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Gunter Dueck über den Leitmedienwechsel

09 May 2011 - 13:32 | Version 1 |
An der re:publica 2011 hat Gunter Dueck (Biblionetz:p01183) ein viel beachtetes Referat mit dem Titel Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem (Biblionetz:t12621) gehalten. Seit einigen Tagen ist es in voller Länge (50 min) bei YouTube abrufbar:

Am Samstag erschien in Form eines offenen Briefes eine Kurzform des Referats in der Financial Times Deutschland unter dem Titel Aufruf an die Generation Digital! (Biblionetz:t12678)

Wer die Bücher - und damit die Thesen - von Dueck nicht kennt, findet im re:publica-Referat einen schönen Einstieg. Als Kästchendenker habe ich beim Anschauen versucht, einige Aussagen zu extrahieren und zu verbiblionetzen:

Zu den zentralen Aussagen gehören unter anderem:

Bei der Diskussion über Duecks Referat wundere ich mich teilweise, dass für das re:publica-Publikum solche Aussagen - auch in ihrer Radikalität - neu erscheinen. Die oben aufgeführten Aussagen sind keineswegs neu, im Gegenteil. Im deutschsprachigen Raum hat z.B. Klaus Haefner (Biblionetz:p00188) bereits 1982 (!) im Buch Die neue Bildungskrise (Biblionetz:b00127) vor diesen Herausforderungen gewarnt. Er teilte die Berufe damals in drei Gruppen:

  • Biblionetz:w01448 Autonome: "Die Autonomen sind jene Beschäftigten, denen es weiterhin gelingt, ihre Arbeiten im wesentlichen ohne Informationstechnik und ohne intensiveren Informationszugriff auszuführen. Sie sind von der Expansion der Informationstechnik nicht unmittelbar betroffen, da sie in Tätigkeitsfeldern arbeiten, wo Mustererkennungsaufgaben oder komplexere, wenig reproduzierbare Bewegungsabläufe eine wichtige Rolle spielen. - Typische Beispiele sind für die 80er Jahre die Landwirte, die Speisezubereiter, die Berufe des Landverkehrs."
  • Biblionetz:w01449 Substituierbare: "In die Gruppe der Substituierbaren gehören alle jene, deren Tätigkeiten unmittelbar von der Informationstechnik derart betroffen werden, daß sie - unter Berücksichtigung einzelwirtschaftlicher Interessen - in Zukunft nicht mehr für den alten Beruf gebraucht werden. Die Leistungen der Substituierbaren können durch Informationstechnik - in der Regel unter Nutzung weiterer Techniken - ersetzt werden, wobei der Arbeitsprozeß dann sogar schneller, sichererund ökonomischer abgewickelt wird. Falls dies geschieht, verbleiben am alten Arbeitsplatz eventuell noch gewisse Kontroll- und Überwachungsfunktionen; aber auch dies ist nicht sicher, viele Arbeiten können mit steigender Leistungsfahigkeit der Informationstechnik in den 80er Jahren ganz von dieser übernommen werden."
  • Biblionetz:w01450 Unberechenbare: "Die Unberechenbaren schließlich sind jene, die die in informationstechnischen Systemen verfügbare Information und technische Informationsverarbeitungsleistung intensiv nutzen. Sie verrichten Arbeiten, deren Übertragung auf technische Systeme bisher nicht möglich ist, weil die Tätigkeitsfelder zu komplex, zu wenig beschrieben, zu stark an mitmenschlicher Kommunikation orientiert sind, etc. - Unberechenbare sind in dieser Klassifikation in den 80er Jahren z. B. Unternehmer, Ingenieure, Lehrer."

Aktuell habe ich mir antiquarisch Bücher von Alvin Toffler (Biblionetz:p07056) organisiert, der 1970, 1980 und 1990 vieles schon beschrieben hat, was heute im Web 2.0-leitmedienwechsel-change-hype als neueste Erkenntnis verkauft wird. (Beispiel gefällig? Der Begriff Prosumer (Biblionetz:w02243) wird 1979 von Alvin Toffler im Buch The Third Wave eingeführt).


Future Shock (1970)
Biblionetz:b04466

The Third Wave (1979)
Biblionetz:b03563
>
Powershift (1990)
Biblionetz:b04506

Entsprechend wachsen derzeit die Concept Maps im Biblionetz eher im Bereich grundsätzlicher Überlegungen (Z.B. Die Schule ist auf die Bedürfnisse der Industriegesellschaft ausgerichtet (Biblionetz:a01043)):

industriegesellschaft.jpg


 
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Kategorien: IsaBlog, IsaBiblionetz