Worum geht es?
Bisher (TM) sind GMLS-Chatbots rein aufs Reden bzw. Schreiben beschränkt, d.h. man spricht mit den Systemen und sie geben unter Umständen Hinweise, was man im Netz oder auf dem eigenen Computer nun tun müsste, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Rein technisch müssen aber solche Systeme nicht aufs Ausgeben von Text und Bildern beschränkt sein. Sie könnten auch beliebigen Programm-Code ausführen und damit von Antwortmaschinen zu Machmaschinen werden. Technisch hat dies das sogenannte Modell-Context-Protokoll (MCP) vereinfacht, der standardisiert einem GMLS-Programm bestimmte Möglichkeiten gibt bzw. erklärt, mit einer Umgebung zu interagieren (z.B. lokales Datei- oder gar Betriebssystem, lokal installierte Bildbearbeitung etc.). Damit werden die möglichen Effizienzgewinne noch grösser (aber auch die Sicherheitsprobleme - darüber ein andermal...)
Was habe ich konkret gemacht?
Ich habe im Netz einen MCP-Server für Microsoft Access gefunden. Es gibt zahlreiche, ich habe mehrere ausprobiert und mich letztendlich für den von fieldcommissioner entschieden. Aber auch dieser MCP-Server hat bei mir mit Claude Desktop nicht funktioniert. Der erste Anstieg meines Future Shock Levels war nun, dass ich Claude bitten konnte, den auf github verfügbaren Quelltext dieses MCP-Servers zu analysieren und interaktiv mit zusammen eine Fehleranalyse vorzunehmen und den MCP-Server zu reparieren. Es war fazinierend zuzuschauen, wie das GMLS Claude sozusagen an einer Erweiterung von sich selbst herumoperiert und damit seine eigenen Möglichkeiten erweitert hat. Und: Nach einem Abend hatte ich einen funktionierenden Zugang zu meiner Access-Datenbank!
Was macht das mit mir?
Ich muss zugeben, dass ich mir schon geschmeichelt vorkam, als Claude meine Biblionetzdatenbank erkundete und mich dafür lobte, auch wenn ich weiss, dass GMLS-Schmeichelei (engl: sycophancy) (Biblionetz:w03743) problematisch ist. Aber es ist trotzdem ein cooles Gefühl, wenn man plötzlich mit der eigenen Datenbank und den eigenen Code reden kann und erstaunlich kompetente Antworten enthält.
Die Kehrseite der Medaille
Leider kann man sich nicht naiv über die neuen technischen Möglichkeiten freuen, wenn man gleichzeitig lesen muss, wofür maschinelles Lernen auch genutzt wird und man sich vorstellt, was hier agentische Systeme ermöglichen werden: Palantir hilft gemäss 404 media (Biblionetz:t33168) in den USA der ICE, mit Hilfe von Software Menschen zu finden, die man deportieren könnnte.
@ENDE
@ANFANG 15 January 2026 TheSirensCall The Sirens' Call
Beim digitalen Aufräumen zum Jahresende bin ich auf die Rezension Wider die neue Aufmerksamkeitsökonomie (Biblionetz:t33109) von Daniel Binswanger (Biblionetz:p10471) zum Buch The Sirens' Call (Biblionetz:b08986) des us-amerikanischen Starmoderators Chris Hayes vom Februar 2025 gestossen und habe in der Folge - und passend zum Thema des Buches... - beschlossen, das Buch ganz zu lesen, bevor ich wieder Social-Media-Kurzfutter konsumieren würde.
Die Lektüre hat mir ermöglicht, mich vertiefter mit dem Konzept der Aufmerksamkeitsökonomie (Biblionetz:w00502) auseinanderzusetzen, das ich zwar bereits 1999 im Biblionetz aufgenommen, aber seither nicht mehr gross beackert habe.
Ich finde das Buch insbesondere deshalb spannend, weil es mein berufliches Thema Leben in einer von digitalen Medien geprägten Welt und aktuelle (bedrohliche) politische Entwicklungen gleichzeitig behandelt.
Wovon handelt das Buch?
Chris Hayes unterteilt die Menschheitsgeschichte in die drei Epochen der Agrargesellschaft (Biblionetz:w02211), der Industriegesellschaft (Biblionetz:b02210) und der Aufmerksamkeitsgesellschaft (Biblionetz:w00502) (und nicht etwa Informationsgesellschaft). Für Hayes sind nicht Daten oder Information das prägende Element unserer Zeit, sondern die weiterhin rare, nicht beliebig ausdehnbare und deshalb wertvolle Ressource Aufmerksamkeit.
Hayes unterscheidet drei Arten der Aufmerksamkeit (auch wenn er darauf hinweist, dass das Konzept "Aufmerksamkeit" z.B. in der Psychologie sehr kontrovers behandelt werde): - Willkürliche Aufmerksamkeit: (Biblionetz:w03747) Fokus, den ich als Mensch willentlich setze, um mich auf etwas zu konzentrieren und anderes aufzublenden.
- Unwillkürliche Aufmerksamkeit: (Biblionetz:w03748) Aufmerksamkeit, gegen die ich mich nicht wehren kann, sondern reflexartig erfolgt (z.B. durch einen lauten Knall).
- Soziale Aufmerksamkeit: (Biblionetz:w03749) Aufmerksamkeit, die ich einem anderen Menschen widme.
Oder ausführlicher in den Worten des Autors:
Es gibt drei Hauptaspekte der Aufmerksamkeit, deren grundlegende Dynamiken sich in den oben beschriebenen Cocktailparty-Beispielen deutlich zeigen.
Insbesondere für soziale Medien fand ich das Konzept Soziale Aufmerksamkeit von Fremden (Biblionetz:w03750) spannend. Chris Hayes beschreibt u.a. die entstehende Asymmetrie zwischen prominenten Menschen und ihren Fans / Followern und den unerfüllbaren Erwartungen derartiger Aufmerksamkeit und erklärt das Konzept u.a. an Elon Musk (Biblionetz:p25665), der sich Twitter (Biblionetz:w02116) gekauft hat im Versuch, Aufmerksamkeit von Fremden zu erhalten.
Daran schliesst sich die Erkenntnis an, dass es massiv einfacher ist, die Aufmerksamkeit anderer Menschen zu erregen, als sie über längere Zeit aufrechtzuerhalten (Biblionetz:a01579), was sowohl das Vorgehen von Boulevard-Medien als auch von Donald Trump (Biblionetz:p17141) erklären kann und uns gleichzeitig vor ein Dilemma stellt:
- Erstens die willkürliche Aufmerksamkeit, das gezielte Lenken unseres Fokus, bei dem das geistige Scheinwerferlicht auf etwas Bestimmtes gerichtet wird, das dadurch hervorgehoben wird, während alles außerhalb dieses Lichtkegels relativ im Dunkeln bleibt.
- Dann gibt es die unwillkürliche Aufmerksamkeit, die ständig parallel zur bewussten Aufmerksamkeit arbeitet, unsere Umgebung auf Bedrohungen und Störungen überwacht und unseren bewussten Fokus gelegentlich auf etwas anderes richtet oder ihn sogar vollständig übernimmt.
- Und schließlich gibt es die soziale Aufmerksamkeit: die Tatsache, dass wir selbst zum Gegenstand der Aufmerksamkeit anderer werden können, und die unausweichliche Wahrheit, dass diese Erfahrung zu den grundlegendsten Formen menschlicher Bindung gehört. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auch auf andere, und diese Form sozialer Aufmerksamkeit, der gegenseitige Austausch von Aufmerksamkeit mit anderen Menschen, bildet die kovalente Bindung menschlicher Sozialität. Wir denken an andere Menschen, und andere Menschen denken an uns, und ein ganzes Leben entfaltet sich innerhalb dieses gedanklichen Kreislaufs.
Aufmerksamkeit zu erregen, also sie zu erlangen, ist viel einfacher, als sie auf Dauer zu halten, denn für Ersteres braucht man keinen Zugang zu den tiefen Geheimnissen der menschlichen Seele. Deshalb neigen wettbewerbsorientierte Aufmerksamkeitsmärkte dazu, sich dem Spielautomatenmodell zuzuwenden.
Ich habe mehr als acht Jahre meines kostbaren Lebens damit verbracht, praktisch in Vollzeit über Donald Trump zu berichten. Er ist keine Person, über die man freiwillig so lange nachdenken will. Was seine Präsenz in unserer nationalen Psyche so unerträglich und erschöpfend macht, ist das ständige Bewusstsein, dass man ihm ‒ indem man ihm Aufmerksamkeit widmet ‒ genau das gibt, was er will. Und doch tut er Dinge, die man nicht ignorieren kann: etwa der Versuch, die konstitutionelle Republik Amerikas zu stürzen. Er versucht, Zeugen und Richter einzuschüchtern, er bezeichnet Einwanderer als Gift und seine politischen Gegner als Ungeziefer, er sinniert lautstark über eine Art postdemokratischen Plan für ein autoritäres Amerika. Das kann man nicht einfach ignorieren, wenn man sich (wie ich) für den Erhalt unserer demokratischen und verfassungsmäßigen Ordnung einsetzt und beruflich über Neuigkeiten berichtet und versucht, die Aufmerksamkeit der Menschen dorthin zu lenken, wo sie der eigenen Ansicht nach hingehört.
Was mir am Buch gefallen hat
- Sachkenntnis des Autors: Der Autor Chris Hayes ist Starmoderator beim US-amerikanischen Fernsehsender MSNBC und somit selbst im Aufmerksamkeitsbusiness tätig. An verschiedenen Stellen im Buch merkt man, dass er weiss, wovon er schreibt und insbesondere die kommerziellen Aspekte und Dilemmata der Aufmerksamkeitsökonomie kennt.
- Kein Aussteiger-Bekenntnis: Das Buch ist kein Schuldeingeständnis eines Aussteigers, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat und nun über die bösen Techniken berichtet, die er in seinem früheren Leben kennengelernt und auch selbst angewendet hat.
- Bescheidenheit des Autors: Der Autor stellt weder seine Person noch seine Taten und Meinungen in den Vordergrund, sondern schreibt mit einer gewissen Bescheidenheit.
- Entwicklungen statt Schwarz-Weiss-Bilder: Der Autor zeigt auf, wie sich die Menschheit in der Vergangenheit entwickelt hat und Technologien und Gesellschaftsmodelle sie verändert haben. Dabei begreift er die aktuelle Situation als (gefährliche) Entwicklung, verklärt aber nicht die Vergangenheit und weist explizit auf die moralische Panik (Biblionetz:w03746) hin, die bereits bei Sokrates und Goethe zu beobachten war.
- Keine simplen Rezepte oder Schuldzuweisungen: Im Buch werden keine übervereinfachende Rezepte vorgeschlagen oder Schuldzuweisungen vorgenommen. Damit hebt es sich von anderen Büchern ab, die einen praktisch dauernd anschreien mit ihrem alarmistischen Tonfall.
Was mir das Buch deutlich gemacht hat / Was ich gelernt habe
- Ich habe mich wieder mal intensiver mit dem Konzept der Aufmerksamkeitsökonomie beschäftigt. Es hilft mir, gewisse Dinge besser zu verstehen.
- Mir hat die Unterscheidung zwischen willkürlicher, unwillkürlicher und sozialer Aufmerksamkeit beim eigenen Denken geholfen, insbesondere auch der Spezialfall der Aufmerksamkeit von Fremden
- Ich habe den Begriff Moralische Panik (Biblionetz:w03746) ins Biblionetz aufgenommen - ein Konzept, das mir zwar seit 30 Jahren im beruflichen Kontext sehr wohl bekannt ist, bisher aber nicht in meinem aktiven (Biblionetz-)Wortschatz vertreten war. In den im Biblionetz gespeicherten Texten taucht es aber sehr wohl auf:
Was mich enttäuscht hat
Die Enttäuschung des Buches ist vermutlich die Kehrseite dessen, was ich weiter oben als positive Aspekte des Buches beschrieben habe - dass Chris Hayes eben keine übervereinfachte Rezepte vorschlägt. Das abschliessende Kapitel Die Rückeroberung unseres freien Geistes des Buches ist vergleichsweise kurz und bietet zumindest mir wenig. Zurück zu gedruckter Zeitung und Schallplatte ist mir etwas dürftig als Strategie in unserer heutigen Zeit. Das mag für einzelne Individuen mit genügend Zeit und Musse funktionieren, hilft aber beispielsweise wenig bei der Herausforderung, wie Demokratien in einer Aufmerksamkeitsgesellschaft überleben können, wenn lautes Schreien statt Argumente gewinnen. Hier hätte ich mir differenziertere Aussagen erhofft, die z.B. auch verschiedene Stakeholder betreffen. Dass die Auswirkungen von generativen Machine-Learning-Systemen (GMLS) (Biblionetz:w02833) nur am Rande des Buches gestreift werden, ist zwar ebenfalls schade, kann ich aber besser verschmerzen: Das Thema ist so neu, dass ich Verständnis dafür habe, dass man noch keine Strategien oder Rezepte zur Hand hat. Hier ist nun eigenes Weiterdenken notwendig, was denn diese Etappe des digitalen Leitmedienwechsels bezüglich Aufmerksamkeitsökonomie für Chancen und Herausforderungen bietet (Das Blasebalg-Phänomen (Biblionetz:w03751), dass Menschen GMLS sowohl zum Verfassen als auch zum Konsumieren von Mitteilungen nutzen, wird im Buch bereits thematisiert). @ENDE @ANFANG 10 January 2026 LeideIchEtwaAnAIFatigue Leide ich etwa an AI fatigue?
Das Arbeitsjahr hat wieder begonnen, ich sitze werktags am Morgen beim Kaffee und prüfe meine verschiednen Newskanäle, von Tagespresse über allerlei RSS-Feeds bis zu sozialen Medien. Regelmässig speichere ich mir interessante Artikel ab, denen ich mich später genauer widmen will.
Seit gefühlt drei Jahren finde ich jeden Morgen mehr relevante Informationsbrocken, als ich im Laufe des Tages oder der Woche verarbeiten kann. Der Informationsberg wächst und damit auch mein schlechtes Gefühl als Experte angefragt zu werden, ohne diesen Berg verarbeitet zu haben.
Heute lag auf meinem Stapel auch der Artikel AI Fatigue: Reflections on the Human Side of AI’s Rapid Advancement (Biblionetz:t33155) und er beschreibt dieses Phänomen sehr schön.
Victor Dibia, Leitender Forscher bei Microsoft schreibt:
While we all shared genuine excitement
about being in the field during
this revolutionary time, there was also
an undercurrent of exhaustion—a particular
kind of fatigue that comes from
trying to match the unprecedented
pace of AI advancement. This is what I
have come to think of as “AI fatigue”—
the collective exhaustion experienced
by individuals and organizations in
response to the unrelenting pace of
AI innovation
und
The current AI revolution presents a unique challenge: it demands sustained sprint-level engagement with no clear finish line in sight. Maintaining high effort for more than 24 months while processing three simultaneous streams of innovation naturally pushes beyond our adaptive limits, revealing hidden costs across multiple dimensions. For individual researchers and engineers, these costs manifest in disrupted research cycles and cognitive overload. The constant need to update work with new papers and models creates significant mental strain, while the persistent feeling of falling behind breeds anxiety and imposter syndrome,
Genau so. Nun gehe ich Schnee schaufeln. Auch da türmen sich Berge, aber die sind endlich.
@ENDE
@ANFANG 08 January 2026 AufDerSucheNachViablenModellen Auf der Suche nach viablen Modellen
Essentially, all models are wrong, but some are useful
George E. P. Box (Britischer Statistiker)
Wenn ich meine Buchrezension zum Buch 'The Sirens' Call' lese, so merke ich, dass ich beim Lesen des Buches etwas getan habe, was wir unseren Studierenden im Modul Informatikdidaktik des Masterstudiengangs Fachdidaktik Medien und Informatik zu vermitteln versuchen: Modelle auf ihre Viabilität prüfen.
Was meine ich damit?
Beim Lesen des Buches habe ich mir bei den Konzepten und Modellen des Autors überlegt, ob sie mein eigenes Denken anregen - ob sie für mich nützlich oder passend sind. Natürlich gehört dazu auch die Prüfung, ob sie meinem bisherigen Weltbild so stark widersprechen, dass ich sie als falsch ablehne - aber das ist nicht der relevante Punkt. Ich habe nicht primär die Wahrheit der Konzepte und Modelle geprüft, sondern geschaut, ob ich sie künftig für mein Nachdenken über die Welt brauchen möchte.
Viabilität (Biblionetz:w00170) ist ein Grundbegriff des Konstruktivismus und bedeutet wörtlich "Gangbarkeit". Ich suche also nach gangbarem, für mich anschlussfähigem und nützlichen Konzepten und Modellen.
Worum schreibe ich das hier?
In unserem Modul Didakik der Informatik im Rahmen des Masterstudiengangs Fachdidaktik Medien und Informatik präsentieren wir unseren Studierenden mehrere fachdidaktische Modelle (darunter die üblichen Verdächtigen wie das Dagstuhl-Dreieck, die great principles der Informatik nach Denning, die fundamentalen Ideen der Informatik nach Schwill etc.). Nach einem Selbststudienblock frage ich die Studierenden jeweils, ob sie die in der Literatur zu findenden Modelle als nützlich für ihr Denken betrachten würden - und ernte praktisch jedes Mal erstaunte Blicke: "Wieso fragt uns der Dozent nach der Nützlichkeit von Konzepten?"
Für mich ist das plakativ gesprochen eine der Unterschiede zwischen einem Bachelor- und einem Masterstudiengang. Während wir im Bachelorstudiengang Primarlehrperson oft noch stark vorgeben, was wichtig und relevant zu sein hat, möchte ich im Masterstudiengang zum eigenen Einschätzen und Nachdenken einladen. Während ich also in Bachelorlehrveranstaltungen eher versuche, die Welt zu erklären, frage ich im Master: "Hilft das Dargebotene beim Verstehen der Welt?"
Weil ich in den vergangenen Jahren gemerkt habe, dass ich gewisse Studierende mit dieser Frage überfordere, versuche ich es hier mit lautem Nachdenken über dieses Phänomen, um Studierende künftig eventuell noch expliziter auf diese Frage vorzubereiten.
(Ein zweiter plakativer Unterschied zwischen Bachelor- und Masterstudium, den ich bei unseren Masterstudierenden beobachte: Sie sind es sich gewohnt, pro Begirff oder Thema eine verbindliche Definition zu erhalten (die sie dann vielleicht auswendig zu lernen gedenken) und wir brüskieren sie damit, dass wir ihnen Texte mit widersprüchlichen Definitionen zum Lesen geben, bei denen sie gezwungen sind, die Unterschiede herauszufinden und sich danach für eine eigenständige Sichtweise zu entscheiden).
P.S.: Was ich hier schreibe, ist für Geistes- und Sozialwissenschaften vermutlich sehr trivial. Für mich als ausgebildeter Ingenieur und unsere Lehramtsstudierenden ist das weniger trivial.
@ENDE
@ANFANG 07 January 2026 SixthSense sixthsense
Heinz Küng hat mich auf ein aktuelles TED-Video von MIT-Forscherin Pattie Maes aufmerksam gemacht, in welchem sie ihr Projekt sixthsense vorstellt.
'SixthSense' is a wearable gestural interface that augments the physical world around us with digital information and lets us use natural hand gestures to interact with that information.
Das Video hat mich ein paar Mal zum Schmunzeln gebracht und wieder mal bestätigt, dass die technische Entwicklung noch einiges zu bieten haben wird. Das Telefon in der Hand sieht ja wirklich nach science fiction vom Feinsten aus:
- Gewisse Medien pauschalisieren, was das Redaktionssystem hergibt.
- Gewisse Kreise stellen pauschale, vermeintlich klare und einfache Forderungen auf
- Begründet werden die Forderungen mit Argumenten, die oft auf massiven Generalisierungen beruhen oder gar nicht zur Forderung passen
1. Mediale Berichterstattung
Derzeit geistert die Meldung durch die Medien, dass sich im hochdigitalisierten Dänemark irgendetwas mit der Postzustellung ändert. Hier eine Auswahl von Schlagzeilen:
- Nein, es wird nicht die Post abgeschafft. Es geht nicht um alle Postsendungen, es geht um Briefe. Pakete werden weiterhin auch von der staatlichen Post zugestellt.
- Nein, es wird nicht die Briefpost abgeschafft. Dänemark ist durch diese Massnahme nicht ohne Briefpost. Private Anbieter werden auch 2026 Briefe zustellen.
- Nein, es wird nicht die Nutzung von Social Media verboten. Das Verbot umfasst nur den Besitz eines Kontos bei den genannten Diensten. Konsumieren ja, interagieren oder kreieren nein.
- Nein, es werden nicht generell social Media Konti für Unter-16-Jährige verboten. Das Verbot betrifft vorerst nur zehn grosse Plattformen, kleinere Plattformen sind nicht davon betroffen.
2. Pauschale, scheinbar eindeutige Forderungen
"Papier in der Schule abschaffen!" klingt genau so einfach und klar wie "Handyverbot!" , "Social-Media-Verbot!" oder "KI-Verbot!" und es ist verlockend, solch einfachen Forderungen zuzustimmen. Erst bei genauerem Hinsehen merkt man, dass die Sache schon nur in der Definition des Verbots gar nicht so klar ist: Was meinte jetzt "Papier-Abschaffung" oder "Handyverbot" konkret? "Nein, nein, WC-Papier ist damit nicht gemeint!" zeigt exemplarisch, dass die meisten Forderungen so nicht wirklich umsetzbar sind. Bezüglich Handyverbot habe ich unter Was heisst eigentlich «Handyverbot»? einen Fragebogen entworfen, der aufzeigt, wie breit das Spektrum dessen ist, was man unter einem Handyverbot verstehen kann.
3. Schräge Schlüsse und Argumentationen
Es ist unsinnig, aus dem Ende der Papierbriefauslieferungen der dänischen Staatspost zu schliessen, dass man in der Schule auf Papier verzichten sollte. Ähnlich schräg wird aber oft bei politischen Vorstössen argumentiert, wenn es um digitale Medien und Kinder & Jugendliche geht. Gefühlt jeder zweite Vorstoss gegen digitale Medien in der Schule argumentiert derzeit mit: "Schweden bremst bei der Digitalisierung in der Schule, deshalb sollten wir ..." (aktuell 26 Texte unter Biblionetz:a01535) ohne genau zu überprüfen, was in Schweden genau gemacht wird und ob das irgendwas mit dem Kontext der Forderung zu tun hat. Aktuelles Beispiel: Ein Postulat der SVP im Kantonsrat von Zug
(Biblionetz:t33070):
Länder wie Dänemark, Schweden und Finnland waren Vorreiter in Sachen Digitalisierung an
Schulen. Sie sind es nun auch, welche wieder eine Kehrtwende einläuten. Denn es zeigt sich,
dass digitales Lernen wenig Vorteile hat. Abnahme der Lesekompetenzen, wie sie auch in der
Schweiz festzustellen ist, sowie die Ablenkung durch digitale Lernmittel sind die Folgen. Weiter
können sich Schüler und Schülerinnen, durch die viele Bildschirmzeit schlechter konzentrieren
und Gelesenes und Geschriebenes vom Bildschirm weniger gut merken, als wenn es auf Papier
ist.
Während man bei einer Partei davon ausgehen darf, dass Aussagen und Forderungen mitunter auch tendenziös formuliert sind, würde man bei einer Behörde mehr Objektivität und Stringenz erwarten. Diesbezüglich erstaunt deshalb die Antwort des Zuger Regierungsrats
(Biblionetz:t33071):
Medienbildung ist im Lehrplan 21 verankert. Gleichzeitig zeigt sich aus wissenschaftlicher Sicht ein differenziertes Bild, was den Einsatz digitaler Geräte in der frühen Kindheit bzw. im Zyklus 1 betrifft. Während einige Studien positive Erscheinungen im Zusammenhang mit gezieltem, qualitätsvollem Medieneinsatz im Unterricht hervorheben, weisen andere auf negative Erscheinungen hin – insbesondere bei passivem Medienkonsum ausserhalb der Schule – wie Konzentrationsstörungen, Sprachverzögerungen und eingeschränkte soziale Interaktion.
Für den Regierungsrat überwiegen die negativen Erscheinungen, weshalb er das Postulat betreffend keine digitalen Geräte im Kindergarten und in der Unterstufe (bis Ende der 2. Klasse der Primarstufe) unterstützt.
Wie bitte? Weil Studien gezeigt haben, dass primär der passive Konsum digitaler Medien ausserhalb der Schule problematisch sein kann, verbieten wir jegliche schulische Gerätenutzung und verhindern damit auch die positiven Potenziale durch aktive Nutzung digitaler Geräte in dieser Altersstufe zum Üben und individualisieren oder zur Integration fremdsprachiger Kinder?
(Dass der Regierungsrat im gleichen Dokument vorschlägt, digitale Medien ab der 3. Klasse dann aber verbindlich vorzuschreiben, damit in der 4. Klasse die digitalen Kompetenzüberprüfungen mit Mindsteps (Biblionetz:w03005) durchgeführt werden können, ist ein weiterer trauriger Aspekt: Digitale Medien werden eingeführt, damit man Kinder prüfen kann.)
Für den Regierungsrat überwiegen die negativen Erscheinungen, weshalb er das Postulat betreffend keine digitalen Geräte im Kindergarten und in der Unterstufe (bis Ende der 2. Klasse der Primarstufe) unterstützt.
Fazit
Einmal mehr: Ja, wir sollten über die Nutzung digitaler Geräte von Kindern und Jugendlichen diskutieren. Aber bitte seriöser und fundierter. @ENDE @ANFANG 15 December 2025 ProblemeBeimSwisscomSIPCredentialsUpdate Probleme beim Swisscom SIP-Credentials Update Über dieses Wochenende war nicht nur Fahrplanwechsel, sondern die Swisscom hat auch Updates bei ihrer SIP-Credentials-Infrastruktur vorgenommen. Bei von mir administrierten Umgebungen hat dieser Wechsel nicht auf Anhieb funktioniert. Probleme habe ich nicht damit, sondern dass sich die Swisscom auf den Standpunkt stellt, das sei mein Problem und jeglichen Support ablehnt. Worum geht es denn überhaupt? Telefonie funktioniert heute in der Schweiz nicht mehr wie früher analog direkt über die Kupferleitung, die in jede Wohnung führt, sondern ist schlicht ein Dienst, der über das Internet funktioniert. Der Fachbegriff dafür lautet Voice over IP (VOIP) (Biblionetz:w01805). Telefoniegeräte oder Router müssen sich dazu bei einem VOIP-Server anmelden mit Username und Passwort, dazu dienen die sogenannten SIP-Credentials. Normalerweise hat ein Swisscom-Kunde damit nichts zu tun, denn diese Einstellungen konfiguriert die Swisscom automatisch im Router - solange man den offiziellen Swisscom-Router verwendet. Ich administriere privat mehrere Internetzugänge von anderen Personen an verschiedenen Orten in der Schweiz und habe dort den Swisscom-Router durch Fritzboxen ersetzt, unter anderem weil sie mir die Administration aus der Ferne erleichtern. Die Swisscom lässt dies zu, weist aber auf ihren Webseiten darauf hin, dass sie keinen gerätespezifischen Support gibt beim Einrichten der VOIP-Anschlüsse auf Nicht-Swisscom-Geräten. Kann man so machen, kann ich bis zu einem gewissen Grad verstehen: Swisscom garantiert, dass es mit den eigenen Geräten problemlos funktioniert und übergibt Kunden die Verantwortung, wenn sie andere Geräte verwenden wollen. Ich habe in der Vergangenheit mehrere solcher Installationen vorgenommen und es hat problemlos funktioniert. Grundsätzlich halte ich mich für kompetent genug, VOIP/SIP einzurichten. Nun hat Swisscom vor einigen Wochen angekündigt, dass sie ihre SIP-Infrastruktur erneuert und man deshalb Änderungen an der eigenen Konfiguration vornehmen müsse:
Bitte nehmen Sie am Montag, 15. Dezember 2025, frühestens ab 6 Uhr, folgende Anpassungen auf Ihrem/en Drittgeräte/n vor, damit Sie diese/s wie gewohnt weiter nutzen können:
OK, ich habe das heute morgen gemacht, aber leider hat es nicht funktioniert. Der neue SIP-Server antwortet mit einem 403-Fehler, was auf ungültige Credentials hindeutet. Nach mehreren erfolglosen Versuchen habe ich den Support der Swisscom kontaktiert. Beim ersten Mal bin ich aus der Leitung geflogen, beim zweiten Mal hat es geklappt und der Supportmitarbeiter hat sich mein Anliegen angehört und (erwartungsgemäss) Rücksprache mit der Fachabteilung genommen.
Geärgert hat mich aber seine Antwort: Er fragte mich, ob ich vor Ort sei und als ich verneinte un zurückfragte, weshalb das denn notwendig sei, meinte er, das sei die einzige Möglichkeit, wie er mir helfen könne. Rückfragen meinerseits haben dann ergeben, dass er mir ausschliesslich dabei helfen würde, wieder den Swisscom-Router anzuschliessen, mehr nicht. Die Swisscom würde ja deutlich darauf hinweisen, dass sie keinen Support leiste beim Einrichten von SIP-Credentials auf Nicht-Swisscom-Geräten.
Meine Versuche ihm zu erklären, dass es ja nicht um gerätespezifische Fragen gehe und dass das Problem durch eine Konfigurationsänderung seitens Swisscom aufgetreten sei, blieben erfolglos.
Meine Rückfrage ergab auch, dass ich nicht der einzige Kunde sei, der bei der Konfigurationsänderung Probleme habe. Auch hier kam ich mit meiner Anmerkung nicht weiter, dass das ja vielleicht ein Hinweis darauf sein könnte, dass das Problem nicht auf meiner Seite liege.
Meine Vermutung übrigens: Ich habe auch bei Erneuerung der SIP-Credentials wiederum den alten Authentifizierungsnamen erhalten per SMS. Da die Swisscom etwas von einer Änderung des Authentifizierungsnamens schreibt, vermute ich da ein Problem seitens Swisscom, das mir weiterhin die alten Credentials zuschickt.
Da die alten Credentials und Serverangaben derzeit noch funktionieren, habe ich mal alles zurückgestellt und warte, ob sich weitere Kunden beim Support melden werden.
- Domain ändern: von swisscom.ch auf voip.swisscom.ch
- Outbound Proxy ändern: von fs1.ims.swisscom.ch auf fs1.voip.swisscom.ch
- Authentifizierungsname ändern: der neue Authentifizierungsname steht Ihnen ab 15. Dezember 2025, 6 Uhr in My Swisscom zur Verfügung
Update & Lösung
Gemäss Swisscom-Community war ich in der Tat nicht der Einzige mit dem Problem und die Swisscom hat gegen Mittag auch tatsächlich das User-Interface der Admin-Oberfläche aktualisiert, so dass man die neuen Daten abrufen konnte. Somit ganz klar ein Problem auf Swisscom-Seite... @ENDE @ANFANG 12 December 2025 Neujahrsprojekt2025 Jahreswechselprojekt 2025/2026 Ende 2026 wird das Biblionetz 30 Jahre alt. In den letzten Jahren habe ich primär über den Jahreswechsel Zeit, an der Software des Biblionetzes zu schrauben und nicht nur Inhalte zu erfassen. Für diesen Jahreswechsel habe ich mein Projekt gefunden. Ich werde erkunden, wie gut sich das Biblionetz mit Obsidian (Biblionetz:w03642) synchronisieren lässt und was mir das bringt. Bei dieser Arbeit lasse ich mich durch generative Maschine-Learning-Systeme unterstützen und schaue so, was diese Arbeitsweise beim Erkunden einer neuen Software (Obsidian) und beim Programmieren (Visual Basic for MS Access) bringt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Es ist faszinierend, wie mir ChatGPT die ersten Exportprozeduren in besserer Codequalität liefert als ich sie schreiben würde und wie sich erste Graphen in Obsidian aufbauen. Der Teufel wird wie immer im Detail stecken, aber ich freue mich auf den Jahreswechsel
Alle 3500 Begriffe des Biblionetzes in Obsidian
Ein Ausschnitt aus der Begriffswolke
ich habe eine ms access tabelle namens "t6_begriffe" mit den relevanten feldern "id" und "begriff". schreibe mir eine VBA prozedur, die für alle begriffe ein obsidian-file schreibt mit einem dateinamen nach dem muster w00000.md und dabei die ziffern durch die id ersetzt (mit führenden nullen) und title und typ passend setzt in der md datei.
bereits funktionierender Code entstanden ist. Das zeigt exemplarisch: Programmiersyntax verliert an Bedeutung, Architekturkenntnisse bleiben vermutlich noch länger relevant.
Warum Obsidian? - Speicherung als Markdown in einzelne Textdateien: Ich komme an die Daten heran:
- Derzeit, um einzelne Notizen in Obsidian erstellen, lesen und ändern zu können
- Später, selbst wenn die Obsidian mal als Software verschwinden sollte
- Verfügbar unter Windows und iOS inkl. Synchronisationsmöglichkeit
- Eventuell ein neues Eingabeinterface für mich: Derzeit erfasse ich alles im Biblionetz über selbst gestaltete Formulare in MS Access. Das bedingt, dass ich die Datenbank dabei habe, d.h. dass ich meinen Windows-Notebook dabeihabe. Obsidian würde mir auch eine Eingabe per Tablet oder Smartphone ermöglichen und die Eingabe wäre evtl. flexibler als derzeit.
- Evtl. gar eine Ablösung der Access-Datenbank: Die Abhängigkeit von MS Access ist seit Jahren ein Legacy-Problem. Ich gehe nicht davon aus, dass ich mit Bordmitteln und bestehenden Plugins von Obsidian werde alle Funktionen des Biblionetzes werde nachbilden können. Aber unter Umständen kann ich dafür selbst ein Plugin entwickeln (Jahreswechselprojekt 26/27...) @ENDE
Im Lehrplan 21 (Biblionetz:w02172) steht in Modul Medien und Informatik
(Biblionetz:t17600), dessen erklärtes Ziel es ist, die digitale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern bereits ab der Primarschule zu fördern. Viele Kantone der Deutschschweiz haben dafür bereits ab der 5. Klasse der Primarstufe eine Lektion pro Woche vorgesehen, die anderen Kantone starten ab der 7. Klasse mit einem eigenen Fach. Je nach Kanton wurden die Lehrpersonen mehr oder weniger umfangreich für das neue Thema weitergebildet.
In meiner Wahrnehmung rennt man mit der Forderung Wir brauchen ein Schulfach digitale Kompetenz! offene Türen ein.
Ja, man kann einwenden: - Nicht in allen Kantonen ist es bereits ab der 5. Klasse ein eigenes Schulfach
- Nicht in allen Kantonen sind die Lehrpersonen genügend weitergebildet worden
- Nicht in allen Schulen wird dem Fach die notwendige Bedeutung beigemessen und es gibt immer noch Lehrpersonen, die entweder Informatik oder Medien oder sogar beides als Unterrichtsthema weitgehend ignorieren.
- Man kann sich fragen, ob eine Wochenlektion genügt oder ob mehr Zeit notwendig wäre (wobei man digitale Kompetenzen auch in anderen Fächern vermitteln kann)
- Man kann sich fragen, ob im Lehrplan "Medien und Informatik" die richtigen Kompetenzbeschreibungen drin stehen (und ob die angesichts von ChatGPT & Co. aktualisiert werden müssten).
We define workslop as AI generated work content that masquerades as good work, but lacks the substance to meaningfully advance a given task.
Quelle: Niederhoffer et al (2025). AI-Generated “Workslop” Is Destroying Productivity (Biblionetz:t32875)
Endlich ein Wort für ein Gefühl, das einem sofort befällt, wenn man entsprechende Texte, Diagramme oder Berichte sieht. Die Forschenden berichten, dass solcher workslop die Produktivität in Unternehmen massgeblich bremsse, weil andere Menschen diese Produkte aufwändig kritisch hinterfragen müssten und nachher vor der Wahl stehen, sie zu retten oder die Arbeit nochmals von vorne zu beginnen.
Quelle: Niederhoffer et al (2025). AI-Generated “Workslop” Is Destroying Productivity (Biblionetz:t32875)
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