Medienbildung

Unter Medienpädagogen

13 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Veranstaltung
Am vergangenen Donnerstag / Freitag war ich an der Herbsttagung 2010 der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE).

Es sind mehrere Gründe, die mich dazu bewogen haben, erstmals eine Tagung von Medienpädagogen zu besuchen:
  • Ich werde in jüngerer Vergangenheit immer wieder in der Öffentlichkeit als Medienpädagoge bezeichnet
  • Als Mitglied der Arbeitsgruppe Medien und ICT des Lehrplans 21 stehe ich aktuell vor der Herausforderung einer lehrplanmässigen Ausformulierung des Themengebiets Medienbildung / Medienkompetenz
  • Die Tagung fand praktisch vor meiner Haustüre statt

Es waren spannende Tage für mich als Dipl.-Informatik-Ing. ETH sozialisierter Mensch unter Medienpädagogen die mehrfach zwischen einer Kommunikation gegen aussen und einer internen Kommunikation unter ihresgleichen unterschieden. War ich nun einer von ihnen? Oder war ich einer von aussen, der sich unter dem Deckmantel Medienpädagoge in einen inneren Zirkel eingeschlichen hatte?

Hmm, den Technikern sagt man ja des öftern nach, eine für Aussenstehende unverständliche Sprache mit vielen Fremdwörtern zu pflegen. Medienpädagogen können das mindestens ebenso gut, mindestens wenn sie interne Kommunikation pflegen! Es war sehr spannend, die hochstehenden Formulierung sich entfalten zu hören und von Zeit zu Zeit mir unbekannte oder nur halb bekannte Fachbegriffe aufzuschnappen (z.B. die Re-Gouvernementalität oder die Exzentrische Positionalität)

Inhaltlich stand die Tagung unter dem Motto Medienbildung im Spannungsfeld medienpädagogischer Leitbegriffe, Ziel der Tagung war die "Schärfung zentraler Begriffe von Medienpädagogik / Medienbildung."

Dabei standen insbesondere folgende Begriffe im Fokus der Diskussionen:

Die einzelnen Beiträge sind derzeit (noch) auf der Tagungshomepage abrufbar und auch im Biblionetz verschlagwortet (Biblionetz:b04198).

Inhaltlich kann ich weder eine Zusammenfassung noch eine Würdigung und schon gar keine Gewichtung der Beiträge vornehmen, ich habe dafür zu wenig Hintergrundwissen und überlasse dies gerne anderen:

Da ich inhaltlich bei den Diskussionen nicht mithalten konnte, hatte ich dafür umso mehr Zeit zur Beobachtung dieser Community als quasi aussen Stehender. So ist es für mich beispielsweise erstaunlich, wie Medienpädagogen in hoher theoretischer Flughöhe über Begriffshierarchien und Begriffsnetzwerke diskutieren, dabei auch von Bildkompetenz und erweitertem Textbegriff sprechen können, aber in ihren Beiträgen praktisch keine Bilder und schon gar keine visualisierten Begriffsnetzwerke verwenden.

Die beiden Tage waren auf eine seltsame Art anregend für mich, eine konkrete Folge konnte ich aber selbst für die aus meiner Perspektive eher theoretische Lehrplanarbeit bisher nicht herauskristallisieren, so dass ich mich der auf der Tagung ebenfalls unterstützten Aussage von Gabi Reinmann (Biblionetz:p01980) aus dem Jahr 2005 anschliesse:

Ob man nun statt "Medienkompetenz" "Medienbildung" sagt und damit neue medienpädagogische Fragen stellt, interessiert ausserhalb von erziehungswissenschaftlichen Fächern wohl kaum jemanden.
Quelle: Wissensmanagement Medienbildung (Biblionetz:t04896)

Und wenn man in Zukunft fragt, ob man mich als Medienpädagogen bezeichnen kann, so weiss ich die Antwort: Nein.

Die zwei Tage haben aber mit dazu beigetragen, dass ich eine bereits seit längerem geplante Erweiterung des Biblionetzes endlich umgesetzt habe: Die Sortierung von Definitionen und Bemerkungen im Biblionetz nach verschiedenen Kriterien und dabei sowohl meine Rolle als Informatiker in der Begriffsdiskussion als auch mein Kompetenzerleben wieder gefunden habe wink Nein, so ein Jammer. Da kenne ich das Biblionetz seit Ewigkeiten und erkenne Sie auf der Tagung nicht. Sehr schade. Zu wenig Fotos von Ihnen auf der Plattform hier. wink

-- Main.BenjaminJoerissen - 09 Nov 2010 Hmm, ich werde mich wieder mal unter Medienpädagogen wagen und mich dann zu erkennen geben wink

-- Main.BeatDoebeli - 10 Nov 2010

Lieber Beat Erfrischend und ehrlich dein Beitrag. Vielen Dank! Benjamin Jörissen meinte ja auch in seinem Referat: «Mir ist es egal, ob die das Medienbildung oder Medienkompetenz nennen, solange die das fördern!» Und mit der Berufsbezeichnung «Medienpädagoge» ist wohl wie mit derjenigen des «Architekten» …

-- Main.JuergFraefel - 13 Nov 2010

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Medienbildungswissen in Buchform

08 October 2010 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Wegen mir werden Verlage und Druckereien vermutlich nicht aussterben smile Obwohl ich alle drei Bücher bereits in elektronischer Form besitze, habe ich sie mir nun auch noch in Buchform bestellt...

medienwissen.JPG

Doch auch die Papierform bringt mir noch nicht die notwendige Zeit zum Lesen. Dafür kann ich aber sowohl in Papierform als auch in den digitalen Ausgaben als Informatik-Ingenieur über die verschlungene und akademische Sprache staunen, mit denen in gewissen medienpädagogischen Beiträgen Sachverhalte und Meinungen beschrieben bzw. verpackt werden.

Medienführerschein im Lehrplan 21?

28 May 2010 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
In einer Motion (Biblionetz:t11664) im Ständerat fordert Rolf Schweiger (FDP) die Verankerung eines Medienführerscheins im Lehrplan 21 (Biblionetz:w02172)
(siehe auch den entsprechenden Tages-Anzeiger-Artikel (Biblionetz:t11663)):

Die Grundkenntnisse und die Fertigkeit rund um digitale Medien (Spiele, Internet und Fernsehen) sollen dabei altersgerecht angepasst und aufbauend unterrichtet werden. Die Kinder und Jugendlichen sollen auf jeder Stufe separat und lernfachunabhängig einen Leistungsnachweis erhalten. Dieser ist an ein Zertifikat gebunden. In einem Baukastensystem werden zunehmend Kenntnisse über verschiedene Teilbereiche der Medienkompetenz vermittelt.

In seiner Antwort (Biblionetz:t11665) bekräftigt der Bundesrat zwar die Bedeutung von Medienkompetenz (Biblionetz:w00542) in der heutigen Informationsgesellschaft, sieht jedoch keinen zusätzlichen Handlungsbedarf, da
  • die Volksschule bereits seit längerem Medienkompetenz vermittle,
  • das Thema im Bereich "überfachliche Kompetenzen und überfachliche Themen" des Lehrplans 21 bereits vorgesehen sei,
  • ein solcher Medienführerschein weder Konfrontation noch Konsumation gefährlicher Internetinhalte verhindern würde,
  • das Aufstellen und Durchsetzen entsprechender Regeln "Teil der elterlichen Erziehungsverantwortung" sei.
  • der Bund im Volksschulbereich keine gesamtschweizerischen Kompetenzen habe
  • jedoch mit der Finanzierung des Schweizerischen Bildungsservers educa.ch seine diesbezügliche Verantwortung bereits wahrnehme.

Ich persönlich begrüsse die Stossrichtung der Motion sehr. Es scheint mir dabei vor allem der Aspekt der Verbindlichkeit von Medienkompetenz relevant zu sein. Im Lehrplan 21 ist "ICT und Medien" bisher als "überfachliche Kompetenzen und überfachliche Themen" ohne eigenes Zeitgefäss verankert (Biblionetz:t11540). Die bisherige Erfahrung im Bereich Medienpädagogik zeigt jedoch deutlich, dass überfachliche Themen ohne Zeitgefäss und Verbindlichkeit gerne vergessen gehen. Ein Medienführerschein ist nun eine Möglichkeit, die notwendige Verbindlichkeit zu schaffen.

P.S: Zur allgemeinen Frage, ob die Vermittlung von Medienkompetenz Aufgabe der Eltern oder der Schule sei: Bei der Vorbereitung eines Elternabends in der iPhone-Klasse bin ich gestern übrigens über eine erstaunliche Auffassung gestossen, warum Mobiltelefone in der Schule (Biblionetz:w01971) nichts zu suchen hätten: Im Buch Kids im Netz (Biblionetz:b03138) meint Nina Scheu:

Ein anderer, nicht minder gewichtiger Grund für das Handyverbot an den Schulen ist aber, dass in vielen Familien der Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln - über die technischen Aspekte hinaus - noch kaum thematisiert und geübt wird.

Tja, ich würde das genau umgekehrt sehen: Gerade weil in vielen Familien das Thema Medienkompetenz zu wenig beachtet wird, muss die Schule hier einen Ausgleich schaffen.

Datenfalle Facebook

29 April 2010 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Wem das wunderbare Video aus dem Jahre 2008 Think before you post (siehe auch mein entsprechendes Blogposting) für den Unterricht zu englisch war (obwohls ja aufs Visuelle ankommt wink ), der hat's seit Dienstag auch deutsch und deutlich, pardon, schweizerdeutsch und deutlich:

Kassensturz vom 27.04.2010

Datenfalle Facebook: Was der Internet-Gigant verschweigt
Fast zwei Millionen Schweizerinnen und Schweizer nutzen Facebook: Sie stellen persönliche Fotos ins Netz und geben Privates preis. Kein Problem, denken viele. Doch sie irren sich: Facebook behält sich vor, auch heikle Daten weiterzugeben. «Kassensturz» sagt, wie man sich dagegen wehren kann.

Für Internetexperten und Medienpädagogen (hoffentlich) nichts neues, aber dank solchen Fernsehbeiträgen gelangen diese Themen auch ins öffentliche Bewusstsein und lösen entsprechende Diskussionen (uns Sperrreflexe...) aus.

Biblionetz-Tags

Lernplattformen in Schulen

14 April 2010 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Schul-ICT
Anfang April ist das am Institut für Medien und Schule (IMS) der PHZ Schwyz entstandene Buch Lernplattformen an Schulen (Biblionetz:b03672, ISBN:3531167189) erschienen. Es beschreibt aus verschiedenen Perspektiven die Nutzung der in der Schweiz weit verbreiteten Plattform educanet2.ch (entspricht dem deutschen lo-net2.de). Aus der offiziellen Buchbeschreibung:

Der Schlussbericht des Nationalfondsprojektes „E-Learning und Blended Learning in Schule und Berufsbildung“ (2007-2009) ist als Buch erschienen. Das Buch gibt einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Theoriebildung, stellt die empirischen Ergebnisse des nationalen Projektes dar und konkretisiert mögliche Einsatzszenarien von Lernplattformen anhand einer Reihe von schulischen Fallstudien.

Als Autor des Schlusskapitels und Mitarbeiter des IMS sollte ich nicht öffentlich über die Qualität des Buches urteilen, aber ich denke, dass die Kombination von empirischen Forschungsergebnissen mit zwölf Fallstudien das Buch für unterschiedliches Zielpublikum lesenswert macht. ,

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  • E-mail: beat@doebe.li
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