Medienbildung

Supportalltag

15 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, PH Solothurn

Zwei Geschichten, die ich direkt oder indirekt am Montag mitbekommen habe:

PDF erstellen:
Als ich aus einem anderen Grund in ihrem Büro vorbei schaue, beklagt sich eine Dozentin nebenbei, dass der Farbscanner nur ein Graustufenbild erzeugt habe. Ich erkläre ihr, dass man das beim Scannen einstellen könne. Da ich auf dem Bild das Logo der Hochschule entdecke, mache ich sie darauf aufmerksam, dass irgendwo im Haus jemand ja bereits eine elektronische Version des Dokuments besitze und somit das Scannen überflüssig sei. Ja, sie selbst habe eine elektronische Version des Datei des Dokuments, aber leider in einem Format, das andere nicht lesen könnten (Pagemaker), bestätigt sie mir. Aus diesem Grund mache sie nun mit Hilfe des Farbdruckers und des Scanners eine PDF-Version.

Ich erkläre ihr, dass auf ihrem eigenen Notebook ein virtueller PDF-Drucker zum Erzeugen von PDFs installiert sei und solcherart erstellte PDFs weniger Speicherplatz benötigen würden und im Gegensatz zu gescannten PDFs Text auch als Text gespeichert werde und somit einfach kopierbar sei.

Word-Dokumente drucken und mailen:
Vor dem Drucker beklagt sich eine Studentin lauthals über die miserable Infrastruktur der Hochschule. Nun habe sie ihr zwanzigseitiges Worddokument bereits vier Mal in Druck gegeben und sie warte seit einer Viertelstunde, aber das Dokument sei immer noch nicht beim Drucker angelangt. In der Not habe sie versucht, das Dokument einer Kollegin zu mailen, aber der Mailserver funktioniere ja auch nicht, immer komme eine Fehlermeldung.

Eine kurze Untersuchung ergibt, dass ihr fünfseitiges Word-Dokument 136 Mbytes gross ist, da Digitalfotos unbearbeitet ins Dokument kopiert wurden. Somit werden sowohl die Druckerwarteschlange als auch der Druckprozessor unnötig belastet und die Grössenbeschränkung des Mailservers überschritten.

Was zeigen diese Beispiele aus dem IT-Supportalltag?

  • Die Nutzenden verfügen teilweise nicht über das für ein effizientes Arbeiten notwendige ICT-Know-how. Diese Diagnose ist weder neu noch überraschend. Sie bestätigt sich täglich.

  • Die Nutzenden sind sich ihres mangelnden ICT-Know-hows teilweise nicht bewusst. Diese Diagnose ist schon problematischer. In beiden Fällen wurde die Ursache für die Probleme nicht bei den eigenen Kenntnissen gesucht, sondern in der unzureichenden Infrastruktur.

    Diese falsche Selbsteinschätzung hat weitere Konsequenzen:
    • Die Nutzenden wenden sich bei Problemen nicht immer an Fachleute. Sie gehen davon aus, dass sich die Situation nicht ändern lasse und machen bedauernswerte Kopf- und Handstände, um ihre Arbeit erledigen zu können.
    • Die Nutzenden besuchen wenig ICT-Weiterbildungen. Sie gehen nicht davon aus, dass ICT-Weiterbildungen ihre aktuellen Probleme lösen könnten. Sie wollen nicht auf Vorrat lernen, sondern ihr aktuelles Problem gelöst haben. Teufelskreis: Aufgrund der aktuellen Probleme fehlt ihnen sowohl Zeit als auch Goodwill für ICT-Weiterbildung.

Gut, soweit zu den Mitarbeitenden. Wie sieht das nun bei den Vorgesetzten aus? Für sie gilt oben Gesagtes auch. Dies hat folgende Konsequenzen:

  • Vorgesetzte sehen zum Teil den ICT-Know-how-Mangel eines Teils ihrer Mitarbeitenden nicht. (Da sie selbst unter dem gleichen Know-how-Mangel leiden).
  • Vorgesetzte sehen zum Teil den ICT-Weiterbildungsbedarf eines Teils ihrer Mitarbeitenden nicht.

Gut, soweit zu den Vorgesetzten. Wie sieht das nun bei den Studiengangsleitenden aus? Für sie gilt oben Gesagtes auch. Dies hat folgende Konsequenzen:

  • Studiengangsleitende sehen zum Teil den ICT-Know-how-Mangel eines Teils ihrer Studierenden und Dozierenden nicht. (Da sie selbst unter dem gleichen Know-how-Mangel leiden).
  • Studiengangsleitende sehen zum Teil den ICT-Aus- bzw. Weiterbildungsbedarf eines Teils ihrer Studierenden und Dozierenden nicht.

Ja, ich weiss: ICT-Know-how ist nicht das einzige Problem der Schule. Aber es ist eines.


  • ECDL … tauri -- Main.VincentTscherter - 15 Nov 2006
    • Hmm, mir scheint nicht der Standard das Problem zu sein (ob ECDL oder ein anderer), sondern die Frage, wie ich ein Problembewusstsein erreiche, bzw. aus dem Teufelskreis von Unkenntnis und Ablehnung ausbrechen kann. -- Main.BeatDoebeli - 15 Nov 2006

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Wiki und informatische Bildung

06 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Wiki
Für die GI-HILL Tagung 2006 habe ich in ein paar Folien skizziert, welche informatischen Prinzipien bei der Nutzung von Wiki benötigt werden und wie sich Wiki darum als Motivation zur Thematisiserung dieser Prinzipien im Informatikunterricht eignet:

img001.jpg
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Kara-Familie hat Zuwachs erhalten

05 November 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Wie ich beim Verarbeiten der Eindrücke der Fachtagung GI-HILL 2006 feststelle, wird der programmierbare Marienkäfer nicht nur in Lehrbüchern (Biblionetz:b02938 und Biblionetz:b02939) ausgiebig thematisiert, sondern die Kara-Familie hat auch grossen Zuwachs erhalten:

kara-family.jpg

http://www.swisseduc.ch/informatik/karatojava/

Neben JavaKara gibt es nun auch JavaScriptKara, PythonKara und RubyKara. Ob damit die ewige Frage nach der richtigen Programmiersprache an Bedeutung verlieren wird? wink

Wahrscheinlich nicht. Marc Pilloud widmet sich aufgrund vieler Anfragen (auch von mir) momentan der Frage, Welche Programmiersprache eignet sich zum Einstieg im gestalterischen Bereich?

Yu-mei Wang (Associate Professor for Instructional Technology in the School of Education at the University of Alabama at Birmingham) stellt im Artikel Stand-alone Computer Courses in Teachers’ IT Training (Biblionetz:t06880) die Frage, ob in der Lehrerausbildung reine ICT-Anwendungskurse noch zeitgemäss seien oder ob ICT-Anwendungskenntnisse nur noch kombiniert mit didaktischem Methoden-Know-how vermittelt werden sollten.

Gegen reine Anwendungskurse spricht gemäss Yu-mei Wang, dass solcherart erworbenes Wissen träge und somit nicht von langer Dauer ist. Trotzdem nennt Yu-mei Wang Gründe, um vor methodischen Kursen Anwendungskurse anzubieten. Es sei eine Illusion zu glauben, StudienanfängerInnen würden über genügend ICT literacy verfügen. Im Gegenteil sei ein digital divide unter den Studierenden fest zu stellen, den es zuerst auszugleichen gelte. Bei kombinierten Kursen komme es bei Teilnehmenden mit geringen ICT-Kenntnissen zu einem cognitive overload, da technische und methodische Aspekte gleichzeitig zu erlernen seien. Yu-mei Wang zitiert dazu zwei Untersuchungen, bei denen jeweils die Leistungen nach getrennten und gemischten Kurssettings untersucht worden sind.


Main.MartinHofmann: Ja, die gleiche Frage stellen auch wir uns an der PHR und PHS immer wieder! Dennoch plädiere ich dafür, im Bildungsbereich primär in der Volksschule und LehrerInnenbildung primär Didaktik/Anwendungs-Know-how-Kurse anstelle reiner Anwendnungskurse anzubieten. Etwas anders ist für mich die Situation auf der Stufe Sek-II, wo meine eigene Erfahrung zeigt, dass in gewissen Ausbildungsgängen (WMS/WMI, FMS) reine Anwendungskurse von Vorteil sind. Für Lernende an Pädagogischen Hochschulen mit magelnden Grundfertigkeiten sollte jedoch parallel dazu ein Freifach abgeboten werden. ,

Wie Mobiltelefone unsere Gesellschaft verändern

22 October 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung
Umgeben von einer Menge von intensiv Telefonierenden in der Abflughalle von A Coruña habe ich am Freitag angefangen, das Buch Daumenkultur - Das Mobiltelefon in der Gesellschaft (Biblionetz:b02896) zu lesen. Bereits der erste Beitrag, den ich gelesen habe (Untergräbt das Handy die soziale Ordnung? von Hans Geser (Biblionetz:t06837)), macht das Buch empfehlenswert. Das Überfliegen anderer Beiträge lässt vermuten, dass sich auch andere Kapitel lohnen.

Sitzt man bei der Lektüre des Buches dann noch im Flieger oder in der Abflughalle, so lassen sich viele der im Buch beschriebenen Verhaltensweisen live beobachten...

Angesichts der Fähigkeit von Mobiltelefonen, primäre soziale Beziehungen auch über eine Distanz aufrechtzuerhalten, passt die Verwendung von Handys auch zu regressiven psychologischen Tendenzen, etwa dem Bedürfnis, die traumatische Erfahrung fremder Umgebungen dadurch zu mildern, dass man in engem Kontakt zu den Lieben daheim bleibt. So kann das Handy sozusagen als »Schnuller für Erwachsene« fungieren, der jederzeit und überall Gefühle der Einsamkeit und Verwundbarkeit lindern kann.
Hans Geser in "Untergräbt das Handy die soziale Ordnung?" (Biblionetz:t06837)

Entsprechend wächst nun auch sukzessive der Eintrag Mobiltelefon (Biblionetz:w01949) im Biblionetz:

mobiltelefon-bibliomap.jpg

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