Schul-ICT, Mar 2008

One to One Computing an der ZIS

17 March 2008 | Beat Döbeli Honegger | Schul-ICT, Tablet-PC

Letzten Freitag hatte ich dank der Vermittlung von Tom Zimmermann von Pathworks die Gelegenheit zusammen mit Vetreterinnen und Vertretern der ETH und der Kantonsschule Hohe Promenade die Zurich International School zu besuchen und mich über ihre Aktivitäten im Bereich ICT informieren zu lassen.

Die Zurich International School ist eine unabhängige Schweizer Privatschule mit derzeit ca. 1200 Schülerinnen und Schülern an vier Standorten im Kanton Zürich, die sich insbesondere auf die Bedürfnisse von Kadermitarbeitenden internationaler Konzerne richtet. Schülerinnen und Schüler der ZIS sind im Durchschnitt drei Jahre an der Schule, bevor die Eltern die Schweiz wieder verlassen.

An den Ausführungen von Greg Curtis, dem derzeitigen Curriculums-Verantwortlichen der ZIS fand ich insbesondere folgende Aussagen bemerkenswert:

  • Committment der Schulleitung: ICT-Integration ist ein strategisches Ziel der ZIS und geniesst die volle Unterstützung der Schulleitung
     
  • Schriftliche Vision und Zielvereinbarungen: Die Vision der Schule im Bereich ICT ist in zahlreichen Dokumenten verschriftlicht (Siehe auch Biblionetz:a00298), aber auch in jährlichen Zielvereinbarungen mit den Lehrpersonen überprüfbar gemacht worden.
     
  • Einbezug aller Beteiligten: Die ZIS hat zahlreiche Workshops zur Strategieplanung organisiert (unter Einbezug internationaler Experten...), bei denen auch Eltern sowie Schülerinnen und Schüler einbezogen worden sind. (Siehe auch Biblionetz:a00299)
     
  • Ein-Notebook-pro-SchülerIn-Projekt: Die ZIS startet im Schuljahr 2008/2009 mit einem ENpS-Projekt (Biblionetz:w00753) (Planungdokument PDF-Dokument, Präsentation PDF-Dokument)
    • Die beteiligten Lehrpersonen erhielten mit einem Jahr Vorlauf persönliche Notebooks
    • Die Schülerinnen und Schüler werden mit Lenovo Tablet-PCs ausgerüstet werden
       
  • Architecture follows function: Derzeit expandiert die ZIS und baut in Adliswil ein neues Schulhaus für 450 Schülerinnen und Schüler, das bereits in der Ausschreibung für Architekten auf die Bedürfnisse von One to One Computing ausgerichtet worden ist:
    • Viel öffentlicher Raum zum individuellen und gemeinsamen Arbeiten
    • Schiebewände erlauben das Verkleinern und Vergrössern der Schulzimmer je nach Bedarf:
      zis01.jpg

      zis02.jpg
    • Vollverkablung mit 10GBit/s-Ethernet für zukünftige Breitbandanwendungen
    • Funkvernetzung auf dem gesamten Areal
    • Stromanschlüsse bis zum Abwinken
       
  • Keine Internet-Filterung: Die ZIS verzichet auf jegliche Filterung des Internets und hat bisher auch keine entsprechenden Forderungen von Eltern erhalten.

Insgesamt war es spannend zu hören, welche anderen Möglichkeiten, aber auch welchen Druck eine Privatschule hat und wie sich das auf die ICT-Strategie auswirken kann. Wenn ich das bisherige Vorgehen der ZIS mit anderen Schulen vergleiche, dann scheinen mir vor allem folgende Faktoren den Unterschied auszumachen: * Das Commitment der Schulleitung, * ein initiativer und überzeugender Projektleiter, * Jahresverträge mit den Lehrpersonen und Zielvereinbarungen, * sowie die finanziellen Möglichkeiten.

(Bevor die ZIS jetzt aufschreit und betont, dass sie nicht übermässig viel Geld in ICT investiere: Die Möglichkeit, dass alle Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern zum Kauf eines bestimmten Notebook-Modells verpflichtet werden können (selbst wenn die Kinder bereits ein Laptop besitzen sollten...) ist in öffentlichen Schulen zumindest bisher nicht gegeben.)

Beim ENpS-Programm der ZIS hat mich auch gefreut zu hören, dass zahlreiche Empfehlungen, die wir 2001 in der Broschüre Empfehlungen zur Planung und Umsetzung eines Ein-Notebook-pro-StudentIn-Programms (Biblionetz:b00711) gesammelt und formuliert haben, so umgesetzt worden sind. In der Broschüre steht ja nichts Überraschendes, eigentlich nur gesunder Menschenverstand wink

Weitere Ressourcen:

Dropbox ohne LMS

15 March 2008 | Beat Döbeli Honegger | Schul-ICT
Scott Wilson macht auf den neuen Webdienst drop.io aufmerksam, der das einfache Austauschen von Dateien ermöglicht:

Drop.io enables you to create simple private exchange points called "drops."

The service has no email signup and no "accounts." Each drop is private, and only as accessible as you choose to deliberately make it. Create multiple drops, add any type of media, and share or subscribe as you want. To make a drop just click the big red button that says 'drop it' (more)

Add to each drop via:

  • web (drop.io/thedropname)
  • email (thedropname@drop.io)
  • phone (646-XXX-XXXX ext. XXXXX)
  • widget embeddable in other pages

"no email signup and no accounts." Cool: So einfach wie doodle wink

Wer's ausprobieren will:
drop.io: simple private sharing

Die Url der Dropbox lautet http://drop.io/beatstestdrop und es gibt einen RSS-Feed dazu

Scott Wilson und andere weisen auf die Einsatzmöglichkeit im Bildungsbereich hin (wobei Stephen Downes es zuerst entdeckt hat): Will man sich vom monolithischen LMS lösen, so ist drop.io ein schöner Ersatz, um Arbeiten und Leistungsnachweise einzusammeln oder (wenn man anderen den Zugriff erlaubt) Dokumente auszutauschen.

Was heisst da "schöner Ersatz"? drop.io bietet sowohl mehr Möglichkeiten als auch eine bessere Usability als die mir bekannte Drop-Box-Funktion in Blackboard:
  • Daten kann ich per Web, Mail, Fax (!), Telefon (!!) deponieren
  • Die Dropbox lässt sich einfach in andere Webseiten integrieren (auch in Blackboard wink )
  • Über Neueingänge kann ich mich per Mail oder RSS informieren lassen
  • Dateien kann ich einzeln oder als gezipptes Gesamtpaket abholen

Fazit: LMS: drop it.

Großartig, vielen Dank für den Tipp! Auch die Möglichkeit, die Dateien direkt abzuspielen oder anzusehen, ist sehr professionell. Jetzt fehlt nur noch eine bessere Netzanbindung für drop.io. Mein Upload war gerade 30kbit/s langsam... Der Download war allerdings sehr viel besser. (Nein, es lag nicht am DSL-Zugang, der hatte noch große Reserven...) -- Main.TorstenOtto - 15 Mar 2008

Blackboard-Patentstreit

02 March 2008 | Beat Döbeli Honegger | RechtUndInformatik, Schul-ICT
Während an den morgigen Berner Telematiktagen das Learning Management System Blackboard (Biblionetz:w01598) als state of the art learning management system präsentiert werden wird, urteilt die Edu-Blogosphäre derzeit deutlich negativer. Der Grund ist ein laufender Patentstreit:

Die Firma Blackboard hat im Januar 1996 das US-Patent Patent 6,988,138 PDF-Dokument über "Internet-based education support system and methods" zugesprochen erhalten, das Verfahren zur webbasierten Ankündigung, Studierendenzuteilung, Informationanzeige und Noteneinsicht von Lehrveranstaltungen beschreibt. Bereits ein halbes Jahr später hat die Firma Blackboard Klage PDF-Dokument gegen die Firma Desire2Learn wegen Verletzung eben dieses Patents erhoben.

Darauf hin ging ein erster Sturm der Entrüstung los, weil viele das Patent von Blackboard als Trivialpatent bezeichneten. Die Beschreibung sei so allgemein gehalten, dass sich mit diesem Patent prakisch sämtliche derzeitigen Learning Management Systeme der Patentverletzung schuldig machen würden. Davon betroffen wären nicht nur kommerzielle Learning Management Systeme, sondern auch Open-Source-Produkte wie Moodle, Ilias oder Sakai.

Aus diesem Grund wurde in der Folge versucht, die Gültigkeit des Patents anzufechten, indem gezeigt werden soll, dass Blackboard nicht die ersten waren, welche die in der Patentschrift verwendeten Verfahren angewendet haben. Entsprechende Dokumentationen sind in der englischsprachigen Wikipedia und auf der Website von Moodle zu finden. Am 25.Januar 2007 wurde die Aufforderung ans US-Patentamt gutgeheissen, die Gültigkeit des Blackboard-Patents aufgrund der neuen Beweislage ("prior art") neu zu prüfen. Das Ergebnis dieser Gültigkeitsprüfung steht noch aus.

blackboard-boykott.jpg

Ausgelöst durch diesen Patentstreit enstanden auch mehrere Protestbewegung, einerseits konkret gegen die Firma Blackboard unter http://www.boycottblackboard.org/ und andererseits generell gegen Patente im Bildungswesen.

Im Februar 2007 versuchte die Firma Blackboard die Wogen zu glätten, indem sie versicherte, ihre Patente nicht gegen Open Source LMS einzusetzen:

Blackboard hereby commits not to assert any of the U.S. patents listed below, as well as all counterparts of these patents issued in other countries, against the development, use or distribution of Open Source Software or Home-Grown Systems to the extent that such Open Source Software and Home-Grown Systems are not Bundled with proprietary software.

Den Rechtsstreit mit der Firma Desire2Learn hingegen wurde aufrecht erhalten. Am 22. Februar 2008 hat nun ein texanisches Gericht entschieden, dass die Firma Desire2Learn tatsächlich das Patent der Firma Blackboard verletze, was den jüngsten Entrüstungssturm ausgelöst hat (z.B. bei slashdot).

Der endgültige Ausgang dieses Patentstreits ist noch nicht absehbar, da das Ergebnis der Gültigkeitsprüfung noch länger auf sich warten lassen dürfte.

Why do I blog this: Die ganze Geschichte ist aus zwei Gründen interessant:
  • Einerseits wird spannend zu beobachten sein, wie dieser Rechtsstreit die LMS-Szene beeinflusst, ob z.B. dadurch Open-Source-LMS Aufwind erhalten.
  • Andererseits zeigt dieser Patentstreit deutlich, welche Folgen die Patentierbarkeit von Software haben kann. Dies könnte die Diskussion um Softwarepatente in Europa beeinflussen (siehe auch http://www.nosoftwarepatents.com).

Siehe auch:

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