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Was der LCH zu digitalen Kompetenzen im Lehrplan 21 sagt

22 Nov 2013 - 15:05 | Version 1 |
Am 21.11.2013 hat der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) seine Vernehmlassungsantwort zur Entwurfsfassung des Lehrplans 21 (Biblionetz:b05300) veröffentlicht.

Der Lehrplan 21 ist überladen. Die Kompetenzen in den einzelnen Fachbereichen müssen reduziert und auch für den Laien verständlich formuliert werden. Zudem sollen Stundentafel, Schülerbeurteilung, Zeugnisse und Lehrerweiterbildung auf den Lehrplan bezogen einheitlich definiert werden, damit ein in sich stimmiges Curriculum entsteht, das dann von der Lehrerinnen und Lehrern auch umgesetzt werden kann. Dies sind die hauptsächlichen Anliegen des LCH, basierend auf der Vernehmlassung in den rund 30 Mitgliedsorganisationen.

Im 27-seitigen Dokument Konsultationsantwort des LCH zum Lehrplan 21 PDF-Dokument (Biblionetz:t15812) stellt der LCH zum Schluss 10 Forderungen auf:

  1. Menge der Kompetenzen reduzieren und priorisieren
  2. Mindestansprüche angemessener definieren
  3. Verständlichkeit für Eltern und Öffentlichkeit verbessern
  4. Schülerbeurteilung und -benotung mitplanen
  5. Kohärenz zu Stundentafeln, Zeugnissen und Lehrmitteln herstellen
  6. Fremdsprachen-Abfolge vereinheitlichen und Obligatorium an der Primarstufe reduzieren
  7. Fächerübergreifende Themen einarbeiten oder als Fach führen
  8. Verbundene Fächer für Fachunterricht transparent halten
  9. Werthaltungen auf internationale Konventionen beziehen
  10. Einführung gemeinsam konzipieren und ausreichend budgetieren

Bezüglich ICT / Medienpädagogik / Informatik äussert sich der LCH folgendermassen (S.19):

Von Interessenvertretern werden ein Ausbau des Programmierens und eine bessere Differenzierung des Themas ICT gefordert. Die D-EDK hat dafür im Sommer 2013 eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Die Forderung nach verstärkten Kompetenzen im Programmieren zum Beispiel Im Rahmen von Projekten (Roboterbau und ähnlich) wird von der Sekundarstufe I mit Verständnis und zum Teil Wohlwollen aufgenommen.

Eine Präzisierung und Klärung der Kompetenzanforderungen ist jedoch sinnvoll. Befürwortet wird die geforderte Aufteilung des Themas in Programmieren/Technik, Anwendung und Medienpädagogik. Favorisiert wird eine Einarbeitung in Mathe und Deutsch, sekundär auch in Gestalten und NMG. Abgelehnt wird die Unterbringung von Programmieren in NMG.

Die Ressourcen für eine breite Weiterbildung der Lehrpersonen sowie für die Anpassung der Infrastruktur müssen bereitgestellt werden. Aus Geldmangel nur wenige Fachlehrpersonen auszubilden, führt zur analogen Situation wie bei den Fremdsprachen: Es entsteht ein weiteres obligatorisches Fach mit Fachlehrersystem, das die Anzahl Lehrpersonen pro Klasse weiter erhöht. Problematisch ist die Abwertung von bisherigen Fächern: Was wäre Mathe ohne Algorithmen und Programmieren, Gestalten ohne Bildsprache, Deutsch ohne Medienkommunikation.

ICT könnte also in drei Bereiche aufgeteilt werden und als Bestandteil der Volksschulbildung in die bisherigen Fächer und Gefässe eingearbeitet werden. Es wäre in der Geschichte der Schule nicht das erste Mal, dass neue Fachgebiete ohne neues Fach integriert worden sind. Mit dieser Lösung wird das Führen eines überfachlichen Themas ICT überflüssig.

Mit einer breiten Weiterbildungsoffensive und der Aufstockung der Grundausbildung der Primarlehrpersonen auf ein MA-Niveau entsteht kein Druck für eine neue Kategorie von Fachlehrpersonen. Dies würde nur das System weiter parzellieren und den Abspracheaufwand ins Unermessliche treiben.

Ernsthaft zu prüfen ist eine kompensatorische Umlagerung von ERG als Fach in die Klassenlehrerstunden und in Geschichte / NMG zu Gunsten von ICT/Medienpädagogik und Informatik.

Das sind spannende Aussagen, welche sicher die kommende Diskussion prägen werden. Interessant sind diesbezüglich auch die zusätzlichen Fragen, die der LCH (nicht nur in Bezug auf digitale Kompetenzen) gestellt hat:

  • Kompetenzen sind gretrennt aufzuführen: Die Kompetenzen in den Fachbereichen ICT (technischer Bereich) und Medien (Bildsprache und Medienkunde) müssen getrennt aufgeführt werden.
  • Themenbereiche sind getrennt aufzuführen: Sollen die Themenbereiche Progrmamieren und Technologie von Medienkunde, Bildsprache, Internet und Anwenderkenntnissen abgetrennt und separat beschrieben werden?
  • Neue Lehrmittel sind notwendig: Müssen die Lehrmittel überarbietet werden, damit die Ziele für ICT und Medien erreicht werden können?

Während alle der Meinung sind, dass für digitale Kompetenzen neue Lehrmittel notwendig sind (Biblionetz:a01198), herrscht bezüglich Aufteilung in der Lehrerschaft eine Pattsituation: Praktisch jeweils die Hälfte ist für, die andere Hälfte gegen eine Aufteilung:

lch.jpg

Ich habe für mich aus dieser Stellungsnahme geschlossen, dass ich in naher Zukunft folgende Aussagen besser begründen können will:

  • Informatik ist mehr als Programmieren! (Biblionetz:a001157)
  • In der Volksschule gibt es gute Gründe, warum Anwendungskompetenzen, Medienbildung und Informatik zusammengehören.



 
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Kategorien: IsaBlog, IsaBildungsPolitik