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Digitaler Burnout - Differenzierte Bedenken

02 Oct 2015 - 07:18 | Version 1 |

Dieser Tage ist das Buch Digitaler Burnout (Biblionetz:b06041) des deutschen Informatik-Professors Alexander Markowetz erschienen.

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Ich bin noch nicht dazu gekommen, das Buch wirklich zu lesen. Aber meine Aufmerksamkeit hat es auf jeden Fall erregt, denn auf den ersten Blick klingt der Titel sehr nach Spitzer-Polemik. Tatsächlich wird Manfred Spitzer (Biblionetz:p01290) im Kapitel Smart Kids (Biblionetz:t18221) auch zitiert - aber nicht so, wie vielleicht zu erwarten wäre:

Die Smartphone-Nutzung unserer Kinder übersteigt damit sogar noch unser eigenes schädliches Nutzerverhalten – sie sind weit stärker als wir Erwachsene vom Digitalen Burnout und den beschriebenen negativen Begleiterscheinungen einer ausufernden Handynutzung bedroht.

Dennoch ist es keine Lösung, ihnen die Geräte einfach wegzunehmen.

Psychiatrieprofessor Manfred Spitzer hat sicherlich grundsätzlich recht, wenn er sagt, dass Kinder im Kleinkindalter noch nicht lernen müssen, mit Smartphone und Tablet umzugehen, um später in der digitalen Lebenswelt bestehen zu können und produktiv zu sein. Jedoch ist es schlicht unmöglich, im Zeitalter der Digitalisierung aufzuwachsen, ohne mit digitalen Geräten in Berührung zu kommen. Eltern, Verwandte und Freunde besitzen diese Geräte und benutzen sie auf Schritt und Tritt. Das weckt Begehrlichkeiten bei Kindern und Jugendlichen – sie wollen eben dazugehören.

Es ist ähnlich wie mit den teuren Turnschuhen in den Neunzigern, ohne die Kinder nicht als cool galten. Smartphones sind auf dem heutigen Schulhof jedoch weit mehr als ein Statussymbol: Sie sind der Draht zur Welt und das Zentrum des Soziallebens eines Klassenverbandes oder Freundeskreises. Eine soziale Teilhabe ist unseren Kindern ohne sie nicht mehr möglich: Freundschaften, der neueste Klatsch aus der Clique, Hausaufgaben, das Balzverhalten oder Liebeskummer – alles lässt sich per Smartphone regeln.

[...]

Unseren Kindern die Smartphone-Nutzung einfach zu untersagen, wäre daher so, als würde man sie ihrem Freundeskreis entreißen, ja, es wäre gerade so, als würde man ihnen die Nabelschnur zum Leben kappen.

Ja. Ja. Ja. Ja, digitale Geräte können zu selbstschädigendem Nutzungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen führen. Ja, deshalb dürfen wir Kinder und Jugendliche nicht damit alleine lassen. Ja, das Smartphone ist zu einem Kulturzugangsgerät ( siehe Lisa Rosa) geworden, dass wir nicht einfach aus der Kindheit und Jugend verbannen dürfen.

Dieses Buch lohnt sich, weiter gelesen zu werden, denn im Gegensatz zu Spitzers bisherigen (und vermutlich auch kommenden) Büchern verbreitet es nicht einfach schwarz-weiss Polemik die niemandem weiterhilft, sondern beschreibt die Problematik differenziert und gibt auch differenzierte Empfehlungen ab. Meine Empfehlung hat das Buch.


 
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