Medienbildung

Lehrmittelverlage und Medienkompetenz

20 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung

SCNR...

Lehrmittelverlage merken, dass Medienkompetenz (Biblionetz:w00542) zunehmend wichtiger wird (aha?) und reagieren, wie Lehrmittelverlage (Biblionetz:w02223) bisher immer reagiert haben: Sie produzieren Bücher.

So auch der Klett-Verlag. Gemäss einer Mitteilung bei bildungsklick.de sind "Soziale Netzwerke das erste Thema der neuen Reihe "weboach" aus dem Ernst Klett Verlag. Auf rund 30 Seiten bietet das Arbeitsheft Sachtexte und Übungen für die Klassen 5-9." Dabei ist die Reminiszenz ans Buchdruckzeitalter unübersehbar:

"webcoach" erscheint im Ernst Klett Verlag. Erhältlich ist das Arbeitsheft "Datenschutz in sozialen Netzwerken" (10er-Paket ISBN 978-3-12-006649-1, Preis: 19,95 €, Blättern im Buch). "Recherche im Internet" (ISBN 978-3-12-006650-7) folgt im Mai 2012 und "Cybermobbing" (ISBN 978-3-12-006652-1) im Juli 2012. Weitere Titel sind geplant.

Gedruckte Arbeitshefte im 10er-Paket, damit Schülerinnen und Schüler lernen, wie digitale Medien ticken. Aha.

Ob das die Zukunft des Schulbuchs (Biblionetz:f00151) ist?

Aber da versteckt sich ja ein neckischer Link in diesem Zitat: Blättern im Buch. Machen wir doch!

klett-soziale-netze-01.jpg

Doch was muss ich bereits im Kapitel 1.1 auf Seite 4 lesen? Tim Berners Lee (Biblionetz:p01924) habe das Internet erfunden. Nein, nein und nochmals nein! Tim Berners Lee hat das World Wide Web (WWW) (Biblionetz:w00577) erfunden und nicht das Internet (Biblionetz:w00269)!

So wird das nichts mit Medienkompetenz, liebe Lehrmittelverlage!

Wenn das so weitergeht, haben Firmen wie Apple mit iBook 2 und iBook Author (mehr davon später...) leichtes Spiel...

Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus?

04 January 2012 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Schul-ICT

%STARTBLOG% Der Jahresanfang verführt zu Prognosen, Ausblicken und Ähnlichem. Bei mir steht unter anderem eine Frage an, die mich dieses Jahr in mehrfacher Hinsicht intensiv beschäftigen wird: Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus? (Biblionetz:f00151)

Das Thema ist ja nicht komplett neu, das Buzzword Open Educational Resources (OER) (Biblionetz:w02058) geistert bereits länger durch die Community, aufs dynabook (Biblionetz:w01608) wollen wir schon gar nicht zurückgreifen. Nun scheint die Frage aber praktisch relevant zu werden. Mit Tablets wie dem iPad ist nun eine Gerätekategorie verfügbar, auf welcher das Lesen (und Bearbeiten?) von Schulbüchern leichter vorstellbar ist als auf (unterdessen bereits) traditionellen Notebooks. Der sinkende Preis und die steigende private Verfügbarkeit machen sowohl schulfinanzierte als auch elternfinanzierte (= BYOD (Biblionetz:w02286)) 1:1-Ausstattungen (Biblionetz:w02173) leichter realisierbar.

Eine 1:1-Ausstattung ist aber eine Grundvoraussetzung für digitale Schulbücher. Wenn jetzt 1:1-Ausstattungen zahlreicher werden (siehe http://1to1learning.ch), dann eröffnet sich plötzlich ein ganzer Reigen von Fragen, denen sich Schulbuchverlage und Schulen stellen müssen:
  • Was bringen digitale Lehrmittel?
  • Wer finanziert digitale Lehrmittel?
  • Wer stellt digitale Lehrmittel her?
  • Welche neuen Geschäftsmodelle können sich entwickeln?
  • Welche Lizenzmodelle sind sinnvoll und nachhaltig gangbar?
  • etc.
Alles keine neuen Fragen. Aber in den letzten zwei Jahren wurden sie zunehmend aktuell. Lehrmittelverlage erhalten entsprechende Anfragen, Schulen überlegen sich, ob beim Entscheid für eine 1:1-Ausstattung genügend Lehrmaterial verfügbar sei.

Grund genug also, dass sich auch im deutschsprachigen Raum einige Expertinnen und Experten mit dem Thema beschäftigen. Über die Debatte zum Schulbuchtrojaner habe ich ja schon mehrfach berichtet. Erfreulicher ist da die Vortragsreihe l3t talk von Martin Ebner (Biblionetz:p04053) und Sandra Schoen (Biblionetz:p05210) zu nennen, bei welcher im Monatsrhythmus Vorträge zu verschiedenen Aspekten digitaler Bücher, Zeitschriften und Lehrmittel gehalten werden. (Ja, ich habe mich auch überreden lassen, im März 2012 etwas unter dem Titel iLegende Wollmilchsau? Lehrmittel in Zeiten von iPad & Co. zu erzählen).

l3ttalk-01.png l3ttalk-02.jpg

Die beiden wirken auch als Herausgebende einer Schwerpunktausgabe der Online-Zeitschrift bildungsforschung:

Die in Schulen und Weiterbildung eingesetzten Lern- und Lehrmaterialien bzw. Lehrmittel verändern sich. Blickt man in die Schule, gehören seit einigen Generationen eine Kreidetafel, ein Skelett oder große Landkarten dazu. Aber auch abseits von Laptop- und iPad-Klassen, die im deutschsprachigen Europa weiterhin eine Besonderheit sind, stehen in den letzten Jahren immer häufiger regelmäßig einzelne Computer mit Lernprogrammen im Klassenzimmer. Während vor fünfzehn Jahren im Fernunterricht noch Lehrbriefe mit der Post verschickt wurden, gibt es heute zahlreiche internetgestützte Fernlehrangebote. Auch bei den Lehrbücher und Arbeitsblätter, die in Schule, Studium, Ausbildung und Weiterbildung zum Einsatz kommen, zeigen sich Veränderungen: Ein Schulbuch aus den 1970er Jahren unterscheidet sich inhaltlich deutlich von einem der 1990er Jahre. Ein „Lehrbuch“ muss heute aber gar nicht mehr gedruckt mit Seiten erscheinen, immer häufiger gibt es E-Book-Versionen, sogenannte Living Books mit integrierten Videos oder interaktiven Übungen. Und immer häufiger gibt es Lehr- und Lernmaterialien digital und auch kostenlos im World Wide Web zugänglich – im Zeitalter des Mitmachwebs von Lerner/innen und Lehrenden selbst erstellt (Wyatt 2010). Es zeigt sich so ein großer Wandel der Lern- und Lehrmaterialien. (Call als PDF PDF-Dokument.

Dann hat Oliver Ott, Mitarbeiter der PHBern, zu Jahresbeginn erneut ein lesenswertes Factsheet zum Thema digitale Unterrichtsmittel veröffentlicht, diesmal mit dem Schwerpunkt Flexbooks (Biblionetz:w02308): Lehrmittel bald nur noch digital? PDF-Dokument (Biblionetz:t13767):

Digitale Bücher sind heute nicht mehr nur Printbücher, die sich digital lesen lassen. Sie sind multimedial, interaktiv und bieten Möglichkeiten, sich innerhalb eines Buches mit anderen Leserinnen und Lesern auszutauschen. Mit dieser Entwicklung dürften auch die Schulen schneller konfrontiert werden als bisher vermutet wurde. Mit flexiblen digitalen Büchern können die Lehrmittel dem Unterricht ohne grossen Aufwand angepasst und rasch weitergegeben werden. In den USA werden Flexbooks heute schon in hunderten von Schulen und Universitäten erfolgreich eingesetzt.
Quelle: http://www.swisseduc.ch/methodik_didaktik/ebooks/

Zudem sind dieses Jahr verschiedene Veranstaltungen zum Thema geplant, Details folgen... ,

Das Mobiltelefon als Werkzeug und Thema im Unterricht

22 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Noch immer erntet man vielerorts unverständliche Blicke, wenn man das Mobiltelefon als Werkzeug oder Thema im Unterricht (Biblionetz:w01971) vorschlägt. Selbst für Lehrpersonen, die in Notebookprojekten aktiv sind, mutet die Vorstellung seltsam an, dass man Handys sinnvoll im Unterricht einsetzen könnte. Meist ist darum das Handyverbot in der Schule (Biblionetz:w02202) noch naheliegender als praktische Unterrichtsszenarien.

Umso erfreulicher ist es, dass in jüngerer Zeit nach englischsprachigen Büchern (z.B. Biblionetz:b03693) nun auch deutschsprachige Bücher erschienen sind, die konkrete Unterrichtsvorschläge enthalten. Als erstes ist da das Buch von Katja Friedrich, Ben Bachmair und Maren Risch: Mobiles Lernen mit dem Handy - Herausforderung und Chance für den Unterricht (Biblionetz:b04668) zu nennen. Die kurzen Kapitel 1 und 2 nennen Gründe für die Integration des Handys in den Unterricht und zeigen die grundlegenden Potenziale anhand der konvergenten Handyfunktionen auf. Im zentralen dritten Kapitel werden 50 konkrete Unterrichtsszenarien von der ersten Primarschulklasse (Buchstabensuche mit dem Fotoapparat) bis zum Gymnasium und zur Multiplikatoren-Schulung jeweils kurz beschrieben. Im Kapitel 4 sind dann fünf Unterrichtseinheiten detaillierter beschrieben und Ben Bachmair rundet mit pädagogischen Überlegungen in Kapitel 5 das Buch ab. Erwähnenswert macht das Buch nicht die 50 Szenarien an sich (die so neu nicht sind und sich an verschiedenen Orten im Internet (u.a. auch im Weblog der Projektschule Goldau) finden) sondern die praktische Sammlung in Buchform. Wer mich zukünftig ungläubig anschaut, dem kann ich das Buch in die Hand drücken (was ich mit dem Weblog der Projektschule Goldau nicht kann...).

Das zweite Buch SMS-Kommunikation als Unterrichtsgegenstand - Ein Unterrichtsmodell mit Materialien für die Sekundarstufe II (Biblionetz:b04723) von Dominique Barth und Prisca Rauch beschäftigt sich mit einem Teilaspekt von Mobiltelefonen als Thema. Das Buch dokumentiert einen zweitägigen Blockkurs, der im Rahmen einer Medienwoche der Kantonsschule Küsnacht entwickelt worden war. Der Blockkurs und damit das erarbeitete Unterrichtsmaterial verfolgt zwei Ziele. Einerseits geht es darum, anhand von SMS-Kommunikation (Biblionetz:w01814) Schülerinnen und Schüler für situationsspezifisches und - adäquates Sprach- und Sozialverhalten zu sensibilisieren. Zum anderen geht es bei der Arbeit an SMS-Texten auch um die Heranführung an wissenschaftliche Arbeitsformen.

Offenlegung der Interessenbindungen: Ich bin Mitglied der von Ben Bachmair mitgegründeten London Mobile Learning Group (Biblionetz:p11871) und Verwaltungsratsmitglied des hep Verlags. Trotzdem kann ich die Bücher empfehlen wink

Podiumsdiskussion zum Schulbuchtrojaner

09 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung

%STARTBLOG% Die Diskussion zum Schulbuchtrojaner in Deutschland geht weiter: Vorgestern (am 7.12.2012) fand in der Heinrich Böll Stiftung eine entsprechende Podiumsdiskussion statt unter dem Titel Schulbuchtrojaner: Urheberschutz oder Gefahr für die Freiheit von Lehre und Forschung? in der Reihe "Gespräche zur Netzpolitik".

Die Kultusminister haben mit dem Verband der Schulbuchverlage (Biblionetz:w02223) den Einsatz von "Schultrojanern" - einer Kontrollsoftware an Schulen vereinbart. Damit soll die Nutzung von Software und der Einsatz pauschal entgoltener Lehrmittel für Zwecke des Unterrichts überwacht werden. Vor allem im Interesse der Schulbuchverlage, vorgeblich aber auch zum Schutz der Lehrenden.

Diese Vereinbarung wirft grundsätzliche Fragen auf: Stellt die Kontrollsoftware Schulen und Lehrende unter Generalverdacht? Gefährdet sie deren Recht auf informationelle Selbstbestimmung und pädagogische Freiheit? Ist das urheberrechtlich (Biblionetz:w00815) geschützte Lese- und Lehrbuch auch im 21. Jahrhundert das Mittel der Wahl oder brauchen die Schulen mehr kollaborative Lehr- und Lernformen und "flüssige Lehrbücher", die sich nicht mehr in herkömmlicher Weise urheberrechtlich schützen lassen? In der Heinrich-Böll-Stiftung diskutierten Expert/innen am Vorabend der Beratungen der Kultusminister das Für und Wider des Schultrojaners.

Die Podiumsdiskussion ist als Videoaufzeichnung verfügbar und es gibt eine Zusammenfassung aus der Sicht des Podiumsteilnehmers Guido Brombach und eine Zusammenfassung bei Netzpolitik.

Es ist ja nicht wirklich die Debatte, die man sich Frage "Wie sieht die Zukunft des Schulbuchs aus?" wünscht...

4:1-Computing?

07 December 2011 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Schul-ICT
Tja, auch 1:1 computing (Biblionetz:w02173) ist vermutlich nur ein Übergangsphänomen. Ob 4:1 die Zukunft gehört?

Martin Lindner macht sich in der heutigen taz unter dem Titel Das Buch verdunstet in der Wolke (Biblionetz:t13759) Gedanken zur Schule der Zukunft. Eine ungekürzte Originalversion des Artikels inkl. Kommentarfunktion findet sich übrigens unter http://schulewolke.wordpress.com/

Nach Überlegungen zum #leitmedienwechsel stellt er zum Schluss des Artikels vier Werkzeuge vor, welche "Lern- und Wissensprozesse von Grund auf ändern können":

Und erst heute ist diese Technik reif für den Schuleinsatz. Erst jetzt kann sie ein/e SchülerIn als direkte Verlängerung des eigenen Wissensdrangs benutzen. Erst jetzt braucht man keine "Computerräume" mehr. Die elementaren Technologien sind - derzeit - nicht viele: Vier digitale Tools, die sich gegenseitig ergänzen. Wenn man sie allen SchülerInnen in die Hand gibt, können sie Lern- und Wissensprozesse von Grund auf ändern:

  • Erstens ein Tablet-PC wie das iPad: Für das gemeinsame Arbeiten im Internetmodus: sammeln, anreichern, organisieren, remixen, eigene Objekte daraus machen, diese wieder teilen.
  • Zweitens ein kleines, mobiles Netzgerät wie das iPhone. (Für schnelle Schwarmkommunikation, für die Zirkulation von Mikroinformationen und um an reale Orte und Dinge digitale Informationen zu heften.)
  • Drittens ein digitaler Stift mit Audio-Aufnahme wie der LiveScribe. (Schreiben mit der Hand, das weder "Hefteintrag" noch nostalgische Kalligrafie ist. Ein magisches Gerät zum Mitnotieren, Aneignen, "visuellen Denken". Eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt.)
  • Viertens ein E-Book-Reader wie der Kindle. (Purer Text in schwarz-weiß, ohne Netz und Multimediasperenzchen: konzentriertes Lesen, Markieren, Annotieren, Teilen von Stellen und Gedanken. Und nicht nur vorgefertigte "Schulbuchtexte": Selbst Erarbeitetes wird mit einem Klick zu Buchformat.)
Zusammen kostet das derzeit (!) noch rund 400 Euro pro SchülerIn und Jahr. Dafür spart man sich: Fotokopien, Bücher, Beamer, Computerräume.

Spannender Vorschlag, der mich zum Nachdenken anregt (siehe auch Schulrelevante Computertypen). Ich bin mir noch nicht sicher, ob es neben einem Multimedia-Tablet wirklich einen praktisch gleich grossen eReader braucht, oder ob das nur ein Übergangsphänomen ist (obowhl ich es in gewissen didaktischen Situationen auch schätze, dass der aktuelle iPad nicht wirklich multitaskingfähig ist....).

Der Artikel ist übrigens nicht nur wegen dieser technischen Überlegungen zum Schluss lesenswert! Und über den Lapsus, Tablets als Tablet-PCs zu bezeichnen (Tablets sind wirklich keine Tablet-PCs, habe ich mich mit Martin Lindner schon ausgetauscht... ,

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