Ich erlebe derzeit einen leicht erhöhten FutureSchockLevel: Ich habe vor einigen Tagen angefangen mit dem GMLS-System (
Biblionetz:w02833) Claude zu arbeiten und damit meine selbst programmierte Literaturdatenbank (
Biblionetz:w00778) zu überarbeiten und erweitern. Ich bin geflasht davon, wie Claude den im Netz zu findenden, aber bei mir nicht funktionierenden
MCP-Server (
Biblionetz:w03705) analysieren und zum Laufen bringen konnte und wie ich seither mit Claude über meine Datenbank und den damit verbundenen Code sprechen kann und mir Claude grad Erweiterungen schreibt - entweder direkt in der Datenbank in (Vorsicht: legacy code)
Visual Basic for Applications (VBA) oder aber moderner in Python. Wenn dann noch in einem Fenster der Livestream des 3D-Druckers läuft, der in einem anderen Zimmer etwas druckt, was man mit einem GMLS-Bot und Open-SCAD entwickelt hat, wird einem schon etwas
agentic zu Mute...
Worum geht es?
Bisher (TM) sind GMLS-Chatbots rein aufs Reden bzw. Schreiben beschränkt, d.h. man spricht mit den Systemen und sie geben unter Umständen Hinweise, was man im Netz oder auf dem eigenen Computer nun tun müsste, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Rein technisch müssen aber solche Systeme nicht aufs Ausgeben von Text und Bildern beschränkt sein. Sie könnten auch beliebigen Programm-Code ausführen und damit von
Antwortmaschinen zu
Machmaschinen werden. Technisch hat dies das sogenannte
Modell-Context-Protokoll (MCP) vereinfacht, der standardisiert einem GMLS-Programm bestimmte Möglichkeiten gibt bzw. erklärt, mit einer Umgebung zu interagieren (z.B. lokales Datei- oder gar Betriebssystem, lokal installierte Bildbearbeitung etc.). Damit werden die möglichen Effizienzgewinne noch grösser (aber auch die Sicherheitsprobleme - darüber ein andermal...)
Was habe ich konkret gemacht?
Ich habe im Netz einen MCP-Server für Microsoft Access gefunden. Es gibt zahlreiche, ich habe mehrere ausprobiert und mich letztendlich für den von
fieldcommissioner entschieden. Aber auch dieser MCP-Server hat bei mir mit Claude Desktop nicht funktioniert.
Der erste Anstieg meines Future Shock Levels war nun, dass ich Claude bitten konnte, den auf github verfügbaren Quelltext dieses MCP-Servers zu analysieren und interaktiv mit zusammen eine Fehleranalyse vorzunehmen und den MCP-Server zu reparieren. Es war fazinierend zuzuschauen, wie das GMLS Claude sozusagen an einer Erweiterung von sich selbst herumoperiert und damit seine eigenen Möglichkeiten erweitert hat. Und: Nach einem Abend hatte ich einen funktionierenden Zugang zu meiner Access-Datenbank!
Was macht das mit mir?
Ich muss zugeben, dass ich mir schon geschmeichelt vorkam, als Claude meine Biblionetzdatenbank erkundete und mich dafür lobte, auch wenn ich weiss, dass
GMLS-Schmeichelei (engl: sycophancy) (
Biblionetz:w03743) problematisch ist. Aber es ist trotzdem ein cooles Gefühl, wenn man plötzlich mit der eigenen Datenbank und den eigenen Code reden kann und erstaunlich kompetente Antworten enthält.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Derzeit habe ich das Gefühl, Softwareentwicklung kommt ein neues Level: Programmiersprachen und Compiler haben vor Jahrzehnten geholfen, dass man nicht mehr in Maschinensprache programmieren musste. Nun kommen GMLS und helfen, dass ich nicht mehr jede einzelne Funktion programmieren muss. (kitzekleiner Unterschied: Beim Compiler konnte ich davon ausgehen, dass er meine Anweisungen fehlerfrei in Maschinencode übersetzt. Jetzt bei GMLS bin ich mir da nicht so sicher...).
Zudem: Ich habe mal vor Jahren Informatik studiert, kenne also gewisse Software-Architekturprinzipien und kann diese jetzt auf höherer Abstraktionsebene anwenden. Ich bin gespannt, wie weit man mit solchen Werkzeugen auch ohne das entsprechende Konzeptwissen kommt.
Die Kehrseite der Medaille
Leider kann man sich nicht naiv über die neuen technischen Möglichkeiten freuen, wenn man gleichzeitig lesen muss, wofür maschinelles Lernen auch genutzt wird und man sich vorstellt, was hier agentische Systeme ermöglichen werden: Palantir hilft gemäss
404 media (
Biblionetz:t33168) in den USA der ICE, mit Hilfe von Software Menschen zu finden, die man deportieren könnnte.
