Informatik

Informatik erweitert Horizonte

04 October 2013 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Veranstaltung
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Unter dem Motto Informatik erweitert Horizonte findet derzeit (26.-28.09.2013) in Kiel die 15. Informatik-Fachtagung "Informatik und Schule" (INFOS) statt. Und die Tagung erweitert meine Horzonte!

Ich durfte die Tagung mit meiner Keynote Informatik ist mehr als Informatik! eröffnen, wo ich endlich das Geheimnis meines Doppelnamens lüften konnte:

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Im "seriösen" Teil des Vortrags sprach ich über den Leitmedienwechsel und die möglichen Reaktionen der Bildungspolitik darauf. Diese Gedanken sind nicht brandneu, sondern in den vergangenen zwei Jahren in verschiedenen Vorträgen gereift. Die Reaktionen im Anschluss an mein Referat zeigten mir jedoch, dass die Gedanken für das Publikum nicht alle bereits bekannt und trotzdem anschlussfähig waren wink Dank des begleitenden Beitrags PDF-Dokument im Tagungsband sind die Überlegungen nun auch schriftlich verfügbar (und damit auch besser zitierbar).

In der ersten Hälfte der Tagung habe ich einige spannende Inputs erhalten, die mich auch von der Ausrichtung der Informatikdidaktik im vergleich zu früheren INFOS-Tagungen gefreut haben. So habe ich mich erstmal genauer mit http://www.informatik-im-kontext.de/ beschäftigt, mit Informatisches Töpfern einen neuen Begriff für Tinkering mit Sensoren und Aktoren etc. kennen gelernt (siehe Biblionetz:t15730) oder coole Unterrichtsbeispiele im Bereich Medizinische Informatik gesehen (Biblionetz:t15709), wobei mir nicht die medizinische Informatik an und für sich wichtig schien, sondern das Einbetten informatischer Themen in konkrete lebensnahe Settings.

Der Tagungsband PDF-Dokument (Biblionetz:b05349) ist online verfügbar, somit lässt sich auch ohne Besuch vor Ort etwas Tagungsluft schnuppern. Als Schweizer konnte ich dafür etwas von der grossen Welt erschnuppern, wenn im Hafen die grossen Schiffe ein- und Auslaufen:

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Apropos Horizonte: Selbst die Tagugnsorganisation war überrascht, dass sich 5 Minuten vom Tagungsort ein lauschiger kleiner See verbirgt:

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Und am Konferenzdinner:
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Sag ich doch.

-- Main.OlivierWueest - 03 Oct 2013 Hmmmm.... 86 l(iter)... Wohl etwas gar durstig nach dem Anblick dieses lauschigen, kleinen Sees... wink

-- Main.OlivierWueest - 03 Oct 2013 Nein, das kommt davon, dass ich so viel geredet habe...

-- Main.BeatDoebeli - 04 Oct 2013

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IT-dreamsjobs.ch

02 October 2013 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Seit einer Woche ist die neuste Imagekampagne der IT-Branche am Laufen. Mittels Plakaten wird für die Website http://it-dreamjobs.ch geworben:

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Mir gefällt die Kampagne, insbesondere auch, weil das Zielpublikum (sprich die GymnasiastInnen) in die Lancierung integriert worden ist. Damit werden solche Kampagnen (hoffentlich) weniger peinlich und anbiedernd...

Informatik ist enkeltauglich!

20 September 2013 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Gestern (19.09.13) hat sich die Bildungskoalition NGO in einem Positionspapier zum Lehrplan 21 PDF-Dokument (Biblionetz:t15706) geäussert.

Bildungskoalition NGO ist eine Zusammenschluss von über 30 "grossen nationalen Nicht-Regierungsorganisationen, um die Anliegen der Kinder und Jugendlichen sowie der Zivilgesellschaft in Bildungsfragen besser zu vernetzen und ihnen zum Durchbruch zu verhelfen."

"2012 hat sich die Bildungskoalition NGO neu vernetzt und organisiert. Das Spektrum der Mitgliederorganisationen in der Bildungskoalition NGO ist breiter geworden und umfasst: Jugendverbände, Umweltverbände, Gesundheitsorganisationen, Entwicklungsorganisationen, Menschenrechtsorganisationen" (Quelle)

Mit dem coolen Schlagwort enkeltauglich betont die Bildungskoalition, dass Bildung auf die Zukunft ausgerichtet sein muss:

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Bezüglich Lehrplan 21 (Biblionetz:w02172) fordert nun die Bildungkoalition NGO folgendes:

5. Positionierung von ICT und Medien als überfachliches Thema

Die Bildungskoalition NGO begrüsst die verbindliche Verankerung von ICT und Medienkompetenzen als überfachliches Thema im Lehrplan 21. Dabei ist die Festlegung einer Anzahl Stunden pro Schuljahr unerlässlich. ICT und Medien sind eine Kulturtechnik und stehen mit anderen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Mathematik in enger Verbindung. Der Lehrplan 21 soll für ICT und Medien ein verbindliches Zeitgefäss schaffen und den Kompetenzaufbau in der Verbindung mit überfachlichen Themen gestalten.

Eine Integration von ICT, Medien und Informatik in den Fachlehrplan Natur, Mensch, Gesellschaft, wie von der IT-Fachwelt gefordert, wird abgelehnt (siehe Positionspapier ICT Switzerland). Informatik kann als Frei- und Wahlfach für interessierte Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Der Lehrplan 21 ist branchenneutral zu gestalten und soll eine gleichwertige Vorbereitung für alle Berufsfelder und Bildungswege ermöglichen.

Aus dieser Stellungsnahme lese ich folgende Punkte:

  1. Das Thema "ICT und Medien" benötigt eine grössere Verbindlichkeit (in Form einer Stundendotation).
  2. "ICT und Medien sind eine Kulturtechnik"
  3. Informatik soll nur ein Freifach sein
  4. "Der Lehrplan 21 ist branchenneutral zu gestalten" (implizit: und darum ist das Positionspapier von ICTswitzerland abzulehnen)

Während ich die ersten beiden Aussagen zu 100% unterschreibe, bereiten mir die letzten beiden grosse Sorgen.

Gerade aus Sicht der Enkeltauglichkeit darf für mich Informatik kein reines Freifach sein. Informatik gehört vermutlich gerade zu den Wissenschaften, welche die Zukunft in erheblichem Masse prägen werden. Eine zukunftsgerichtete Bildung darf darum nicht nur die naturwissenschaftlichen Themen abdecken, welche bereits in der Vergangenheit relevant waren, sondern muss auch Informatik als Zukunftsthema integrieren.

Informatik und Bildung für nachhaltige Entwicklung haben grosse Schnittmengen. 2010 habe ich im Blogposting Systemdenken als Schnittmenge von Informatik und BNE erstmals versucht aufzuzeigen, dass die beiden Themen mehr gemeinsam haben, als oft auf den ersten Blick gesehen wird. Informatik enthält gerade das Denken in Systemen, Zusammenhängen und Abläufen, wie sie unter anderem im Bereich BNE (Biblionetz:w01620) gefordert werden. Systemdenken (Biblioetz:w00104), Simulation von Räuber-Beute-Systemen, Modellierung und Visualisierung von gegenseitigen Einflüssen und Abhängigkeiten: Das sind Themen von Informatik und BNE!

Informatik ist keine Branchenforderung!. Die Aussage, der Lehrplan 21 sei branchenneutral zu gestalten, halte ich für einen vorschnellen Abwehrreflex. Niemand würde auf die Idee kommen, das Thema Chemie aus dem Lehrplan 21 zu streichen, nur weil es in Basel ein einflussreiche chemische Industrie hat. Das Positionspapier von ICTswitzerland (Biblionetz:t15700) wurde zwar vom Branchendachverband publiziert, aber zu 100% von Personen formuliert, die im Bildungswesen aktiv sind. Drei von fünf der Beteiligten arbeiten an Pädagogischen Hochschulen und haben auf Einladung der D-EDK auch am offiziellen Lehrplan 21 mitgearbeitet:

  • Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger, Institut für Medien und Schule, PH Schwyz *
  • Claudia Fischer MA, Beratungsstelle für digitale Medien an Schulen-imedias, PH FHNW*
  • Prof. Dr. Werner Hartmann, infoSense, ehemaliger Informatik-Fachdidaktiker ETHZ und PHBern
  • Prof. Dr. Juraj Hromkovic, ETH Zürich, aktueller ETH-Informatik-Fachdidaktiker
  • Prof. Dr. Thomas Merz, Fachverantwortlicher Medienbildung, PH Thurgau *

* = Mitglieder der Arbeitsgruppe „ICT und Medien“ des Lehrplans 21 von 2010-2012

Lehnt man nun die Forderung des Positionspapiers von ICTswitzerland aufgrund der Herkunft ab, so ist das aus meiner Sicht ein argumentum ad hominem circumstantial (Biblionetz:w02147) und kein stichhaltiges Argument.

Auch mir liegt an der Enkeltauglichkeit des Lehrplans 21 und ohne verbindliche Thematistierung von Informatik ist der Lehrplan 21 nicht enkeltauglich!

Entwurf des Teillehrplans

14 August 2013 | Beat Döbeli Honegger | Informatik

Update: Nun auch als PDF zum Ausdrucken

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Heute morgen wurde der Entwurf des Lehrplans 21 (Biblionetz:w02172) zur Konsultation öffentlich gemacht:

Die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der 21 Deutschschweizer Kantone haben den Lehrplan 21 zur öffentlichen Konsultation freigegeben. Hauptadressaten der Konsultation sind die Kantone sowie Institutionen und Organisationen, deren Tätigkeit im direkten Zusammenhang mit der Volksschule steht. Die Konsultation dauert bis Ende 2013. Nach der Auswertung wird der Lehrplan 21 noch einmal überarbeitet und voraussichtlich im Herbst 2014 von den Erziehungsdirektorinnen und -direktoren zur Einführung in den Kantonen freigegeben. Über die Modalitäten der Einführung entscheidet anschliessend jeder Kanton in eigener Kompetenz.
Quelle: www.lehrplan.ch

Unter http://konsultation.lehrplan.ch lässt sich der Lehrplan 21 nun in zwei Darstellungsformen anschauen bzw. herunterladen: Entweder online oder als downloadbares PDF. Insbesondere bei der PDF-Version ist es teilweise schwierig, die Strukturen innerhalb eines Lehrplanteils zu erkennen. Ich habe mir deshalb die Mühe genommen, den Inhalt des Teillehrplans "ICT und Medien" als ein- und ausklappbare Tabelle darzustellen:

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Der Lehrplan "ICT und Medien" wenn nur die Kompetenzbereiche sichbar sind

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Der Lehrplan "ICT und Medien" mit eingeblendeten Kompetenzen

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Der Lehrplan "ICT und Medien" mit eingeblendeten Kompetenzen und Kompetenzstufen

Download

Damit gibt es nun die Konsultationsversion des Teillehrplans "ICT und Medien" des Lehrplans 21 in drei Varianten:

  1. Online im Browser anschauen (offiziell)
  2. Download als PDF PDF-Dokument (offiziell)
  3. Download als XLSX Excel-Dokument in Tabellenform
  4. Download als PDF PDF-Dokument in Tabellenform
Auf dass man ihn in der geeigneten Version studieren möge getreu der Kompetenzstufenbeschreibung

ICT/M.1 1.i Schülerinnen und Schüler können Vor- und Nachteile unterschiedlicher Informationsdarstellungen beurteilen.

wink


Jeder Schüler ein kleiner Programmierer?

30 June 2013 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Medienbericht
Der Tages Anzeiger stellt den überfachlichen Teillehrplan ICT und Medien (Biblionetz:t15600) ins Zentrum seiner Berichterstattung zum Beginn der öffentlichen Konsultation des Lehrplans 21 (Biblionetz:w02172):

jeder-schueler-ein-kleiner-programmierer-01.jpg

Unter dem Titel Jeder Schüler ein kleiner Programmierer (Biblionetz:t15492) (leider bisher nicht online verfügbar) werden Inhalt und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Schule beschrieben. Dabei werden auch die informatischen Kompetenzbeschreibungen erwähnt:

Die Lernziele sind ambitioniert. Am Ende der sechsten Klasse sollen die Schüler unter anderem:
  • erklären können, wie Computer mittels 0 und 1 verschiedene Datentypen speichern (Bild, Text, Ton);
  • einfache Algorithmen erkennen, darstellen, selber erstellen und in einer geeigneten Programmierumgebung umsetzen und testen;
  • einfache Grösseneinheiten der Informatik benennen und abschätzen (Speicherplatz, Auflösung);
  • die Grundfunktionen der Medien benennen und dazu typische Beispiele aufzählen (Information, Bildung oder Unterhaltung);
  • erkennen, dass mediale und virtuelle Figuren und Umgebungen nicht eins zu eins in die Realität umsetzbar sind.

Ja, es hat auch Informatikkompetenzbeschreibungen im Lehrplan 21, denn Informatikkenntnisse gehören neben Anwendungskenntnissen und einem reflektierten und kritischen Umgang mit ICT (Medienbildung) im 21. Jahrhundert zur Allgemeinbildung. Nur weil Schülerinnen und Schüler Ende der sechsten Klasse

Bandornamente und Parkette aus Figuren bilden, weiterführen und verändern, Symmetrien beschreiben und beim Zeichnen nutzen

können sollten (wie im Fachlehrplan Mathematik zu lesen ist), bezeichnen wir sie trotzdem nicht als kleine Mathematiker oder als Plättchenleger. Informatische Themen sind neu und ungewohnt, darum entsteht rasch die Meinung, die verlangten Kompetenzen seien zu anspruchsvoll und speziell.

Sehr interessant ist der folgende Abschnitt des Artikels:

Der Lehrplan im Bereich ICT sei sehr ambitiös, sagt VSLCH-Präsident Bernard Gertsch. «Wir befürchten, dass Schüler, Eltern und Lehrer von den Anforderungen überfordert sind.» Bis die Lehrer in der ganzen Deutschschweiz den Schülern alle diese Kompetenzen vermitteln können, brauche es noch viel Arbeit, sagt Gertsch. Es sei noch nicht klar, wer ICT unterrichten werde. Die meisten Lehrkräfte bräuchten eine intensive Aus- oder zumindest Weiterbildung. Die Schulleiter müssten in ihren Schulen herausfinden, wer sich für den ICT-Unterricht eigne. «Die Basis der Lehrkräfte ist sich noch nicht bewusst, was da auf sie zukommt.»
(VSLCH = Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter)

Derzeit sind die im Teillehrplan ICT und Medien beschriebenen Kompetenzen als überfachlich definiert, mit der Begründung, sie müssten in alle Fächer integriert werden. Da passt für mich die Formulierung "Es sei noch nicht klar, wer ICT unterrichten werde." irgendwie nicht. Klar, ja: Es ist eine Herausforderung, es braucht Weiterbildung! (Biblionetz:a00280) Aber diese Herausforderung stammt nicht von den Lehrplan 21-Entwicklern, sondern von der soziotechnischen Entwicklung. Die Herausforderung ist da, auch ohne Lehrplan 21.

Wenn bereits jetzt gefragt wird, wer denn das unterrichten soll, dann ist dies ein weiteres Argument für die Forderung nach einem Fach für das Thema (Biblionetz:a00436, Biblionetz:a00980). Damit ist Verbindlichkeit gegeben, damit ist ein Zeitgefäss und eine Lehrperson definiert. Ansonsten droht das Thema einfach unterzugehen, indem es nicht gelehrt wird, obwohl es verpflichtend wäre. Dass dem so ist, kann man anhand der heutigen ICT-Lehrpläne sehen, die meist verpflichtend sind, aber in der Schulrealität oft nicht umgesetzt werden.


Lieber Beat
Hier noch der Link zum oben besprochenen Artikel: http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/schweiz/Jeder-Schueler-ein-kleiner-Programmierer-/story/19120269
Liebe Grüsse, Silvie

-- Main.SilvieSpiess - 30 Jun 2013 Danke für den Hinweis!

-- Main.BeatDoebeli - 30 Jun 2013

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