Kid

Briobahn und Informatik

13 July 2009 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Kid
Gestern hat Caspar zum ersten Mal einen Beitrag zu einer Weiterbildungsveranstaltung geliefert, indem er im passenden Moment "Lugg Papa, Tunnel!" rief.

Doch von Anfang an: Vor einigen Monaten habe ich meine alte Holzeisenbahn vom Dachboden geholt, mit der ich vor mehr als dreissig Jahren schon gespielt hatte. Caspar freute sich, auch wenn mit den Füssen meist die Brücke niederriss, bevor er mit dem Zug die Strecke zum ersten Mal ganz befahren hatte.

Doch es kam, wie es kommen musste und man allgemein ahnt. Meine Ansprüche bezüglich Holzeisenbahn sind in den letzten dreissig Jahren offensichtlich gestiegen und so habe ich unter dem Vorwand frühkindlicher Förderung im Internet nach einer Erweiterung des Schienenetzes Ausschau gehalten. Dank Internetauktionen besteht es unterdessen aus ca. 150 Schienenstücken, darunter mindestens vier Brücken und zehn Weichen:

briobahn01.jpg

Nun macht das Aufbauen neuer Schienennetze auch mir (oder nur noch mir?) Spass. Denn es ist gar nicht so einfach, eine Anlage aufzubauen, bei der die Züge nicht nach kurzer Fahr in einer kleinen Schlaufe des Gesamtnetzes gefangen bleiben, will man nicht Caspars Zugflugmanöver verwenden.

"Briobahnanlagen tendieren dazu, Eigenwerte zu besitzen" (Biblionetz:w00012) denke ich mir dann jeweils frühmorgens, wenn Caspar topfitt, ich aber noch immer müde bin. Eigentlich ein spannendes topologisches Problem, denkt sich der müde Informatiker, bis ihn Caspar mit einem "Spille Pappa, nöd schlafe" wieder aus seinen Gedanken weckt.

Nicht nur beim frühmorgendlichen Casperlispielen, sondern auch bei der seriösen Arbeit sind Briobahnen derzeit ein aktuelles Thema. Für iLearnIT.ch sind wir am Erstellen des Moduls zum Thema Nebenläufigkeit / Concurrency (Wikipedia:Concurrency). Ausser Informatikern kann sich wohl unter diesen Begriffen kaum jemand etwas vorstellen, doch sind parallele Prozesse wesentlicher Bestandteil heutiger Informatiksysteme und Informatiker müssen sich mit entsprechenden Problemen wie z.B. die Gefahr von deadlocks (Biblionetz:w02082) und lifelocks herumschlagen.

So, da hätten wir's wieder mal: Die Informatiker schlagen sich mit Problemen herum, von denen normale Menschen keine Ahnung haben. Dem ist aber nicht so, und das lässt sich mit Holzeisenbahnschienen auch Primarschulkindern ganz ohne Technik und Fremdworte erklären:

briobahn02.jpg

Eine Schienenkreuzung stellt ein Problem dar. Zwei Züge können gleichzeitig versuchen, die Kreuzung (Fremdwort: critical section ) zu befahren. Hier müssen Lösungen gesucht werden, damit es dabei zu keinem Unfall kommt. Eine Möglichkeit besteht darin, Signale aufzustellen.

briobahn03.jpg

Tja, aber Signale alleine nützen noch nichts, es braucht Regeln, nach denen die Signale den Zügen die Durchfahrt erlauben oder verbieten. Usw., usf.

So, damit hätte ich einen Einstieg ins Thema Parallele Prozesse auf Primarschulniveau ohne Computer verwendet zu haben. Ich kann sogar entsprechende Aufgaben stellen, so dass die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes, die Probleme be-greifen (Fremdwort: enaktiv, Biblionetz:w01892) können.

Hmm, und was hat das jetzt mit Caspars "Lugg Papa, Tunnel!" zu tun? Tja, ich habe meine Briobahngedanken Jacqueline und Vincent erzählt und die beiden haben das für ihre Weiterbildungs-Tagung zum Ergänzungsfach Informatik als enaktive Auflockerung übernehmen wollen. Mit Caspars Einwilligung (?) habe ich deshalb die 150 Streckenteile vor meiner Abreise nach Krems in einen Koffer gepackt und ausgeliehen.

Als ich am Samstag den Koffer wieder abholen wollte, meinte Vincent, sie seien leider noch nicht dazu gekommen, den Briobahn-Input zu machen, ob ich nicht spontan selbst was dazu erzählen könne. Kann ich und mach ich doch gerne, wenn ich mich nicht vorbereiten muss wink

briobahn04.jpg

So kam es, dass ich am vergangenen Samstag unerwarteterweise einen Kurzinput zu iLearnIT.ch und der Bedeutung von Holzeisenbahnen für die Vermittlung von fundamentalen Ideen der Informatik (Biblionetz:w01098) lieferte, während Caspar, den ich zum Abholen des Koffers mitgenommen hatte, seelenruhig seine Briobahn aufzubauen begann. Exakt als ich die Frage stellte, ob es denn Alternativen zum Aufstellen von Signalen an einer Kreuzung gebe, meinte er: "Lugg Papa, Tunnel!"

briobahn05.jpg

Ich hatte zwar an eine Brücke gedacht, doch auch mit einem Tunnel, welcher die andere Schiene unterquert, lässt sich eine critial section elegant vermeiden. Recht hat er.

A Ram Sam Sam...

23 January 2009 | Beat Döbeli Honegger | Kid, Medienbildung
Diese Woche im trauten Familienkreis (jaja, man kann das Privatleben nicht vollständig vom Berufsleben trennen): Klein-Caspar verlangt ultimativ: "Singen!" Also wird gesungen.

Um die motorischen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern natürlich Lieder, zu denen man auch Bewegungen machen kann. Aber die Erinnerung an solche Lieder und die entsprechenden Bewegungen sind schwach, schliesslich ist es lange her, seit man diese Lieder in der eigenen Jugend gehört hat. So fehlen in einem bestimmten Lied in einem Abschnitt die passende Bewegung. Ich als absoluter Nichtsinger bin etwas hilflos und habe keine Ahnung.

Da ich etwas einseitig begabt bin, komme ich irgendwann auf die Idee, nach dem Lied im Internet zu suchen. Dort findet man ja alles. Hmm, nur: Wie sucht man nach einem Liedtext, der irgendwie "A Ram Sam Sam" geschrieben werden könnte? Genau so. Und nach kurzem sagt einem Google, dass dieses Lied scheinbar in jedem Pfadfinderliederbuch auf dem Erdball abgedruckt worden ist. Nur: Da stehen zwar die Strophen, aber keinerlei Icons oder Skizzen, wie die Bewegungen dazu aussehen sollten.

Hmm, "nicht immer nur mit Google suchen" pflege ich den Studierenden und Lehrpersonen in meinen Veranstaltungen jeweils zu sagen. Vielleicht sollte ich mich selbst auch an diese Regel halten. Wenn ich Bewegungen will, muss ich vielleicht in einer Bewegungs-Suchmaschine verwenden, sprich YouTube.

Tatsächlich: Die Suche nach ram sam sambei YouTube ergibt ca. 300 Treffer! Da ist alles vertreten, von eher quäkenden Kindern, die von ihren begeisterten (vornehmlich us-amerikanischen) Eltern angespornt, gefilmt und auf veröffentlicht werden bis zu professionell wirkenden Chören oder Gruppen von Studierenden und öffentlichen Veranstaltungen mit Bühne und Publikum. Faszinierend. Da sage noch einer, YouTube sei zu nichts Sinnvollem zu gebrauchen!

Beim Durchschauen der Filme wird's noch faszinierender: Nicht überall auf der Welt werden die gleichen Bewegungen gemacht. Eine erste Durchsicht verleitet zur Vermutung, dass die Bewegungen regional geprägt sein könnten, die Deutschen scheinen die gleichen Bewegungen zu machen wie die Schweizer, nicht aber die Indonesier. Nun schlägt der Mediendidaktiker vollends mit mir durch: Bewegungen vergleichen, Bewegungen nachmachen, kulturelle Unterschiede feststellen oder widerlegen. Musik, Bewegung, ICT-Einsatz, Mensch und Umwelt, was will man mehr? wink

Die quiekenden Kinder müssen selbst gesucht werden... A Ram Sam Sam https://www.youtube.com/watch?v=aU_jmzbildw

https://www.youtube.com/watch?v=ybjp1lQ7QGE

https://www.youtube.com/watch?v=rlYIvNtsaPw

https://www.youtube.com/watch?v=UhP82WuPu5o

https://www.youtube.com/watch?v=7RSnw5Vot4Y

https://www.youtube.com/watch?v=8KHffjc22T4

https://www.youtube.com/watch?v=pQdtxBQKKCM

https://www.youtube.com/watch?v=hh-IY-0ZP8Y

https://www.youtube.com/watch?v=6zgrA0eBFmY

https://www.youtube.com/watch?v=yE91tM_AS1Q

https://www.youtube.com/watch?v=mSndsn14-xE

https://www.youtube.com/watch?v=UK8Tcc7aWo0

https://www.youtube.com/watch?v=v-EZQDIyej0

https://www.youtube.com/watch?v=-TBuskJ03Ew

https://www.youtube.com/watch?v=HwoXD_RVETg

https://www.youtube.com/watch?v=E-ZgdnOF_b0

https://www.youtube.com/watch?v=dkf8fOVVoPA

https://www.youtube.com/watch?v=-NxdiXLV-ag

https://www.youtube.com/watch?v=8SDUQDF4Jas

https://by-clips.com/video/ptI95gvDLPU/aram-sam-sam.html

Und dann nochmal ganz anders: https://www.youtube.com/watch?v=Pd2OaqyWPIU

https://www.youtube.com/watch?v=V100KquKCRY

https://www.youtube.com/watch?v=LE7dOFAI52Q

https://www.youtube.com/watch?v=RcmJJ6EqCWw

-- Main.WikiGuest - 01 Jun 2019 Die Lieblingsversion meiner 3 Jährigen: https://www.youtube.com/watch?v=9W36DUhgLQY&vl=de

-- Main.WikiGuest - 30 Jul 2020

Caspar erklärt Papa den Computer

31 October 2008 | Beat Döbeli Honegger | Kid, Software
Nun ist es also bereits so weit: Auf den Tag genau mit 14 Monaten hat Caspar angefangen, mir neue Funktionen meines Computers zu zeigen.

Gestern abend haben wir dem Besuch Fotos gezeigt, digital auf dem Tablet natürlich. Caspar sass mir dabei auf dem Schoss und hat sich gefreut, dass ihn Papa für einmal nicht am Hämmern auf der Tastatur gehindert hat.

Irgendwie kams mir schon seltsam vor, aber Müdigkeit vom langen Messetag und der Besuch haben mich davon abgehalten, länger über den Teddybären nachzudenken, der plötzlich auf dem Bildschirm zu sehen war:

picasa-teddy.jpg

Erst beim Einschlafen hat mich der Teddybär zu beschäftigen begonnen: War da wirklich ein Teddybär neben dem Bild (im Bild wäre ja derzeit nicht weiter erstaunlich). Ein Teddybär? Aber ich habe doch keinen Teddybären im Computer. Muss mich das beunruhigen, wenn plötzlich ein Teddybär in meinem Computer auftaucht? War das evtl. sogar ein trojanisches Pferd (Caspar würde das derzeit als trojanisches "I-Ah" bezeichnen), das sein Unwesen in kuscheliger Verkleidung auf meinem Computer treibt?. Schliesslich war ich gestern mit meinem Computer auf einer Messe, deren hohe Funknetzwerkdichte sogar die Selbstvernetzungsfähigkeit der OLPCs zur Verzweiflung getrieben hat. Aber - das war ich selbst im dämmrigen Einschlafzustand überzeugt - es war kein Esel und kein Pferd; es war ein Bär!

Am nächsten Morgen war der Bär immer noch da. Ich begann, mit ihm herumzuspielen. Er liess sich auf dem gesamten Bildschirm herumschieben, reagierte aber weder auf Zuruf, Doppelklick oder rechte Maustaste (ja, so spielt man mit digitalen Teddybären...).

Weiteres Herumspielen brachte mich zur beruhigenden Erkenntnis, dass der Teddybär sein virtuelles Laufgitter namens Picasa nicht verlassen konnte. Dies verringerte die Chance, dass es sich um einen bösen Trojaner im Bärenpelz handelte. Ausgeschlafen und wieder im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten befragte ich getreu dem Grundsatz "Du wirst nicht der Erste sein, dem ein Bär auf dem Bildschirm begegnet ist" das Internet.

Und siehe da, der Bär heisst Thomas und ist trotz adventlichem Schneefall draussen ein so genanntes verstecktes Osterei von Picasa (siehe z.B. hier, hier oder hier).

Drückt man in Picasa 2 die Tastenkombination Control-Shift-Y, so erscheint der Teddybär Thomas. Hmm, ausser jetzt, wo ich es demonstrieren will. Wahrscheinlich muss ich Caspar zu Hilfe holen.


es gibt sie wohl doch, die digital natives wink

-- Main.MandySchiefner - 30 Oct 2008

Kinderstaubsauger

05 July 2008 | Beat Döbeli Honegger | Gadget, Kid
Vermutlich haben wir unseren neuen Staubsauger zu früh gekauft. Wir hätten auf dieses innovative Modell warten sollen, bei dem sich Kinder in den Haushalt einspannen lassen, wie das in allen Erziehungsratgebern empfohlen wird...

staubsauger01.jpg

Quelle: yankodesign via neuerdings.com ,

Kindernamen

13 October 2007 | Beat Döbeli Honegger | Kid, Visualisierung
Die Wahl des richtigen Namens für das eigene Kind kann bis zu neun Monate Zeit in Anspruch nehmen, wenn nicht sogar mehr! Gestern wurde ich auf die Website Baby Name Map aufmerksam gemacht, welche die beliebtesten Vornamen einzelner Länder und amerikanischer Bundesstaaten auf einer Google-Karte darstellt:

kindernamen01.jpg

Wunderbar Web 2.0 inkl. obligatorischem BETA Sternchen, aber damit hat es sich auch. Wirklich brauchbar? Nö.

Wirklich vom Hocker gehauen hat mich dagegen vor einigen Wochen das Angebot des Statistischen Amtes des Kantons Zürich: Eine webbasierte Vornamensstatistik der Jahre 1987 bis 2006 inkl. Namecloud und Sparklines (Sparkline-Erklärung bei Wikipedia):

kindernamen02.jpg

Die verfügbaren Daten lassen sich nach allen möglichen Kriterien filtern, sortieren und visualisieren, ein Genuss selbst wenn man nicht auf der Suche nach einem passenden Vornamen ist! wink

kindernamen03.jpg
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