Wissenschaft

Die Abgabe der Diplomarbeiten unserer Studierenden steht bevor. Ich habe mich anerboten, Entwürfe zu überfliegen und zu kommentieren. Ich erhalte Arbeiten mit Tabellen- und Abbildungsverzeichnissen ! Auf meine Frage, wozu die denn gut seien, ernte ich erstaunte Blicke. Das sei doch so üblich in wissenschaftlichen Arbeiten, darum hätten sie das auch so gemacht und sind stolz darauf, die entsprechende Funktion in der Textverarbeitung gefunden zu haben.

Ich habe bisher aber noch niemanden gefunden, der Tabellen- oder Abbildungsverzeichnisse (ausser vielleicht in der Kunstgeschichte) wirklich nutzt (nicht: macht). Ich sehe den Sinn von Inhaltsverzeichnissen und Indexen, aber ich habe noch nie ein Tabellenverzeichnis benutzt. Kann mir jemand weiterhelfen?
Ein Abbildungsverzeichnis ist bei mehr als zwei in der Arbeit dargestellten Abbildungen anzulegen. Das Abbildungsverzeichnis hat den Zweck, den Leser über die Zahl und die Titel der vorhandenen Abbildungen zu informieren sowie das Auffinden durch die Angabe der Seitenzahl zu erleichtern. Die Überschriften der Abbildungen müssen mit denen im Abbildungsverzeichnis völlig übereinstimmen. Für ein Tabellenverzeichnis gelten analog die Ausführungen zum Abbildungsverzeichnis. Falls die Zahl der Abbildungen und Tabellen gering ist, können Abbildungs- und Tabellenverzeichnis auch auf einer Seite aufgeführt werden. Im Sinne der Leserfreundichkeit ist es auch zulässig, ein gemeinsames Abb.- und Tab.-Verzeichnis zu erstellen. Man beginnt bei der Nummerierung von Tabellen also nicht bei 1, sondern wählt die fortlaufende Nummer im Abb.-Verzeichnis – und umgekehrt.

(vgl. http://www.ufo.tugraz.at/files/2002_11_18_wiss-arbeit_info.pdf S.6)
MB


Hallo Melanie, danke für dieses ausführliche Zitat. Es stellt aber eher eine normative Forderung dar und keine Beschreibung von NutzerInnen-Verhalten. Wer interessiert sich denn wirklich praktisch für die "Zahl und die Titel der vorhandenen Abbildungen" ? Wer sucht Abbildungen in Papers oder Büchern mit Hilfe von Abbildungsverzeichnissen? Nutzende von Abbildungs- und Tabellenverzeichnissen, bitte melden (beat@doebe.li)!

Wissenschaftlich schreiben

16 April 2006 | Beat Döbeli Honegger | Wissenschaft
Aus dem Referat von Prof. Dr. Helmuth Feilke (Universität Giessen) Wissenschaftliches und fachliches Schreiben in Aarau vom 22.3.2006:

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Nicht nur Forschung danach!

28 March 2006 | Beat Döbeli Honegger | PH Solothurn, Wissenschaft

Prof. Gabi Reinmann wird an der kommenden GMW-Tagung in Zürich im September einen eingeladenen Hauptvortrag unter dem Titel Nur Forschung danach? Vom faktischen und potentiellen Beitrag der Forschung zu alltagstauglichen Innovationen beim E-Learning halten.

Im Abstract plädiert sie dafür, dass die Pädagogik nicht nur Forschung danach betreiben und somit die Funktion des Innovationsmotors der Politik und der Wirtschaft überlassen soll. In anderen - insbesondere naturwissenschaftlichen - Disziplinen sei im Gegensatz zur Pädagogik der "Akt des schöperischen Planens und Entwerfens" wissenschaftlich anerkannt.

Dieser Abstract ist Wasser auf meine geistige Mühle. Seit längerem spüre ich, dass ich meine Forschung zum Thema "ICT in Bildungsprozessen" nicht auf empirische Überprüfung vorhandener ICT-Nutzung beschränken möchte. Ich sehe mich derzeit eher in der Rolle des Innovators, der neue technische Möglichkeiten auf ihre Tauglichkeit in Lehr-Lernszenarien überprüft und dazu schultaugliche Adaptationen neuer Informationstechnologien entwirft und in der Praxis testet. Aktuelle Beispiele:

  • Wiki in der (Hoch-)Schule:
    • Wie kann ein gemeinsamer, offener Hypertextraum für Lehr-Lernprozesse genutzt werden?
    • Welche Voraussetzungen sind zur Akzeptanz und zur Nutzung dieses Raums notwendig?
    • Welche Nutzungsszenarien zeigen sich?
    • Welche Best-Practice-Szenarien bilden sich bei welchen Rahmenbedingungen heraus?

  • Persönliche Handhelds in der Primarschule:
    • Hypothese 1: Der Fokus auf die Technik wird nach kurzer Zeit verschwinden, da die Geräte wie Papier und Bleistift zum Alltag der Kinder gehören werden. (Computernutzung wird kein Ereignis mehr sein).
    • Hypothese 2: Persönliche Handhelds eignen sich als persönliches Lern- und Arbeitsinstrument von Primarschulkindern.
    • Hypothese 3: Persönliche Handhelds können traditionelle Computer (Notebooks und Desktops) in der Primarschule zu einem grossen Teil ersetzen.

Es ist aber nicht einfach, diese Art der Forschung im Umfeld der Erziehungswissenschaft verständlich zu machen... ,

Shake and Paste

20 March 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbildung, Wissenschaft
Telepolis warnt vor grassierendem Plagiarismus:

Es gibt zwar noch keine harten empirischen Fakten, aber sehr wohl bereits Schätzungen: Rund ein Drittel aller studentischen Arbeiten könnten zumindest teilweise Plagiate darstellen. An den Universitäten wird mit Resignation oder relativ zahnlosem Kampf reagiert. Was an dem Betrieb systemisch falsch läuft, wird hingegen kaum gefragt.

Gefallen hat mir insbesondere der Abschnitt (den ich nun bewusst Copy & Paste):

Die Studenten sind dabei nicht nur Täter, sondern auch Opfer: Vor allem von Lehrpersonal, das die Zitierregeln selbst nicht beherrscht und wissenschaftliches Arbeiten so vermittelt, als wäre letztlich eh alles einerlei. Opfer aber auch von Lehrenden, die in ihrer fortschreitenden Unkreativität immer wieder dieselben Themen vergeben (Kants Ding an sich, das Werturteilsfreiheits-Postulat Max Webers, Bourdieus Habitus-Konzept) .

Siehe auch:

(Und damit ich mich nicht schuldig mache:)
Via: hodel.hist.net.blog Und wo ist jetzt der eigene Gedanke?? ,

Was ist Wissenschaft?

16 January 2006 | Beat Döbeli Honegger | Wissenschaft
Im letzten halben Jahr begann in meiner Arbeit eine unerwartete Frage aufzutauchen:

Was ist Wissenschaft?

Während meiner Zeit an der ETH hat sich diese Frage nie gross gestellt, sicher nicht während des Studiums, nur selten während des Doktorats.

In meinem neuen Arbeitsumfeld an der Fachhochschule stellt sich nun die Frage gleich mehrfach:

  • Wissenschaft in der Fachhochschule: Beim Übergang vom Lehrer/-innenseminar zur Pädagogischen Fachhochschule muss immer wieder diskutiert und definiert werden, was unter Wissenschaft und angewandter Forschung verstanden wird. Die brisanteste Frage ist dabei, welches Know-how für Forschung an einer Fachhochschule notwendig ist, oder kurz formuliert: Können auch Personen ohne akademischen Abschluss Forschung betreiben oder Wissenschaft lehren? Diese Akademisierung der Lehrer/-innenbildung ist nicht problemlos und führt zu einem Kulturwandel, der ohne geeignete Massnahmen zu Kränkungen und bleibenden Verletzungen führt.

  • Wissenschaft in der Informatik: Unter lauter Nichtinformatikern gerate ich plötzlich unter Erklärungsdruck, was denn Wissenschaft in der Informatik bedeute. Da Nichtinformatiker/-innen oft nicht verstehen, was Informatiker/-innen überhaupt machen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie sich noch viel weniger vorstellen können, wie man in diesem Bereich forschen kann.

  • Wissenschaft in der Diplomarbeit: Ich betreue derzeit Studierende im letzten Studienjahr bei der Diplomarbeit. An einer Besprechung vor ein paar Wochen wurde ich von den Studierenden gefragt, ob denn ihre von mir betreute Diplomarbeit von der Pädagogischen Hochschule überhaupt akezptiert werde. Wenn sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen vergleichen würden, so sähen sie, dass diese etwas ganz anderes machen würden. Nun hätten sie Angst, dass ihre Arbeit nicht wissenschaftlich sei.

Da mich diese Frage in der nächsten Zukunft sicher weiter beschäftigen wird, gibt's nun eine neue Kategorie: . Die Ergebnisse meiner Forschungen smile werden dort zu finden sein...

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  • Beat Döbeli Honegger
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