Medienbildung

Urheberrecht und das Lernen mit ICT

18 April 2009 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Ich bin als Wissensarbeiter (Biblionetz:w01998) beileibe kein Gegner des Urheberrechts (Biblionetz:w00815). Aber wenn ich jetzt so in einem Workshop an der Tagung Das Ende der Kreidezeit? sitze und miterlebe, wie ausführlich über die Beschränkungen aufgrund des Urheberrechts diskutiert wird (bzw. diskutiert werden muss), dann drängt sich bei mir wieder mal die These auf:

Das aktuelle Urheberrecht behindert das Lernen mit neuen Medien massiv.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer aufgrund von Urheberrechtsbestimmungen verpflichtet werden, Sendungen des Schulfernsehens (!) spätestens ein Jahr nach Ausstrahlung wieder von allen Servern und Computern zu löschen, dann stimmt doch etwas nicht.

Als Lehrperson will ich doch nicht jedes Jahr zittern müssen, ob das recherchierte Material noch bzw. wieder verfügbar ist. Nichtdigitales Material, das ich für Lehrzwecke verwende, hat schliesslich auch keinen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus*. Solche Bestimmungen behindern doch das lebenslange Lehren !

* biologisches Anschauungsmaterial ausgenommen

Disclaimer: Natürlich weiss ich, dass im Detail alles viel komplizierter ist. Aber wenn wir schon über Bildung für die Wissensgesellschaft diskutieren, dann muss das Urheberrecht Bildung stärker berücksichtigen.

educaguide Heterogenität erschienen

01 April 2009 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Kürzlich ist der educaguide Heterogenität als letzter in einer Serie von Handreichungen im Bereich ICT und Schule erschienen.

educaguide-heterogenitaet.jpg

Wie auch schon, komme ich nicht drum rum, auch bei diesem educaguide gewisse Kritik anzubringen. In der Selbstbeschreibung des educaguides Heterogenität steht:

Der vorliegende Guide klärt Begriffe und formuliert Thesen und gibt Impulse für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Beispiele aus der Praxis illustrieren die theoretischen Leitideen.

Ich bin Fan von Begriffe klären. Während meiner Dissertation hat mich mein Doktorvater gelehrt, dass ich es nicht schaffen würde, Begriffe endgültig zu definieren: "Aber die Begriffsdefinitionen und -verwendungen innerhalb ihrer Arbeit müssen konsistent sein."

Nehme ich die Definition des Begriffs "E-Learning"

In diesem Guide ist mit E-Learning "Blended Learning" (vermischtes Lernen, hybrides Lernen) gemeint. Blended Learning bezeichnet eine Lernform, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von traditionellem Lernen im Klassenzimmer und modernen Formen von E-Learning anstrebt. Präsenzphasen und Onlinephasen müssen dabei optimal aufeinander abgestimmt sein.

dann frage ich mich:
  • Wenn mit dem Begriff A eigentlich der Begriff B gemeint ist: Warum wird dann nicht einfach der Begriff B verwendet?
  • Wenn der Begriff A definiert wird, dann verbietet sich eine Definition nach dem Schema A = Mischung von C und A.

Die Rechtschreibung im educaguide Heterogenität ist selbst recht heterogen: So ist im Glossar sowohl die Schreibweise *Selbständigkeit als auch die Variante Selbstständigkeit zu finden (neben normalen Tippfehlern wie "innerer Disfferenzierung". Die Schreibweise ICT steht neben IKT und e-Learning neben E-Learning.

So stelle ich mir Begriffe klären nicht vor.

Natürlich ist Kritik an Rechtschreibung kleinlich und pingelig. Aber einerseits gehört das für mich bei einer Publikation einfach auch dazu. Zum anderen ist mein Aufwand geringer, hier Unstimmigkeiten aufzuzeigen als Schwammigkeiten auf höherer Ebene. Dafür bräuchte ich aber Zeit, die Begriffe und Themen zu klären. Zeit, die ich eigentlich von den Publizierenden erwarte, die für mich ein Thema aufarbeiten, so dass ich es dann leichter habe.

Zumindest mir hat dieser educaguide nicht weitergeholfen. Im Gegenteil habe ich mich geärgert, diese Qualität als Publikation vorgesetzt zu bekommen.

Update: Persönliche Rückmeldungen zeigen mir, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine bin.

Omnikausal

16 March 2009 | Beat Döbeli Honegger | Medienbericht, Medienbildung
Gestern hatte ich geschrieben, dass es keine monokausalen Erklärungen gibt, auch wenn man sie sich wünscht.

Unter dem Titel Wer Amok läuft, guckt auch Kinderpornos, weist Stefan Niggemeier auf einen Artikel von Spiegel Online hin, den er bei Raventhird! gefunden hat:

amok_kinderpornographie.gif

<kulturpessimismus>
seufz, wie schafft man es bei solchen Meldungen noch, mit differenzierten Aussagen zur Kenntnis genommen zu werden?
</kulturpessimismus> ,

Ein Zitat von 2002

15 March 2009 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Noch heute scheinen allein Computerspiele dafür die Verantwortung zu tragen, wenn Schüler durch extremes, gewalttätiges Verhalten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Jedes Mal, wenn ein Schüler für ein Massaker verantwortlich ist, zeigen ARD, ZDF RTL, und SAT1 unisono den gleichen Ausschnitt eines veralteten Ballerspiels und lassen dabei aus dem Off verlauten, dass im "Umfeld des Jungen auch viele Gewaltspiele" gefunden wurden. Kein Wort über den Vater, der Schusswaffen sammelt.

von Thomas Feibel (Biblionetz:p01023) im Buch Die Internet-Generation (Biblionetz:b00918) zur Frage Fördern Computerspiele Gewalt? (Biblionetz:f00112) .

Dieses Zitat ist mir aus aktuellem, traurigem Anlass in den letzten Tagen immer wieder in den Sinn gekommen.

Auf die Frage "Warum passiert so etwas?" gibt es keine monokausalen Antworten. Auch wenn man es sich vielleicht wünschen würde und die Medien es zu liefern versuchen.

Da es die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen, bzw. die Edu-Blogosphäre darauf hinweist, kann ich es ja nun auch hier verraten: Das Institut für Medien und Schule (IMS) veranstaltet am Freitag, den 13.03. 2009 eine Tagung Personal Learning Environments in der Schule: Wie Handys, Notebooks und persönliche Netzwerke das Lernen verändern.

logo_fachtagung_2009_600.gif

Hier der erste Ankündigungstext:

Ein Computer für jedes Schulkind? Persönliche Software für selbstgesteuertes Lernen? Was zunächst utopisch klingt, ist zumindest technisch und finanziell bald kein Problem mehr und privat oft schon Realität: Immer mehr Kinder und Jugendliche besitzen eigene Mobiltelefone und Computer und tummeln sich regelmässig auf dem Internet in sozialen Netzwerken. Die private Infrastruktur ist zunehmend mobil und könnte auch in der Schule genutzt werden. Teilweise stellen Schulen Lernenden auch persönliche Geräte und Software zur Verfügung. Wie lassen sich diese Möglichkeiten didaktisch sinnvoll nutzen? Welche neuen Herausforderungen kommen auf die Schule zu?

Die Fachtagung Personal Learning Environments in der Schule präsentiert innovative Konzepte und erprobte Lösungen. Die Tagung erweitert den Begriff des Personal Learning Environments um alle medialen Werkzeuge, mit denen Lernende ihren Lernprozess verstärkt selbst gestalten können. Persönliche Hardware und Software unterstützen Lernende darin, eigene Lernziele zu setzen, ihren Lernprozess zu organisieren und zu steuern, Materialien und Ergebnisse zu sammeln und zu verknüpfen und sich mit anderen auszutauschen. E-Portfolios, elektronische Lerntagebücher und persönliche Geräte begleiten damit das eigene Wissensmanagement im Lernprozess. Personal Learning Environments verbinden informelle und formelle Lernkontexte und fördern das institutionenübergreifende und lebenslange Lernen. Sie erfordern individuelle Lernstrategien und, für schulische Zwecke, besondere didaktische Begleitung. Die Tagung bietet Keynotes, Präsentationen, Workshops und Zeit für gegenseitigen Austausch zu diesem aktuellen Thema.

Mehr ab Anfang Dezember 2008 unter http://www.schwyz.phz.ch/fachtagung.

Und ja: Wir erweitern die bisherigen Definitionen von Personal Learning Environments (Biblionetz:w01997), der bisher nur persönliche Software umfasst, um den Aspekt der persönlichen Hardware.

Update:

Die Tagungsvorbereitungen laufen auf Hochtouren, wir stehen bei etwas über 150 Anmeldungen. Das Programm ist komplett, es wird drei Keynotes und zwei Sessions mit je acht parallelen Präsentationen geben. Da man sich nicht Achtteilen kann, werden wir versuchen, alle Präsenationen aufzuzeichnen und nach der Tagung aufs Internet zu stellen.

Wer etwas zur Tagung bloggt, twittert oder flickert, ist eingeladen, das Tag #PLE09 zu verwenden.

Viel Erfolg wünsche ich euch allen! Lieber Gruss Stan, der leider nicht dabei sein kann …

-- Main.StanleySchwab - 11 Mar 2009

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