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Virtuell Brainstormen

01 Oct 2009 - 21:37 | Version 7 |
Hinweis: Dies ist ein preaching to the converted-Posting. Wer diesen Beitrag liest, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr von seinem Inhalt überzeugt werden.

Vor einer Woche habe ich ein neues Projekt angepackt (worum es inhaltlich geht, ein andermal). Ich bin also hingesessen und habe mir so meine Gedanken gemacht. Irgendwann waren meine Gedanken fürs Erste so weit geordnet, dass ich sie gerne mit anderen diskutieren wollte. Ich schmiss meine Überlegungen in einen Skype-Chat, in welchen ich sechs potenziell am Thema Interessierte einlud. Dummerweise wurde ich dann im Büro durch etwas anderes abgelenkt, so dass ich die Chat-Diskussion sich selbst überlassen musste.

virtuell-brainstormen-01.jpg

Als ich nach einiger Zeit zurückkam, stellte ich mit grosser Freude fest, dass da in meiner Abwesenheit heftig diskutiert worden ist. Obwohl die Diskutierenden sicher alle auch viel zu tun hatten, war das Thema anscheinend attraktiv genug und somit in der HierarchieDesDigitalenAblenkungspotenzials genügend weit oben ;-).

Der Chat war meiner Ansicht nach bereits unübersichtlich geworden, so dass ich vor dem nach Hause Gehen rasch ein Etherpad aufsetzte, eine Webseite auf der alle ohne Registration schreiben und somit die Gedanken ordnen konnten:

virtuell-brainstormen-02.jpg

Am Abend wurde in Skype fleissig weiterdiskutiert und in Etherpad Gedanken gesammelt. Bereits am nächsten Morgen war die Diskussion so verästelt, dass meiner Ansicht nach auch eine einzelne Webseite nicht mehr ausreichte, um die Gedanken sinnvoll zu ordnen. Ein Wiki musste her! Also eröffnete ich auf meinem Wiki-Server rasch einen neuen Bereich, legte erste Seitenstrukturen an und lud die Diskutierenden ein, die verschiedenen Aspekte des Themas auf den vorbereiteten Wikiseiten weiter zu erörtern, was zu meiner Freude dann auch geschah:

virtuell-brainstormen-03.jpg

Irgendwann lehnte ich mich zurück und schob die inhaltlichen Gedanken beiseite. Ich war begeistert von dem, was da in den letzten 18 Stunden ganz selbstverständlich passiert war:

Eine Gruppe von an unterschiedlichen Orten arbeitenden WissensarbeiterInnen hat innert kurzer Zeit eine Frage aufgenommen und eine erste Auslegeordnung hergestellt und dabei problemlos drei verschiedene digitale Werkzeuge zur gemeinsamen Arbeit verwendet.

Keine Diskussion zu den Werkzeugen, keine Erklärungen, kein Anmeldeprobleme, nichts. Die Werkzeuge waren da, wurden aber als solche nicht mehr wahrgenommen, so wie ich beim Schreiben auch selten an den dabei genutzten Papierblock denke.

So muss es doch sein. Die digitalen Werkzeuge waren für diese Gruppe so alltäglich geworden, dass sie aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwunden waren. Diese Selbstverständlichkeit möchte ich gerne vermitteln können, wenn ich in Vorträgen oder Diskussion zu zeigen versuche, wie das Arbeiten in der Informationsgesellschaft aussehen kann.

Diese virtuelle Zusammenarbeit hat meiner Meinung nach übrigens darum so gut geklappt, weil sich viele der Beteiligten auch real kannten. Ich bin der Überzeugung, dass virtuelles Arbeiten realer Begegnungen bedarf. Nur so kann das Vertrauen und die notwendige Vertrautheit entstehen, dass auch beim virtuellen Zusammenarbeiten wo teilweise die nonverbalen Botschaften und andere wichtigen Signale fehlen, keine Missverständnisse und Missstimmungen auftreten.

So, und zum Abschluss habe ich mir diese Erfahrung auch noch durch die Brille des Informationswissenschafters angeschaut:

virtuell-brainstormen-04.jpg

  1. Als erstes haben wir ein multi-user Werkzeug verwendet, das im Diskussionsmodus funktioniert:
    Es gibt nur einen einzigen Raum, Nutzende können nur am einen Ende etwas hinzufügen.
  2. Danach kam ein multi-user Werkzeug hinzu, das auf dem single-document-Modus beruht:
    Es gibt nur einen einzigen Raum, Nutzende können überall etwas hinzufügen oder Bestehendes ändern und löschen.
  3. Schliesslich kam mit dem Wiki ein multi-user-Werkzeug hinzu, dass mehrere getrennte Räume bietet:
    Im multi-document-Modus können Nutzende auf verschiedenen Seiten etwas hinzufügen oder Bestehendes ändern und löschen.

Hallo Beat

Spannend - auch der Inhalt der Brainstorminarbeit smile

-- MartinHofmann - 17 Sep 2009

Hallo Beat,

ja -> dahin sollte wohl der weg führen smile Sicherlich gibt es auch einen gewissen Teil, der mit solcher socialsoftware schon unbewusst umgeht.

Doch wie sieht es in der Bildung bzw. ausbildung hin zu solchen Fähigkeiten im Umgang mit social Software aus? Hier muss man es dann in einem längeren Prozess schaffen, zunächst die wesentlichen Kompetenzen zu entwickeln -> danach die Nutzer zu sensibilisieren ("think before u post" usw.) -> und erst dann wird man nach längeren einüben zu dem stand gelangen dass auch die Junge generation "verantwortungsvoll-unbewusst"?:-P mit solchen Applikationen umzugehen weiß, oder wie sehen Sie,du das?

Etwas widersprüchlich aber gleichzeitig sehr interessant finde ich auch den Aspekt, dass ja eigentlich erst der Nutzer (d.h. wie ein Nutzer eine Applikation nutzt -> also bewusst) diese als web2 applikation charakterisieren lässt?

Dieser Blogentry spiegelt also meiner Meinung nach einen sehr spannenden und interessanten Aspekt wieder allerdings geht er meiner Meinung nach schon fast einen Schritt zu weit in Richtung - das wäre das große Ziel - fraglich bleibt wie solche Kompetenzen in der Realität großen Menschenmassen vermittelt werden könne ? hm...

viele grüße tobi

-- TobiasHufnagel - 18 Sep 2009


Hallo Tobias,
natürlich bin ich mir bewusst, dass es noch ein langer Weg ist, bis solche Arbeitsweisen allgemein üblich geworden sind. Doch in diesem Post wollte ich meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass mindestens mein Umfeld genügend early adopters enthält, mit denen man bereits jetzt so arbeiten kann.

P.S. Ich kann den Widerspruch in der Aussage nicht sehen, dass erst der User ein Werkzeug zu einem Web 2.0 Werkzeug macht. Klar. Technik bietet Potenziale, aber der Mensch muss sie nutzend gestalten. Technik determiniert selten.

-- BeatDoebeli - 19 Sep 2009

Yes - so soll es sein! Ich habe auf der GMW 2009 mit Etherpad experimentiert und bin begeistert. Keine Funktionsfülle, aber genau das, was ich brauche, ohne viel Umstand, einfach transparent.

Jetzt wünsche ich mir für die GMW10 Strom an jeden zweiten Platz (wir heben jeden Platz für die GMW11 auf).

D. Weber-Wulff

-- WeWu - 19 Sep 2009

Lieber Beat Genau den gleichen Prozess haben wir gerade verfolgt, ganz unabhängig von dem Weblog-Beitrag: erst skype, nun etherpad ... da stehen wir noch, vielleicht schaffen wir den Sprung noch ins Wiki?

-- MandySchiefner - 01 Oct 2009
 
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