Annoyance

Machen Sie den Bücher-Check - Folge 327

02 June 2019 | Beat Döbeli Honegger | Annoyance, Bildungspolitik

Es ist keine Woche her, seit die Kolumne Machen Sie den Bücher-Check publiziert worden ist, da lese ich in der Süddeutschen Zeitung den Gastkommentar von Sandra Richter, Leiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Unter dem Titel Blättern und Wischen (Biblionetz:t24185) schreibt sie:

Textdeutungen auf Knopfdruck können Computer bislang nicht liefern. Vielleicht ist die Interpretation, das Gespräch zwischen Autor, Text und Leser, ja eine spezifisch menschliche Gabe? Dem Computer sind Sinn und Bedeutung gleichgültig. Sinnerfüllte und historisch informierte Textdeutungen lassen sich ebenso wenig maschinell erzeugen wie zwischenmenschliche Erfahrungen und ausgewogene Urteile. Algorithmen für Einordungsvermögen, ästhetischen Sinn und textsensible Deutung sind nicht in Aussicht. Als Lehrer, Vorbild oder Meisterinterpret taugt der PC nicht.

Ersetzen wir nun in diesem Abschnitt den Begriff Computer durch den Begriff Buch, so sieht der Abschnitt folgendermassen aus:

EILMELDUNG: Bereits Anfang Januar schafft es Mario Andreotti in einem Gastkommentar in der Aargauer Zeitung (Biblionetz:t23885), eine beachtliche Anzahl Anti-Digital-Argumente in einem einzigen Zeitungsartikel zusammenzuwürfeln! Dass er dabei Schule und Elternhaus vermischt, ungenannte Studien pauschalisiert und auch die Geschichte als Beweis heranzieht, ist im Rahmen der Teilnahmebedingungen zum Anti-Digital-Argumente-Bingo-Preis 2019 erlaubt. Andreotti setzt damit die Hürde bereits Anfang Jahr hoch: Wird es jemand schaffen, seine Leistung zu überbieten?

andreotti.jpg

Nachfolgend der Gastkommentar und die darin eingeflochtenen Argumente:

Ach ja, das ewig gleiche Thema: Website-Relaunch, neues URL-Schema, alte Links tot.

Ich habe mich ja schon fast daran gewöhnt, murmle nur leise vor mich hin: Publizierte Webadressen dürfen nicht sterben (Biblionetz:a00150) (und lebe das übrigens mit dem Biblionetz seit 1998 auch vor...)

Heute (2014) habe ich aber eine Steigerung des Begriffs Linksterben erlebt: Nicht nur, dass die alten URLs nicht mehr funktionieren. Nein, beim Aufruf einer alten URL wird weder eine Fehlerseite noch die Startseite der Domain angezeigt, sondern schlicht eine leere Seite

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Ein durchschnittlicher Internetuser hat bei diesem Anblick keine Ahnung, was los ist: Ist die Seite noch am Laden? Gibt es die Seite noch? Ist das Internet abgestürzt? Ist die URL falsch?

Letzte Woche ist der Schweizer Bildungsbericht 2018 erschienen. Gemäss Bundesrat Johann Schneider-Ammann liegt der Akzent des Berichts auf der #Digitalisierung:

bildungsbericht2018.jpg

Aber trotz dieses Akzents ist auch der Schweizer Bildungsbericht 2018 (Biblionetz:b06800) nicht in vernünftiger Form digital erhältlich. Der Bericht lässt sich entweder für CHF 60.- in Buchform erwerben (340 Seiten), oder dann für CHF 39.- als "E-Paper in passwortgeschützter Mediathek: umfasst eine deutsche, französische, italienische und englische Sprachversion; Preis pro Lizenz für je einen Benutzer (Bericht online einsehbar, Einzel- und Doppelseite ausdruckbar)"

Windows 10 am automatischen Neustart nach Update hindern

10 December 2016 | Beat Döbeli Honegger | Annoyance
Microsoft hat es mit der Entmündigung des Users wieder einmal zu weit getrieben: Seit dem Anniversary Update von Windows 10 gibt es keine Systemeinstellung mehr, mit dem man den Neustart von Windows nach einem Update verhindern kann. Windows geht davon aus, dass ein Neustart des Rechners schon OK sein dürfte, wenn seit einiger Zeit niemand mehr mit dem Rechner arbeitet.

Ich will grad weder eine Diskussion darüber anzetteln, warum das nicht OK ist (sowohl das Neustarten als auch das Gebaren von Microsoft) und ich will auch keine Kommentare "Nutz doch MacOS" oder "Ein Grund mehr für Linux!". Ganz pragmatisch primär für mich selbst als Erinnerung, wie man Windows 10 diese Idee des automatischen Neustartens austreibt:

https://techjourney.net/permanently-disable-prevent-automatic-restart-of-windows-update-in-windows-10/

Update: Auch diese Variante mit Registry-Eingriffen hat nicht funktioniert, gestern Nacht wurde mein Rechner wieder ohne mein Zutun neu gestartet und alle offenen Fenster waren danach zu grmbl. Hier darum ein Tipp via c't: https://www.udse.de/windows-10-neustart-verhindern#download

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