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Was Martin Roell seinen Enkelkindern erzählt

03 Jun 2006 - 08:18 | Version 3 |

Martin Roell erzählt seinen Enkelkindern folgendes:

Wir werden unseren Kindern irgendwann mal erzählen, wie das war: Ohne Instant Messaging. Ohne virtuelle Präsenz. Mit Telefonen. Mit nur-E-Mail. (Ganz zu schweigen von: als wir Hotels noch angerufen haben, um sie zu buchen. Als wir zum Bahnhof gingen, um Fahrplanauskünfte zu erhalten. Als Auslandstelefonate teuer waren. Passkontrolle an der Grenze Luxemburg-Deutschland.)

Wir werden Statistiken auflegen über "Personenkilometer": wieviele Kilometer ein Mensch, der im Jahr 19/20xx geboren ist, im Schnitt in seinem Leben zurücklegt.

Wie wir arbeiten wird ganz anders als früher. Ich arbeite mit Leuten zusammen, die da draußen sind. Ich kann sie sehen - in Plazes, in Skype, im Instant Messaging. Ich weiß, wer sie sind, ich weiß, was sie machen. Ich weiß, worüber sie nachdenken und wie sie worüber was nachdenken. Ich weiß, in welchen Dingen sie sich besser auskennen, als ich und ich habe gewisse Ahnungen von den Dingen, über die sie Bescheid wissen, von denen ich gar nichts weiß.

Wenn ich sie brauche, kann ich schauen: Ich sehe sie im Instant Messaging. Haben sie Zeit? Ich kann nachfragen. Mit ihnen kann ich Dinge erarbeiten, die ich alleine nie erarbeiten könnte. Dabei müssen sie gar nicht unbedingt viel tun: Sie müssen nur da sein. Ich brauche sie - vielleicht für eine Frage, einen Tip, einen Link. Ich nutze ihre Weblogs und Bookmarksammlungen. Ich frage sie um Rat.

Wenn größere Dinge anstehen, können wir zusammen arbeiten. Ein paar von ihnen sind in meinem Intranet. Ein Wiki aufzusetzen dauert 5 Minuten. Wir tauschen Dokumente in E-Mail. Abstimmungen dauern nur noch Sekunden im Instant Messaging.

Wenn wir uns treffen, können wir unmittelbar zusammenarbeiten. Wir haben uns vielleicht nur zweimal vorher gesehen, aber wir kennen uns. Wir haben schon zusammen gearbeitet. Wir können einander einschätzen. Wir kennen dieselben Geschichten. Wir missverstehen uns wenig. Nur Körpersprache ist manchmal merkwürdig.

Fast egal wo ich bin, ich kann mich erreichbar machen. Ich bin oft erreichbar. Ich kann mitten in einer Konferenz sitzen und Reisen buchen, Verabredungen treffen, mit Kunden kommunizieren und ein Projekt starten.

Unsere Kinder werden sagen: "Ja, klar: Telepräsenz." Und auch: "Klar: Kollektive Intelligenz".

Heute begreifen wir das gerade mal bei Ameisen. Menschen sind uns zu kompliziert - oder das Phänomen bei ihnen zu esoterisch?

Es gibt das heute schon. Unsere Kinder werden damit groß werden. Sie werden sich die großen Sinnfragen nicht stellen: Es wird einfach da sein. Es wird normal sein, dass es das gibt. Immer zu wissen, wo die Freunde sind. Jeden immer fragen zu können. Auf gesammelte Erfahrungen anderer zugreifen zu können (Pagerank? Wer braucht Pagerank?).

Der Einstieg ist ganz einfach: Simple Präsenz, einfache Collaboration. Plazes installieren. Skype installieren. Lernen, Dokuwiki zu installieren. Rudimentäres Zeug. Aber schon heute hilft uns das, besser zu arbeiten. Mehr in weniger Zeit zu erreichen.

"Wettbewerbsvorteile" nennen das die, die gerne in "Wettbewerb" denken. "Effektivität" nennen es andere. Manche haben einfach nur mehr Spaß.

Ein paar haben quasi-religiöse Erfahrungen, wenn sie in einem Kollektiv etwas erreichen, das größer ist, als alle zusammen. Das gab es auch schon vor dem Internet. Aber solche Kollektive waren selten. Heute kommen sie öfter vor. Jedem sein eigenes Mini-Kollektiv.

Intelligenz, Fähigkeit wird sich am einzelnen gar nicht mehr messen lassen. Einstellungstests, bei denen man nicht aufs Internet zugreifen darf, werden bedeutungslos. "Was DU weißt" ist ohne Bedeutung. Wichtig ist, wozu man fähig ist - und ohne das Kollektiv werden wir manche, wahrscheinlich die wichtigsten, Sachen nicht und die meisten nur schlechter machen können, als mit.

Für die Kinder wird das normal sein. "Weißt Du? Früher haben die wirklich noch ganz alleine gearbeitet!" Es ist schon heute nicht logisch, dass wir Kindern "Problemlösekompetenz" beibringen wollen und Handys in den Schulen verbieten.

Das ist schon da. Die, die es zuerst verstehen und nutzen, werden die ersten sein, die davon profitieren - ob Einzelpersonen oder Unternehmen. Ein paar große Organisationen sind schon dabei (IBM. Microsoft (?). Google.). Aufregende Zeiten.

Muss ich dem noch was hinzufügen?

  • Vielleicht, dass meine "Kunden" mir selten sagen "Na klar!", sondern mich anschauen und verwundert bis mitleidig fragen: "Und das meinst Du ernst?"
    • Das war ein Tippfehler: Das sollte "Kinder" heißen ("Kunder" stand im Original dort). - MR
      • grins - Und ich dachte mir schon, Du habest Kunden, welche die Zeichen der Zeit zumindest ansatzweise erkannt hätten... -- BDH - 03 Jun 2006
  • Oder dass ich Martin bisher einmal gesehen habe.


 
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