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Grafiker in acht Schritten in den Wahnsinn treiben

07 Feb 2008 - 10:31 | Version 7 |
Via Semacode-Blog bin ich auf die englischsprachige Version der acht Schritte, einen Grafiker in den Wahnsinn zu treiben gekommen. Die ursprüngliche Version ist spanisch und enthält folgende Punkte:

  1. Bilder: Verlangt ein Grafiker ein Bild, so senden Sie es ihm in zu kleiner Auflösung und in ein Word-File verpackt.
  2. Schriftarten: Schlägt der Grafiker Helvetica als Schrift vor, dann bestehen Sie auf Arial. Schlägt er Arial vor, dann wünschen Sie Comic Sans. Schlägt er selbst Comic Sans vor, dann ist er bereits halb wahnsinnig und Sie sind auf dem richtigen Weg.
  3. Weissraum: Grafiker wollen immer viel weissen Platz lassen und argumentieren mit Lesbarkeit und Ästhetik. Paperlapapp! Füllen Sie die unschönen Leerräume (z.B. mit Bildern, siehe Punkt 1).
  4. Logos: Verlangt ein Grafiker ein Logo, dann senden Sie ihm eines (siehe Punkt 1), aber bitte eingebettet in einen farbigen Hintergrund, der das Freistellen zur Geduldprobe werden lässt. Hat er es geschafft, so verlangen Sie eine höhere Auflösung. Wenn ein neues Logo erstellt werden soll, machen Sie den Entwurf auf einer Papierserviette oder lassen Sie das Logo von einem Neunjährigen zeichnen. Lassen Sie Bilder, Gradienten usw. hinzufügen. Beim 10. Entwurf entscheiden Sie sich für den 2. Entwurf.
  5. Rückmeldungen: Wenn Sie nach Ihrer Meinung zu einem Entwurf eines Grafikers gefragt werden, dann verwenden Sie möglichst allgemeine Formulierungen wie "Es könnte etwas hipper und trendiger sein." oder "Etwas webmässiger bitte!" Besonders gut eignen sich auch Aussagen wie "Es soll einfach schön wirken" oder "Die Leute sollen merken, dass wir uns Mühe gegeben haben!"
  6. Farben: Wenn es um Farben geht, dann lassen Sie nicht den Grafiker entscheiden, sondern schreiben Sie beliebige Farbnamen auf kleine Zettelchen, stecken diese in einen Hut und ziehen danach - am besten vor den Augen des Grafikers - eine grössere Anzahl aus dem Hut.
  7. Abgabetermine: Lassen Sie sich Zeit bei Rückmeldungen von Entwürfen. Zwei Tage oder vielleicht eine Woche, schliesslich sind sie der Kunde. Je näher der Abgabetermin kommt, desto mehr Änderungswünsche sollten sie anbringen.
  8. Kritik am Grafiker: Wenn Sie obige 7 Punkte befolgen, wird der Grafiker mit der Zeit einsehen, dass er Ihre Vorstellungen nie wird umsetzen können und wird ihnen alle Wünsche erfüllen. Dies ist der Zeitpunkt für den finalen Todesstoss: Beklagen Sie sich über seine mangelnde Initiative und Kreativität. Schliesslich sei er der Experte und würde für seine Arbeit bezahlt. Kündigen Sie ihm an, dass sie in Zukunft das Layout selbst gestalten würden (am besten in Word oder PowerPoint). Damit haben Sie den Grafiker garantiert in nullkommanichts in den Wahnsinn getrieben.

Tja, arme Grafiker, sie können einem ja richtig leid tun. Als Informatiker wiederum weiss ich auch, dass einem Grafiker in den Wahnsinn treiben können. Zwar habe ich diese Auflistung noch nirgends öffentlich gefunden, aber ich vermute unter Grafikern zirkuliert eine Anleitung Wie treibe ich Informatiker in den Wahnsinn?

  1. Entwürfe: Bei Papierpublikationen schicken Sie dem Informatiker die Entwürfe im Datenformat des teuersten und unter Nichtgrafikern unbekanntesten Layoutprogramms, das sie installiert haben. Der Informatiker weiss ja, wie man Programme installiert und auch, woher man Programme kriegt. Bei Weblayouts hingegen senden Sie konsequent Ausdrucke. Wie sich das Layout verändern, wenn die Seitengrösse variiert, spielt ja wirklich keine Rolle, oder?
  2. Zentimeter als Masseinheit: Wenn Sie mit dem Informatiker über das Layout einer Webseite diskutieren, verwenden Sie konsequent Zentimeter oder Millimeter als Masseinheit. Starrt Sie der Informatiker mit grossen Augen an, greifen Sie zum Massstab und demonstrieren Sie das gewünschte an ihrem 20-Zoll Mac Cinema-Display. Sie haben eine Ästhetik rüber zu bringen und können dabei nicht auf mickrige Bildschirme Rücksicht nehmen, von Mobiltelefonen oder ähnlichem Kleinkram ganz abgesehen.
  3. Schriften: Times New Roman, Arial, Helvetica, Courier New sind Schriften für grafische Blindschleichen. Fordern Sie die Verwendung von Schriften, die für Laien Informatiker wie oben genannte Schriften aussehen, sich aber durch fehlende Verbreitung und exorbitante nicht unerhebliche Lizenzkosten auszeichnen. Gutes Design darf etwas kosten und der Informatiker soll sich die Schriften gefälligst installieren, wenn er ihre Entwürfe betrachten will (installieren kann er ja, siehe Punkt 1).
  4. Schriftvorgaben für E-Mails: Ist die Schrift einmal festgelegt, so fordern Sie aus Gründen der Einheitlichkeit (Corporate Identity), dass diese Schrift auch in E-Mails zwingend zu verwenden sei.
  5. Schriftgrössen: Legen Sie auch die Schriftgrösse für Webseiten und E-Mails fest. Je kleiner, desto edler. Achten Sie dabei auf absolute Grössenangaben, damit der User ihr schönes Layout möglichst nicht zerstören kann.
  6. Text als Grafik: Will der Informatiker partout nicht einsehen, dass er die von Ihnen gewählte Schrift auf allen Computern (auch auf denen der Kunden und sonstigen Geschäftspartner) installieren muss (dafür wird er ja bezahlt), damit das Layout so ankommt wie von Ihnen gewünscht, so schlagen Sie ihm vor, die gesamte Website als Grafik zu publizieren. Das umgeht auch das lästige Problem der unterschiedlichen Bildschirmgrössen. Die Klage, dass Blinde (und Suchmaschinen) dann den Text nicht lesen können, sollten sie ignorieren. Ihr Ziel sind die Sehenden, der Rest braucht Sie nicht zu interessieren, der sieht ja ihr Gesamtkunstwerk eh nicht.
  7. Technische Einschränkungen: Wenn Sie schon am designen des Webauftritts sind, legen Sie auch gleich Domainnamen, Verzeichnisstruktur und E-Mail-Adressen (am besten mit Umlauten) fest. Eine Rückfrage beim Informatiker zur technischen Umsetzbarkeit ist dabei nicht notwendig. Sind die Adressen einmal publiziert, wird der Informatiker wohl Wege finden, sie auch zu betreiben. Dafür wird er ja bezahlt.
  8. Formatvorlagen: Geht es um die Gestaltung von elektronischen Dokumenten, so erstellen Sie einfach ein Beispieldokument und benennen dieses vorlage.doc oder vorlage.ppt. Titel machen Sie fett und gross (ausser bei Folien) und nummerieren sie von Hand, dann sieht ja jeder, dass es sich um einen Titel handelt. Das Konzept der Formatvorlagen ist überflüssig und ja keinen Einfluss auf das gedruckte Endergebnis. Das Logo fügen Sie übrigens in der grössten verfügbaren Auflösung ein und ziehen es dann mit der Maus auf die gewünschten 0.8cm klein.

Ja, alles in den letzten 10 Jahren selbst erlebt. Das meiste in den letzten 5.


Main.MelanieBolz meint:

Sehr unterhaltsam. Die Liste der "wie man xy wahnsinnig macht" liesse sich unendlich fortsetzen, zum Beispiel auch mit "Wie ich als Chef/Projektleiter/Vorgesetzter meine Angestellten/Mitarbeitenden/Untergebenen in den Wahnsinn treibe" oder ähnliche Varianten (z.B.: Schreibe Mails am Sonntag um 7.51h und erwarte eine umgehende Antwort. Ist am Montag um 8.03h noch keine Antwort erfolgt, sende eine Mahnung und beharre auf Dringlichkeit" etc) - werde das eventuell aufgreifen und im eigenen Privatblog komplettieren...

Der Link zur PowerPoint-Seite ist so unüblich nicht ganz korrekt?!

Wieso fühle ich mich beim Lesen der "wie treibe ich als Grafiker den Informatiker in den Wahnsinn"-Liste so dermassen an mein Arbeitgeber-CD erinnert??? grübel... wink -- MelanieBolz - 04 Feb 2008


 
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