Medienbericht, Jan 2006

Forschung an Fachhochschulen II

15 January 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbericht
Eine Woche später doppelt der Tages Anzeiger nach. Bezugnehmend auf den Artikel von letzter Woche (siehe ForschungAnFachhochschulen) titelt Antonio Cortesi nun Bei der Forschung hapert es noch (Biblionetz:t05166).

Andersartig, aber gleichwertig - unter diesem Leitspruch sollen sich die sieben Fachhochschulen gegenüber den akademischen Hochschulen positionieren. Ein ehrgeiziges Ziel. Noch vor wenigen Jahren bildeten die herkömmlichen Ingenieurschulen, Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschulen oder Kunstgewerbeschulen zwar fähige Praktiker aus. Von Forschung verstanden die Absolventen jedoch wenig bis gar nichts.

Seit diese Ausbildungsstätten zu Fachhochschulen geadelt wurden, sind die Anforderungen aber stark gestiegen. Massiv ausgebaut oder überhaupt erst installiert werden muss vor allem die angewandte Forschung. Und da hapert es nach wie vor - sodass sich die Fachhochschulen bisweilen weiterhin dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie betrieben «Etikettenschwindel».

[...]

«Mich überrascht das überhaupt nicht», sagt dazu Kathy Riklin, Vizepräsidentin der nationalrätlichen Bildungskommission. Die Geologin mit Doktortitel hat ähnliche Erfahrungen bei der Lektüre von Forschungsarbeiten aus dem Informatikbereich gemacht. Das Niveau sei «oft bescheiden», die Methodik zweifelhaft, «vom mangelhaften Deutsch gar nicht zu reden». Und besonders schwer täten sich die Fachhochschulen mit Forschungsarbeiten aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich, sagt die CVP-Politikerin.

Die Misere sei aber verständlich. Einerseits seien Professoren gewählt worden, die selbst nie geforscht hätten und andererseits fehle es am Mittelbau. Während ein Lehrstuhl an einer Universität im Schnitt drei bis vier Assistierende habe, komme auf einen Fachhochschul-Lehrstuhl gerade mal eine halbe Assistenzstelle. , IsaForschung

Forschung an Fachhochschulen

15 January 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbericht
Die Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz (zu der die PH Solothurn derzeit nicht gehört...) hat eine Studie Fremdsprachen in Schweizer Betrieben PDF-Dokument ins Web gestellt.

Die NZZ am Sonntag hat am vergangenen Wochenende die Ergebnisse unter dem Titel Englisch für die Schweizer Unternehmen zweitrangig präsentiert:

nzz_am_sonntag.jpg

Dies wiederum hat der Tages-Anzeiger aufgenommen und die Publikation der FHSO kritisch hinterfragt. Dabei stellte sich heraus, dass bei der Befragung keine Rücksicht auf die Betriebsgrösse genommen wurde, ein Schreinereibetrieb mit 20 Mitarbeitenden also das gleiche Gewicht erhielt wie eine Grossbank.

Im Artikel des Tages Anzeigers wird der Chefökonom des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse zitiert mit den Worten:

"Wir stellen fest, dass diese [die Fachhochschulen] immer mehr angewandte Forschung betreiben, die Forschung aber zuweilen mit Umfragen verwechseln." Immer wieder würden sich Fachhochschulen nicht an die gängigen Methodenstandards halten. Für Walser ist daher klar: "Es braucht hier eine Qualitätssicherung."
, IsaForschung

NZZ Folio _Statistik_ (01/2006)

06 January 2006 | Beat Döbeli Honegger | Medienbericht
Trotz des mathematischen Inhalts absolut lesenswert ist das aktuelle NZZ-Folio zum Thema Statistik (Biblionetz:b02534).

  • Im Artikel Ja. Nein. Weiss nicht. beschreibt Reto U. Schneider ein paar schöne Probleme von Umfragen, zum Teil an Beispielen, die das NZZ Folio mit einer Umfrage für diese Folio-Ausgabe gemacht hat:
    • 12% der Antwortenden erklärten ein NZZ-Folio zu ihrer Lieblingsausgabe im Jahr 2005, obwohl es dieses Thema gar nie gegeben hat.
    • 25% der Antwortenden gaben an, eine Rubrik regelmässig zu lesen, obwohl es diese Rubrik im Jahr 2005 gar noch nicht gab.
    • Die Formulierung der Frage hat grosse Auswirkung auf die Antwort:
      • 46% sagen ja zur Frage "Finden Sie, dass jeder Schweizer Rekrut das Folio lesen sollte?"
      • Nur 19% hingegen sagen ja bei der anders formulierten Frage "Finden Sie, dass man es jedem Schweizer Rekruten selber überlassen sollte, ob er das Folio lesen will?"

Liebe Studierende, die Ihr derzeit an der Diplomarbeit seid und Fragebögen kreiert: Lest dieses Folio! smile

Langsam werden sie langweilig, die Medienberichte über Fehler in der Wikipedia. Ja, wir wissen, dass die Offenheit von Wikipedia Chance und Gefahr zugleich ist. Beim aktuellsten Fall war fünf Tage lang in der Wikipedia zu lesen, das Prof. Bertrand Meyer am 24.12.05 gestorben sei (siehe Spiegel online, heise online oder die Diskussionsseite zum entsprechenden Wikipedia-Artikel). Wie oft wird noch darüber berichtet? Nimmt man die Studie aus der Dezember-Ausgabe von nature als Masstab (siehe Spiegel online, dann müsste auch wöchentlich von Fehlern in Papierlexika berichtet werden...

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