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@ANFANG 13 Jan 2019 - 18:16 MetaMetaStudienSindAuchNichtMehrWasSieEinmalWaren Meta-Meta-Studien sind auch nicht mehr, was sie einmal waren

Ich handle mir damit vermutlich wieder einmal den Vorwurf ein, auf Details herumzureiten statt mich den wesentlichen Fragen zu stellen. Aber eine Meta-Meta-Studie, die Meta-Studien auswerten kann, die Studien ausgewertet haben zu Geräten, die erst drei (Smartphone) bzw. fünf (Tablet) Jahre nach den Studien auf den Markt kamen, lassen mich doch an der Datengrundlage und damit an der Qualität der Meta-Meta-Studie zweifeln:

meta-meta-smartphone.jpg

Dies ist mit Absicht eine sehr plakative Kritik an den Resultaten der Hattie-Studie. Es geht mir darum, innert 30 Sekunden ohne statistische Details erklären zu können, dass Aussagen aus Visible Learning (Biblionetz:b04477) nicht unhinterfragt übernommen werden sollten. Eine ausführlichere inhaltliche und methodische Kritik bieten Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach in Fehler in John Hatties «sichtbarem Lernen» (Biblionetz:t17260)


Na ja, wer glaubt, dass iPhones die ersten Smartphones waren, der hat nicht wirklich einen Überblick über technische Entwicklungen ...

-- TimoMeister - 14 Jan 2019

Auch mir ist klar, dass das iPhone nicht das erste Smartphone auf dem Markt war. Aber vor dem iPhone war praktisch kein Smartphone-Markt und schon gar kein nennenswerter Einsatz in Schulen. Das gleiche gilt für das iPad.

Ich nehme gerne sachdienliche Hinweise zu schulischen Smartphone-Projekten vor 2008 entgegen. (Meine Literaturliste zu Mobiltelefon in der Schule befindet sich unter Biblionetz:w01971)

-- BeatDoebeli - 14 Jan 2019

@ENDE

@ANFANG 09 Jan 2019 - 09:27 AnwaerterAufAntiDigitalArgumenteBingoPreis2019 Anwärter auf Anti-Digital-Argumente-Bingo-Preis 2019 bereits Anfangs Januar!

EILMELDUNG: Bereits Anfang Januar schafft es Mario Andreotti in einem Gastkommentar in der Aargauer Zeitung (Biblionetz:t23885), eine beachtliche Anzahl Anti-Digital-Argumente in einem einzigen Zeitungsartikel zusammenzuwürfeln! Dass er dabei Schule und Elternhaus vermischt, ungenannte Studien pauschalisiert und auch die Geschichte als Beweis heranzieht, ist im Rahmen der Teilnahmebedingungen zum Anti-Digital-Argumente-Bingo-Preis 2019 erlaubt. Andreotti setzt damit die Hürde bereits Anfang Jahr hoch: Wird es jemand schaffen, seine Leistung zu überbieten?

andreotti.jpg

Nachfolgend der Gastkommentar und die darin eingeflochtenen Argumente:

Originalartikel Argumente
Die Geschichte der abendländischen Bildung beweist es: Kinder lernen heute nicht anders als vor 100 oder auch 200 Jahren. Lernen bleibt Lernen
Sie haben im Grunde keine anderen Bedürfnisse, wenn man ihnen in Elternhaus und Schule genügend Entfaltungsmöglichkeiten für ihr Lernen und für das Spiel mit anderen bietet. Suggeriert wird mit diesem Satz:
Was hingegen schnell und nachhaltig gelingt, ist die Möglichkeit, Kinder auf Bildschirmmedien und auf passiven Konsum zu lenken. Passivitäts-Argument
Dabei sind fast immer kommerzielle Interessen im Spiel. Anders gesagt, heisst das: Nicht der Mensch mit seinen Anlagen und Bedürfnissen hat sich gewandelt, sondern vielmehr der Markt, der mit der Vielfalt seiner Angebote, schon bei Kleinkindern, durch die Werbung Bedürfnisse erst weckt. Wirtschaftsinteressen-Argument
Und die Eltern? Sie unterstützen das Ganze, wenn sie ihre Kinder, vielfach aus Unwissenheit, Nachgiebigkeit oder Bequemlichkeit, vor Bildschirmen und Displays «parken». Geht es jetzt um digitale Medien in der Schule oder zuhause?
Statt Kindergärten und Primarschulen mit Smartphones und Tablets hochzurüsten, sollten wir Kindern wieder Zeit und Raum für ihre altersgerechte Entwicklung mit altersgemässen Lehrmitteln einräumen. Kindergärten und Primarschulen, vor allem in der Unterstufe, brauchen Spielzeugkästen, Pinsel und Farben, Bleistifte und Papier, Rhythmus- und Klanginstrumente, Spielzimmer und grosse Pausenhöfe, Zeit zum Zuhören und Erzählen, zum Singen, Malen und Spielen – keine Smartphones und Tablets. Falsches Dilemma: Das böse Digitale oder das gute Analoge und Kinder brauchen reale und nicht virtuelle Erfahrungen
Die erste These von Gerald Lembke und Ingo Leipner in ihrem Buch «Die Lüge der digitalen Bildung» lautet denn auch zu Recht: «Eine Kindheit ohne Computer ist der beste Start ins digitale Zeitalter.»  
Tablet-Computer haben in Kindergarten und Primarschule in der Tat nichts zu suchen, stellten doch Kinderärzte bereits fest, dass die intensive Nutzung digitaler Medien bei Kindern zu Sprachstörungen führt. Sie verhindert oder verlangsamt zumindest die Sprachentwicklung und das Sozialverhalten. Sprachkompetenz-Argument
Es ist eine pädagogische Binsenwahrheit: Mit Kindern muss man sprechen, damit sie selber sprechen und so ihren Wortschatz und ihr Sprachgefühl entwickeln. «Sprich mit mir» ist eine grundlegende Forderung von Kindern an ihre Eltern, denn das Ich-Bewusstsein entwickelt sich nur in Kommunikation mit dem Du, wie schon der jüdische Dialogphilosoph Martin Buber gelehrt hat. Falsches Dilemma: Das böse Digitale oder das gute Analoge
Wenn Eltern das persönliche Gespräch mit dem Kind vernachlässigen, weil sich die digitale Kommunikation mit dem Smartphone in den Vordergrund drängt, der ständige Blick auf das Display unbemerkt zur Routine wird, dann fehlt das Allerwichtigste, was das Kind benötigt, um gesund aufwachsen, sich geistig und emotional entwickeln zu können: die Kommunikation mit seinen engsten Bezugspersonen – den Eltern. Geht es jetzt um digitale Medien in der Schule oder zuhause?
 
Kinder brauchen reale und nicht virtuelle Erfahrungen
Neuere entwicklungs- und lernpsychologische Studien belegen es: Kinder sollten eine gewisse intellektuelle Entwicklung durchlaufen haben, zu der Wahrnehmung, Gedächtnisleistung und Sprachbeherrschung gehören, bevor sie sinnvoll an Computern arbeiten und mit Smartphones umgehen können. Das dürfte realistischerweise nicht vor dem zwölften Lebensjahr der Fall sein. Vorher kann die Konfrontation mit digitalen Medien den Schülerinnen und Schülern mehr schaden als nützen "Fehlende Reife"-Argument
«Natürlich müssen wir unseren Schülern auch den Umgang mit den neuen Medien beibringen. Aber wir dürfen damit nicht schon in der Grundschule anfangen, nicht in jedem Schulfach und wir brauchen keine Laptop-Klassen», sagt Josef Kraus, der Präsident des deutschen Lehrerverbandes.  
Er wirft der Politik vor, aus rein ökonomischen Überlegungen nur an die Förderung der Digitalisierung zu denken. Wirtschaftsinteressen-Argument
Stattdessen wäre es sinnvoller, in Schulbibliotheken zu investieren, um die Lesefähigkeit der Kinder zu fördern. Denn Lesen ermöglicht Lernen. "Besser Investieren"-Argument
Zwar gibt es bereits Gegenstimmen, die behaupten, digitale Bildung sei in Zukunft ganz ohne die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben. Bonuspunkt für das absolute Strohmann-Argument - Wo findet sich eine Quelle für diese Behauptung?
Doch der Blick auf Kinder mit zum Teil erheblichen Leseschwächen, die zu Lernschwierigkeiten, Schulversagen und letztlich zu Problemen im späteren Erwerbsleben führen, zeichnet ein anderes Bild. Das müsste uns endlich hellhörig machen.  

Und nun noch ohne Polemik: Ich finde es bedenklich, dass auch 2019 noch auf diesem Niveau über digitale Medien in der Schule diskutiert wird. Ja, es gibt Dinge zu diskutieren und das richtige Mass zu finden. Aber mit Gastkommentaren wie dem eben zitierten kommen wird nicht wirklich weiter.

@ENDE

@ANFANG 24 Apr 2014 - 21:57 WennEineOnlineZeitschritIhreArtikelUndSichVersteckt Wenn eine Online-Zeitschrift ihre Artikel und sich selbst versteckt Ach ja, das ewig gleiche Thema: Website-Relaunch, neues URL-Schema, alte Links tot.

Ich habe mich ja schon fast daran gewöhnt, murmle nur leise vor mich hin: Publizierte Webadressen dürfen nicht sterben (Biblionetz:a00150) (und lebe das übrigens mit dem Biblionetz seit 1998 auch vor...)

Heute (2014) habe ich aber eine Steigerung des Begriffs Linksterben erlebt: Nicht nur, dass die alten URLs nicht mehr funktionieren. Nein, beim Aufruf einer alten URL wird weder eine Fehlerseite noch die Startseite der Domain angezeigt, sondern schlicht eine leere Seite

medienpaed01.jpg

Ein durchschnittlicher Internetuser hat bei diesem Anblick keine Ahnung, was los ist: Ist die Seite noch am Laden? Gibt es die Seite noch? Ist das Internet abgestürzt? Ist die URL falsch?

Eine suboptimaler Eindruck für Websites jedwelcher Art.

Doch es handelt sich um den Webauftritt einer reinen Online-Zeitschrift! Deren einzige Präsenz ist das Internet! Wird sie da nicht gefunden, so ist sie faktisch inexistent. Dass eine Online-Zeitschrift schon nur bestehende URLs ändert, ist ein grosser Fehler. Aber dann auch noch potenzielle Leser buchstäblich im Leeren hängen lassen? Kommt einem publizistischen Selbstmord gleich.

So, und um die Sache noch ein bisschen schrecklicher zu machen: Es handelt sich um eine Online-Zeitschrift mit dem Thema Medienpädagogik...

seufz Wenn selbst denen das grundlegende Verständnis davon fehlt, wie das Publizieren in digitalen Welten funktioniert...

Bitte, liebe medienpaed.com-Herausgeber, macht das rasch heile und findet doch auch eine Lösung für die bisherigen Artikel-URLs (das Konzept von automatischen Weiterleitungen ist schon erfunden worden...)

OK, ich geb's zu: Ich übertreibe. Aber nur ein klein wenig.

P.S.: Im Biblionetz sind derzeit folgende 24 Links nicht mehr gültig:

http://www.medienpaed.com/02-1/biffi1.pdf
http://www.medienpaed.com/02-2/breiter1.pdf
http://www.medienpaed.com/02-2/kerres_dewitt1.pdf
http://www.medienpaed.com/02-2/reinmann1.pdf
http://www.medienpaed.com/03-2/seufert1.pdf
http://www.medienpaed.com/05-1/reinmann2.pdf
http://www.medienpaed.com/05-2/moser05-2.pdf
http://www.medienpaed.com/05-2/petko05-2.pdf
http://www.medienpaed.com/05-2/schelhowe05-2.pdf
http://www.medienpaed.com/05-2/zimmermann_michel05-2.pdf
http://www.medienpaed.com/15/petko0811.pdf
http://www.medienpaed.com/19/bachmair1103.pdf
http://www.medienpaed.com/19/pimmer1103.pdf
http://www.medienpaed.com/19/seipold1104.pdf
http://www.medienpaed.com/19/wolf1105.pdf
http://www.medienpaed.com/2009/bachmair0903.pdf
http://www.medienpaed.com/2009/kerres0908.pdf
http://www.medienpaed.com/2011/kyas1105.pdf
http://www.medienpaed.com/2012/stoecklin1206.pdf
http://www.medienpaed.com/21/grell_rau1111.pdf
http://www.medienpaed.com/21/kamin1110.pdf
http://www.medienpaed.com/21/mayrberger1201.pdf
http://www.medienpaed.com/21/moser1111.pdf
http://www.medienpaed.com/21/schaumburg1108.pdf


Lieber Beat da war irgendwie noch der Wurm drin. Falsche Eingaben sollten nämlich automatisch eine Suche auslösen. Inzwischen scheint das wieder zu funktionieren. Eine Mail an die Redaktion oder unser Webcenter hätte uns da mehr geholfen als die öffentliche Rüge ...

Ich finde welchselnde Links ebenfalls mühsam und nehme das gelegentlich auch persönlich. Aber selbst Personen- und Ländernamen, AHV- und Telefonnummern, Mail-Adressen oder die deutsche Rechtschreibung ändern sich im Lauf des Lebens. Das Schweizer Fernsehen heisst mal DRS, mal SF oder SRF. Eben noch war es über sf.tv zu erreichen, jetzt heisst die URL srf.ch. In mühsamer Kleinarbeit erstellte Linklisten mit Hinweisen auf Schulfernsehsendungen kann ich also vergessen, weil die «mySchool»-Beiträge schon wieder umgezogen sind.

Laut neuer Systematik auf www.medienpaed.com sollten jetzt alle Artikel über einen Anker zu finden sein, der auf nameJJMM lautet. Ich finde es immer etwas unpassend, wenn publizierte Links auf ein PDF zeigen und man sich dann nicht im Kontext des jeweiligen Heftes (oder was auch immer) wiederfindet. Deshalb sollen direkte Links auf die PDF-Dateien der Artikel künftig vermieden werden. Zum einen wären die URLs aufgrund der neuen Ordnerstruktur (auf die ich leider keinen Einfluss habe) länger und damit komplizierter, zum anderen wollen wir Links, die direkt zum betreffenden Artikel im jeweiligen Heft führen (mit Angaben zu Autor, Titel, Datum, Abstract sowie Dokumentdownload). Man sieht also gleich, in welchem Themenkontext oder Jahrgangsheft der Beitrag erschienen ist und was dort sonst noch zu finden ist.

Die rund 200 Artikel sind im Archiv alle alphabetisch nach Autoren aufgeführt und gemäss Chicago Manual of Style bibliografiert, damit man auch exemplarisch sieht, wie sie zitert werden können.

Die falschen Linkangaben in den Kopf- oder Fusszeilen der früheren Artikel-PDFs sind an vielen Stellen schon behoben und sollen nach und nach überall angepasst werden. Wir bleiben dran und bitten für allfällige Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Da hat es also auch Vorteile, dass im Netz nicht alles für die Ewigkeit ist: Man kann korrigieren, anpassen und es das nächste Mal besser machen.

Und wenn alles nicht klappt, hoffen wir, dass unsere User den «Medienkompass» gelesen haben (z.B. auf Seite 59 im «Medienkompass 2») oder sonst schon so internetkompetent sind, dass sie die fehlerhafte URL von hinten schrittweise abschneiden, bis eine Seite erscheint, auf der man suchen oder im Archiv stöbern kann.

Mit herzlichem Gruss, Daniel

-- DanielAmmann - 20 May 2014


Lieber Daniel,

ich gebe zu: Eine direkte Mail an die Redaktion wäre netter gewesen. Aber das systematische Missachten der publizierte URLs dürfen nicht sterben-Regel ist ein rotes Tuch für mich und da neige ich zu Überreaktionen. Sorry.

Ja, Institutions- und Personennamen etc. ändern. Aber das von dir gebrachte Schweizer Fernsehen ändert vielleicht den Namen oder den Webauftritt, aber möglichst selten ihre Ausstrahlfrequenz, weil das der zentrale Kommunikationskanal des Schweizer Fernsehens ist. Und für eine wissenschaftliche Online-Zeitschrift ist es ihr Online-Auftritt und damit ihre URLs. Wenn das neue Contentmanagement-System es notwendig macht, dass das URL-Schema ändert, dann gibt es für bereits publizierte Artikel immer noch die Möglichkeit der automatischen Weiterleitung. Klar, das ist dann Handarbeit, pro Artikel eine Weiterleitung einzurichten (ausser alles funktioniert nach dem gleichen Schema). Aber beim primären Publikatonskanal sollte man diesen Aufwand treiben. Man will ja gefunden werden. (Ich habe diesen Aufwand kürzlich für die wichtigesten alten Adressen der PH Schwyz getrieben, damit die Seiten weiterhin abrufbar sind, obwohl wir nicht mehr die PHZ Schwyz (schwyz.phz.ch), sondern die PHSZ (www.phsz.ch) sind und die Ordnerstruktur sich geändert hat.)

Mit Gruss
Beat

-- BeatDoebeli - 20 May 2014

Lieber Beat

laut Webcenter wurde die integrierte Suche bereits angepasst und optimiert. Die veralteten Links sollten also nicht mehr ins Leere laufen. Und ja: Der (webredaktionelle) Kampf für link- und lebenserhaltende Massnahmen geht weiter. Auch bei mir.

Beste Grüsse und Danke für dein Engagement, Daniel

-- DanielAmmann - 22 May 2014

Lieber Beat, liebe Alle Ich möchte darauf hinweisen, dass alle oben genannten URLs, bzw. ALLE alten URLs seit dem Jahr 2016 auf https://www.medienpaed.com wieder funktionieren und zu den entsprechenden Beiträgen führen.

Beste Grüsse Klaus

-- KlausR - 17 Oct 2018 @ENDE

@ANFANG 05 Aug 2018 - 08:35 HandyverbotInFrankreichsSchulen Handyverbot in Frankreichs Schulen Am 30. Juli 2018 hat die Nationalversammlung des französischen Parlaments das Handyverbot in französischen Schulen verschärft, zahlreiche Medien haben darüber berichtet (z.B. NZZ, heise.de, Spiegel online).

Ich habe derzeit wenig Lust, die Diskussion zum Thema Handyverbot in der Schule (Biblionetz:w02202) zu wiederholen - mit dem iPhone-Projekt an der Projektschule Goldau von 2009-2011 und den Nachfolgeprojekten Digitaler Alltag (2012-2013) und Brings mIT! (seit 2013) haben wir gezeigt, dass es auch andere Wege gibt, mit dieser Herausforderung umzugehen.

Darum nur zwei Bemerkungen zu dieser Gesetzesänderungen:

  1. An diesem Gesetz zeigt sich exemplarisch die zentralistische Politik Frankreichs. Während wir in Deutschland und der Schweiz oft über den Föderalismus (Biblionetz:w02162) in der Bildung schimpfen, wird hier der Entscheid zentral für alle gefällt. In Deutschland und der Schweiz wäre man vermutlich eher der Meinung, eine solche Entscheidung solle von den lokalen Gegebenheiten abhängig gemacht werden.
  2. IAuch die GesetzesänderungPDF-Dokument (Biblionetz:t20918) sieht eine pädagogische Nutzung von internetfähigen Geräten in der Schule durchaus vor, wenn es pädagogischen Zwecken dient oder die Hausordnung es erlaubt (womit auch die zentralistische Regelung übergangen werden kann):

L’utilisation d’un téléphone mobile ou de tout autre équipement terminal de communications électroniques par un élève est interdite dans les écoles maternelles, les écoles élémentaires et les collèges et pendant toute activité liée à l’enseignement qui se déroule à l’extérieur de leur enceinte, à l’exception des circonstances, notamment les usages pédagogiques, et des lieux dans lesquels le règlement intérieur l’autorise expressément.

@ENDE

@ANFANG 25 Jun 2018 - 07:48 BildungsBericht2018 Bildungsbericht 2018: Über Digitalisierung schreiben, sie aber nicht leben Letzte Woche ist der Schweizer Bildungsbericht 2018 erschienen. Gemäss Bundesrat Johann Schneider-Ammann liegt der Akzent des Berichts auf der #Digitalisierung:

bildungsbericht2018.jpg

Aber trotz dieses Akzents ist auch der Schweizer Bildungsbericht 2018 (Biblionetz:b06800) nicht in vernünftiger Form digital erhältlich. Der Bericht lässt sich entweder für CHF 60.- in Buchform erwerben (340 Seiten), oder dann für CHF 39.- als "E-Paper in passwortgeschützter Mediathek: umfasst eine deutsche, französische, italienische und englische Sprachversion; Preis pro Lizenz für je einen Benutzer (Bericht online einsehbar, Einzel- und Doppelseite ausdruckbar)"

bildungsbericht2018_2.jpg

Mir scheint, dass hier die Digitalisierung noch nicht wirklich verstanden wird. Zeitgemäss wäre doch ein als Open Access kostenlos in verschiedenen Formaten (naja, mindestens PDF mit Volltextsuche) downloadbarer Bericht. Schliesslich möchte man doch, dass die Ergebnisse möglichst breit rezipiert und weiterverarbeitet werden, oder etwa nicht?

Der SNF macht es eigentlich vor:

"Mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsresultate sind ein öffentliches Gut" , sagt Matthias Egger, der Präsident des Nationalen Forschungsrats. Der freie Zugang oder Open Access (OA) wird in der Wissenschaft zum Standard. Bisher erfüllen weniger als 50% der aus SNF-Förderung hervorgehenden Publikationen diese Bedingung. Ab 2020 sollen nun 100% der Publikationen kostenlos und digital verfügbar sein.
(Quelle)

P.S.: Ich habe mich darüber bereits 2010 (wo kurzzeitig gar ein PDF frei verfügbar war) und 2014 geärgert.

P.S.2: Warum in der Medienmitteilung von der dritten Auflage die Rede ist, erschliesst sich mir nicht. Es gibt mindestens die Bildungsberichte von 2006 (Biblionetz:b2995), 2010 (Biblionetz:b3882), 2014 (Biblionetz:b5460) und jetzt 2018 (Biblionetz:b6800). Das wären in meiner Zählung mindestens 4...

@ENDE

@ANFANG 28 Dec 2017 - 14:44 DasNeueLebenDerWolkenschachtel Das neue Leben der Wolkenschachtel - oder Bericht aus Nerdistan 2017

Warnung: Es folgt eine eher technische Beschreibung meiner Jahresendbeschäftigung, die nur am Rande mit Bildung zu tun hat. Erst weit unten kommen allgemeinere Überlegungen.

Neue Firmware für meine Cloudbox aus dem Jahr 2012

Begonnen hat alles, weil ich von einem Tag auf den anderen nicht mehr auf meine Netzwerkfestplatte zugreifen konnte. Nach der Datenrettung durch Ausbauen der Platte aus dem NAS-Gehäuse und Übertragen der Daten mit Hilfe von Paragon ExtFS von der ext4-Partition auf meinen Windowsrechner stellte sich die Frage, was ich mit der nicht mehr funktionierenden Netzwerkfestplatte tun sollte.

Im Internet habe ich die alternative Firmware fvdw-sl gefunden, die verschiedenen Festplatten von LaCie neues Leben einhaucht. Nach etwas Basteln (Installationsskript hat bei mir nicht funktioniert und musste manuell abgearbeitet werden) hatte ich ein neues Betriebssystem und neue Möglichkeiten für mein NAS vor mir (Demo-Oberfläche hier ).

Damit wäre das ursprüngliche Problem gelöst gewesen: Das NAS lief wieder und speicherte brav meine Daten. Aber die neuen Möglichkeiten weckten meine Neugierde: Das NAS läuft Tag und Nacht und hat nun ein für mich zugängliches Linux mit SSH, Apache, PHP etc. an Board (was zugegebenermassen ein Raspberry Pi auch bieten würde...). Vielleicht könnte das NAS ja auch andere Aufgaben übernehmen!

Smart-Home: Ich liebe Standards - Es gibt so viele davon!

Ich experimentiere seit einiger Zeit mit Steuerungsmöglichkeiten in der eigenen Wohnung (Buzzword Smart Home (Biblionetz:w02497)) als Ausprägung des Internets of Things (IoT, Biblionetz:w02131)). Das Gebiet ist relativ neu - entsprechend haben sich noch keine wirklichen Standards ausgeprägt, sondern alle Hersteller definieren ihre eigenen.

Auf der einen Seite besitze ich eine Philips Hue Bridge (Biblionetz:w02964) mit der sich Lampen nach dem Zig-Bee-Protokoll steuern lassen (steuerbar mit Apps, nach Zeitplänen oder IFTTT-Regeln). Seit neustem kann ich diese Lampen auch mit Hilfe der Sprachassistentin Alexa (Biblionetz:w02957) per Stimmbefehl steuern.

nerdistan2017-1.jpg

Auf der anderen Seite nutze ich seit längerem ein Mediola Gateway, dessen Stärke darin besteht, zahlreiche Geräte mit unterschiedlichen Standards steuern zu können. Das Gateway beherrscht neben TCP/IP auf der einen Seite Infrarot- und Funkprotokolle auf dem 433Mhz- und 868-Frequenzband auf der anderen Seite, so dass sich HiFi-Anlagen, Fernseher (Infrarot) sowie billige Funksteckdosen (CHF 10.- pro Stück, unidirektional) und teurere Komponenten wie Funkheizventile (bidirektional) steuern lassen. Kontrollieren lässt sich das durch die App IQONTROL. Netterweise lassen sich mit IQONTROL auch die Philips hue Lampen steuern.

nerdistan2017-2.jpg

So weit, so gut. Nur möchte ich gerne mit Alexa auch die Geräte aus dem Mediola-Universum steuern können. Es gibt mit ha-bridge eine kostenlose Software, mit der sich eine Philips hue bridge emulieren lässt und die beliebige Aktionen auf dem Computer auslösen kann (u.a. auch http-Anfragen auslösen). Die ha-bridge wird von Alexa als vollwertige hue-bridge anerkannt und lässt sich somit mittels Alexa steuern. In meinem Fall kann die ha-bridge das Mediola-Gateway mittels http-Anfragen steuern.

Somit brauche ich nur noch einen Computer, der 24h eingeschaltet ist und auf dem ha-bridge läuft. Und hier kommt nun wieder mein zu neuem Leben erwecktes NAS ins Spiel. Das läuft ja 24h, befindet sich in meinem lokalen Netz und könnte diese Aufgabe übernehmen. Nur - ha-bridge ist ein Java-Programm, also muss ich meinem NAS zuerst Java beibringen. Gar nicht so einfach, besitzt doch mein NAS einen ARM5-Prozessor und Oracle bietet dafür gar kein vorkompiliertes Embedded-Java mehr an. Aber etwa Basteln und einige Stunden später läuft Java auf meinem NAS aus dem Jahr 2012 und weitere Bastelstunden später ist auch die ha-bridge installiert und konfiguriert und im Bootskript verankert.

Hurra, ich kann jetzt mit der Alexa alle meine fernsteuerbaren Geräte auch per Stimme steuern.

nerdistan2017-3.jpg

Und warum das Ganze?

Tja, jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum ich das alles gemacht habe. Zeit gespart habe ich damit mit Sicherheit nicht, selbst wenn diese Konfiguration nun für die nächsten 25 Jahre so unverändert funktionieren würde. Warum wenn sonst?

  • Nerdfaktor: Ich wollte wieder mal was konkretes Basteln statt nur abstrakt über Konzepte nachzudenken wink
  • Persönliche Weiterbildung: Ich wollte wieder mal konkret sehen, was heute bereits alles möglich ist bzw. bald noch viel einfacher möglich sein wird ohne besondere Informatikkenntnisse. Dieses konkrete Wissen hilft mir beim Formulieren der nächsten abstrakten Konzepte wink
    Ich merke auch bei mir selbst, dass ich über gewisse Potenziale erst anfange vertieft nachzudenken, wenn ich sie ganz konkret nutzen kann. Aus diesem Grund gibt es jetzt auch neue Biblionetz-Einträge:
  • Usability / Accessability: Ich bin seit längerem für jemanden auf der Suche nach rein stimmbasierten Steuerungsmöglichkeiten (siehe auch das Posting Blättern per Stimmbefehl: Zu viel verlangt? vom letzten Jahreswechsel) Mit einem Amazon Echo Plus könnte ich vieles bereits ohne Bastelei abdecken, aber eben nicht alles (z.B. Infrarotbefehle an einen Fernseher senden).

Diese Bastelei hat mir auch wieder einige Konzepte der Informatik und der Informationsgesellschaft vor Augen geführt, die ich meinen Studierenden und in Vorträgen gerne aufzeigen möchte (aber garantiert nicht an diesem Beispiel...)

  • Mächtigkeit der digitalen Infrastruktur durch Modularisierung und Schnittstellen: Das Beispiel zeigt, wie sich die Möglichkeiten der Einzelkomponenten kombinieren und erweitern lassen. Dies trifft sowohl auf der Entwicklungsebene als auch auf der Nutzungsebene zu:
    • Nutzungsebene: Dank Modularisierung/Schnittstellen kann ich nun meine Geräte per Hardware-Fernbedienung, App und Stimme steuern. Drei unterschiedliche Inputkanäle steuern unterschiedlichste Aktoren.
    • Entwicklungsebene: Dank, Linux, Java und weiteren definierten und öffentlich dokumentierten Schnittstellen Lassen sich solche Systeme überhaupt erst erstellen. Statt dass ich mein NAS wegwerfen musste, übernimmt es jetzt, bald sechs Jahre nach seiner Herstellung neue Aufgaben, die es vor sechs Jahren noch gar nicht gab.

  • Bedeutung offener Schnittstellen/Standards: Die ganze Bastelei war nur möglich, weil viele Schnittstellen bzw. Standards öffentlich dokumentiert und von jedermann frei nutzbar sind. Würden alle Hersteller alle ihre Systeme maximal abschotten, wäre die oben beschriebene Rekombinierbarkeit von Komponenten futsch. Dies gilt nicht nur für mein überflüssiges Bastelprojekt sondern in grösserem Rahmen für die gesamte Digitalwelt. Offene Standards erhöhen die Rekombinierbarkeit digitaler Werkzeuge und erhöhen damit Innovation und Produktivität. Ein wichtiges Konzept für die Digitalpolitik.

Und zum Schluss...

...darf natürlich dieses Video nicht fehlen:

und aktuell der Beitrag Sicherheit von Sprachassistenten: Darauf solltest du achten! von heise.de


@ENDE

@ANFANG 02 Nov 2015 - 12:49 SelektivesZitieren Selektives Zitieren

Auch in seinem neuesten Buch Cyberkrank! (Biblionetz:b05989) beherrscht Manfred Spitzer die Kunst des selektiven Zitierens perfekt. Ein erstes Beispiel: Im Kapitel Digitale Jugend: unaufmerksam, ungebildet und unbewegt (Biblionetz:t18304) fasst er die Ergebnisse der Studie Lernen in Notebook-Klassen (Biblionetz:b03327) folgendermassen zusammen:

selektives-zitieren-01.jpg

Betrachtet man nun die von Spitzer zitierten Aussagen im Kontext, so ändert sich das Gesamtbild.

selektives-zitieren-02.jpg

Spitzer zitiert:

Insgesamt kann die Studie somit keinen eindeutigen Beleg dafür liefern, dass die Arbeit mit Notebooks sich grundsätzlich in verbesserten Leistungen und Kompetenzen sowie förderlichem Lernverhalten von Schülern niederschlägt.

Auf der gleichen Seite schreiben die Studien-Autorinnen jedoch auch:

Die Auswertung der Ergebnisse zu Lernverhalten, Fachleistungen und fachübergreifenden Kompetenzen zeigt, dass Schülerinnen und Schüler in Notebook- Klassen zumindest die gleichen und in einigen Teilbereichen auch etwas höhere Werte erreichen als Schülerinnen und Schüler herkömmlich unterrichteter Klassen. Viele der berichteten Unterschiede sind dabei zwar statistisch signifikant, d. h. sie liegen außerhalb des Bereichs der zufälligen Schwankungen.

und

Dass die Notebook-Schüler trotz der großen Heterogenität des Einsatzes von Notebooks und vor dem Hintergrund der teilweise eher ungünstigen Rahmenbedingungen dennoch in vielen Tests und Befragungen in der Tendenz besser abgeschnitten haben als Schüler in herkömmlich unterrichteten Klassen, ist insgesamt positiv zu bewerten. Auch liefern die Ergebnisse keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Arbeit mit Notebooks leistungsmindernd auswirkt.

und

Notebook-Schüler zeigen in der Tendenz eine positivere Einstellung zu Schule und Unterricht als Nicht-Notebook-Schüler.

und

Die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrern beobachtet eine Zunahme der Selbstständigkeit der Schüler in Notebook-Klassen. Sie beziehen sich dabei zum einen auf den Umgang mit dem Computer, aber auch auf das Lösen von Unterrichtsaufgaben und die kooperative Organisation von Gruppenarbeiten.

Die Schülerinnen und Schüler gehen motivierter zur Schule, werden selbstständiger und lernen minimal besser, aber Manfred Spitzer fasst dies (siehe Bildlegende) zusammen mit "keine positiven Auswirkungen auf den Lernerfolg." Für mich ist Motivation und Selbständigkeit auch ein Lernerfolg - vor allem wenn dabei die reinen Prüfungsleistungen nicht schlechter werden.

Auch zum von Spitzer herausgegriffenen Zitat

die Schüler im Unterricht mit Notebooks tendenziell unaufmerksamer

findet sich auf der gleichen Seite der Studie ebenso die Aussage

Von einem Teil der Lehrerinnen und Lehrer wurde allerdings auch eine Erhöhung der Konzentration im Notebook-Unterricht beobachtet, die sich durch die Motivation im Umgang mit dem Gerät einstellt.

Einmal mehr biegt sich Manfred Spitzer seine Wirklichkeitswahrnehmung zurecht, indem er sehr selektiv aus Studien zitiert, dies aber mehrfach als objektive Wissenschaft darstellt.

Mich ärgert das nicht nur bezüglich des konkreten Inhalts, sondern auch weil Spitzer damit "Wissenschaft" in den Dreck zieht, indem er seine vorgefasste Meinung unter den Deckmantel "Wissenschaft" zu packen versucht.

P.S.: Ja, auch ich habe hier sehr selektiv zitiert. Aber ich habe weder die Zeit noch die Lust, diese Quellenarbeit bei allen von Spitzer zitierten Studien zu leisten. Bereits dieses Beispiel zeigt, dass mindestens Vorsicht angebracht ist.


Kommentare:

Spitzer läßt die nicht meßbaren und daher tendenziell subjektiven Aussagen in dem Text weg, z.B. Begriffe wie "Selbständigkeit" und "Motivation". Selbständigkeit ist nicht meßbar und jeder versteht etwas anderes darunter, echte Kriterien sind nicht angegeben. Vielleicht waren die Notebook-Schüler nur deswegen scheinbar selbständig, weil sie (für Lehrer sehr praktisch) in ihre Rechner vertieft waren - was bei der Beschäftigung mit Computern eben gerne mal passiert? Haben die Nicht-Notebook-Schüler einfach nur mehr nachgefragt, um sich bei einer erfahrenen Lehrkraft über Bewertungskriterien zu vergewissern? Man weiß es nicht, und deshalb ist eine Aussage darüber wertlos (macht sich aber gut in einer vom Ministerium finanzierten Studie). Wenn "ein Teil der Lehrerinnen und Lehrer" etwas "beobachtet", dann ist das nicht nur höchst subjektiv, sondern es kann sich auch um einen einzigen Lehrer oder eine einzige Lehrerin handeln.

Die Verlinkung zu der Studie (die vielleicht echte Zahlen enthielte) existiert hier im Blog/Wiki ja leider nicht mehr.

Insofern freue ich mich, daß sich Herr Spitzer auf seine Profession besinnt, nicht auf Marketingsprech hereinfällt, sondern das herausfiltert, was wesentlich ist.

In diesem Artikel darauf abzuheben, vermeintlich positive - aber rein subjektive - Auswirkungen bei immerhin nicht schlechteren Leistungen seien ein Erfolg des betriebenen Aufwands, ist schon sehr speziell.

Es gibt übrigens Maßnahmen, die aufgrund belastbarer Studien eine Verbesserung von meßbaren 40% erzielen. Dafür interessiert sich aber keiner, weil keine Notebooks, Tablets oder dergleichen im Spiel sind...

-- SchneiderU - 19 Oct 2016

Die Studie ist u.a. unter https://beat.doebe.li/publications/not-from-me/2007-n21evaluationsbericht.pdf downlaodbar.

-- BeatDoebeli - 19 Oct 2016

Tja, auch Spitzer zitiert subjektive Beobachtungen ("tendenziell unaufmerksamer"), somit bleibt mein Vorwurf: Spitzer pickt sich bei vielen Studien exakt das raus, was in sein Weltbild passt.

Die Frage, ob von Lehrkräften beobachtete Selbständigkeit und Motivation ein Mehrwert sind oder ob nur nach alten Prüfungen festgestellte Leistungen etwas gelten führt uns zur Grundsatzfrage, was denn die Aufgabe von Schule in der Informationsgesellschaft ist...

-- BeatDoebeli - 19 Oct 2016

Um das zu beurteilen, muss man die Effektstärken kennen, denn signifikant ist bald was bei diesen Stichproben!

-- WernerStangl - 23 Oct 2016

Herr Döbeli, kann es sein, dass Sie selber selektiv zitieren?

Sie zitieren aus der Studie: «Viele der berichteten Unterschiede sind dabei zwar statistisch signifikant, d. h. sie liegen außerhalb des Bereichs der zufälligen Schwankungen.»

Die anschliessenden, von Ihnen nicht zitierten Sätze in der Studie lauten: «Ihre praktische Bedeutung ist dennoch häufig gering, d.h. die Unterschiede zwischen Notebook-Schülern und Nicht-Notebook-Schülern sind minimal.»

Und dann der von Spitzer zitierte Satz: «Insgesamt kann die Studie somit keinen eindeutigen Beleg dafür liefern, dass die Arbeit mit Notebooks sich grundsätzlich in verbesserten Leistungen und Kompetenzen sowie förderlichem Lernverhalten von Schülern niederschlägt.»

Ich sehe das Problem nicht. Spitzer zitiert die Folgerung der Studie richtig. Es ist für mich weder "selektiv zitiert" noch publizistisch illegitim, wenn in einem Buch, das auf eine Studie verweist, nicht auch noch auf die hinterletzte Eventualität daraus eingegangen wird, um auf den Punkt zu kommen. Im Übrigen leuchtet mir ein, was SchneiderU bereits geschrieben hat.

-- AndreasS - 19 Dec 2017 @ENDE

@ANFANG 27 Nov 2017 - 07:22 VerkuerzteZitateFolge137 Verkürzte Zitate - Folge 137

In letzter Zeit wird häufiger Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und verantwortlich für die PISA-Studien (Biblionetz:w01358) zitiert mit der Aussage, Computer würden in der Schule mehr schaden als nützen. So zitiert z.B. Ralf Lankau (Biblionetz:p13583) in einem Interview mit der "jungen Welt" im November 2017 (Biblionetz:t19892):

Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung, formulierte es in einem Interview mit einer australischen Zeitung so: »Wir müssen es als Realität betrachten, dass Technologie in unseren Schulen mehr schadet als nützt.«

Zeit, diesem Zitat nachzugehen. Ein Interview mit dieser Aussage habe ich bisher nicht gefunden, dafür aber einen Artikel im Sydney Morning Herald vom 1. April 2016 mit dem Titel 'The reality is that technology is doing more harm than good in our schools' says education chief

schleicher-01.jpg

Aha, das Zitat soll an einem "globalen Education-Forum" gefallen sein. In der Tat hat Andreas Schleicher am Global Education & Skills Forum 2016 die Eröffnungsansprache gehalten. Von dieser Rede sind sowohl die Folien als auch eine https://www.youtube.com/watch?v=YArPNnqf4nQ. Und nun wird es spannend:

Ab 36:48 in der Aufzeichnung spricht Schleicher über die Potenziale der Digitaltechnologie für das Lernen:

schleicher-02.jpg

Ab 37:37 fährt er weiter mit "but the reality is this":

schleicher-03.jpg

Er beschreibt, dass gemäss PISA-Daten ab einer gewissen ICT-Nutzungsintensität die Schulleistungen geringer werden und man für jedes gelungene Beispiel von ICT-Nutzung in der Schule fünf misslungene Beispiele finde.

Ab 38:02 dann der gesuchte Satz:

The reality is: Technology does more harm than good in our schools today because we have not succeded in integrating well.

Schleicher führt dann aus, dass Technologie noch nicht optimal auf die Bedürfnisse der Schule abgestimmt sei und oft die gewünschte Qualität nicht erreiche. Schleicher beschliesst seine Ausführungen zur Rolle von Technologie in der Bildung mit dem Satz

There is a lot to do to bring these worlds together, the world of technology, the world of education.

Ja, Andreas Schleicher kritisiert den *heutigen Stand der Technologienutzung in der Schule. Er sagt aber nirgends, dass man weniger Technologie in der Schule nutzen müsste, sondern dass die Technologienutzung besser werden muss.*

Zitiert man Schleicher aus dem Kontext gerissen, so ergibt sich der Eindruck, Schleicher als oberster PISA-Verantwortlicher habe ein abschliessendes, negatives Fazit zu ICT in der Bildung gezogen. Liest man jedoch genau, ist es als Aufruf zu verstehen, bessere Wege zu finden, wie Technologie zu Bildungszwecken genutzt werden kann.

@ENDE

@ANFANG 05 Oct 2017 - 08:09 DasLehrplanMaerchenVonAvenirSuisse Das Lehrplan-Märchen von avenir suisse Anfang Oktober 2017 hat der liberale Think-Tank avenir suisse die Studie Wenn die Roboter kommen - Den Arbeitsmarkt für die Digitalisierung vorbereiten (Biblionetz:b06589) publiziert. Darin fordert avnir suisse primär eine Flexibilisierung der Arbeitsgesetze und wehrt sich gegen eine stärkere staatliche Regulierung aufgrund der Digitalisierung. Darüber lässt sich diskutieren, will ich aber an dieser Stelle nicht.

Unter anderem beschäftigt sich die Publikation auch mit Bildungsfragen und thematisiert auf Seite 64 die Volksschule und den Lehrplan 21 (Biblionetz:w02172). Über den folgenden Abschnitt habe ich mich gleich mehrfach geärgert:

Den grössten Rückstand bei der Digitalisierung hat sich die Schweiz aber in der Volksschule eingehandelt. In Deutschland gibt es Informatikunterricht teilweise ab der 5. Klasse, auch Italien und Frankreich sind diesbezüglich fortschrittlicher. Es ist zu begrüssen, dass «Medien und Informatik» nun als fächerübergreifendes Modul im Lehrplan 21 vorgesehen ist. Bezeichnenderweise liegt das Schwergewicht aber auf sozialen Medien und deren Nutzung. Das spiegelt eine Grundhaltung zu digitalen Themen an vielen Schweizer Volksschulen: Digitale Medien sind a priori problematisch, und deren Nutzung muss in Bahnen gelenkt und reguliert werden. Es ist bestimmt sinnvoll, dass die Schulen eine vernünftige und kritische Nutzung digitaler Medien unterstützen. Wesentlich dringender ist aber die Einführung von Informatik (nicht Medienkunde) als reguläres Schulfach, in dem die zentrale Kompetenz des 21. Jahrhunderts gelehrt wird. Jede und jeder sollte wenigstens in den Grundzügen verstehen, wie diese Maschinen technisch funktionieren und – noch wichtiger – auf welchen Prinzipien und innerer Logik die Digitalisierung fusst. Die geforderte breite Digitalisierungsoffensive an den Primar- und Sekundarschulen wird nicht auf dem regulären Weg der Lehrerbildung oder Weiterbildung an den pädagogischen Hochschulen (PH) zu erreichen sein. Dies würde rund 30 Jahre dauern. Um den absehbaren Engpass bei qualifiziertem Lehrpersonal zu entschärfen, wird man nicht umhinkommen, auf die Mithilfe der Privatwirtschaft zurückzugreifen und die vermehrte Rekrutierung von Quereinsteigern ins Auge zu fassen.

Ich möchte folgendes richtig stellen:

"Medien und Informatik" wird in den meisten Kantonen als Fach umgesetzt

  • Fakt ist: Im Lehrplan "Medien und Informatik" (Biblionetz:t17600) steht:
    "Für die Arbeit an den Modulen definieren die Kantone die Zeitgefässe und die Zuständigkeiten der Lehrpersonen. Die zur Verfügung stehenden Zeitgefässe können von den Schulen flexibel eingesetzt werden. Dabei kommen Organisationsformen zur Anwendung, welche auch bei begrenzten Zeitressourcen eine effiziente Unterrichtsgestaltung fördern (z.B. Blockkurse)."
    Zeitgefässe heisst nicht fächerübergreifend. Zahlreiche Kantone haben auch bereits beschlossen oder gar umgesetzt, dass "Medien und Informatik" ab der 5. Klasse ein eigenes Schulfach wird (z.B. ZH, SG, BE, GR, SO, TG, AR), in anderen Kantonen ist ein Fach ab der 7. Klasse vorgesehen (z.B. LU, SZ, ZG).
  • Meine Einschätzung: Ja, es ist bedauerlich, dass M+I nicht überall ab der 5. Klasse als eigenes Fach geführt wird. Aber die von avenir suisse gemachte Aussage "fächerübergreifend" entspricht nicht der Realität.

"Medien und Informatik" enthält gleich viel Informatik wie Medien*

  • Fakt ist: Der Lehrplan M+I enthält einen Kompetenzaufbau zu Medien und einen Kompetenzaufbau zu Informatik. Bildungspolitisch wurde bei der Erarbeitung darauf geachtet, dass beide Teile das gleiche Gewicht erhalten.
  • Meine Einschätzung: Ich kann nicht nachvollziehen, woraus avenir suisse ein Schwergewicht auf der Nutzung von sozialen Medien ableitet. Habe ich bereits im Februar 2017 gefragt, habe nie eine Antwort erhalten:

Medien und Informatik" erklärt die Grundprinzipien der Digitalisierung

  • Fakt ist: Auf Seite 4 von M+I steht: "Der Kompetenzbereich Informatik befasst sich mit der Automatisierung der Informationsverarbeitung. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Daten als symbolische Darstellung von Information zu verstehen und gewinnen Einblick in die Prinzipien und Methoden der Verwaltung, Auswertung und Sicherheit von Daten. Ausgehend von der Beschreibung und Analyse einfacher Abläufe lernen die Schülerinnen und Schüler, grundlegende Lösungsstrategien für eine Vielfalt von Aufgabenstellungen zu verstehen und als Algorithmen zu beschreiben. Beim Programmieren werden Prozesse und Abläufe in eine Sprache übersetzt, die der Rechner versteht und so eine automatisierte Verarbeitung von Daten erlaubt. Verschiedene Grundkonzepte der Informatik können dabei auch ohne Computereinsatz vermittelt werden."
    Im Kompetenzaufbau Informatik sieht der Lehrplan 21 vor: "Schülerinnen und Schüler können Programme mit Schleifen, bedingten Anweisungen und Parametern schreiben und testen."
  • Meine Einschätzung: Wie dies in den Schulen konkret umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Es steht aber so im Lehrplan drin. Weiss das avenir suisse nicht oder ignoriert sie das mit Absicht?

Kantone verlangen M+I-Weiterbildungen meist innert fünf Jahren

  • Fakt ist: Einige Kantone haben Weiterbildungsoffensiven im Bereich M+I gestartet. Lehrpersonen müssen obligatorische Weiterbildungskurse im Umfang von teilweise mehreren Wochen besuchen. Die Kantone haben zur Erfüllung dieser Weiterbildungsobligatorien Fristen gesetzt, die sich meist auf 5-7 Jahre erstrecken.
  • Meine Einschätzung: Würden die PHs tatsächlich nur in der Ausbildung M+I vermitteln, so würde es tatsächlich 30-40 Jahre dauern, bis alle Lehrpersonen über die entsprechenden Kompetenzen verfügen würden - mit Weiterbildungen geht das aber schneller. Wie avenir suisse zu ihren 30 Jahren kommt, ist mir nicht verständlich.
    Die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen an PHs ist in der Tat eine grosse Herausforderung für die Kantone und PHs (und es ist in der Tat ein grosses Problem, dass einige Kantone keine oder viel zu kurze WEiterbildungen verlangen). Neben Geld und Zeit gilt es insbesondere, das notwendige Know-how zur Vermittlung von M+I zu finden. Insbesondere im Bereich Informatik ist es für pädagogische Hochschulen schwierig, entsprechende SpezialistInnen zu finden. In Einzelfällen klappt die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft bestens, die Wunderlösung für den Fachkräftemangel im Spezialbereich Informatikdidaktik ist es angesichts des bekannten Fachkräftemangels in der Informatik mit Sicherheit nicht.

Fazit

Ich finde es ärgerlich und für einen Think-Tank bedauerlich, wenn avenir suisse nicht müde wird, ihre vorgefasste Meinung zum Thema Informatik im Lehrplan 21 zu wiederholen, obwohl sich zahlreiche Aussagen relativ einfach widerlegen lassen. Von einem Think Tank würde ich mehr Recherche und Tiefe erwarten.


@ENDE

@ANFANG 29 Sep 2017 - 12:21 DemComputerInsHirnGeschaut Dem Computer ins Hirn geschaut Mit der Einführung des Modullehrplans Medien und Informatik (Biblionetz:t17600) stellt sich häufiger die Frage, was denn eigentlich Informatik sei (Biblionetz:f140). Ich habe in meinem Buch in Kapitel 6 (Biblionetz:t16006) versucht aufzuzeigen, dass verschiedene Sichtweisen von Informatik existieren (was dann Auswirkungen auf die daraus folgende Informatikdidaktik hat). Mein Buch bietet aber keinen vertieften Einblick in die Wissenschaft Informatik.

Insbesondere Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I, die das Fach "Medien und Informatik" unterrichten, aber auch interessierte Primarlehrpersonen sind derzeit oft auf der Suche nach "einem Buch, das mir die Informatik erklärt." Die verfügbaren Grundlagenbücher sind meist dick, theoretisch und trocken. Sie richten sich primär an Studierende, die Nicht Informatik studieren, aber trotzdem Bescheid wissen müssen - und viel Zeit haben. Wir haben bisher in unseren Weiterbildungsveranstaltungen folgende Bücher aufgelegt, ohne gross davon überzeugt zu sein für unsere Kursteilnehmenden:

b06220 b06401 b06397

Daneben kennen und empfehlen wir dünnere, leicht verdaulichere Bücher, die aber entweder nur einen Teilbereich der Informatik abdecken oder sehr exemplarisch Beispiele aus verschiedenen Bereichen präsentieren und damit dem Wunsch nach einer fundierten Übersicht nicht nachkommen:

b01074 b06510 b06244

Vor wenigen Tagen (September 2017) ist nun das Buch Dem Computer ins Gehirn geschaut (Biblionetz:b6575) von Eckart Zitzler erschienen. Zitzler ist aktuell Bereichsleiter"Medien und Informatik an der PH Bern und war früher u.a. Assistenzprofessor für Systemoptimierung an der ETH Zürich. In seinem Buch versucht er die Funktionsweise eines Computers Schicht für Schicht zu erklären. Das Buch beginnt bei einzelnen Bits und geht über Prozessoren, Speicher weiter bis zu Netzwerken und Fragen künstlicher Intelligenz und den Grenzen der Berechenbarkeit. Dabei stehen immer die Konzepte im Vordergrund, kurzlebiges Produktwissen fehlt vollständig.

Zwei Aspekte machen für mich das Buch besonders spannend: Eckart Zitzler zieht in jedem Kapitel Vergleiche zur Biologie und zeigt das eben erklärte Konzept des Computers danach auch an Lebewesen auf. Damit macht er deutlich, dass Informatik eben nicht die Wissenschaft des Computers, sondern die Wissenschaft der strukturierten und automatisierten Informationsverarbeitung ist - etwas das auch bei Lebewesen alltäglich vorkommt.

zitzler-01.jpg

Das zweite, was mir am Buch besonders gefällt, sind die zahlreichen und sorgfältig gezeichneten Illustrationen, die alle unter einer CC-BY-NC-Lizenz auf der Zitzlers Website zum Download zur Verfügung stehen. Ich vermute, dass schon bald einige dieser Grafiken in meinen Lehrveranstaltungspräsentationen auftauchen werden wink

So anregend und verständlich das Buch in jedem Kapitel auch beginnt - in meiner Wahrnehmung übertreibt es Zitzler regelmässig mit dem Detaillierungsgrad seiner Ausführungen. Während man als interessierter Laie sich in Kapitel 1 beispielsweise durchaus noch für das Konzept einer Turing-Maschine interessieren könnte (und dieses Konzept als Informatiklehrperson auch kennen sollte!)...

zitzler-02.jpg

... möchten vermutlich die wenigsten danach über 5-6 Seiten die Details der Addition mittels Turing-Maschine und Lochkarten nachvollziehen können.

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Hier besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass einige Leserinnen und Leser das Buch vorzeitig zur Seite legen und der scheinbar trockenen Informatik wieder den Rücken zukehren. Es wäre für die Verbreitung dieses Buches hilfreich gewesen, wenn es nicht 450 Seiten sondern 300 Seiten lang geworden wäre.

Mein Rat an diejenigen, denen ich dieses Buch zur Lektüre empfehle: Habt den Mut, bei langfädigen Abschnitten weiterzublättern und in ein neues Kapitel einzusteigen - es lohnt sich!

@ENDE

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