Nachdem ich vor einigen Wochen berichtet habe, dass der Pariser Post-IT war Zürich erreicht hat, ist er nun sogar in die Innerschweiz geschwappt und in Goldau gelandet! Es begann harmlos mit kleinen Bildern:
Doch mit dem Kleben kam der Appetit: Wie wäre es, wenn wir das gesamte Fenster vollkleben würden?
Gedacht getan! In den kommenden Tagen wurden in der näheren Umgebung von Goldau sämtliche verfügbaren Klebezettel aufgekauft und die grosse Arbeit begann:
Und so präsentiert sieht das Ergebnis von innen betrachtet aus:
Doch es blieb nicht dabei, das Gebäude der PHZ Schwyz verfügt noch über weitere Fensterflächen:
Auch da lässt sich das Ergebnis sehen:
Auch wenn zahlreiche Betrachterinnen und Betrachter meinten, dass damit das Gebäude endlich auch als Pädagogische Hochschule erkennbar sei, stellt sich ja doch die Frage, warum Studierende in Goldau Stunden mit dem Anbringen von Klebezetteln verbringen. Das Erstaunen wird mancherorts noch grösser, wenn bekannt wird, dass dies sogar im Rahmen des Studiums als Teil des Leistungsnachweises erbracht worden ist. "Aha, an den PHs lernt man Zettel kleben, ist das etwa alles? Und so etwas nennt sich Hochschule?"Des Rätsels Lösung: Diese Aktivitäten fanden im Rahmen einer Blockwoche in unserem Spezialisierungsstudium ICT und Medienpädagogik statt, in welcher die Studierenden die Aufgaben des pädagogischen und technischen ICT-Supports kennenlernen. An einem Nachmittag erhielten die Studierenden eine Einführung ins Thema Informatik in der Primarschule. Ich habe versucht darzulegen, warum "echte" Informatik bereits in der Primarschule ihren Platz haben sollte (also Informatik-Unterricht, Biblionetz:w00459) und wie man Informatik primarschulgerecht vermitteln könnte (Informatik-Didaktik, Biblionetz:w00461).
Die Klebezettelübung stellt eine enaktive Erklärung (Biblionetz:w01892) dar, wie Computer Bilder in Form von Rastergrafiken speichern. Der folgende Smiley besteht beispielsweise auf 16 x 16 Klebezetteln:
16 x 16 Pixel entspricht der Grösse des Icons, das jetzt vermutlich links oben in der Adresszeile des Browsers sichtbar ist. Die Herstellung des Bildes hat inkl. Planung eine halbe Stunde gedauert, das reine Kleben ca. 15 Minuten. So wird abschätzbar, wie schnell Computer ihre Pixel auf den Bildschirm "kleben" müssen, wenn wir am Computer arbeiten. Hier wären schöne Abschätzübungen möglich: Wie gross wird das Bild, wenn wir unseren Computerbildschirm mit Klebezetteln der Grösse 5cm x 5cm nachkleben würden? Wie gross würde ein entsprechend geklebtes Bild aus einer modernen Digicam (10 Megapixel)?
Beim Kleben der grossen Bilder hat meist eine Person die Steuerung übernommen und "Befehle" erteilt: "Jetzt 13 gelbe Zettel. Dann 3 orange und wieder 5 gelbe." Damit sind wir schon recht nahe bei der Art, wie der Computer Bildinformationen abspeichert. Das liesse sich jetzt weiter formalisieren, indem man den zur Verfügung stehenden Klebezettelfarben Nummern geben würde: "13x1,3x2,5x1..." und das dann noch binär darstellen würde. Schon hat man verlustfreie Bildkompression primarschultauglich erklärt (dass eben "13x1,3x2,5x1" kürzer ist als "111111111111122211111" ).
Tja, und auch über Farbräume kann man wunderbar diskutieren, wenn die richtigen Klebezettelfarben in der ganzen Innerschweiz nicht lieferbar sind...
Ziel der Übung war also einerseits, die Bildspeicherung enaktiv erfahrbar zu machen und andererseits Unterrichtsvorschläge für den Einsatz in der Primarschule zu erarbeiten.
Fazit: Informatik lässt sich in der Primarschule auch ohne Computer, dafür aber mit viel Spass vermitteln!
(ein weiteres Beispiel für computer science unplugged (Biblionetz:b03203))
Nein, ich meine nicht die Nachwehen aufgrund des Post-its-Kleben am Rigi-Workshop (über den ich auch noch bloggen sollte). Das aktuelle Post-it-War-Meme scheint aus Paris in die Schweiz geschwappt zu sein.
Mitarbeiter der Computerspielfirma Ubisoft klebten vor einiger Zeit mit Post-it-Zetteln einen Space Invader an ihr Bürofenster im Pariser Hochhausquartier La Défence. Am nächsten Tag prangte bei der Bank gegenüber ein Packman an der Scheibe. Wie es weiterging zeigt ein Videobeitrag von stern.de:
Vor etwa zwei Wochen bin ich nun durchs Quartier geradelt und habe am Gebäude der Zürcher Informatikfirma Ergon die ersten Pac-Man-Figuren entdeckt:
Die Sache hat noch viel Potenzial: Das Haus ist ca. 5stöckig und die Firma Ergon ist in Zürich auf drei Liegenschaften verteilt, wovon eine noch grössere Fensterflächen an prominenterer Lage hat.
Aber vielleicht getrauen sich das die Mitarbeiter der Ergon nicht, da eine Inseratekampagne des Stellenanzeigers Alpha suggeriert, solche Aktivitäten liessen auf eine Unterforderung im Job schliessen:
Darum schauen wir doch zum Schluss nochmals den Franzosen zu:
Ein Wort zu Post-It-War als Beitrag zur Allgemeinbildung? Pixel- vs. Vektorgraphik …
-- Main.VincentTscherter - 29 Sep 2011
Wie sähe dann eine entsprechende Vektorgrafik aus?
-- Main.BeatDoebeli - 29 Sep 2011
Als Ergonianer kann ich dich beruhigen, Beat. Wir sind nicht unterfordert im Job. Und entgegen den Unkenrufen aus der Wirkschaft haben wir noch genug Aufträge.
Und apropos Vektorgrafik: Da gibt es doch die Bilder aus farbigen Bändern bei Sportplätzen und Schulhöfen (in den Maschendraht geflochten).
-- Main.MatthiasDreier - 29 Sep 2011
22 September 2011
| Beat Döbeli Honegger
|Geek, Software
Durch ein Google+-Posting von Gregor Lütolf und anschliessende Kommentare von Christoph Derndorfer bin ich auf das open-source Windows-Tool Autohotkey gestossen und ärgere mich seither, dass ich das nicht schon viel früher entdeckt habe.
Das Programm erlaubt es, gewisse Abläufe der Benutzeroberfläche zu automatisieren und sehr umfassend Hotkeys zu definieren. So kann ich jetzt mit einem Shortcut gewisse Programme maximieren oder minimieren, Fenster im Vordergrund belassen etc.
Sommerferien sind ja immer eine schwierige Zeit für Haustiere. Entweder müssen die Tiere ins Heim oder werden gar ausgesetzt.
Nun hat auch bei uns ein Haustier die Sommerferien nicht überlebt. Während es unserer Katze Obama bestens geht, hat unser Hase nach den Ferien die Ohren hängen gelassen und nur glasig geblinkt. Mein WiFiHase Nabaztag (Wikipedia:Nabaztag), einer der ersten Vertreter des Internets der Dinge (Biblionetz:w02131) ist am 27. Juli 2011 gestorben. Was ist passiert? Von mir unbemerkt, ging die französische Herstellerfirma Violet im Jahr 2009 Pleite und gewisse Produktlinien wurden von der Firma Mindscape übernommen. Der Nabaztag-Server hatte in den vergangenen Monaten des öftern technische Probleme und war mehrfach während mehr als 24h unerreichbar. Darum habe ich ich mich zuerst auch nicht gross gewundert, als mein Hase seinen Server nicht mehr kontaktieren konnte.
Per 27. Juli 2011 hat nun aber Mindscape (ebenfalls aus erheblichen finanziellen Gründen) entschieden, die Serverinfrastruktur für die Nabaztag-Hasen abzuschalten und den Sourcecode für die notwendigen Server (sprich Cloud-Dienste) freizugeben. (Erstaunlicherweise versucht die Firma Mindscape übrigens, Nabaztag-Besitzer zum vergünstigten Kauf des Nachfolgeprodukts Karotz zu bewegen. Es erschliesst sich mir aber noch nicht, warum ich von einer Firma, die soeben ohne grosse Vorwarnzeit ein Gerät von mir unbrauchbar gemacht hat, ein weiteres Produkt kaufen soll...)
Tja, und darum blinkt der Hase seit mehr als einer Woche nur noch glasig vor sich hin, redet kein Wort mehr und bewegt auch die Ohren nicht. Traurig. Ich sitze im Büro und vermisse seine Zwischenrufe und Turnübungen.
Doch ist der Hase wirklich tot? Es ist ja interessant (um nicht spannend schreiben zu müssen, Vincent), dass der Hase eigentlich noch 100% funktioniert, dies aber ohne die notwendige Serverinfrastruktur nichts wert ist. Derzeit werden vermutlich weltweit zehntausende digitale Hasen glasig vor sich hin blinken. Willkommen in der vernetzten Wolkenwelt!
Mindscape hat den Quellcode der Serverinfrastruktur öffentlich freigegeben, allerdings anscheinend in einem schlechten, veralteten Zustand und ohne die früher verwendeten Soundfiles. Ich bin nun gespannt, ob sich andere der Herausforderung annehmen und alternative Serverinfrastrukturen aufbauen werden. Bereits verfügbar ist der französische Dienst http://www.nabizdead.net/, der sich mit "NabizDead.net est le Twitter des lapins"beschreibt.
Weitere Informationsquellen:
Das Internet expandiert so stark, dass ihm bald die Adressen ausgehen. Bald sind alle IPv4-Adressen aufgebraucht. Zeit also, dass ein neues Adresskonzept zur Anwendung kommt. Das ist es schon länger und heissen tut es IPv6. Es ist nicht kompatibel mit IPv4, d.h. ohne Zusätze können sich die beiden Adressierungsarten nicht verstehen.
Bisher wird IPv6 praktisch nicht genutzt, aufgrund einer Huhn-Ei-Situation: Warum sollte ich mich als Nutzer um IPv6 kümmern, wenn ich doch alles auch mit IPv4 erreiche? Und warum sollten grosse Internetanbieter sich um IPv6 kümmern, wenn doch die Kunden alle mit IPv4 zufrieden sind?
Doch wie gesagt wird nun der Adressraum von IPv4 definitiv knapp. Aus diesem Grund wurde u.a. der IPv6-Day ausgerufen, der am 8. Juni 2011 stattfindet. An diesem Tag werden zahlreiche grosse Internetanbieter ihre Dienste auch unter IPv6 anbieten.
Nachdem sich auch mein Computerzeitschrift c't in der aktuellen Ausgabe wieder einmal des Themas angenommen hat, habe ich heute experimentiert und mein lokales Netz zuhause IPv6-fähig gemacht. Mit Swisscom VDSL und einer Fritzbox 7390 scheint das sogar zu funktionieren, wie die entsprechende Testseite (http://www.test-ipv6.com) meint:
Mein Konzeptverständnis braucht aber noch einige Updates, bis ich wieder das beruhigende Gefühl habe, genau zu verstehen, was jetzt da abläuft... (entsprechende Nachhilfe liefert zum Beispiel der Heise-Verlag u.a. zu den Privacy Extensions; wer meint alles zu wissen, kann auch den entsprechenden Test absolvieren)
Für technisch Interessierte: Swisscom bietet IPv6 als Tunnel gemäss 6RD an:
IPv6 on the FritzBox 7390
To enable IPv6, navigate to Settings > Advanced Settings > Internet > Account Information > IPv6. Then make the following changes:
Tick the Enable support for IPv6 box
Select Always use a tunnel protocol for the IPv6 connection
Select 6RD as tunnel protocol, and configure its parameters:
IPv4 address of the tunnel end-point: 6rd.swisscom.com (164.128.155.23)
IPv6 prefix: 2a02:1200:: / 28
Optional: Set MTU manually to 1480 Bytes
Hit apply, and enjoy IPv6 on your home devices!
(Source: labs.swisscom.com)