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Pisa und Computerkenntnisse

Nun macht sie wieder mal die Runde, die neuste Schlussfolgerung aus PISA-Daten zu Computerkenntnissen. Sie lautet diesmal

Allerorten wird jubiliert. Endlich haben wir den Beweis, hier ist er, der didaktische Mehrwert der neuen Medien. Nun können wir alle SkeptikerInnen überzeugen und frisch und froh Hardware beschaffen.

seufz. So ist es ja nicht. Mit den PISA-Daten lässt alles und das Gegenteil postulieren (siehe z.B. Biblionetz:t03687, Biblionetz:t04966). Der allgemeine Fehler, der oft gemacht wird: Aus einer Korrelation wird eine Kausalität. Dem ist aber nicht zwingend so, siehe Biblionetz:a00693.

Im Bereich ICT-literacy der Jugendlichen sieht die Sache noch düsterer aus: Die ICT-Kompetenz der Jugendlichen wurde bisher in den PISA-Studien gar nicht geprüft! Alle Aussagen beruhen auf Selbsteinschätzungen der Befragten (erhoben anhand eines fünfminütigen Fragebogens bei einer Gesamttestzeit von 390 Minuten pro Person). Da müsste zuerst noch die Frage beantwortet werden: Sind Selbsteinschätzungen der eigenen ICT-literacy zuverlässig? (Biblionetz:f00124). In verschiedenen Untersuchungen konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Knaben ihre Kenntnisse überschätzen und Mädchen unterschätzen…

Tja, es wird wohl nie eine einfache Antwort auf die Frage geben, ob ICT zu besserem Lernen führt. Es wird einfach ICT geben.

Update: Die den momentanen Medienberichten zugrundeliegende Studie Are Students Ready for a Technology-Rich World? (Biblionetz:t02556) gibt (glücklicherweise) ein differenziertes Bild:

How is the way that students use computers associated with their performance in mathematics and other subject areas measured by PISA? The inclusion of an optional ICT questionnaire in the PISA 2003 survey enabled the comparison of data on student performance in mathematics with data on student access to and use of computers. Associating computer access and usage with performance cannot provide evidence of the impact of computers on learning, since the PISA data do not demonstrate causation. The data do, however, raise important issues for closer investigation. In particular, the following evidence shows that the minority of students who still lack access to computers, or who use them little, underperform at school, but also shows that there is no simple relationship demonstrating that the more students use computers, the better they will perform.


 
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Kategorien: IsaBlog, IsaMedienBericht

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