18 December 2012
| Beat Döbeli Honegger
|Informatik
Nachdem ich in den letzten Tagen des öftern gefragt worden bin: Ja, ich habe mitbekommen, dass die Hasler Stiftung für fünf Jahre an der PH FHNW eine Professur für informatische Bildung finanziert.
Hier die offizielle Medienmitteilung der PH FHNW ():
Erste Stiftungsprofessur für Pädagogische Hochschule in der Schweiz
Hasler Stiftung unterstützt während fünf Jahren die Pädagogische Hochschule FHNWDie Hasler Stiftung sponsert eine Professur für informatische Bildung mit zwei Millionen Franken. Die Professur kann auf Anfang 2013 ausgeschrieben werden.
Die Pädagogische Hochschule FHNW ist somit die erste pädagogische Hochschule der Schweiz, die eine Stiftungsprofessur einrichten kann. Die Professur für informatische Bildung entspricht den Anliegen der Hasler Stiftung, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zum Wohl und Nutzen des Denk- und Werkplatzes Schweiz fördert. Prof. Dr. Hermann Forneck, Direktor der Pädagogischen Hochschule FHNW, ist überzeugt: «Mit dieser Professur werden wir einen wichtigen Beitrag zur Etablierung einer informatischen Bildung in der Schweiz leisten können.»
Die Hasler Stiftung will aktiv dazu beitragen, dass die Schweiz in Wissenschaft und Technologie auch in Zukunft eine führende Stellung innehat. Die Fördertätigkeit der Stiftung erfolgt durch Finanzierung oder Mitfinanzierung ausgewählter Projekte und Vorhaben in Bildung, Forschung und Innovation im Bereich der IKT.
Auftrag der Professur
Die Professur für informatische Bildung an der Pädago-gischen Hochschule FHNW entwickelt fachdidaktische konzeptionelle Arbeiten für drei Kompetenzfelder auf der Primar- und Sekundarstufe. An erster Stelle erfolgen grundlegende Einsichten in Aufbau und Funktionsweise informationsverarbeitender Maschinen, Analysemethoden der Informatik sowie der Programmierung. An zweiter Stelle steht die Entwicklung von Anwendungskompetenzen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken etc. An dritter Stelle sollen schliesslich wesentliche informationstechnisch basierte Technologien und ihre Möglichkeiten für Informationsgewinnung, Meinungsbildung,
soziale Netzwerkbildung etc. thematisiert werden.
Etablierung von Forschungsprojekten
Die Professur wird Forschungsprojekte etablieren, die
wesentliche Fragen der konzeptionellen Arbeit sowohl
analytisch als auch empirisch abstützen. Die Forschung
und die Qualität der konzeptionellen Arbeiten und ihre
schulpraktischen Ergebnisse wie beispielsweise
Lehrmittel werden über die fachwissenschaftliche Öffentlichkeit
hinaus einen Beitrag zur informatischen Bildung
leisten. Weiter wird die Professur ein einschlägiges
Lehrangebot bereitstellen.
Das Engagement der Hasler Stiftung ist vorerst auf fünf
Jahre ausgelegt.
Da warte ich doch mal gespannt auf die Ausschreibung
Die 15. GI-Fachtagung INFOS 2013 Informatik und Schule des Fachausschusses Informatische
Bildung in Schulen (FA IBS) findet vom 26. bis 28. September 2013 am Regionalen Berufsbildungszentrum
Technik in Kiel statt. Sie soll eine zeitgemäße qualifizierte informatische Bildung in der Schule befördern und steht unter dem Motto Informatik erweitert Horizonte. Die Tagung richtet sich an alle
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zur Informatik in der Schule beitragen,
Informatiklehrerinnen und -lehrer,
Entscheidungsträger aus Bildungsinstitutionen, Wirtschaft und Politik.
Tagungsthemen
Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf der Analyse des Standes und der Weiterentwicklung der
informatischen Bildung in allen Schulformen und Schulstufen. Mögliche Themenbereiche sind
Forschungsansätze und wissenschaftliche Arbeiten zur Didaktik der Informatik,
Kompetenzentwicklung und Kompetenzdiagnostik im Informatikunterricht, * Bildungsstandards als Maßstab und Orientierungshilfe zur Weiterentwicklung der informatischen Bildung
Informatikunterricht an beruflichen Schulen,
Unterrichtsbeispiele zur informatischen Bildung,
Kreativität im Informatikunterricht,
Lehrerbildung Informatik,
Informatische Bildung und Medienbildung.
28.02.13 Einsendeschluss für Forschungs-, Entwicklungs- und Erfahrungsbeiträge
Vergangene Woche wurde ich von der Luzerner Zeitung zum Thema Medienkompetenz im kommenden Lehrplan 21 (Biblionetz:w02172) interviewt. Das Ergebnis ist in der Samstagsausgabe (5.5.12) erschienen (Biblionetz:t13900) (leider nicht offiziell online verfügbar) und gefällt mir gut:
Ich habe nichts internes aus der Lehrplanarbeit verraten und konnte meine beiden Hauptanliegen prominent platzieren:
Medienkompetenz benötigt in der Schule künftig mehr Verbindlichkeit (Biblionetz:a00980)
Spätestens in der Oberstufe muss auch Informatik ein Thema sein (Biblionet:a00436)
Beat Döbeli Honegger: Wenn die Allgemeinbildung die Aufgabe hat, Lernenden ein Verständnis ihrer Lebenswelt zu ermöglichen, dann gehört heute im Fachbereich «Natur und Technik» nicht nur Physik, Chemie und Biologie für die physische Welt dazu, sondern auch Informatik für die virtuelle Welt, die unser Leben ganz real mit Automatisierung, Internet etc. zunehmend prägt.
Inhaltlich ist diese Forderung zwar alt (siehe Lehrplan21OhneInformatik vom Oktober 2010), aber vermutlich muss sie noch ein paar mal wiederholt werden, bis es wirkt...
Hallo Beat
Deine Statements und die Forderung, dass Medienkompetenz sowie Informatik auf der Oberstufe eigene Gefässe in der Stundentafel benötige, kann ich nur unterstützen. Ich hatte lange Zeit gehofft, dass die Integration von ICT in andere Fächer reichen würde. Heute bin ich dezimiert auch der Meinung "Medienkompetenz braucht ein eigenes Schulfach".
Gruss Martin
-- Main.MartinHofmann - 24 May 2012
Gewisse Dinge hätte ich persönlich etwas anders formuliert, aber von der Stossrichtung her bin ich selbstverständlich einverstanden. Da das Dokument auf der Website von ICTswitzerland nicht grad offensichtlich (und nur als PDF) zu finden ist und das Medienecho (nicht weiter erstaunlicherweise) bisher ausblieb, hier eine Web-Version:
Die Unterzeichnenden aus Informatikindustrie, aus beiden technischen Hochschulen ETH Zürich und EPF Lausanne und aus den kantonalen Universitäten beobachten mit Interesse die Vorstösse für und die Diskussionen über die verschiedenen Schulreformen (Lehrplan 21, Plan détudes romand, Harmos, Gymnasium). Sie stellen dabei fest, dass der Informatik der ihr gebührende Platz als Leitwissenschaft nicht zugewiesen wird.
Die Industriegesellschaft des 21. Jahrhunderts ist sich immer noch einig, dass Grundlagenfächer wie Mathematik, Physik und Chemie zur obligatorischen Schulbildung gehören: Keine Hochtechnologie ohne Mathematik, keine Ingenieurwissenschaft ohne Physik, keine Naturwissenschaft/Medizin ohne Chemie. Informatik wird aber von vielen nur mit Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT), d.h. mit den täglichen Informatikanwendungen wie Internet, Schreiben, Tabellenkalkulation, Präsentationsgrafik, digitaler Telefonie und Fotografie gleichgesetzt. In unserer modernen Welt geht aber gar nichts mehr ohne Informatik - trotzdem wird in Schweizer Schulen Informatik nicht als Grundlagenfach anerkannt.
Die Notwendigkeit, Konzepte und Methoden der Informatik in der Schule zu vermitteln, wird immer mehr erkannt. So fordern dies GI und BITCOM in Deutschland und ICTswitzerland hat dazu ein Positionspapier publiziert. In USA wurde am 30. Juli 2010 im Kongress die Computer Science Education Act verabschiedet. Nicht nur das kurzlebige Wissen über den Umgang mit Computern, sondern auch die langlebigen Kenntnisse der Informatikgrundlagen und das von Jeannette Wing, Carnegie-Mellon-Universität, geforderte "Computational Thinking" werden als wichtiger Teil der allgemeinen Bildung betrachtet. Nach Osteuropa und Russland sehen auch USA, China, Südkorea und weitere Länder ein, dass die Kernkompetenzen ohne schulische Informatikausbildung nicht erreichbar sind.
Sei es die Fähigkeit, mittels Programmen mit Maschinen zu kommunizieren und sie zu steuern, sei es das algorithmische Denken für die konstruktive Suche nach der Lösung eines Problems, sei es der modulare Entwurf als grundlegende Vorgehensweise in technischen Disziplinen, alle diese erstrebenswerten Bildungsziele können mit einem guten Informatikunterricht schon von der Primarschulstufe an erreicht werden.
Wenn unter Informatik nur die Fähigkeit, mit Computern umzugehen (z.B. ECDL), verstanden wird, ziehen, wie verschiedene Analysen zeigen, gute Schülerinnen und Schüler ein Informatikstudium wegen vermeintlicher Oberflächlichkeit und Langeweile nicht in Betracht. In Ländern wie der Schweiz wurde der Ruf der Informatik dadurch so weit geschädigt, dass man die Informatik gar nicht als Wissenschaft wahrnimmt. International verstärkt sich heute die Tendenz, anspruchsvollen Informatikunterricht als Pflichtfach für alle im Schulsystem zu verankern. Immer mehr Länder starten mit Programmieren schon in der Primarschule im Alter von 8 bis 10 Jahren. Wenn die Schweiz das Wachstum der produktiven Informatikindustrie nicht langfristig bremsen will, ist es höchste Zeit, die unvermeidbaren Umstellungen der schulischen Inhalte in den Lehrplänen so schnell wie möglich vorzunehmen.
Was getan werden muss, ist den Verantwortlichen klar, es braucht nur den politischen Willen, die notwendigen Anpassungen im Schulunterricht vorzunehmen. Für die zukünftige Wissensgesellschaft ist die derzeitige Vernachlässigung der Informatikbildung ebenso schädlich wie ein Weglassen oder eine Verschiebung des Beginns des Mathematikunterrichts um mehrere Schuljahre. Deswegen fordern wir als notwendige Massnahmen zur Förderung des Technologiestandortes Schweiz
Informatik soll wie Mathematik als ein Pflichtfach bereits in der Primarschule gelehrt werden, und es muss Programmieren beinhalten.
ICT-Kompetenzen (Umgang mit Computern) sollen schon in der Primarschule, spätestens jedoch auf der Sekundarstufe I erworben werden, so dass sie nicht mehr an Maturitätsschulen unterrichtet werden müssen.
Informatik im Sinne des "Computational Thinking" (algorithmisches Denken) und der Verzahnung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Denkens mit der Vorgehensweise der Entwickler in technischen Disziplinen soll obligatorisch für alle an Mittelschulen unterrichtet werden.
Tja, jetzt müssen die Informatik-VertreterInnen (zu denen ich auch gehöre) das Memorandum nur noch argumentativ untermauern und durchbringen. Mit der Forderung nach einem Pflichtfach stehen die Informatiker beileibe nicht alleine da...
Nachdem ich vor einigen Wochen berichtet habe, dass der Pariser Post-IT war Zürich erreicht hat, ist er nun sogar in die Innerschweiz geschwappt und in Goldau gelandet! Es begann harmlos mit kleinen Bildern:
Doch mit dem Kleben kam der Appetit: Wie wäre es, wenn wir das gesamte Fenster vollkleben würden?
Gedacht getan! In den kommenden Tagen wurden in der näheren Umgebung von Goldau sämtliche verfügbaren Klebezettel aufgekauft und die grosse Arbeit begann:
Und so präsentiert sieht das Ergebnis von innen betrachtet aus:
Doch es blieb nicht dabei, das Gebäude der PHZ Schwyz verfügt noch über weitere Fensterflächen:
Auch da lässt sich das Ergebnis sehen:
Auch wenn zahlreiche Betrachterinnen und Betrachter meinten, dass damit das Gebäude endlich auch als Pädagogische Hochschule erkennbar sei, stellt sich ja doch die Frage, warum Studierende in Goldau Stunden mit dem Anbringen von Klebezetteln verbringen. Das Erstaunen wird mancherorts noch grösser, wenn bekannt wird, dass dies sogar im Rahmen des Studiums als Teil des Leistungsnachweises erbracht worden ist. "Aha, an den PHs lernt man Zettel kleben, ist das etwa alles? Und so etwas nennt sich Hochschule?"Des Rätsels Lösung: Diese Aktivitäten fanden im Rahmen einer Blockwoche in unserem Spezialisierungsstudium ICT und Medienpädagogik statt, in welcher die Studierenden die Aufgaben des pädagogischen und technischen ICT-Supports kennenlernen. An einem Nachmittag erhielten die Studierenden eine Einführung ins Thema Informatik in der Primarschule. Ich habe versucht darzulegen, warum "echte" Informatik bereits in der Primarschule ihren Platz haben sollte (also Informatik-Unterricht, Biblionetz:w00459) und wie man Informatik primarschulgerecht vermitteln könnte (Informatik-Didaktik, Biblionetz:w00461).
Die Klebezettelübung stellt eine enaktive Erklärung (Biblionetz:w01892) dar, wie Computer Bilder in Form von Rastergrafiken speichern. Der folgende Smiley besteht beispielsweise auf 16 x 16 Klebezetteln:
16 x 16 Pixel entspricht der Grösse des Icons, das jetzt vermutlich links oben in der Adresszeile des Browsers sichtbar ist. Die Herstellung des Bildes hat inkl. Planung eine halbe Stunde gedauert, das reine Kleben ca. 15 Minuten. So wird abschätzbar, wie schnell Computer ihre Pixel auf den Bildschirm "kleben" müssen, wenn wir am Computer arbeiten. Hier wären schöne Abschätzübungen möglich: Wie gross wird das Bild, wenn wir unseren Computerbildschirm mit Klebezetteln der Grösse 5cm x 5cm nachkleben würden? Wie gross würde ein entsprechend geklebtes Bild aus einer modernen Digicam (10 Megapixel)?
Beim Kleben der grossen Bilder hat meist eine Person die Steuerung übernommen und "Befehle" erteilt: "Jetzt 13 gelbe Zettel. Dann 3 orange und wieder 5 gelbe." Damit sind wir schon recht nahe bei der Art, wie der Computer Bildinformationen abspeichert. Das liesse sich jetzt weiter formalisieren, indem man den zur Verfügung stehenden Klebezettelfarben Nummern geben würde: "13x1,3x2,5x1..." und das dann noch binär darstellen würde. Schon hat man verlustfreie Bildkompression primarschultauglich erklärt (dass eben "13x1,3x2,5x1" kürzer ist als "111111111111122211111" ).
Tja, und auch über Farbräume kann man wunderbar diskutieren, wenn die richtigen Klebezettelfarben in der ganzen Innerschweiz nicht lieferbar sind...
Ziel der Übung war also einerseits, die Bildspeicherung enaktiv erfahrbar zu machen und andererseits Unterrichtsvorschläge für den Einsatz in der Primarschule zu erarbeiten.
Fazit: Informatik lässt sich in der Primarschule auch ohne Computer, dafür aber mit viel Spass vermitteln!
(ein weiteres Beispiel für computer science unplugged (Biblionetz:b03203))