Dies ist der private Weblog von Beat Döbeli Honegger

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GMLS-Korrektur-Unlust
Aus der Serie: Gefühle in GMLS-Zeiten

21 October 2026 | Beat Döbeli Honegger | GMLS, PHSZ

Es geht weiter mit der Serie "Gefühle in GMLS-Zeiten", heute mit dem Gefühl der GMLS-Korrektur-Unlust:

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Immer mehr Hochschuldozierende beklagen sich darüber, dass abgegebene Arbeiten von Studierenden sehr nach generativen Machine-Learning-Systemen klingen. Prominent hat das die Literaturwissenschaftlerin Anna Wolter in der FAZ am 29.05.2026 formuliert Biblionetz:t33666. Sie meinte GMLS gefährden das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden (Biblionetz:a01592):

Ehrlich gesagt ertappe ich mich oft dabei, in jeder herausragenden Arbeit eher die Leistung von KI zu sehen als die von Studenten aus Fleisch und Blut. Ich weiß, dass ich meine Unvoreingenommenheit und mein Vertrauen verloren habe, und das macht mich unruhig.

und

So liegen mir Arbeiten von Studenten vor, die im Seminar kaum einen korrekten englischen Satz formulieren können, deren schriftliche Ausführungen jedoch plötzlich Harvard-Niveau erreichen. Der entscheidende Unterschied zu früher: Ich kann nichts mehr nachweisen. Die Freude am Lesen dieser Hausarbeiten, am intellektuellen Austausch mit den Texten und ihren Verfassern, ist nahezu erloschen.

Die GMLS-Korrektur-Unlust ist nicht zwingend mit einer Schuldzuweisung an die Studierenden, die GMLS als Abkürzung (Biblionetz:w03717) verwenden, verbunden. Oft ist es eher eine Art Trauer, dass sich die Situation so entwickelt, wie sie es tut.

Ein aktuelles Beispiel aus dem eigenen Unterrichtsalltag

Im Modul Informatikdidaktik des Fachdidaktikmasters Medien und Informatik müssen Studierende in einem Selbststudienauftrag Lehrpläne und Bildungsstandards miteinander vergleichen und uns diese Vergleich schriftlich abgeben. Sie sollen dadurch ein Gefühl für Lehrpläne und ihre Eigenarten und Unterschiede erhalten. Bisher enthielten die Abgaben der Studierenden oft persönliche Einschätzungen und auch Fehlvorstellungen. Diese konnten wir als Dozierende in der nächsten Präsenzveranstaltung aufgreifen und diskutieren. Seit GMLS werden die Abgaben von Jahr zu Jahr korrekter und glatter. Keine Fehler mehr, praktisch keine persönlichen Einschätzungen mehr. Damit verlieren die Abgaben für uns als Dozierende ihren Wert als formatives Assessment. Die Studierenden haben mit GMLS gearbeitet. Es kann sein, dass sie dabei etwas gelernt haben, dass die Chatbots sie auf Fehlvorstellungen aufmerksam gemacht haben - wir wissen es schlicht nicht. Damit macht aber das Lesen dieser Abgaben für uns keinen Sinn mehr. (Die Studierenden künftig aufzufordern, uns ihre Fragen oder Unklarheiten zu melden, hilft nur bedingt: Oft merken die Studierenden selbst gar nicht, dass sie etwas nicht oder falsch verstanden haben.)

Unser Rezept in diesem Moment der Überforderung: Diese Problematik mit unseren Studierenden diskutieren. Das geht bei uns einfacher als anderswo, weil wir Lehrpersonen und Didaktiker:innen ausbilden. Diese sind oder werden sich bald in der gleiche Situation befinden wie wir, also können wir die Diskussion als didaktischen Doppeldecker führen. Wirkliche Antworten haben wir bisher nicht.

GMLS-Phishing
... das Zeugs wird erschreckend gut

20 October 2026 | Beat Döbeli Honegger | GMLS

Heute bin ich erstmals Zeuge von GMLS-generiertem Phishing geworden. Jemand aus meinem Umfeld erhielt eine Mail, das aussah wie eine Kollaborationsanfrage für ein geteiltes Microsoft-Dokument:

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Namen von mir geschwärzt

So weit, so normal. Phishing wie man es so kennt. Inkl. zweier Sprachfehler, anhand derer ein geschultes Auge erkennt, dass dies nicht von Microsoft kommt.

Die angeschriebene Person hat aber verständlicherweise die beiden Sprachfehlerchen nicht gesehen und auf die Mail geantwortet, dass dies doch ein Versehen sein müsse. Und jetzt wird es spannend:

GMLS-induzierte Usability-Toleranz-Senkung
Aus der Serie: Gefühle in GMLS-Zeiten

13 October 2026 | Beat Döbeli Honegger | GMLS, Software, vibe coding

Menschen, die selbst Software herstellen, sind oft kritischer gegenüber gegebener (Standard-)Software als Menschen ohne Programmiererfahrung, weil sie wissen, dass es auch anders ginge. Für Menschen mit Programmiererfahrung ist dabei der Frust zweistufig: Als erstes ärgert man sich über unsägliche Usability einer Software. Fast schlimmer ist dann aber, dass die nicht programmierende Umgebung diesen Frust nicht versteht und lakonisch antwortet: "Das ist halt so." oder noch schlimmer mit: "Hast du denn keine anderen Sorgen?"

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Doch es besteht Hoffnung: Nachdem nicht-programmierende Menschen erlebt haben, wie sich mit Hilfe generativer Machine-Learning-Systeme (GMLS) (Biblionetz:w02833) Software auch automatisiert herstellen (sprich: vibe-coden (Biblionetz:w03702)) lässt, sinkt auch ihre Toleranz gegenüber grottiger Usability.

GMLS-induzierte Usability-Toleranz-Senkung bezeichnet die sinkende Bereitschaft, unnötig komplizierte, schlecht anpassbare oder nutzerunfreundliche Software hinzunehmen, weil generative Machine-Learning-Systeme individuellere digitale Werkzeuge schnell erzeugbar machen.

Weniger akademisch formuliert:

GMLS-induzierte DIY-Unlust
Aus der Serie: Gefühle in GMLS-Zeiten

13 October 2026 | Beat Döbeli Honegger | GMLS

Der Begriff ist zugegebenermassen noch etwas sperrig - das dahinter stehende Gefühl ist aber stabil: Seit einiger Zeit fühle ich eine Unlust, Dinge selbst zu machen, von denen ich weiss, dass ein generatives Machine-Learning-System (GMLS) (Biblionetz:w02833) es automatisch und deutlich schneller könnte.

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GMLS-induzierte DIY-Unlust (kurz: GMLS-Unlust): Die sinkende Motivation, eine Tätigkeit selbst auszuführen, sobald sobald bekannt ist, dass ein generatives Machine-Learning-System sie schnell automatisch erledigen könnte.

Ein konkretes Beispiel:

GMLS-FOMO
Aus der Serie: Gefühle in GMLS-Zeiten

13 October 2026 | Beat Döbeli Honegger | GMLS

Die Entwicklungen im Bereich generativer Machine-Learning-Systeme (GMLS) (Biblionetz:w02833) ist in meiner Wahrnehmung weiterhin so hoch, dass mich öfters ein latentes Gefühl von GMLS-FOMO beschleicht:

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Was meine ich damit? Mein Arbeitsalltag ist gut gefüllt, meine Pendenzenliste (über-)voll. Ich beobachte aus den Augenwinkeln, was andere um mich herum mit Hilfe generativer Machine-Learning-Systeme alles rasch und praktisch vollautomatisiert erledigen. Öfters habe ich das Gefühl, dass ich jetzt innehalten, Aufgaben liegenlassen und mir die Automatisierungspotenziale von GMLS genauer anschauen sollte, werde dann aber wieder von drohenden Deadlines und anderem davon abgehalten. Ich fühle mich dann wie der Neandertaler im berühmten Cartoon "No thanks - we are too busy" (dessen Ursprung sich auch mit längerer Recherche nicht wirklich eruieren liess), der weiterhin den Wagen mit den viereckigen Rädern schiebt, statt sich um die Innovationspotenziale zu kümmern.

P.S.: Im Kleinen zeigt sich grad, dass es sich lohnt, innezuhalten und etwas am Arbeitsablauf zu ändern. Das gestern entstandene Wiki-Plugin für das Einfügen von Biblionetzverweisen im Wiki erweist sich bereits als nützlich und gibt mir das Gefühl, das Biblionetz viel rascher greifbar zu haben ("Biblionetz at your fingertips")

P.S. II: FOMO: Fear of missing Out, neudeutsch für: Die Angst, etwas zu verpassen. (Biblionetz:w02486)

Kontakt

  • Beat Döbeli Honegger
  • Plattenstrasse 80
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  • E-mail: beat@doebe.li
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