Wiki, Jun 2007

Forschung zu Wikis in Organisationen

15 June 2007 | Beat Döbeli Honegger | Wiki
An der Universität Bamberg wurde ein Forschungsprojekt Wikis in Organisationen gestartet:

In den kommenden zwei Jahren gehen die Forscherinnen und Forscher insbesondere folgenden Fragestellungen nach: Sind klassische Innovationsmodelle auf neue Kommunikationsmedien anwendbar? Was sind die Bedingungen, unter denen Wikis in Organisationen zu (erfolgreichen) Innovationen werden? Wie verändern sich die Netzwerkstrukturen von Wikis und das Verhalten deren Nutzer im Zeitverlauf? Inwieweit bieten Wikis eine neue Qualität der Kooperation in Organisationen? Verändern sich damit formale Organisationsstrukturen?

Das Projekt strebt die Entwicklung einer theoretisch fundierten Klassifikation organisationaler Wikis sowohl nach sozialen als auch nach technischen Gesichtspunkten an, um auf diese Weise den Prozess von der Erfindung bis hin zur Innovation nachvollziehen zu können.

Interessant. Abonnieren wir doch den RSS-Feed des entsprechenden Forschungsblogs.

via Tim Schlotfeldt

Moodle-Wiki offline archivieren

14 June 2007 | Beat Döbeli Honegger | Wiki
Didaktische Ebene:
Mit Wikis können Lernende ihr Wissen gemeinsam aufbauen, strukturieren und dokumentieren. Es wäre unter Umständen wünschenswert, dass diese Wissensstruktur den Lernenden auch nach Ende der Aufbauarbeit, des Semesters oder gar der Ausbildung zur Verfügung stehen würde. Es fördert die Arbeits- und Lernmotivation, wenn das Erarbeitete auch wirklich genutzt werden kann und nicht nur als Selbstzweck erstellt wurde und danach wieder weggeworfen wird.

eLearning-Ebene:
Bei traditionellen, kursorisch strukturierten Learning Management Systemen ist diese lebenslange Verfügbarkeit von erstelltem Content nicht unproblematisch. Meist werden Kurse nach Ende des Semesters gelöscht. Nur auf wenigen Lernplattformen werden Kurse bereits archiviert und stehen somit auch nach Kursende weiterhin zur Verfügung. Doch auch diese Verfügbarkeit ist begrenzt: Lernende verlieren meist bei Abschluss ihrer Ausbildung ihren Zugang zum Learning Management System und somit Zugriff auf die Ressourcen. Alumni-Konten sind bisher an deutschsprachigen (Fach-)Hochschulen meines Wissens nicht weit verbreitet. Ade lebenslanges Lernen.

Technische Ebene:
Als Alternative bietet sich die Offline-Archivierung des erstellten Contents an: Man gibt am Ende des Semesters den Studierenden eine CD/DVD mit dem abgegebenen und erstellten Kursmaterial ab. Bisher bieten nur wenige Learning Management Systeme eine Unterstützung für einen offline-Export der Inhalte. (SCORM-Export usw. helfen hier nicht weiter, da Lernende ja privat kein LMS haben, in das sie den Kurs wieder importieren können...)

Somit sind LMS-externe Werkzeuge gefragt, die ein Abbild eines Kurses als Sammlung von HMTL-Seiten (und Zusatzdateien) ermöglichen.

Sehr technische Ebene:
Konkret ging es gestern darum, von einem Wiki in Moodle eine Offline-Kopie herzustellen. Das ist gar nicht so einfach, denn Moodle verwendet zur Authentisierung Formulare und nicht den Authentisierungsmechanismus von HTTP. Somit muss man das Download-Programm dazu bringen, ein Formular auszufüllen. Auf die Schnelle habe ich im Internet keine Lösung gefunden, dokumentiere darum nachfolgend meinen Lösungsansatz.

Als zusätzliche Schwierigkeit prüft Moodle beim Login, ob die Cookies, die bei der Anzeige der Loginseite gesendet wurden, auch noch verfügbar sind. Somit kann man nicht das Formular als erste Aktion ausfüllen, sondern muss das Formular abrufen, das Cookie speichern und mit dem ausgefüllten Formular zurücksenden.

Mein Lösungsansatz mit wget 1.10 sieht folgendermassen aus:

wget --keep-session-cookies --save-cookies cookies.txt 
http://moodle.xyz.ch/login/index.php

wget  --load-cookies cookies.txt --keep-session-cookies --save-cookies 
cookies.txt --post-data "username=beat.doebeli&password=XXX&testcookies=1"
http://moodle.fhnw.ch/login/index.php

wget -E --load-cookies cookies.txt -p
http://moodle.xyz.ch/mod/wiki/index.php?id=45

Andere Lösungen oder Vereinfachungen nehme ich gerne entgegen.

Fazit:
Dieses Problem ist für mich ein Paradebeispiel für die Verzahnung von Didaktik und Technik im Bereich eLearning: Das scheinbar technische Detail der weiteren Verfügbarkeit von Kursmaterial ist ein wichtiger Faktor zur Förderung der Lernmotivation und zur Herstellung authentischer Lernsituationen: Für das Leben lernen wir, nicht für die ECTS-Punkte. Nur wenn dieses didaktische Bedürfnis erkannt und dann aber auch technisch befriedigt werden kann, ergeben sich für die Lernenden optimale eLearning-Bedingungen.

Bildungswiki Weltliteratur

06 June 2007 | Beat Döbeli Honegger | Wiki
Der deutsche Bildungsserver startet mehrere Wikis, darunter auch ein Wiki zu Weltliteratur:

Das Wiki-Portal "Weltliteratur" ist ein Projekt zum Aufbau einer umfangreichen Materialsammlung über wichtige Autoren und Werke der Weltliteratur zur Nutzung im Bildungsbereich. Außer Grundinformationen zu Autor und Werk sollten die Artikel daher auch Hinweise auf die Verwendung in der Bildung enthalten, von einfachen Fragestellungen bis hin zu ganzen Unterrichtskonzepten. Gute Autorinnen und Autoren, die sich an diesem Projekt beteiligen wollen, sind stets willkommen.

Das Weltliteratur-Wiki soll noch diesen Monat online gehen. Bereits online ist das Bildungsserver-Wiki mit einem Grundbestand an ca 500. aus der Wikipedia kopierten Artikel zu Bildungsthemen, das jetzt von der Community erweitert werden soll (via BildungsBlog).

Damit werden Wikis im Bildungsbereich hoffentlich auch endlich bei grösseren Organisationen / staatlichen Stellen salonfähig. Bisher wurde in mir bekannten Projekten die Idee eines Wikis zur Erarbeitung, Ergebnispräsentation und Förderung der Nachhaltigkeit zu Beginn meist interessiert begrüsst, dann aber mit technischen, bürokratischen oder juristischen Bedenken wieder begraben.

Beispielsweise kam bereits vor zwei Jahren (nicht von mir!) die Idee auf, die staatlich finanzierten educaGuides auf einem Wiki zu publizieren und der Fachcommunity das Aktualisieren der Guides zu ermöglichen. Eine statische PDF-Version hätte dabei sichergestellt, dass es eine authorisierte, unverfälschte Fassung 1.0 gegeben hätte. Leider wurde diese innovative Idee wieder verworfen, so dass die educaGuides nun sehr statisch hinter einer virtuellen Glasscheibe präsentiert werden. In der jetzigen Form lassen sich weder Tippfehler noch veraltete Links rasch korrigieren, von einer Aktualisierung ganz zu schweigen. Dies ist bedauerlich, denn bisher ist die weitere Betreuung der educaGuides finanziell nicht gesichert.

Kontakt

  • Beat Döbeli Honegger
  • Plattenstrasse 80
  • CH-8032 Zürich
  • E-mail: beat@doebe.li
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