was sind die vier kränkungen der menscheit (kopernikus, freud, ???, künstliche intelligenz)?
Und das war die Antwort des Modells:
Ich habe diesbezüglich déjà-vus auf zwei Ebenen:
Hier ein erster Entwurf meiner Vorbehalte:
- Ähnliche Wünsche habe habe ich bereits erlebt bei Lernsoftware als sie noch auf CDs verteilt worden ist und beim Aufkommen von Lernapps für Smartphones und Tablets sowie bei der Messung von Anwendungskompetenzen sowohl von Schüler:innen als auch Lehrpersonen.
- Darüber hinaus habe ich auch sonst immer wieder erlebt, dass Menschen davon ausgehen, dass wenn ein Bedürfnis genügend gross ist, es doch auch eine Lösung dafür geben muss (Wünschbarkeit impliziert nicht Machbarkeit, Februar 2006).
- 1. Ein Hauch von Technikdeterminismus
- 2. Pädagogische Komplexität
- 3. Technische Komplexität
- 4. Juristische Komplexität
- Zwischenfazit zur Komplexität: Dilemma zwischen Einfachheit und Ausführlichkeit
- 5. Produktanzahl und Aktualisierungsgeschwindigkeit
- 6. Marktproblematik I: Kritik ist heikel
- 7. Marktproblematik II: Welche Produkte werden beurteilt?
- 8. Illusion der grünen Wiese
- 9. Aktuelle GMLS-Entwicklungen noch unberücksichtigt
- Mein Fazit: Wünschbar, aber nicht realistisch umsetzbar und an der Schulrealität vorbei
- Was ist die Alternative?
- A) Soll ich reagieren?
- B) Wie soll ich reagieren?
- Warum ein lokales GMLS?
- Was läuft bei mir derzeit?
- Zwischenfazit
1. Ein Hauch von Technikdeterminismus
Wer ein Qualitätslabel für EdTech-Software vorschlägt, postuliert damit bis zu einem gewissen Grad, dass EdTech-Software unabhängig vom Kontext, in welcher sie eingesetzt wird, gewisse Wirkungen haben wird. Dies entspricht einem gewissen Technikdeterminismus (Biblionetz:w02180). Software lässt sich aber sehr unterschiedlich einsetzen - unter anderem hängt dies von den Absichten und Kompetenzen der Beteiligten ab.
Aus eigener, bitterer Erfahrung: Ich habe lernen müssen, dass auch ein extrem offenes und unstrukturiertes Wiki, das sich sehr für kollaboratives Arbeiten eignen würde, von Lehrpersonen zu einem extrem strukturierten und eingeschränkten Werkzeug umgestaltet wurde. Wenig von dem, was man dem Werkzeug Wiki zuschreiben würde, kam in diesen Fällen in der Schulpraxis an. Der Wiki-Weg des Lernens (Biblionetz:b05000) ist ein Angebot der Plattform - es hängt vom Kontext ab, ob dieses Potenzial im konkreten Fall genutzt wird.
2. Pädagogische Komplexität
Unterricht ist ein komplexes Phänomen. Es ist nicht einfach, ein allgemein akzeptiertes Instrument zur Beurteilung von Unterrichtsqualität zu finden (bereits Konsens über die Bedeutung einzelner Begriffe ist schwierig zu erreichen - wer das nicht glaubt, soll es mal mit selbstreguliertem Lernen oder computational thinking versuchen). Für unseren Bericht Digitale Lernplattformen in der Volksschule (Biblionetz:b08000) haben wir uns nach längeren Diskussionen für das Main-Teach-Modell 2.0 von Praetorius et al. (2023) entschieden - ich weiss aber z.B. nicht, ob diese Strukturierung von Unterrichtsqualität auch in der Romandie und im Tessin geteilt wird.
3. Technische Komplexität
Wir haben in der Schweiz Erfahrung mit der Beurteilung von Lehrmitteln: Die interkantonale Lehrmittelzentrale (ilz) organisiert seit mehr als 50 Jahren die Beurteilung von gedruckten Lehrmitteln. Doch mit der Digitalisierung nimmt die technische Komplexität der Produkte massiv zu, was wiederum den Beurteilungsaufwand massiv erhöht:
4. Juristische Komplexität
Auch bezüglich einer juristischen Einschätzung weisen digitale Produkte eine deutlich höhere Komplexität auf als bisherige gedruckte Schulbücher: War früher primär das Urheberrecht zu berücksichtigen, spielt heute insbesondere das Datenschutzrecht eine Rolle - das einerseits kantonal unterschiedlich geregelt ist und gelebt wird und angesichts technischer und politischer Entwicklungen auch öfters neu beurteilt werden muss (Juli 2026: Urteil des Supreme Court zur Unabhängigkeit der FTC - welche Folgen hat das bezüglich Zulässigkeit einer Datenspeicherung in den USA?).Zwischenfazit zur Komplexität: Dilemma zwischen Einfachheit und Ausführlichkeit
Bereits bei bisherigen Versuchen, Lernsoftware zu beurteilen ergab sich aufgrund der zunehmenden Komplexität ein Dilemma: Entscheidungsträger:innen im Bildungswesen sind meist auf der Suche nach einem einfach handhabbaren Instrument, das aber mitunter die in der Realität vorhandene Komplexität nicht abbildet. Ich zweifle, ob diesbezüglich ein allgemein akzeptierter Kompromiss gefunden werden kann.
Zur Illustration: In unserem Bericht zu Lernplattformen haben wir versucht aufzuzeigen, wie divers Lernplattformen sein können - sprich in wie vielen Dimensionen sie sich unterscheiden können. Nach vielen, vielen Diskussionen ist eine Liste entstanden, die zwar unsere Aussage Lernplattformen sind divers belegt, sich aber nicht zur vollständigen Charakterisierung von Lernplattformen eignet und von der wir noch nicht wissen, ob sie ausser von uns Autoren des Berichts von jemand anderem als nützlich betrachtet und in irgendeiner Form verwendet werden wird:
5. Produktanzahl und Aktualisierungsgeschwindigkeit
Der Aufwand zur Beurteilung gedruckter Lehrmittel war bisher unter anderem leistbar, weil die Zahl der gedruckten Lehrmittel vergleichsweise überschaubar war und diese während Jahren unverändert blieben - dementsprechend war auch eine Lehrmittelbeurteilung während längerer Zeit aktuell. Auch dies änderte mit der Digitalisierung. Apps und Websites sind deutlich zahlreicher und werden vor allem fortlaufend aktualisiert, entsprechend können Beurteilungen und Labels mit der Publikation veraltet sein.
6. Marktproblematik I: Kritik ist heikel
Bereits bei der Lehrmittelbeurteilung durch die ilz wissen wir, dass Kritik an Lehrmitteln heikel ist. Wer getraut sich, öffentlich Lehrmittel zu kritisieren in Qualitäts-Dimensionen die einen gewissen Ermessensspielraum enthalten? Wer hat die Kapazität, bei entsprechenden Konflikten dazustehen und sich gegebenenfalls auch gegen juristische Angriffe wehren zu können? Es ist kein Zufall, dass die detaillierten Lehrmitteleinschätzungen der Kantone nicht öffentlich einsehbar sind.7. Marktproblematik II: Welche Produkte werden beurteilt?
Abhängig davon, ob die Beurteilung etwas kosten wird für Anbieter:innen, wie viele Produkte beurteilt werden können und wer die Auswahl trifft, wird ein solches Label nicht das gesamte Angebot abdecken und somit eventuell die Marktübersicht verzerren.8. Illusion der grünen Wiese
Heute müssen neue EdTech-Lösungen zur bisherigen digitalen Umgebung einer Schule passen - was weit über das vorherrschende Betriebssystem hinausgeht. Die Wahl neuer EdTech-Lösungen geschieht somit nicht rein aufgrund der Qualitätsdimensionen eines Produkts, sondern stark abhängig von vorhandener Infrastruktur, bereits vorhandenen EdTech-Lösungen und den Kompetenzen der Beteiligten. Diese Erkenntnis senkt die Bedeutung eines Qualitätslabels: Die Qualitätskriterien eines Produkts sind nur zum Teil ausschlaggebend für dessen Wahl. Passungen zu bisherigen Systemen oder Kompetenzen der Lehrpersonen und Systembetreuenden spielen ebenfalls eine Rolle.9. Aktuelle GMLS-Entwicklungen noch unberücksichtigt
Die Idee eines EdTech-Qualitätslabels geht davon aus, dass es einigermassen stabile Produkte von Anbieter:innen gibt, die vielfach in identischer Ausführung verwendet werden. Aktuelle Entwicklungen im Bereich generativer Machine-Learning-Systeme verändern eventuell diese Ausgangslage: Es ist möglich, dass mehr Menschen mit Hilfe von GMLS Software für Lehr- und Lernzwecke herstellen (lassen) und somit nicht nur die Zahl der Produkte ansteigt, sondern vielleicht auch die Zahl der Nutzungen einer spezifischen Software sinkt. Zudem könnten GMLS-Anteile in EdTech-Lösungen deren Beurteilung durch Aussenstehende weiter erschweren, da die Systeme noch dynamischer als bisher agieren könnten.Mein Fazit: Wünschbar, aber nicht realistisch umsetzbar und an der Schulrealität vorbei
Alle diese Aspekte führen mich aktuell zur Überzeugung, dass eine zentralisierte oder föderierte Beurteilung von EdTech-Produkten nicht so umsetzbar ist, dass es der Schulpraxis wirklich weiterhilft. So wünschbar ein solches Werkzeug wäre, ich glaube nicht an die Umsetzbarkeit in einer Art und Weise, die Entscheidungsträger:innen etwas bringt.Was ist die Alternative?
Mich treibt insbesondere der Glaube an die Formalisierbarkeit und evtl. sogar Quantifizierbarkeit hinter der Idee eines EdTech-Qualitätslabels um. Entsprechende Überlegungen, welche digitalen Werkzeuge und Umgebungen für bestimmte Ziele und Kontexte vermutlich hilfreicher sein könnten als andere, sind hingegen sehr wichtig. Ich gehöre zur Fraktion, die seit längerem postuliert, dass das Digitale nicht neutral ist. Für mich sollten aus diesem Grund die entsprechenden Ressourcen eher verwendet werden zur Erforschung von Zusammenhängen sowie zur Publikation von entsprechenden Modellen, Fragekatalogen und Empfehlungen mitsamt der notwendigen Weiterbildungen und Diskussionen mit Entscheidungsträger:innen. Aber bitte keine Objektivität suggerieren, die sich nicht umsetzen lässt. @ENDE @ANFANG 15 July 2026 SprossenVerlust Sprossenverlust Es ist Sommerpause. Zeit um Gedanken und Begriffe zu ordnen. Seit längerem sehe ich Parallelen zwischen zwei möglichen Gefahren von generativen Machine-Learning-Systemen (Biblionetz:w02833). Da ich bisher keine Quelle gefunden habe, welche die beiden Gefahren nebeneinanderstellt und Ähnlichkeiten aufzeigt, habe ich mir kürzlich die Zeit genommen und zuerst alleine und dann mit anderen darüber nachgedacht sowie Begriffe erfunden:
- Auf der individuellen Ebene kann es zu einer Kompetenzaufbau-Lücke (Biblionetz:w03804) führen, wenn junge Menschen GMLS als Abkürzung (Biblionetz:w03717) einsetzen. Dieses Phänomen wird mit verschiedenen Begriffen bezeichnet (z.B. skill skipping, accumulation of cognitive debt, metacognitive laziness ).
- Auf der organisationalen Ebene kann es zu einer Erfahrungsaufbau-Lücke (Biblionetz:w03805) für Unternehmen führen, wenn diese keine jungen Mitarbeitenden mehr einstellen, sondern auf GMLS setzen, da dadurch kein Erfahrungswissen in der Organisation mehr aufgebaut wird.
ich hätte gerne ein 3d-modell (stl) eines rechtwinkligen dreiecks mit den kurzen seiten von 12cm und 8cm und einer höhe von 3cm. Das dreieck soll aber nicht ausgefüllt sein, sondern innen eine art gittermuster haben.
Claude antwortete:
Ich erstelle dir das STL-Modell. Lass mich kurz den passenden Skill prüfen und dann das Modell bauen.
Triangulations-Engine fehlt — schnell installieren:
Das STL ist sauber: wasserdicht, korrekte Abmessungen (120 × 80 × 30 mm), ein zusammenhängendes Teil mit 1156 Facetten.
Lass mich noch eine Vorschau rendern, damit du siehst, wie das Gitter aussieht:
So sieht das Modell von oben aus — Außenrahmen mit diagonalem Rautengitter, alles 30 mm in die Höhe extrudiert:
Eckdaten:
Da ich mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden war, antwortete ich
Eckdaten:
- Katheten: 120 × 80 mm, Höhe 30 mm
- Außenrahmen: 2,5 mm stark
- Gitterstege: 2 mm stark, Abstand 14 mm, in 45°-Diagonalen
- Volumen: ~67 cm³ (vs. ~144 cm³ als Vollkörper, also gut 50 % Materialersparnis)
- Wasserdicht (druckbar)
bitte eine version mit gröberem gitter
und Claude tat wie befohlen:
Gröberes Gitter: Zellgröße 25 mm (vorher 14 mm), Stege 2,5 mm. Volumen ~57 cm³, weiterhin wasserdicht.
Erstellen von geometrischen Objekten durch sprachliche Beschreibung - Keine Nutzung einer CAD-Software, kein Kenntnisse von trigonometrischen Funktionen notwendig.
@ENDE
@ANFANG 30 May 2026 WieSollIchAufProblematischeWissenschaftlichePublikationenReagieren Wie soll ich auf problematische wissenschaftliche Publikationen reagieren?
In unserer Publikation Digitale Lernplattformen in der Volksschule (Biblionetz:b08000) haben Michael Hielscher, Lennart Schalk, Michael Seemann und ich zu generativen Machine-Learning-Systemen geschrieben, dass empirische Studien angesichts der Novität und Dynamik des Themas rar und entsprechende (Meta-)Studien mit Vorsicht zu geniessen seien:
So sind auch die ersten 2025 publizierten Metastudien zu GMLS in der Bildung mit entsprechender Vorsicht zu lesen. Die beiden zum Berichtszeitpunkt bekanntesten Metastudien (Deng et al. 2025; Wang & Fan 2025) wurden zwar breit ausserhalb der Wissenschaft rezipiert, ihre Methodik wurde aber wissenschaftlich stark kritisiert (siehe z. B. Bartoš, Martinková, & Wagenmakers 2025; Weidlich, Gašević, Drachsler, & Kirschner 2025).
Am 22. April 2026 hat Springer Nature beschlossen, eine der beiden Metastudien zurückzuziehen. Unsere Aufforderung zur Vorsicht war somit in diesem Fall berechtigt. Was mich jedoch derzeit umtreibt: Das ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten begegne ich gehäuft vielzitierten und in Massenmedien rezipierten wissenschaftlichen Publikationen, die ich nach genauerer Betrachtung für problematisch halte, weil sie massive Fehler enthalten oder gar gefälscht scheinen. Dies stellt mich vor die Frage, wie ich mit solchen Publikationen umgehen soll.
Wissenschaftlich problematische Publikationen sind kein neues Phänomen. Schon immer gab es Publikationen mit kleineren oder grösseren Fehlern, die durch das peer review (Biblionetz:w01890) nicht aufgedeckt wurden. Dahinter muss keine böse Absicht stecken, es können auch Flüchtigkeitsfehler oder mangelnde Kompetenz zu solchen Publikationen führen. Ebenfalls nicht neu sind aber absichtlich geschönte oder gar gefälschte wissenschaftliche Paper, sprich Wissenschaftsbetrug (Biblionetz:w03788). Ich sehe dafür mehrere mögliche Motive:
- Die eigene Wissenschaftskarriere vorantreiben: Weil in der akademischen Welt oft Publikationen als Gradmesser der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit angesehen werden, führt dies zu einem gewissen Publikationsdruck, der unter Publish or perish (Biblionetz:w02508) bekannt ist (sozusagen die akademische Version der Aufmerksamkeitsökonomie. Diese Mechanismen sind alt und wohldokumentiert:
- Eigenes Einkommen oder Reputation erhöhen: Will man Bücher oder Vorträge verkaufen, macht es sich nicht schlecht, wenn man dabei auf eigene wissenschaftliche Publikationen verweisen kann. Das verleitet gewisse Menschen dazu, da ein bisschen nachzuhelfen oder Publikationsprozesse zu beschleunigen.
- Die eigene Agenda im öffentlichen Diskurs mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauern: In politisch umstrittenen Themenbereichen wird auch schon seit langem versucht, die öffentliche Wahrnehmung mit scheinbar wissenschaftlichen Erkenntnissen zu beeinflussen. Das wohl bekannteste Beispiel betrifft nicht eine Einzelperson, die ihre politische Sichtweise mit wissenschaftlichen Publikationen stützen will, sondern eine ganze Branche: Die Tabakindustrie hat Wissenschaftler:innen dafür bezahlt, Forschungsergebnisse zu publizieren, die nahelegen, dass Tabak nicht gesundheitsschädlich sei (siehe Biblionetz:w03317). Da ich mich im politisch umstrittenen Themenfeld "Digitalisierung und Bildung" bewege, begegne ich auch Publikationen, bei denen ich entsprechende Motive vermute.
A) Soll ich reagieren?
Es gibt Gründe, warum ich bei problematischen wissenschaftlichen Publikationen reagieren sollte:- Ruf der Wissenschaft: Es schadet längerfristig der Wissenschaft, wenn problematische Publikationen nicht beanstandet, korrigiert oder zurückgezogen werden. Es wäre kurzfristig zu denken, dass man durch das Hinweisen auf problematische Publikationen der Wissenschaft schadet (und somit zum Nestbeschmutzer wird), denn Falsifizierbarkeit und offener Umgang mit Fehlern gehört zu guter Wissenschaft. Wer schweigt, lässt nicht nur zu, dass sich problematische Publikationen weiterverbreiten, sondern duldet auch einen schlampigen Umgang im Wissenschaftsbetrieb.
- Einfluss auf politische Entscheide: Insbesondere bei Publikationen, die bei politischen Diskussionen und Entscheiden verwendet werden, scheint es mir wichtig, bei fehlerhaften oder falschen Publikationen zu reagieren. Oft sind es gerade Publikationen mit pauschalen und einfachen Ergebnissen, die in der politischen Debatte gerne aufgenommen werden (Biblionetz:a01400).
- Fairness-Überlegungen: Gerade wenn wissenschaftliche Publikationen einen Einfluss auf Drittmittel und Karriere haben können, scheint es angezeigt, unsaubere oder gar gefälschte Publikationen aus dem Verkehr zu ziehen. Es wäre ansonsten ungerecht gegenüber ehrlich und seriös arbeitenden Forschenden.
- Die Welt voranbringen, nicht andere kritisieren: Grundsätzlich interessiert mich an meiner Arbeit, Lösungen für Herausforderungen der Menschheit zu finden. Das ist erfüllender und direkter sinnstiftend, als die Arbeit anderer zu kritisieren.
-
Aufwand bei schon nur einer Publikation: Brandolinis Gesetz (Biblionetz:w03171), dass es Grössenordnungen einfacher ist, bullshit zu generieren als bullshit zu widerlegen, trifft nicht nur auf die Politik, sondern auch auf wissenschaftliche Publikationen zu. Einer wissenschaftlichen Publikation Fehler nachzuweisen, ist um einiges aufwändiger als Fehler oder Fälschungen herzustellen.
- Schiere Menge: Generative Machine-Learning-Systeme erhöhen zudem derzeit auch die Anzahl gefälschter Publikationen massiv. Deren Bekämpfung droht zu einem Fulltime-Job zu werden.
- Vermeidung des Neid-Vorwurfs: Kritisiert man öffentlich die Arbeit von Menschen, die aufgrund dieser Arbeit im Licht der Öffentlichkeit stehen, riskiert man den Vorwurf, nur neidisch zu sein: Weil man selbst nicht so bekannt / berühmt / oft zitiert sei, würde man jetzt andere kritisieren. Diesem Vorwurf kann man entgehen, indem man schweigt.
-
Vermeidung von persönlichen Konflikten: Je nachdem, wie man auf problematische Publikationen anderer hinweist und welche Konsequenzen dies für andere hat, macht man sich zur Zielscheibe von Hass und anderen schlechten Gefühlen seitens der Angeschwärzten. Zu Beginn einer Wissenschaftskarriere ist dies besonders ausgepräft, weil man einerseits auf wohlwollende Empfehlungen älterer Kolleg:innen angewiesen oder gar in Abhängigkeitsverhältnissen bezüglich Anstellung und/oder Doktorat ist (Biblionetz:w03726).
-
Resignation: Wenn man sieht, dass zurückgezogene Paper nicht wesentlich weniger häufig zitiert werden nach der Retraction (siehe Biblionetz:a01591), kann man sich fragen, ob sich der Aufwand dafür lohnt.
B) Wie soll ich reagieren?
Hat man sich entschlossen zu reagieren, stellt sich die Frage, wie man denn idealerweise tut. Ziel sollte in den meisten Fällen die Korrektur / Zurückziehung der problematischen Publikation und nicht der Angriff auf die Autor:innen sein (auch wenn das nicht immer klar unterscheidbar ist).- Eine erste Reaktionsmöglichkeit ist eine direkte private Rückmeldung an die Autor:innen der Publikation. Im Idealfall erkennen die Autor:innen die Problematik und leiten entsprechende Schritte ein.
- Sind die Autor:innen uneinsichtig oder unwillig, so ist eine Rückmeldung an die entsprechende Zeitschrift ein möglicher nächster Schritt. Bei seriösen Herausgeberschaften ist dies meist zielführend. Es gibt aber auch Herausgeberschaften, die selbst wenig Interesse an einer Korrektur haben.
- Ein anderer möglicher zweiter Schritt besteht in einer Rückmeldung an die Hochschule der Autor:innen. Auch hier gilt: Bei seriösen Hochschulen sollte dies zielführend sein, bei gewissen privaten Hochschulen bin ich skeptisch, ob das nicht zum Geschäftsmodell gehört.
Am vergangenen Samstag erschien im MAGAZIN des Tages-Anzeigers der Artikel Werdet Lehrer! (Biblionetz:t09448) von Martin Beglinger, in welchem er die Entwicklung an den Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz kritisiert. (Martin Beglinger hat Anfang 2009 zusammen mit Remo Largo (Biblionetz:p04296) das Buch Schülerjahre (Biblionetz:b03535) herausgegeben). Zu den Hauptpunkten der Kritik gehört:
- Praxisfremde, abgehobene Ausbildung
- Massenveranstaltungen
- Zweifelhafte Forschung
- Geschenkte Professorentitel
- Biblionetz:w02018 Akadamisierung der LehrerInnen-Bildung
- Biblionetz:j00015 Zeitschrift Beiträge zur Lehrerbildung
Geclusterte Visualisierung des Biblionetzes (Stand 2019)
what does beat döbeli think of this in the context of his biblionetz or otherwise? write a linkedin post that he would write.
und dann quote von karpathys tweet
Hier die Antwort von Claude:
Beat würde das mit einer Mischung aus amüsiertem Wiedererkennen und leiser Skepsis lesen — schließlich macht er mit dem [Biblionetz](https://beat.doebe.li/bibliothek/) seit 1996 von Hand, was Karpathy hier als LLM-Workflow skizziert: kompilierte Markdown-Wissensbasis, dichte Verlinkung, Rückverweise, inkrementelle Pflege. Der zentrale Punkt, an dem er hängenbleiben würde, ist Karpathys Satz "the LLM writes and maintains all of the data of the wiki, I rarely touch it directly" — für Beat ist das Schreiben selbst der Erkenntnisprozess. Ein Wiki, das man nicht selbst pflegt, ist für ihn kein Denkwerkzeug mehr, sondern eine Datenbank.
Hier ein Post in seinem Stil:
Andrej Karpathy beschreibt, wie er mit LLMs ein persönliches Wiki aus Markdown-Dateien aufbaut — Rohdaten rein, kompiliertes Wissen raus, alles in Obsidian durchsuchbar. Sehr lesenswert. Klingt für mich erstaunlich vertraut. Mein [Biblionetz](https://beat.doebe.li/bibliothek/) macht seit 1996 ziemlich genau das. Allerdings: ohne LLM. Mit Lesen, Tippen, Verknüpfen. ~77'000 Begriffe, über 22'000 Publikationen, dichte Rückverweise. Kompiliert im Kopf, nicht im Kontextfenster. Was mir beim Lesen von Karpathys Post auffällt: → "The LLM writes and maintains all of the data of the wiki, I rarely touch it directly." — Für mich war das Schreiben immer der eigentliche Erkenntnisprozess. Das Verknüpfen beim Tippen ist das, was hängen bleibt. Ein delegiertes Wiki hat vielleicht mehr Einträge. Aber hat es auch mehr verstanden? → Ein Personal Wiki ist für mich kein Speicher, sondern ein Denkwerkzeug. Der Unterschied ist fundamental. → Andererseits: Einen Assistenten, der inkonsistente Metadaten aufspürt, fehlende Backlinks vorschlägt, veraltete Einträge markiert — den hätte ich in den letzten 30 Jahren gerne gehabt. Als Korrektor, nicht als Autor. Vielleicht ist die spannende Frage nicht "LLM schreibt Wiki" vs. "Mensch schreibt Wiki", sondern: Wie unterstützt ein LLM den menschlichen Lese- und Denkprozess, ohne ihn zu ersetzen? PIM — Personal Information Management, wie man das früher nannte — war nie nur Datenhaltung. Es war strukturiertes Nachdenken. Das bleibt auch im LLM-Zeitalter. #Biblionetz #PKM #Wissensmanagement #DigitaleDinosaurier
Ich kann den Ton noch weiter anpassen (mehr Schalk, mehr Skepsis, kürzer, zweisprachiger) — je nachdem, ob du ihn als ironischen Veteranen oder als konstruktiven Skeptiker positionieren willst.
Mist! Damit habe ich noch ein Thema mehr: Dieses GMLS erfasst schon erstaunlich erschreckend gewisse der Aussagen, die ich tatsächlich machen würde, wenn ich Zeit hätte, ein solches Posting selbst zu schreiben! Das mit den 77'000 Begriffen stimmt zwar nicht: Es sind nur ca 3'800, dafür aber gegen 40'000 Publikationen, aber der Grundgedanke: "Was bleibt denn hängen, wenn ich die Verarbeitung einer Maschine überlasse?" ist genau der springende Punkt, den ich heute Morgen auch mit Myke Naef diskutiert habe.
So, und was fange ich jetzt damit an, dass diese Kisten bereits gewisse meiner Gedanken statistisch errechnen können, da sie offenbar nicht so innovativ sind, wie ich mir vielleicht einrede?
Ob das vielleicht der richtige Zeitpunkt ist, um mich zurückzuziehen, jetzt wo GMLS anfangen mich gar nicht so schlecht zu imitieren und die kognitive Leistungsfähigkeit in meinem Alter ja sowieso zurückgeht, wie u.a. in diesem Artikel steht, den ich ebenfalls heute Morgen mit Myke diskutiert habe?
Andrej Karpathy beschreibt, wie er mit LLMs ein persönliches Wiki aus Markdown-Dateien aufbaut — Rohdaten rein, kompiliertes Wissen raus, alles in Obsidian durchsuchbar. Sehr lesenswert. Klingt für mich erstaunlich vertraut. Mein [Biblionetz](https://beat.doebe.li/bibliothek/) macht seit 1996 ziemlich genau das. Allerdings: ohne LLM. Mit Lesen, Tippen, Verknüpfen. ~77'000 Begriffe, über 22'000 Publikationen, dichte Rückverweise. Kompiliert im Kopf, nicht im Kontextfenster. Was mir beim Lesen von Karpathys Post auffällt: → "The LLM writes and maintains all of the data of the wiki, I rarely touch it directly." — Für mich war das Schreiben immer der eigentliche Erkenntnisprozess. Das Verknüpfen beim Tippen ist das, was hängen bleibt. Ein delegiertes Wiki hat vielleicht mehr Einträge. Aber hat es auch mehr verstanden? → Ein Personal Wiki ist für mich kein Speicher, sondern ein Denkwerkzeug. Der Unterschied ist fundamental. → Andererseits: Einen Assistenten, der inkonsistente Metadaten aufspürt, fehlende Backlinks vorschlägt, veraltete Einträge markiert — den hätte ich in den letzten 30 Jahren gerne gehabt. Als Korrektor, nicht als Autor. Vielleicht ist die spannende Frage nicht "LLM schreibt Wiki" vs. "Mensch schreibt Wiki", sondern: Wie unterstützt ein LLM den menschlichen Lese- und Denkprozess, ohne ihn zu ersetzen? PIM — Personal Information Management, wie man das früher nannte — war nie nur Datenhaltung. Es war strukturiertes Nachdenken. Das bleibt auch im LLM-Zeitalter. #Biblionetz #PKM #Wissensmanagement #DigitaleDinosaurier
Ich kann den Ton noch weiter anpassen (mehr Schalk, mehr Skepsis, kürzer, zweisprachiger) — je nachdem, ob du ihn als ironischen Veteranen oder als konstruktiven Skeptiker positionieren willst.
(Biblionetz:t33438)
Der Mac Mini auf meinem Büchergestell
Warum ein lokales GMLS?
Aus meiner Sicht gibt es zwei Gründe, warum man ein lokales GMLS (LGMLS) (Biblionetz:w03773) statt eines Serverdienstes nutzen möchte:- Kosten: Grosse Sprachmodelle verlangen ab einem bestimmten Nutzungsumfang Gebühren. Lokale Modelle verlangen keine Gebühren. Ob aber die Hardwareinvestitionen, der Stromverbrauch und die Zeit zum Einrichten und Konfigurieren letztendlich weniger Geld kosten als die Nutzungsgebühren kommerzieller Anbieter, wage ich zu bezweifeln.
- Datenschutz / Digitale Souveränität: Wichtiger scheint mir die Überlegung, dass man mit einem lokalen GMLS eine grössere digitale Souveränität hat als bei der Nutzung von GMLS im Internet:
- Modellwahl & -stabilität: Bei einem lokalen System kann ich selbst entscheiden, welche Modelle ich nutze und im Gegensatz zu Anbietern im Internet, die öfters mal Modelle auch durch andere ersetzen oder schon nur Modellparameter auch ohne Information ändern, ist es an mir, Modelle oder Parameter zu ändern,
- Datenschutz: Führe ich einen Dialog mit einem lokalen GMLS, dann verlassen im Idealfall* keine Daten meinen Computer. Damit verringert sich die Gefahr, dass meine Daten in falsche Hände kommen und ausgewertet werden können. (* Auch bei einem lokalen System besteht die Gefahr, dass Daten abfliessen, entweder durch prompt injection (Biblionetz:w03423) oder klassisches Hacking und Malware)
Was läuft bei mir derzeit?
Ich baue derzeit einen Mac Mini 4 mit 16 GB zu einem kleinen Hausserver aus, auf dem verschiedene Dienste laufen sollen, unter anderem lokale GMLS.
- Als "Modellprovider" verwende ich derzeit Ollama und LM Studio parallel (weil ich noch nicht weiss, was besser geeignet ist für meine Bedürfnisse)
- Als Modelle nutze ich derzeit (Stand 18.04.26) (und bin völlig überfordert mit der Geheimwissenschaft der Modellwahl...):
- gemma-4-e4b-it
- qwen3.5:9b
- mistral-small:24b
- mistral-3-3b
- Um die Funktion auch auf anderen Computern nutzen zu können, läuft Open Web UI. Zusammen mit dem VPN-Dienst Tailscale ermöglicht mir das, von jedem meiner Geräte von irgendwo auf der Welt auf meine lokalen Dienste zugreifen zu können.
- piper und whisper sind ebenfalls auf dem Gerät installiert, um Text zu Sprache und Sprache zu Text ebenfalls lokal nutzen zu können (unter anderem für die Hausautomatisation).
- Zudem experimentiere ich derzeit mit einer selbst gevibecodeten MCP-Schnittstelle (Biblionetz:w03705) zur lokalen Volltextsuche auf meinem Notebook. Damit möchte ich versuchen, mit begrenzten Computerressourcen meine lokalen Daten einzubinden (so wie z.B. Claude Cowork).
Zwischenfazit
Es ist faszinierend, wie insbesondere gemma-4-e4b-it rasche, rein lokal generierte, deutsche Antworten liefert und sowohl Websuche als auch per MCP lokale Suche mit integrieren kann. Trotzdem ist der Qualitätsunterschied zu serverbasierten Modellen riesig und es fragt sich, wofür ich die lokal verfügbare Qualität - von der ich Anfang 2023 noch total begeistert war bei ChatGPT - tatsächlich würde nutzen wollen (u.a. evtl. für gewisse Automatismen innerhalb des Biblionetzes...). Primär aber: Ich habe deutlich zu wenig Zeit, um mich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, auch wenn ich weiss, dass vieles Versions- und Produktwissen ist, das in wenigen Monaten, wenn nicht Wochen bereits wieder veraltet ist. @ENDENumber of topics: 10
