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Windows 10 am automatischen Neustart nach Update hindern

30 Sep 2016 - 08:09 - Version 1 - BeatDoebeli

Microsoft hat es mit der Entmündigung des Users wieder einmal zu weit getrieben: Seit dem Anniversary Update von Windows 10 gibt es keine Systemeinstellung mehr, mit dem man den Neustart von Windows nach einem Update verhindern kann. Windows geht davon aus, dass ein Neustart des Rechners schon OK sein dürfte, wenn seit einiger Zeit niemand mehr mit dem Rechner arbeitet.

Ich will grad weder eine Diskussion darüber anzetteln, warum das nicht OK ist (sowohl das Neustarten als auch das Gebaren von Microsoft) und ich will auch keine Kommentare "Nutz doch MacOS" oder "Ein Grund mehr für Linux!". Ganz pragmatisch primär für mich selbst als Erinnerung, wie man Windows 10 diese Idee des automatischen Neustartens austreibt:

https://techjourney.net/permanently-disable-prevent-automatic-restart-of-windows-update-in-windows-10/

Und weil diese Seite ja verschwinden könnte, hier noch ein Screenshot:

dontboot.jpg

 
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Jetzt auch noch in der Schule?

24 Sep 2016 - 08:35 - Version 1 - BeatDoebeli

Am 09.09.2016 ist mein Forumsbeitrag in der Zeitung Bote der Urschweiz erschienen (Biblionetz:t19000):

t19000.jpg

Die sitzen doch zu Hause schon genug vor dem Bildschirm!», werden einige denken, wenn sie von der Einführung des Fachs «Medien und Informatik» in der Volksschule oder der Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler des Bezirks Schwyz mit persönlichen Tablets hören. Damit liegen sie gar nicht so falsch. Tatsächlich verbringen Kinder und Jugendliche ausserhalb der Schule viel Zeit mit digitalen Medien – das belegen zahlreiche Studien und die Erfahrung vieler Eltern. Dies spricht jedoch nicht dagegen, dass digitale Medien auch ihren Platz in der Schule erhalten – im Gegenteil. Die Allgegenwärtigkeit digitaler Medien sowohl im Berufs- als auch im Privatleben zeigt, wie wichtig dieser Themenbereich geworden ist.

Autofahren lässt sich als isolierte Fertigkeit innert kurzer Zeit gut ausserhalb der Schule erlernen. Die Bedienung eines Autos hat sich in den letzten 50 Jahren nicht gross verändert, und mit Autos kann man primär eines: fahren. Digitale Medien, also Computer, Tablets, Smartphones etc. sind dagegen Universalwerkzeuge, deren Möglichkeiten laufend zunehmen. Im Gegensatz zum Auto genügt es nicht zu wissen, auf welches Pedal man drücken muss. Kinder und Jugendliche benötigen ein vertieftes Verständnis der digitalen Welt, um sich mündig in ihr bewegen zu können.

Hier kann nur die Schule die Chancengerechtigkeit gewährleisten. Wo, wenn nicht in der Schule, sollen Kinder und Jugendliche lernen, mit digitalen Medien vernünftig umzugehen? Nur in der Schule werden alle Schülerinnen und Schüler erreicht, unabhängig von den Möglichkeiten der Eltern, die erforderliche Medienbildung zu übernehmen. So hat sich die Stimmung an Elternabenden in den letzten Jahren stark gewandelt. Die meisten Eltern begrüssen es heute sehr, wenn sie bei der anspruchsvollen Aufgabe unterstützt werden, einen mündigen und kritischen Umgang mit Medien zu vermitteln. Die Schule kann auch ein differenzierteres Bild von digitalen Medien vermitteln. Während diese im privaten Umfeld vorwiegend als Unterhaltungsgeräte wahrgenommen werden, kann die Schule dazu beitragen, die Geräte auch als Werkzeug zum Lernen und Arbeiten zu sehen und zu verwenden. Die langjährigen Erfahrungen an der Projektschule Goldau zeigen, dass dies kein praxisferner Wunschtraum, sondern eine durchaus realistische Folge des gezielten Computereinsatzes an der Schule sein kann.

Die sitzen doch zu Hause schon genug vor dem Bildschirm!», ist auch verbunden mit dem Vorurteil, dass Schülerinnen und Schüler dauernd vor digitalen Geräten sitzen würden, sobald diese in der Schule verfügbar sind. Auch da sprechen die Erfahrungen der Projektschule Goldau eine andere Sprache. Etwa 10 bis 15 Prozent der Unterrichtszeit arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit den jederzeit verfügbaren, persönlichen Digitalgeräten. Weder der Sportunterricht, die Schulreisen noch die allgemeine Bewegung haben deswegen in der Projektschule Goldau abgenommen. Eigentlich nicht verwunderlich: Niemand würde erwarten, dass die Wandtafel dauernd genutzt wird, nur weil sie im Schulzimmer hängt. Genutzt wird sie, wenn es didaktisch sinnvoll ist. Bei den digitalen Geräten müssen wir uns eine ähnliche Gelassenheit erst angewöhnen. Auch der erste Zwischenbericht einer mehrjährigen Tabletstudie der Pädagogischen Hochschule Schwyz kann vielleicht die Gemüter etwas beruhigen. Es hat sich gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler, die in der Schule über ein persönliches Tablet verfügen, deswegen zu Hause nicht häufiger Computerspiele spielen.

Die Zeit des «entweder – oder» ist bei digitalen Medien in der Schule definitiv vorbei. Es geht um ein sinnvolles «sowohl – als auch». Die Schule steht vor der dreifachen Herausforderung, mit, über und trotz digitaler Medien zu unterrichten. Ich freue mich darauf, auch die diese Woche eingetretenen Erstsemestrigen an der Pädagogischen Hochschule Schwyz auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten!

Dr. Beat Döbeli Honegger ist Professor für Informatik- und Mediendidaktik an der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau. Im März dieses Jahres ist sein Buch «Mehr als 0 und 1 – Schule in einer digitalisierten Welt» im hep-Verlag erschienen.

red. Im «Bote»-Forum schreiben regelmässig prominente Schwyzer. Sie sind in der Themenwahl frei und schreiben autonom. Der Inhalt des «Bote»-Forums kann, aber muss sich nicht mit der Redaktionshaltung decken.


 
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Ić bin kein Schweizer

03 Sep 2016 - 15:19 - Version 1 - BeatDoebeli

Unter dem Titel Ić bin kein Schweizer (Biblionetz:t19159) berichtet das Magazin des Tages-Anzeigers von Robert Matešić der sich gerne in der Schweiz einbürgern lassen möchte, dem die Behörden jedoch mitteilen, sein Nachname lasse sich nicht wie gewünscht als Matešić schreiben, da die entsprechende Verordnung das Zeichen ć nicht kenne. Der Artikel erklärt gegen Ende, dass eigentlich technische Gründe dafür den Ausschlag geben. Da man bei den Behörden noch nicht mit dem umfassenden Zeichensatz UTF-8 arbeitet, hat man sich früher für einen Teilzeichensatz entscheiden müssen und hat ISO 8859-15, den westeuropäischen Zeichensatz gewählt. Somit lassen sich alle westeuropäischen Namen problemlos im Schweizer Pass abbilden, nicht jedoch die osteuropäischen. Der Artikel schliesst mit der Frage, ob dies dem Artikel 8 der Schweizerischen Bundesverfassung widerspricht: "Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache..."

Ich finde diese Geschichte aus der Perspektive der Informatikdidaktik sehr spannend. Sie zeigt deutlich, dass in einer digitalisierten Welt Informatikerinnen und Informatiker die Arbeits- und Lebenswelt vieler Menschen prägen (Biblionetz:a01003) und hier die Digitalisierbarkeit der Welt (Biblionetz:w02914) zumindest in den früheren Zeichensätzen an ihre Grenzen gestossen ist. Die Geschichte zeigt beispielhaft, dass Softwaresysteme sehr wohl normative Aussagen enthalten können ("westeuropäische Sonderzeichen sind wichtiger als osteuropäische Sonderzeichen"), was teilweise ja bestritten wird (siehe z.B. Krude Argumente gegen das Programmieren in der Schule).

Aus meiner Sicht würde sich diese Geschichte wunderbar als Einstieg im Informatikunterricht zum Thema Zeichensätze oder Codierung oder Digitalisierung eignen. Aufgeschlüsselt nach den Perspektiven des Dagstuhl-Dreiecks (Biblionetz:w02886):

  • Technologische Perspektive: (Biblionetz:w02888) Was steckt technologisch hinter diesem Problem? Warum steht im Artikel, dass frühere Computersysteme nur 191 Zeichen in einem Zeichensatz speichern konnten? Wie speichert denn der Computer überhaupt Zeichen? Wie löst das im Artikel erwähnt UTF-8 das Problem? Warum verwenden dann nicht einfach alle Systeme automatisch UTF8? etc.

  • Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: (Biblionetz:w02889) Welche (diskriminierenden) Konsequenzen haben diese Beschränkungen bisherigen Zeichensätze? Wer ist dafür verantwortlich? Hätte dies besser gemacht werden sollen? Wo gibt es ähnliche Probleme? etc.

  • Anwendungsperspektive: (Biblionetz:w02887) Wie sieht die Situation bei den Computern in der eigenen Umgebung aus? Kann mein Notebook, Tablet, Smartphone mit solchen Zeichen umgehen? Wo sind Sonderzeichen erlaubt, wo nicht (URL, Mailadressen, Nicknames, Passwörter etc.)? Wie finde ich Sonderzeichen, die nicht auf meiner Tastatur sind? Wie sieht es mit Textverarbeitungsprogrammen, Präsentationssoftware etc. aus? (Mein Blog und mein Biblionetz beherrschen z.B. bereits UTF8, die jeweiligen RSS-Feeds jedoch noch nicht...)

 
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