Informatik

eZürich

04 November 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Diskutieren über die Informationsgesellschaft kann man nicht nur morgen in Bern bei der TA Swiss, sondern auch heute abend im Zürcher Technopark, wo das Projekt eZürich startet.

Der Zürcher Stadtrat hat als einen von vier Legislaturschwerpunkt die Förderung der Informatik in der Stadt Zürich proklamiert, unter anderem um die Abhängigkeit Zürichs vom Banken- und Versicherungssektor zu reduzieren, wie der Tages Anzeiger Ende September berichtete (Biblionetz:t12309):

Wie stark die Abhängigkeit der Stadt vom Finanzplatz ist, hat sich am Dienstag bei der Präsentation des städtischen Budgets gezeigt. Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) rechnet 2011 mit einem Defizit von 206 Millionen Franken. Hauptgrund: Die tiefen Steuererträge von den Grossbanken.

Gestern Mittwoch hat Vollenwyder bekannt gegeben, wie er das Klumpenrisiko vermindern will: mit «eZürich». Unter diesem Begriff fasst der Stadtrat das Internet, damit verbundene Technologien, Firmen und Ideen zusammen. Zürich habe in diesem Bereich bereits heute eine Sonderstellung, sagte Vollenwyder. Ein Viertel aller Schweizer Informationstechnologie-Firmen sind im Kanton Zürich ansässig. Und ETH, Uni und Fachhochschulen geniessen international einen hervorragenden Ruf als Forschungsinstitute und Ausbilder.

Das will der Stadtrat ausnützen: Zürich soll in den nächsten vier Jahren zum Top-Standort für IT-Unternehmen werden. Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) träumt von einem europäische Pendant zum Silicon Valley. Die Technologie müsse auch der Bevölkerung zugute kommen. Der Stadtrat will den sogenannten digitalen Graben überwinden. Menschen, welche die modernen Technologien nicht oder nur selten nutzen – ältere Personen, aber auch Mädchen – sollen ihre Berührungsängste abbauen und «Medienkompetenz» erlangen, damit sie aktiv am digitalen Leben teilnehmen können und wichtige Informationen erhalten.
Mein erstes Gefühl beim Lesen des entsprechenden Artikels im Tages Anzeigers war positiv. Selbst wenn es nur Marketing sein sollte: Immerhin.

Marketing-Effekt für die Stadt Zürich

Mit welcher Branche assoziiert man Basel? Mit der Chemie. Mit welcher Branche assoziiert man Zürich? Mit den Banken. Somit scheint mir die Sache mal für das Image der Stadt Zürich nicht schlecht zu sein, wenn man nicht nur als Bankenstandort, sondern als europäisches Silicon Valley wahrgenommen wird. Hier bietet sich die Google-Niederlassung und die Disney Research Labs in Zürich an (das einzige Disney Research Lab ausserhalb der USA) und mit Einschränkungen auch das IBM Forschungslabor in Rüschlikon. Daneben haben es aber auch zahlreiche Startups in die Medien geschafft (Doodle, Wuala, …), so dass sich marketingmässig Zürich durchaus als IT-Stadt verkaufen lässt.

Marketing-Effekt für die IT-Branche

Umgekehrt scheint mir auch die IT-Branche von einem solchen Label zu profitieren. Ein Problem der IT-Branche in der Schweiz (und anderswo) ist ja, dass sie zwar recht gross ist, jedoch von der Öffentlichkeit kaum als solche wahrgenommen wird. Die Banken verstehen sich z.B. als Finanzinstitute, obwohl heutiges Banking einen sehr grossen IT-Anteil hat. Somit ist es begrüssenswert, wenn die grösste Schweizer Stadt sich als IT-Stadt bezeichnen und diese Branche fördern bzw. unterstützen will.

Was kann die Stadt wirklich tun?

Es stellt sich nun aber die Frage, was denn die Stadt eigentlich speziell für die Branche tun kann. Vieles ist nicht städtisch, sondern kantonal oder auf Bundesebene geregelt oder lässt sich kaum durch Politik und Verwaltung regeln (wie z.B. die Studienfachwahl von Maturandinnen und Maturanden).

Doch an vielen Orten gibt es durchaus Spielraum: So ist zwar der Lehrplan für die Volksschule kantonal geregelt, die Frage der Ausstattung der Schulhäuser ist jedoch Sache der Gemeinde. Mit KITSforKids hat die Stadt Zürich schon vor einiger Zeit einen Austtattungsstandard gesetzt (über dessen Ausgestaltung man zwar diskutieren könnte, der aber andere Gemeinden übertrifft). Die Stadt Zürich hat Anfang Jahr die Hausordnung ihrer Schulhäuser angepasst und alle elektronischen Geräte auf dem Pausenplatz verboten. Somit gibt es durchaus Bereiche, wo die Stadt Zürich die Wahl hat, ob sie ein IT-freundliches oder ein IT-feindliches Klima schaffen will. Es gab ja auch mal (von SP-Seite) den Vorschlag, in der Stadt Zürich ein kostenloses WLAN zu schaffen (wie es die Stadt St. Gallen teilweise hat). Ich denke, dass sich hier durchaus etwas machen lässt, was die Stadt Zürich IT-freundlicher und für IT-Schaffende attraktiver werden lässt.

Zudem hat der Legislaturschwerpunkt eZürich schon nur den Vorteil, dass man den Stadtrat immer wieder wird an ihre hehre Absicht erinnern kann, wenn es um konkrete IT-Fragen geht.

Heute abend hat nun die Kick-Off-Veranstaltung stattgefunden, an der ich leider verhindert war und auf der Website http://www.ezuerich.ch/ können Vorschläge für konkrete Projekte abgegeben werden:

ezuerich01.jpg

Upps, wie war das mit dem IT-Standort Zürich?

Hmm, fast hätte ich es übersehen, aber mein Firefox-Plugin FlagFox hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Server von www.ezuerich.ch in Deutschland liegt:

ezuerich02.jpg

Hmm, wie war das mit der Förderung des IT-Standorts Zürich und der Förderung der Kreativwirtschaft (ein anderes Legislaturziel des Zürcher Stadtrates), wenn die Website von mindestens drei Berliner Firmen projektiert, gestaltet und umgesetzt worden ist:

ezuerich03.jpg

Da müssen den Worten noch echte Taten folgen...

iMacro: Macro-Recorder für den Browser

12 October 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Software
Manchmal möchte man - zumindest als Informatiker - gewisse Abläufe beim Surfen im Web automatisieren: Sei es um Dateien herunterzuladen, gewisse Sicherheitsabfragen automatisch zu beantworten o.ä.

Mein aktuelles Problem: Auf einer Website monatlich zahlreiche Dokumente herunterladen, die aber nicht alle auf der gleichen Seite verlinkt sind und die auch anhand der URL als Downloads erkennbar sind (konkret: Mobiltelefonrechnungen von der Website des Telecom-Providers herunterladen). Traditionelle Massendownloader wie z.B. die Firefox-Erweiterung DownThemAll! scheiden damit aus.

Was ich bisher kannte, war die Firefox-Erweiterung Firefox-Erweiterung Greasemonkey mit dem sich HTML-Seiten dynamisch mit Javascript verändern lassen und wofür es eine grosse Auswahl an vorbereiteten Skripten gibt. Die Einarbeitung erschien mir aber zu aufwändig.

Nach einigem Recherchieren bin ich auf die Firefox-Erweiterung IMacros gestossen. Damit lassen sich Abläufe im Firefox aufzeichnen, danach gegebenenfalls in der Macrosprache bearbeiten und schliesslich auf Knopfdruck wieder ablaufen lassen.

Das kann dann so aussehen:

VERSION BUILD=7000908 RECORDER=FX

set !VAR1 0
TAB T=1
URL GOTO=https://www.telco-provider.ch/ebill/Invoices.action?period={{!VAR1}}
TAG POS=1 TYPE=A ATTR=TXT:1.23456.78.90<SP>/<SP>5.4545.12.99

SET !VAR2 0791234567 

TAG POS=1 TYPE=A ATTR=TXT:{{!VAR2}}
ONDOWNLOAD FOLDER=verbindungsnachweise\iMacro FILE={{!VAR2}}.txt WAIT=YES
TAG POS=1 TYPE=A ATTR=TXT:Export<SP>von<SP>Daten
BACK

SET !VAR2 0791234568 

TAG POS=1 TYPE=A ATTR=TXT:{{!VAR2}}
ONDOWNLOAD FOLDER=\verbindungsnachweise\iMacro FILE={{!VAR2}}.txt WAIT=YES
TAG POS=1 TYPE=A ATTR=TXT:Export<SP>von<SP>Daten
BACK

etc.

Das Verstehen und Anpassen ging relativ einfach. Ich kann (noch) nichts über die Mächtigkeit der Skriptsprache aussagen, aber für gewisse quick&dirty-Anwendungen reichts auf jeden Fall, wenn wget nicht funktioniert (im aktuellen Fall wäre wget nicht besonders hilfreich, weil sich die relevanten URLs jeden Monat ändern können und ihre Relevanz nicht an der URL selbst sondern am umklammerten Text im HTML-Code erkannt werden kann. Anders formuliert: Die Telefonnummer bzw. ID der Rechnung ist nicht in der URL, sondern nur im verlinkten Text.)

Interessierte finden im Wiki von iMacros weiteres Futter, so eine Command Reference und Sample Code. ,

i-factory nimmt Formen an II

08 October 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Noch vor einem Montag habe ich darüber berichtet, dass die i-factory Formen annehme und ich das Modell bestaunen konnte. Gestern hatte ich nun im Verkehrshaus die Gelegenheit die Baustelle zu besuchen:

ifactory03.jpg

Da wird eifrig gebaut und installiert! Bald wird sich nicht nur zeigen, was von den ursprünglichen Visionen umsetzbar, sondern vor allem, was beim Publikum ankommt!

Ich bin gespannt...

i-factory nimmt Formen an!

03 September 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik
Diesen November startet im Schweizer Verkehrshaus eine Dauer-Ausstellung zur Informatik unter dem Titel i-factory. Es ist sehr spannend, diese Ausstellung von den ersten Ideen bis zur Umsetzung zu begleiten. Gestern nun habe ich Modelle gesehen, wie die Ausstellung in wenigen Monaten aussehen soll.

Ausstellungen zu gestalten ist eine sehr komplexe Angelegenheit, oder wie an der gestrigen Sitzung der Schweizer Ausstellungsmacher Xavier Bellprat zitiert wurde:

Eine Ausstellung gut zu gestalten,
ist vergleichbar damit, einen Pudding
an die Wand nageln zu wollen.

Ausstellungsmacher denken oft auch ähnlich wie Lehrpersonen, nur haben sie nicht 45 Minuten zur Verfügung, sondern 30 Sekunden bis maximal 3 Minuten und ein Altersspektrum von 3 bis 99 vor sich...

Ich bin gespannt, wie die Ausstellung schlussendlich rauskommen und beim Publikum ankommen wird und es ist bereits jetzt lehrreich, wie sehr sich die Ausstellung von der Idee bis zur Realisierung verändert... Wer mit der Schulklasse eine Einladung an die Eröffnung möchte, lese hier...

MINT-Fachkräfte-Mangel

03 September 2010 | Beat Döbeli Honegger | Informatik, Medienbericht
Dieser Tage ist der Bericht des Bundesrates Mangel an MINT-Fachkräften in der Schweiz PDF-Dokument (Biblionetz:b04144) erschienen. Die Nachrichtensendung 10 vor 10 hat dazu einen Bericht ausgestrahlt, in welchem unter anderem der Berner Informatikdidaktiker Martin Lehmann (Biblionetz:p05112) zu den Gründen für das geringe Interesse am Fach Informatik befragt wird (nachdem er kameragerecht an einem Mindstorm-Roboter rumgewerkelt hat... wink ).

10vor10 vom 01.09.2010

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