehrplan 21 ohne Informatik

10 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Heute beginnt gemäss einer Medienmitteilung offiziell die Erarbeitung des Lehrplans 21 (Biblionetz:w02172) in einzelnen Fachbereichteams.

Mir ist unverständlich, wie man im 21. Jahrhundert bei allgegenwärtiger Informations- und Kommunikationstechnologie zwar Grundkompetenzen im Bereich Physik, Chemie und Biologie vorsieht, nicht aber in der ICT zugrunde liegenden Fachdisziplin Informatik. So werden im Überblicksdiagramm der Fachbereiche im Lehrplan 21 im dritten Zyklus (=Sekundarstufe I) im Fachbereich Natur und Technik die Disziplinen Physik, Chemie, Biologie aufgeführt, Informatik hingegen fehlt:

w02172.jpg
Quelle: Grundlagen für den Lehrplan 21 (Biblionetz:t11540 )

Die Bildungskommission des Branchendachverbandes ICTswitzerland fordert deshalb in einem von mir mitverfassten Positionspapier PDF-Dokument (Biblionetz:t12300):

*Im Lehrplan 21 müssen neben Konzepten und Verfahren der Physik, Chemie und Biologie auch solche der Informatik zu finden sein.*

Die Kürzestbegründung dafür lautet:

Die obligatorische Schule soll auf das Leben in der Informationsgesellschaft vorbereiten
Es gehört zum Auftrag der obligatorischen Schule, Schülerinnen und Schüler auf das Leben in der Informationsgesellschaft vorzubereiten. Dazu gehört gemäss HarmOS-Konkordat auch „eine Grundbildung, welche zur Anwendung von grundlegenden mathematischen Konzepten und Verfahren sowie zu Einsichten in naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge befähigt.“ (EDK 2007). Um die heutige Informationsgesellschaft zu verstehen und sich kompetent in ihr bewegen zu können, ist auch ein Verständnis grundlegender Konzepte und Verfahren der Informatik notwendig – genau so wie für das Verständnis der natürlichen Umwelt grundlegende Konzepte in Physik, Chemie und Biologie erforderlich sind.

(Informatik als Fachdisziplin darf dabei nicht mit ICT-Anwendungen oder Medienbildung verwechselt werden. Der Bereich Medienbildung ist im Lehrplan 21 als überfachliches Thema/Kompetenz ohne eigenes Zeitgefäss vorgesehen, siehe ICT im Lehrplan 21).

ICH BIN AUCH DIESER MEINUNG: +1 (Marc Pilloud, dipl. Informatik Ingenieur ETH)

Hallo Beat, hallo liebe Lehrplan 21 Gestalter/innen. Ich Unterstütze und Begrüsse das Positionspapier von ICTSwitzerland. -- Main.MarcPilloud - 28 Oct 2010

siehe auch: ChangingEducationParadigms

-- Main.MarcPilloud - 10 Nov 2010

Changing Education Paradigms

10 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Video
RSA Animate: Sir Ken Robinson - Changing Education Paradigms:

Wenn ein inhaltlich gehaltvoller Vortrag animiert wird: Ich bin hingerissen!!


Ergänzung von Marc Pilloud

Ein paradigmatisches Plädoyer zum Fächerdiskurs in Bezug zum Blogbeitrag "Lehrplan 21 ohne Informatik"

(siehe auch Lehrplan21OhneInformatik)

Der Strukturwandel der nächsten Gesellschaft betrifft auch die Schule

Der Strukturwandel durch die Digitalisierung, der bereits viele Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens erreicht hat, wird keinen Halt machen vor den Schulen. Zur Zeit ist dieser Strukturwandel sehr eindeutig bei der Medienbranche wahrzunehmen. Wenn auch mit Verzögerung, ist in den nächsten Jahrzehnten auch im Schulbereich mit einem grossen Strukturwandel zu rechnen. Zur Zeit besteht keine klare Vorstellung darüber wie dieser Strukturwandel aussieht und es ist zu erwarten, dass er die Schulen mit der selben Überraschung treffen wird, wie es in anderen Lebensbereichen bereits geschehen ist.

Das Fächerdenken ist Erhaltung des Status Quo.

Die Vermittlung von Wissen wird in der Bedeutung abnehmen zugunsten des Erlernens des Denkens, des bewussten Wahrnehmens, Verstehens, der kontextuellen Anwendung sowie auch sozio-emotionaler Kompetenzen. Wissen steht jederzeit instantan extern abrufbar zur Verfügung. Es ist zu erwarten, dass deshalb längerfristig die Strukturierung der Schule entlang der Fächer fallen wird und an deren Stelle möglicherweise die Strukturierung entlang von Entwicklungslinien und Kompetenzen der Schülerinnen und Schülern organisiert wird. Aus dieser Perspektive ist der Ansatz des Lehrplan 21 grundsätzlich untauglich für das 21. Jahrhundert und in seinen Grundanlagen eher dem 18. Jahrhundert zuzuordnen.

Dies ist kein Plädoyer für eine technisierte und medialisierte Schule, sonder als Anregung für das Neudenken der Schule gedacht, indem fundamental darüber nachgedacht wird, was die grundlegenden Kompetenzen in der "nächsten Gesellschaft [1]" sein werden.

Als Beispiel: Ob ich dann "formal operatorisches Denken [2]" anhand von Informatik, Mathematik oder Philosophie lerne spielt im wesentlichen keine Rolle, zentral ist die Fähigkeit an und für sich. Gewählt würde das Anwendungsgebiet entweder entlang der Interessen/Motivationen der Schüler/innen oder/und dem Fachgebiet, dass diese Kapazität der Schüler/innen am besten fördert.

[1] siehe auch Buch mit diesem Titel von Dirk Baecker.

[2] siehe Piaget

-- Main.MarcPilloud - 10 Nov 2010

Webserver ohne Ahnung vom Web

09 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Annoyance, Biblionetz
Grummel: Ich wurde wieder mal auf Links im Biblionetz hingewiesen, die nicht funktionieren. Ärgerlich. Aber dafür habe ich ja einen Linkchecker, der alle 14 Tage die Links abruft und tote Links im Biblionetz markiert und nach einer gewissen Zeit im Biblionetz auch automatisch entfernt. Warum hat das in diesem Fall nicht funktioniert?

Ein Klick auf den fraglichen Link liefert eine Fehlerseite zurück, sogar mit dem Fehlercode 404:

ahnungslose-webserver-01.jpg

Warum hat denn mein Linkchecker davon nichts mitbekommen? Ein Blick in die Header der entsprechenden HTTP-Kommunikation verrät den Grund des Übels:

ahnungslose-webserver-02.jpg

Während dem menschlichen Leser die für ihn sinnlos technische Information "Fehler 404" angezeigt wird, meldet der Webserver dem Browser den falschen Statuscode 200 OK zurück, womit mein Linkchecker im falschen Glauben belassen wird, es sei alles in bester Ordnung.

Liebe Webmaster dieser Welt: Verschont die Menschen mit technischen Fehlermeldungen, sorgt stattdessen dafür, dass die Maschinen die korrekten Statuscodes erhalten!

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Definitionen und Begriffe im Biblionetz sortieren

09 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Biblionetz
Die Herbsttagung 2010 der Sektion Medienpädagogik der DGfE hat mit ihrem Versuch der Begriffsschärfung bei mir die Umsetzung einer bereits seit längerem angedachten Biblionetz-Funktionalität angestossen:

Im Biblionetz sind zu gewissen Begriffen zahlreiche Definitionen und Bemerkungen verzeichnet. Bisher waren diese Zitate starr nach einem Kriterium geordnet: Je kürzer der Text, desto weiter oben. Für eine Begriffsanalyse ist dies jedoch etwas mager. Es wäre manchmal hilfreicher, Definitionen nach ihrem Alter auf- oder absteigend präsentiert zu bekommen, um die Entstehungsgeschichte eines Begriffs besser nachvollziehen zu können oder zuerst das aktuelle Begriffsverständnis lesen zu können.

Auch ein Gewichtung von Definitionen und Bemerkungen wäre wünschenswert: Nicht alle Definitionen und Bemerkungen wiegen gleich schwer. Gewisse sind wichtiger als andere. Doch was könnten Gewichtungsdimensionen sein? Evtl. wie oft etwas zitiert wird oder wie oft etwas gelesen wird.

Als neue Funktion bietet das Biblionetz jetzt als Betaversion die Sortierung von Definitionen und Begriffen nach verschiedenen Kriterien an. Die Funktion ist erst in Entstehung, doch das Herumspielen mit ihr fördert spannende Unterschiede zutage. Je nachdem, ob die kürzeste, älteste oder die im meistzitierten Werk stehende Definition zuoberst sthen soll, beginnt die Definitionsliste von Medienpädagogik (Biblionetz:w00453) ganz anders:

Definition von Medienpädagogik nach Kürze

definitionen-sortieren-01.jpg

Definition von Medienpädagogik nach Alter

definitionen-sortieren-02.jpg

Definition von Medienpädagogik nach im Biblionetz meistzitiertem Werk

definitionen-sortieren-03.jpg

Hinter dieser Funktion steckt das jQuery-Plugin qSort.

Hinweis: Die Funktion ist noch nicht auf allen Biblionetzseiten verfügbar und wird sich vermutlich sowohl von der Darstellung als auch von der Funktionalität noch verändern.

eZürich

04 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Diskutieren über die Informationsgesellschaft kann man nicht nur morgen in Bern bei der TA Swiss, sondern auch heute abend im Zürcher Technopark, wo das Projekt eZürich startet.

Der Zürcher Stadtrat hat als einen von vier Legislaturschwerpunkt die Förderung der Informatik in der Stadt Zürich proklamiert, unter anderem um die Abhängigkeit Zürichs vom Banken- und Versicherungssektor zu reduzieren, wie der Tages Anzeiger Ende September berichtete (Biblionetz:t12309):

Wie stark die Abhängigkeit der Stadt vom Finanzplatz ist, hat sich am Dienstag bei der Präsentation des städtischen Budgets gezeigt. Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) rechnet 2011 mit einem Defizit von 206 Millionen Franken. Hauptgrund: Die tiefen Steuererträge von den Grossbanken.

Gestern Mittwoch hat Vollenwyder bekannt gegeben, wie er das Klumpenrisiko vermindern will: mit «eZürich». Unter diesem Begriff fasst der Stadtrat das Internet, damit verbundene Technologien, Firmen und Ideen zusammen. Zürich habe in diesem Bereich bereits heute eine Sonderstellung, sagte Vollenwyder. Ein Viertel aller Schweizer Informationstechnologie-Firmen sind im Kanton Zürich ansässig. Und ETH, Uni und Fachhochschulen geniessen international einen hervorragenden Ruf als Forschungsinstitute und Ausbilder.

Das will der Stadtrat ausnützen: Zürich soll in den nächsten vier Jahren zum Top-Standort für IT-Unternehmen werden. Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) träumt von einem europäische Pendant zum Silicon Valley. Die Technologie müsse auch der Bevölkerung zugute kommen. Der Stadtrat will den sogenannten digitalen Graben überwinden. Menschen, welche die modernen Technologien nicht oder nur selten nutzen – ältere Personen, aber auch Mädchen – sollen ihre Berührungsängste abbauen und «Medienkompetenz» erlangen, damit sie aktiv am digitalen Leben teilnehmen können und wichtige Informationen erhalten.
Mein erstes Gefühl beim Lesen des entsprechenden Artikels im Tages Anzeigers war positiv. Selbst wenn es nur Marketing sein sollte: Immerhin.

Marketing-Effekt für die Stadt Zürich

Mit welcher Branche assoziiert man Basel? Mit der Chemie. Mit welcher Branche assoziiert man Zürich? Mit den Banken. Somit scheint mir die Sache mal für das Image der Stadt Zürich nicht schlecht zu sein, wenn man nicht nur als Bankenstandort, sondern als europäisches Silicon Valley wahrgenommen wird. Hier bietet sich die Google-Niederlassung und die Disney Research Labs in Zürich an (das einzige Disney Research Lab ausserhalb der USA) und mit Einschränkungen auch das IBM Forschungslabor in Rüschlikon. Daneben haben es aber auch zahlreiche Startups in die Medien geschafft (Doodle, Wuala, …), so dass sich marketingmässig Zürich durchaus als IT-Stadt verkaufen lässt.

Marketing-Effekt für die IT-Branche

Umgekehrt scheint mir auch die IT-Branche von einem solchen Label zu profitieren. Ein Problem der IT-Branche in der Schweiz (und anderswo) ist ja, dass sie zwar recht gross ist, jedoch von der Öffentlichkeit kaum als solche wahrgenommen wird. Die Banken verstehen sich z.B. als Finanzinstitute, obwohl heutiges Banking einen sehr grossen IT-Anteil hat. Somit ist es begrüssenswert, wenn die grösste Schweizer Stadt sich als IT-Stadt bezeichnen und diese Branche fördern bzw. unterstützen will.

Was kann die Stadt wirklich tun?

Es stellt sich nun aber die Frage, was denn die Stadt eigentlich speziell für die Branche tun kann. Vieles ist nicht städtisch, sondern kantonal oder auf Bundesebene geregelt oder lässt sich kaum durch Politik und Verwaltung regeln (wie z.B. die Studienfachwahl von Maturandinnen und Maturanden).

Doch an vielen Orten gibt es durchaus Spielraum: So ist zwar der Lehrplan für die Volksschule kantonal geregelt, die Frage der Ausstattung der Schulhäuser ist jedoch Sache der Gemeinde. Mit KITSforKids hat die Stadt Zürich schon vor einiger Zeit einen Austtattungsstandard gesetzt (über dessen Ausgestaltung man zwar diskutieren könnte, der aber andere Gemeinden übertrifft). Die Stadt Zürich hat Anfang Jahr die Hausordnung ihrer Schulhäuser angepasst und alle elektronischen Geräte auf dem Pausenplatz verboten. Somit gibt es durchaus Bereiche, wo die Stadt Zürich die Wahl hat, ob sie ein IT-freundliches oder ein IT-feindliches Klima schaffen will. Es gab ja auch mal (von SP-Seite) den Vorschlag, in der Stadt Zürich ein kostenloses WLAN zu schaffen (wie es die Stadt St. Gallen teilweise hat). Ich denke, dass sich hier durchaus etwas machen lässt, was die Stadt Zürich IT-freundlicher und für IT-Schaffende attraktiver werden lässt.

Zudem hat der Legislaturschwerpunkt eZürich schon nur den Vorteil, dass man den Stadtrat immer wieder wird an ihre hehre Absicht erinnern kann, wenn es um konkrete IT-Fragen geht.

Heute abend hat nun die Kick-Off-Veranstaltung stattgefunden, an der ich leider verhindert war und auf der Website http://www.ezuerich.ch/ können Vorschläge für konkrete Projekte abgegeben werden:

ezuerich01.jpg

Upps, wie war das mit dem IT-Standort Zürich?

Hmm, fast hätte ich es übersehen, aber mein Firefox-Plugin FlagFox hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Server von www.ezuerich.ch in Deutschland liegt:

ezuerich02.jpg

Hmm, wie war das mit der Förderung des IT-Standorts Zürich und der Förderung der Kreativwirtschaft (ein anderes Legislaturziel des Zürcher Stadtrates), wenn die Website von mindestens drei Berliner Firmen projektiert, gestaltet und umgesetzt worden ist:

ezuerich03.jpg

Da müssen den Worten noch echte Taten folgen...

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