Ehrlich gesagt ertappe ich mich oft dabei, in jeder herausragenden Arbeit eher die Leistung von KI zu sehen als die von Studenten aus Fleisch und Blut. Ich weiß, dass ich meine Unvoreingenommenheit und mein Vertrauen verloren habe, und das macht mich unruhig.
und
So liegen mir Arbeiten von Studenten vor, die im Seminar kaum einen korrekten englischen Satz formulieren können, deren schriftliche Ausführungen jedoch plötzlich Harvard-Niveau erreichen. Der entscheidende Unterschied zu früher: Ich kann nichts mehr nachweisen. Die Freude am Lesen dieser Hausarbeiten, am intellektuellen Austausch mit den Texten und ihren Verfassern, ist nahezu erloschen.
Die GMLS-Korrektur-Unlust ist nicht zwingend mit einer Schuldzuweisung an die Studierenden, die GMLS als Abkürzung (Biblionetz:w03717) verwenden, verbunden. Oft ist es eher eine Art Trauer, dass sich die Situation so entwickelt, wie sie es tut.
Ein aktuelles Beispiel aus dem eigenen Unterrichtsalltag
Im Modul Informatikdidaktik des Fachdidaktikmasters Medien und Informatik müssen Studierende in einem Selbststudienauftrag Lehrpläne und Bildungsstandards miteinander vergleichen und uns diese Vergleich schriftlich abgeben. Sie sollen dadurch ein Gefühl für Lehrpläne und ihre Eigenarten und Unterschiede erhalten. Bisher enthielten die Abgaben der Studierenden oft persönliche Einschätzungen und auch Fehlvorstellungen. Diese konnten wir als Dozierende in der nächsten Präsenzveranstaltung aufgreifen und diskutieren. Seit GMLS werden die Abgaben von Jahr zu Jahr korrekter und glatter. Keine Fehler mehr, praktisch keine persönlichen Einschätzungen mehr. Damit verlieren die Abgaben für uns als Dozierende ihren Wert als formatives Assessment. Die Studierenden haben mit GMLS gearbeitet. Es kann sein, dass sie dabei etwas gelernt haben, dass die Chatbots sie auf Fehlvorstellungen aufmerksam gemacht haben - wir wissen es schlicht nicht. Damit macht aber das Lesen dieser Abgaben für uns keinen Sinn mehr. (Die Studierenden künftig aufzufordern, uns ihre Fragen oder Unklarheiten zu melden, hilft nur bedingt: Oft merken die Studierenden selbst gar nicht, dass sie etwas nicht oder falsch verstanden haben.) Unser Rezept in diesem Moment der Überforderung: Diese Problematik mit unseren Studierenden diskutieren. Das geht bei uns einfacher als anderswo, weil wir Lehrpersonen und Didaktiker:innen ausbilden. Diese sind oder werden sich bald in der gleiche Situation befinden wie wir, also können wir die Diskussion als didaktischen Doppeldecker führen. Wirkliche Antworten haben wir bisher nicht. @ENDE @ANFANG 20 October 2026 GMLSPhishing GMLS-Phishing Heute bin ich erstmals Zeuge von GMLS-generiertem Phishing geworden. Jemand aus meinem Umfeld erhielt eine Mail, das aussah wie eine Kollaborationsanfrage für ein geteiltes Microsoft-Dokument:
Namen von mir geschwärzt
GMLS-induzierte Usability-Toleranz-Senkung bezeichnet die sinkende Bereitschaft, unnötig komplizierte, schlecht anpassbare oder nutzerunfreundliche Software hinzunehmen, weil generative Machine-Learning-Systeme individuellere digitale Werkzeuge schnell erzeugbar machen.
Weniger akademisch formuliert:
Wer einmal gesehen hat, wie ein GMLS wie Claude Code oder Codex im Handumdrehen brauchbare Software entwickelt, kann nicht mehr wirklich verstehen, warum dies bei Software von internationalen Grossunternehmen nicht möglich sein sollte.
Ein konkretes Beispiel:
Warum fragt mich Microsoft Teams mit einem Popup-Fenster, ob ich einem Meeting beitreten möchte, in dem ich schon drin bin? Wer bereits einmal hat ein GMLS Software erstellen lassen, fragt sich unweigerlich: "Sorry, aber selbst mein ge-vibecodeter Prototyp ist ja besser bedienbar, als was mir hier vorgesetzt wird - warum können die das nicht besser?" (Wer nun Microsoft Teams verteidigen möchte, soll mir bitte auch erklären, warum eine Suche nach allen Dokumententypen keine Treffer ergibt, eine Suche ausschliesslich nach Wordfiles dann aber Dokumente findet...)
@ENDE
@ANFANG 13 October 2026 GMLSInduzierteDIYUnlust GMLS-induzierte DIY-Unlust
Der Begriff ist zugegebenermassen noch etwas sperrig - das dahinter stehende Gefühl ist aber stabil: Seit einiger Zeit fühle ich eine Unlust, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiss, dass ein generatives Machine-Learning-System (GMLS) (Biblionetz:w02833) es automatisch und deutlich schneller könnte.
GMLS-induzierte DIY-Unlust (kurz: GMLS-Unlust): Die sinkende Motivation, eine Tätigkeit selbst auszuführen, sobald sobald bekannt ist, dass ein generatives Machine-Learning-System sie schnell automatisch erledigen könnte.
Ein konkretes Beispiel:
Aus Datenschutzgründen lasse ich derzeit keine cloudbasierten GMLS an meine Mails, meinen Kalender oder die Gesamtheit meiner persönlichen Dokumente. Seit ich aber weiss, wie effizient ein GMLS mir sagen kann, wann ich zum letzten Mal mit Person X kommuniziert und was dabei die noch nicht erledigten Pendenzen sind, frustriert es mich zunehmend, dass ich mir für diese Frage selbst die passenden Suchbegriffe ausdenken und in die lokale Volltextsuche eintippen muss. (Dieses Beispiel wird verloren gehen, sobald lokale GMLS (Biblionetz:w03773) solche Aufgaben übernehmen können, denn ab dann kann ich es ja ein GMLS machen lassen ohne Datenschutzbedenken).
P.S.: Ich müsste dieses Gefühl vermutlich KI-Motivationskiller nennen, um allgemeiner verstanden zu werden...
@ENDE
@ANFANG 13 October 2026 GMLSFOMO GMLS-FOMO
Die Entwicklungen im Bereich generativer Machine-Learning-Systeme (GMLS) (Biblionetz:w02833) ist in meiner Wahrnehmung weiterhin so hoch, dass mich öfters ein latentes Gefühl von GMLS-FOMO beschleicht:
Biblionetz!, dann erscheint automatisch ein Feld, in welches ich Biblionetz-Begriffe eintippen kann. Sobald ich einen der vorgeschlagenen Begriff auswähle, wird dieser ersetzt durch einen Link auf das entsprechende Biblionetz-Objekt:
Ich nutze ricardo.ch als auktionsplattform. sie verfügt über einen mechanismus, angebote als favoriten zu markieren. was mir fehlt ist die möglichkeit, uninteressante angebote zu markieren oder auszublenden. kannst du eine chrome-extension bauen, mit der ich uninteressante angebote markieren kann, so dass sie dann als uninteressant markiert werden (z.b. aufgehellt und roter diagonaler strich über dem angebots-bild). diese informationen sollten lokal auf dem rechner gespeichert werden (vermutlich die angebots-id) und 6 monate später wieder gelöscht werden. ich benötige diese funktionalität nur auf der übersichtsseite (wie z.b. dieser: https://www.ricardo.ch/de/s/yoga%20x1/)
(Ich gebe zu, dass in diesem Prompt gewisses Informatikwissen steckt, ist also vielleicht kein vibe coding, sondern eher vibe engineering (Biblionetz:w03760), aber vielleicht hätte mein GMLS auch was Brauchbares hingekriegt ohne meine technischen Hinweise).
Nach dem ersten Entwurf habe ich dann noch folgenden Zusatzwunsch geäussert:
super, könntest du mir irgendwo oben auf der seite noch einen schalter einbauen, um alle als uninteressant markierten angebote aus-/einblenden zu können?
P.S.: Apple bietet seit Juni 2026 mit Apple Intelligence diese Funktion für Safari an. Somit müssen Apple-User nicht einmal ein separates GMLS dafür bemühen. mehr...
P.S. II: Im konkreten Fall wäre natürlich die nächste Stufe der GMLS-Entwicklung, dass ich gar nicht selbst konkrete Angebote suche, sondern meinem GMLS den Auftrag gebe, täglich selbst nach passenden Angeboten zu suchen mit einer Produktbeschreibung, die weit über das hinausgeht, was ricardo mit der Stichwortsuche ermöglicht.
@ENDE
@ANFANG 26 September 2026 SuchfunktionenImBiblionetzMassivAusgebaut Suchfunktionen im Biblionetz massiv ausgebaut
Die letzten Tage habe ich mich intensiver mit Claude (Biblionetz:w03768) unterhalten. Entstanden ist dabei eine Erweiterung für das Webinterface des Biblionetzes (Biblionetz:w00778). Für die Objekttypen Begriffe, Personen, Fragen und Aussagen gibt es nun eigene Suchformulare mit Autocomplete:
Worum geht es?
Bisher (TM) sind GMLS-Chatbots rein aufs Reden bzw. Schreiben beschränkt, d.h. man spricht mit den Systemen und sie geben unter Umständen Hinweise, was man im Netz oder auf dem eigenen Computer nun tun müsste, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Rein technisch müssen aber solche Systeme nicht aufs Ausgeben von Text und Bildern beschränkt sein. Sie könnten auch beliebigen Programm-Code ausführen und damit von Antwortmaschinen zu Machmaschinen (Biblionetz:w03708) werden. Technisch hat dies das sogenannte Modell-Context-Protokoll (MCP) vereinfacht, der standardisiert einem GMLS-Programm bestimmte Möglichkeiten gibt bzw. erklärt, mit einer Umgebung zu interagieren (z.B. lokales Datei- oder gar Betriebssystem, lokal installierte Bildbearbeitung etc.). Damit werden die möglichen Effizienzgewinne noch grösser (aber auch die Sicherheitsprobleme - darüber ein andermal...)
Was habe ich konkret gemacht?
Ich habe im Netz einen MCP-Server für Microsoft Access gefunden. Es gibt zahlreiche, ich habe mehrere ausprobiert und mich letztendlich für den von fieldcommissioner entschieden. Aber auch dieser MCP-Server hat bei mir mit Claude Desktop nicht funktioniert. Der erste Anstieg meines Future Shock Levels war nun, dass ich Claude bitten konnte, den auf github verfügbaren Quelltext dieses MCP-Servers zu analysieren und interaktiv mit zusammen eine Fehleranalyse vorzunehmen und den MCP-Server zu reparieren. Es war fazinierend zuzuschauen, wie das GMLS Claude sozusagen an einer Erweiterung von sich selbst herumoperiert und damit seine eigenen Möglichkeiten erweitert hat. Und: Nach einem Abend hatte ich einen funktionierenden Zugang zu meiner Access-Datenbank!
Was macht das mit mir?
Ich muss zugeben, dass ich mir schon geschmeichelt vorkam, als Claude meine Biblionetzdatenbank erkundete und mich dafür lobte, auch wenn ich weiss, dass GMLS-Schmeichelei (engl: sycophancy) (Biblionetz:w03743) problematisch ist. Aber es ist trotzdem ein cooles Gefühl, wenn man plötzlich mit der eigenen Datenbank und den eigenen Code reden kann und erstaunlich kompetente Antworten enthält.
Die Kehrseite der Medaille
Leider kann man sich nicht naiv über die neuen technischen Möglichkeiten freuen, wenn man gleichzeitig lesen muss, wofür maschinelles Lernen auch genutzt wird und man sich vorstellt, was hier agentische Systeme ermöglichen werden: Palantir hilft gemäss 404 media (Biblionetz:t33168) in den USA der ICE, mit Hilfe von Software Menschen zu finden, die man deportieren könnte.
@ENDE
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