Informatik

Moduldidaktik statt Fachdidaktik?

23 October 2014 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Medienbildung, Veranstaltung
Thomas Merz (PH Thurgau) und ich bieten an der zweiten Tagung Fachdidaktiken der cohep folgenden Workshop an:

Moduldidaktik statt Fachdidaktik?

Zur besonderen Situation von Medienbildung und Informatik

Medienbildung und Informatik werden im Lehrplan 21 aufgewertet, indem sie als Themen in einem gemeinsamen Modul eigene Zeitgefässe erhalten. Doch die Fachdidaktiken - oder müsste von Moduldidaktiken gesprochen werden? - Medienbildung und Informatik sind an den einzelnen PHs unterschiedlich ausgeprägt und ausgerichtet. Auch die Verbindung in einem gemeinsamen Modul ist für beide Themen ungewohnt. Mit der Umsetzung des Lehrplans 21 werden Fragen von Ausrichtung und Gewichtung, aber auch konkret von Lehrmitteln, Aufgabensammlungen sowie notwendiger Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und PH-Dozierenden bald sehr drängend werden. Der Workshop skizziert den aktuellen Stand der Themen an den Deutschschweizer PHs und diskutiert notwendige gemeinsame und getrennte Schritte zu ihrer Professionalisierung.

Wir freuen uns über zahlreiche Teilnehmende und spannende Diskussionen!

!MakeyMakey statt nur !TalkyTalky!

18 September 2014 | Beat Döbeli Honegger | Gadget, Informatik

Ja, ich könnte mich selbst an der Nase nehmen, dass ich mir das nicht früher überlegt habe. Und trotzdem freut es mich, dass ich es ab jetzt anders machen werde und damit Erfolg habe!

Seit Jahr und Tag erzähle ich den Erstsemestrigen in der ersten Veranstaltung des Moduls Mediendidaktik, was wir im Institut für Medien und Schule (IMS) im Bereich Forschung und Entwicklung so treiben und berichte im Bereich der Informatikdidaktik (Biblionetz:w00461) auch davon, wie wir z.B. in der i-factory versuchen, Informatik konkret be-greifbar zu machen. Die Studierenden hören interessiert, aber passiv zu.

Erst dieses Jahr habe ich in den gespielten Podiumsdiskussionen der Studierenden zur Bedeutung digitaler Medien in Kindergarten und Primarschule zur Erklärung des Konstruktionismus-Ansatzes (Biblionetz:w00561) von Seymour Papert einige Educational Robots (Biblionetz:w02473) mitgenommen. Bereits beim Anblick der Roboter schienen mir die Studierenden besser zu verstehen, dass man damit in Kindergarten und Primarschule mathematische und geometrische Konzepte unterstützen kann (Biblionetz:a00163).


Das Lego-WeDo-Set von Lego (Biblionetz:w02475)

Eine Studentin hat dann später im Seminar mit einem BeeBot (Biblionetz:w02472) zu spielen begonnen und plötzlich fuhr dieser mit lautem Geräusch auf dem Tisch herum. Auf meine Frage, ob sie gerne solche Roboter programmieren würden, antwortete zu meiner Überraschung die grosse Mehrheit mit ja. Also Seminarprogramm umgestellt und am Ende mit den Studierenden BeeBots programmiert.

Meine erste Erkenntnis: Nicht nur Schülern, auch Studierenden muss man das Abstrakte konkret - be-greifbar - machen! Versuche ich ja sonst im Unterricht auch - wie konnte ich das hier nur übersehen?

Also ab sofort in allen Eröffnungsveranstaltungen alle Informatik-"Spielzeuge" mitnehmen und aufbauen, selbst wenn ich im Unterricht gar keine Zeit habe, detailliert auf sie einzugehen.

Zweite Überraschung heute im Unterricht: Dass viele Studierende in der Pause freiwillig BeeBots programmiert und mit Bananen Musik gemacht haben, hat mich gar nicht mehr gross erstaunt. Als aber ein Student fragte, wo man denn ein MakeyMakey (Biblionetz:w02476) (siehe auch MaKeyMaKey) bestellen könne und ich eine Sammelbestellung anbot, meldeten sich 10 von 20 Studierenden: 50% der Studierenden sind bereit, 50.- Franken für ein Bananenklavier auszugeben!

Cool!

Erkenntnis für mich (einmal mehr): MakeyMakey statt nur TalkyTalky!

(Mehr zu den informatikdidaktischen Überlegungen unter: http://beat.doebe.li/talks/phzh13/)

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"Papa, wie kam man eigentlich ins Internet, bevor es Computer gab?" (Biblionetz:f00155) ist eine schöne Anektote der modernen Zeit, illustriert sie doch wunderbar, wie sich heutige Kinder die Zeit vor dem Internet gar nicht mehr vorstellen können.

Auch ich erzähle diese Anektote ab und zu, was mindestens in einem Fall dazu geführt hat, dass eine Journalistin meinte, mein Sohn habe mich das gefragt. Hat er aber nicht, wie die seriöse Journalistin dank Rückfrage vor Publikation erfahren hat. Ich habe mich auf die Suche nach der Quelle dieser Geschichte gemacht und erfahren, dass die Geschichte mindestens drei Väter (und eine Tochter) hat wink

Die Geschichte scheint so gut zu sein, dass sie bereits als urban legend (Biblionetz:w01156) oder Internet-Meme (Biblionetz:w01161) im Netz kursiert.

Update:

Vielleicht nicht gerade diese Frage, aber grundsätzlich eignen sich Kinderfragen als Ausgangslage für den Primarschulunterricht- auch in der Informatik. Dazu wird Christian Borowski am 10.09.2014 an der PH Bern berichten:

5. BERNER KOLLOQUIUM "ICT UND UNTERRICHT" 2014.
Mittwoch 10. September 2014, 17.45-19.00 Uhr:

Wie funktioniert das? Fragen von Schülerinnen und Schülern der Primarschule als Ausgangspunkt des Unterrichts

Christian Borowski (Grundschule in Oldenburg sowie Uni Oldenburg)

Wie funktioniert das Internet? Wie heisst der grösste Roboter der Welt? Ist das Internet überall gleich? Wozu gibt es eigentlich Handys? Wie viel MB hat eine Playstation? Diese und andere Fragen sind Ausgangspunkte der hier entwickelten Unterrichtsideen zur Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Kinderfragen lassen sich in verschiedenen Kategorien einteilen. Es werden Verweise gegeben, die den Lehrerinnen und Lehrern helfen sollen Unterrichtsmaterialien zu finden und den Themenbereich spannend für Schülerinnen und Schüler zu gestalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beantwortung technischer Fragen.

Ort: PHBern, Institut für Medienbildung, Helvetiaplatz 2, CH-3005 Bern
Kosten: Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig. Siehe auch http://doebe.li/t12263

Heute bin ich auf die österreichische Initiative digi.komp - Digitale Kompetenzen informatische Bildung gestossen und habe gesehen, dass in den letzten sechs Monaten einige neue Dokumente veröffentlicht worden sind, die einen Besuch der Website lohnenswert machen (aus Erfahrung weiss ich, dass sich bezüglich digitaler Kompetenzen ein Blick nach Österreich immer mal wieder lohnt!).

digi.komp (Biblionetz:w02453)ist eine Sammlung von Kompetenzen für SchülerInnen verschiedener Altersstufen und für Lehrpersonen ohne und mit ICT-Sonderfunktionen, jeweils mit Erklärungen und Aufgabenbeispielen (http://www.edugroup.at/praxis/portale/digitale-kompetenzen/konzepte/kompetenzmodelle.html):

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Im Rahmen des Projektes Digikomp wurden als erstes die digitalen Kompetenzen der 10–14-Jährigen definiert und als digi.komp8-Kompetenzkatalog veröffentlicht. Unterrichtsbeispiele erleichtern und illustrieren die ganz konkrete Praxisumsetzung. digi.komp4, digi.komp9 und digi.komp12 komplettieren die Standards in den allgemeinbildenden Schulen.
Was sollen Schülerinnen und Schüler also können? Die Kompetenzmodelle gliedern sich jeweils in 4 Bereiche und sind durch einen ausführlichen Kompetenzkatalog im Detail modelliert.
Die Kompetenzmodelle, typische Aufgabenstellungen für den Einsatz im Unterricht sowie weiterführende Informationen sind unter www.digikomp.at abrufbar.
Quelle: Kein Kind ohne Digitale Kompetenzen!

digi.komp arbeitet mit 4 Kompetenzbereichen:

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digi.komp ist eine lohnenswerte deutschsprachige Quelle sowohl bezüglich Inhalten als auch bezüglich Aufbereitung des Themas für Lehrpersonen und Öffentlichkeit. Mir gefallen mindestens zwei Dinge an dieser Initiative:

Digitale Kompetenzen umfassen alle Aspekte, die vier Kompetenzbereiche

  1. Informationstechnologie, Mensch und Gesellschaft
  2. Informatiksysteme
  3. Anwendungen
  4. Konzepte

deckt sich mit "meinem" Denkmodell mit Informatik, Medienbildung und Anwendung bestens.

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Auch wenn ich mir die Partner der Initiative anschaue

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dann erhalte ich mindestens als naiver aussenstehender Beobachter das Gefühl, dass es in Österreich gelungen ist, "unstoppable Enthusiasm with one voice" zu generieren, wie dies Simon Peyton Jones (Biblionetz:p12809) aus England vorschlägt. Mögliche Einstiege:

Christian Borowski hat mich vor kurzem auf die Broschüre Computing in the national curriculum - A Guide for primary teachers PDF-Dokument (Biblionetz:t15952) aufmerksam gemacht. Die Broschüre versucht Englands Primarlehrerinnen und Primarlehrern das neue Thema Computing schmackhaft zu machen zu erklären.

Doch selbst für mich als Informatiker wird dank dieser Broschüre verständlicher, in welche Richtung sich Englands digitale Ausbildungspläne bewegen sollen.

In der Broschüre werden drei Aspekte des Themas computing unterschieden:

The core of computing is computer science, in which pupils are taught the principles of information and computation, how digital systems work and how to put this knowledge to use through programming. Building on this knowledge and understanding, pupils are equipped to use information technology to create programs, systems and a range of content. Computing also ensures that pupils become digitally literate – able to use, and express themselves and develop their ideas through, information and communication technology – at a level suitable for the future workplace and as active participants in a digital world.
Aspekt Beschreibung
Computer Science (CS) [All pupils] can understand and apply the fundamental principles and concepts of computer science, including abstraction, logic, algorithms and data representation.
[All pupils] can analyse problems in computational terms, and have repeated practical experience of writing computer programs in order to solve such problems.
Information Technology (IT) [All pupils] can evaluate and apply information technology, including new or unfamiliar technologies, analytically to solve problems.
Digital Literacy (DL) [All pupils] are responsible, competent, confident and creative users of information and communication technology. (DL)

Mit einem gewissen Abstand betrachtet, passt das gar nicht schlecht zur aktuellen Einteilung im deutschsprachigen Raum:

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Folie 69 aus dem Referat Informatik ist mehr als Informatik

Und wenn dann in der Broschüre zu lesen steht: "The core of computing is computer science,...", dann ist man nicht mehr weit von dieser Darstellung entfernt:

img070.png
Folie 70 aus dem Referat Informatik ist mehr als Informatik

(Schaut man sich die Beschreibungen im Detail an, dann entspricht der Bereich digital literacy nicht ganz dem Bereich Medien bzw. Medienbildung im deutschsprachigen Raum, bzw. ist eher eine informatikperspektivische reduzierte Sichtweise der Medienbildung).

Ebenfalls bestätigt fühle ich mich durch die Aussage in der Broschüre, man könne zwar die drei Bereiche unterscheiden, die Kompetenzen würden jedoch nicht eindeutig diesen Kompetenzen zugeordnet werden, da dies gar nicht immer so einfach sei. Wichtiger als eine genaue Aufteilung sei sowieso ein ausgeglichener, stimulierender und kreativer Zugang. Im Original:

It should be noted that the statutory requirements are not labelled under these three headings in the programme of study, and the distinction between information technology and digital literacy is open to some interpretation. The important thing is to cover the content in a balanced, stimulating and creative way rather than being overly concerned about the specifics of terminology.

Für diejenigen, die entsprechende Lehrpläne erarbeiten wink , aber auch für alle anderen lohnt sich ein Blick in diese Publikation!

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