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Supportalltag II

15 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | PH Solothurn
Um noch etwas aus dem SupportAlltag zu erzählen, hier zwei weitere Episoden dieser Woche:

Mysteriöse Zeichen
Eine Dozentin ruft den IT-Support, weil auf ihrem Notebook mysteriöse Zeichen erscheinen und E-Mails, Textdokumente und anderes verunstalten. Der Support versucht es mit den Standard-Methoden wie Aus- und wieder Einschalten, Neustarten und ähnlichem. Schliesslich greift er zum Schraubenzieher und will damit beginnen, einzelne Tasten von der Tastatur zu entfernen, um evtl. darunter liegenden Schmutz zu entfernen, der evtl. zu einer Verklemmung von Tasten führt. Dazu nimmt er das Notebook aus der Dockingstation - die Flut mysteriöser Zeichen hört auf. Er setzt das Notebook wieder in die Dockingstation ein - die mysteriösen Tastenanschläge beginnen wieder. Er entdeckt die Funkmaus und fragt die Dozentin, wo denn die Funktastatur sei. Im Schrank, denn sie würde sie nicht benötigen. Tatsächlich, da ist die Tastatur und darauf liegen zwei Bücher...

Ich will keine Einführung!
Ich werde Ohrenzeuge eines Telefongesprächs des IT-Leiters mit einem Dozenten, der ein neu on der PH angeschafftes Gerät benutzen möchte und dafür eine Bedienungsanleitung wünscht. Der IT-Leiter erklärt ihm, dass zur Nutzung dieses Geräts Schulungen angeboten würden und man ihn informieren würde, wann die nächste Schulung stattfindet.

Wie ich den Reaktionen des IT-Leiters entnehme, scheint der Dozent der Meinung zu sein, erstens keine Schulung, sondern eine Bedienungsanleitung zu benötigen und zweitens prinzipiell an den vorgesehenen Schulungsdaten keine Zeit zu haben.

Der IT-Leiter erklärt dem Dozenten mit einer für die Uhrzeit erstaunlichen Gutmütigkeit, dass das Gerät relativ teuer und heikel sei und man es nur nach einer vorgängigen Schulung zur Verfügung stellen werde. Der Dozent solle doch einen Termin vorschlagen und die IT-Abteilung würde an diesem vom Dozenten frei gewählten Termin eine Schulung veranstalten, an der dann auch andere Mitarbeitende teilnehmen könnten. Auch wenn er eine Bedienungsanleitung lesen würde, müsste er Zeit investieren, also bedeute es doch gleich viel Zeitaufwand, wenn er an der Schulung teilnehmen würde.

Doch auch auf diesen Vorschlag will der Dozent nicht eingehen, die genauen Gründe dafür bleiben mir verborgen, da ich nur die eine Seite des Telefonats höre. Das einzige, was ich zum Schluss feststelle: Das Telefongespräch hat gleich lange gedauert wie die nicht zustande gekommene Schulung.
Was zeigen diese weiteren Beispiele aus dem IT-Supportalltag?

  • Die Mitarbeitenden verfügen zum Teil nicht über ausreichendes IT-Know-how. Das hatten wir bereits beim letzten Mal.

  • Die Mitarbeitenden zeigen zum Teil relativ wenig Verständnis für die von der IT- Abteilung getroffenen Massnahmen und Vorgaben.

  • IT-Mitarbeitende benötigen ein grosses Mass an Kreativität und Frustrationstoleranz bei ihrer Arbeit.

Supportalltag

15 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, PH Solothurn

Zwei Geschichten, die ich direkt oder indirekt am Montag mitbekommen habe:

PDF erstellen:
Als ich aus einem anderen Grund in ihrem Büro vorbei schaue, beklagt sich eine Dozentin nebenbei, dass der Farbscanner nur ein Graustufenbild erzeugt habe. Ich erkläre ihr, dass man das beim Scannen einstellen könne. Da ich auf dem Bild das Logo der Hochschule entdecke, mache ich sie darauf aufmerksam, dass irgendwo im Haus jemand ja bereits eine elektronische Version des Dokuments besitze und somit das Scannen überflüssig sei. Ja, sie selbst habe eine elektronische Version des Datei des Dokuments, aber leider in einem Format, das andere nicht lesen könnten (Pagemaker), bestätigt sie mir. Aus diesem Grund mache sie nun mit Hilfe des Farbdruckers und des Scanners eine PDF-Version.

Ich erkläre ihr, dass auf ihrem eigenen Notebook ein virtueller PDF-Drucker zum Erzeugen von PDFs installiert sei und solcherart erstellte PDFs weniger Speicherplatz benötigen würden und im Gegensatz zu gescannten PDFs Text auch als Text gespeichert werde und somit einfach kopierbar sei.

Word-Dokumente drucken und mailen:
Vor dem Drucker beklagt sich eine Studentin lauthals über die miserable Infrastruktur der Hochschule. Nun habe sie ihr zwanzigseitiges Worddokument bereits vier Mal in Druck gegeben und sie warte seit einer Viertelstunde, aber das Dokument sei immer noch nicht beim Drucker angelangt. In der Not habe sie versucht, das Dokument einer Kollegin zu mailen, aber der Mailserver funktioniere ja auch nicht, immer komme eine Fehlermeldung.

Eine kurze Untersuchung ergibt, dass ihr fünfseitiges Word-Dokument 136 Mbytes gross ist, da Digitalfotos unbearbeitet ins Dokument kopiert wurden. Somit werden sowohl die Druckerwarteschlange als auch der Druckprozessor unnötig belastet und die Grössenbeschränkung des Mailservers überschritten.

Was zeigen diese Beispiele aus dem IT-Supportalltag?

  • Die Nutzenden verfügen teilweise nicht über das für ein effizientes Arbeiten notwendige ICT-Know-how. Diese Diagnose ist weder neu noch überraschend. Sie bestätigt sich täglich.

  • Die Nutzenden sind sich ihres mangelnden ICT-Know-hows teilweise nicht bewusst. Diese Diagnose ist schon problematischer. In beiden Fällen wurde die Ursache für die Probleme nicht bei den eigenen Kenntnissen gesucht, sondern in der unzureichenden Infrastruktur.

    Diese falsche Selbsteinschätzung hat weitere Konsequenzen:
    • Die Nutzenden wenden sich bei Problemen nicht immer an Fachleute. Sie gehen davon aus, dass sich die Situation nicht ändern lasse und machen bedauernswerte Kopf- und Handstände, um ihre Arbeit erledigen zu können.
    • Die Nutzenden besuchen wenig ICT-Weiterbildungen. Sie gehen nicht davon aus, dass ICT-Weiterbildungen ihre aktuellen Probleme lösen könnten. Sie wollen nicht auf Vorrat lernen, sondern ihr aktuelles Problem gelöst haben. Teufelskreis: Aufgrund der aktuellen Probleme fehlt ihnen sowohl Zeit als auch Goodwill für ICT-Weiterbildung.

Gut, soweit zu den Mitarbeitenden. Wie sieht das nun bei den Vorgesetzten aus? Für sie gilt oben Gesagtes auch. Dies hat folgende Konsequenzen:

  • Vorgesetzte sehen zum Teil den ICT-Know-how-Mangel eines Teils ihrer Mitarbeitenden nicht. (Da sie selbst unter dem gleichen Know-how-Mangel leiden).
  • Vorgesetzte sehen zum Teil den ICT-Weiterbildungsbedarf eines Teils ihrer Mitarbeitenden nicht.

Gut, soweit zu den Vorgesetzten. Wie sieht das nun bei den Studiengangsleitenden aus? Für sie gilt oben Gesagtes auch. Dies hat folgende Konsequenzen:

  • Studiengangsleitende sehen zum Teil den ICT-Know-how-Mangel eines Teils ihrer Studierenden und Dozierenden nicht. (Da sie selbst unter dem gleichen Know-how-Mangel leiden).
  • Studiengangsleitende sehen zum Teil den ICT-Aus- bzw. Weiterbildungsbedarf eines Teils ihrer Studierenden und Dozierenden nicht.

Ja, ich weiss: ICT-Know-how ist nicht das einzige Problem der Schule. Aber es ist eines.


  • ECDL … tauri -- Main.VincentTscherter - 15 Nov 2006
    • Hmm, mir scheint nicht der Standard das Problem zu sein (ob ECDL oder ein anderer), sondern die Frage, wie ich ein Problembewusstsein erreiche, bzw. aus dem Teufelskreis von Unkenntnis und Ablehnung ausbrechen kann. -- Main.BeatDoebeli - 15 Nov 2006

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Nabaztag ökonomisch

15 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Gadget
Ökonomisch gesehen ist ja der WiFiHase Nabaztag nicht ganz sauber. Auf der Website erfährt man zwar, was der Hase alles kann. Dass aber gewisse Dinge nur gegen ein monatliches Abo verfügbar sind, erfährt der blauäugige Kunde erst nach dem Kauf, wenn er seinen Hasen registriert. So ist beispielsweise das Vorlesen lassen von E-Mails oder das Abspielen von MP3-Dateien bei Abschluss eines Abos möglich. Das ist meiner Ansicht nach nicht sehr vertrauensbildend und seriös.

Auch nach dem Kauf und dem erneuten Studium der nun zu einem grösseren Teil zugänglichen Website ist mir noch immer nicht klar, welche Services jetzt kostenlos verfügbar sind:
  • Sind kostenpflichtige Services auch kostenpflichtig, wenn sie nicht über die Website von Nabaztag, sondern via API (siehe NabaztagTechnisch) verwendet werden?
  • Kostet es den Besitzer etwas, wenn andere die Services nutzen (mails senden usw.)?

Wenn selbst Informatiker das nicht beherrschen

15 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Nachdem ich mich vor kurzem darüber geärgert habe, dass nicht mal der Studiengang InformationsWissenschaft in Chur die Bedeutung stabiler URLs begriffen hat, kommt's heute noch ärger: Die Website der Gesellschaft für Informatik liefert bei nicht existenten URLs keine Fehlermeldung, sondern die Startseite zurück:

führen alle auf die Startseite der GI und liefern einen HTTP-Status-Code 200 (Alles OK) zurück. Haben die vereinigten Informatiker auch schon mal was von einem korrekten Statuscode und dessen Bedeutung für Linkchecker gehört?

Ja haben Sie. Denn im März 2006 wurden Anfragen nach nichtexistenten Seiten auf die Seite http://www.gi-ev.de/fehler.html umgeleitet, die ebenfalls einen HTTP-Status 200 zurücklieferte. Ich habe damals auf das Problem hingewiesen und mir wurde versprochen, man würde sich des Problems annehmen. Aber doch nicht so, bitte!

Seufz, wie soll das ganze Gelump je zuverlässig funktionieren, wenn nicht mal Informationswissenschaftler und Informatiker ordentliche Systeme aufsetzen und ein paar Grundregeln beachten können?

Seufz, seufz und wie soll ich Nichtinformatikern und Nichtinformationswissenschaftlern grundlegende Konzepte dieser Fachgebiete nahelegen können, wenn sich nicht mal die Fachleute selbst dran halten?

Matlets

14 November 2006 | Beat Döbeli Honegger
Ich sitze derzeit in der Präsentation des Projekts Thniklets for learning and doing mathematics, das derzeit im Rahmen des von good-practice (PPP-SiN) am enstehen ist.

Die Applets wurden durch das "Freudenthal Institut Researchgroup in Mathematics education" in Utrecht, in den Niederlanden, in mehrjähriger Forschung und Erprobung entwickelt. Heute können einige dieser Applets den Schweizer Schulen zur Verfügung gestellt werden, dies dank dem Freudenthal-Institut und im Rahmen eines gemeinsamen Projektes des Centre fri-tic des Kantons Freiburg, des Centro didattico des Kantons Tessin und von ICT Basler Schulen des Kantons Basel-Stadt.

matlets.jpg

Im Endeausbau sollen 50-60 Applets in den drei Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch zur freien Verfügung stehen. Einen Einblick bietet bereits jetzt http://www.matlet.ch/ IsaSchoolICT

Kontakt

  • Beat Döbeli Honegger
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  • E-mail: beat@doebe.li
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