Archiv

Kategorien

Mehr als 0 und 1

Letzte Postings

Tweets

für gesamten Blog

You are here: Beats Weblog

Liebe SBB, ÖBB und DB...

09 Nov 2019 - 13:44 - Version 1 - BeatDoebeli

Liebe SBB, ÖBB und DB,

ich reise oft und gerne mit euch. Darum habe auch eine Bitte an euch drei: Bitte rauft euch zusammen und klärt etwas, damit für mich als Kunden von euch das Reisen (noch) angenehmer wird.

Worum geht es?

Ich hatte für gestern Abend (8.11.2019) ein Einzelabteil mit Dusche und WC im Nachtzug von Berlin nach Zürich gebucht und wollte vor der Abfahrt in der DB-Lounge noch etwas arbeiten. Leider ist mir aber der Zutritt zur DB-Lounge verwehrt worden. Der Grund dafür ist mir immer noch nicht so ganz klar, ich habe vor Ort und im Internet verschiedene Antworten gefunden:

  1. Die Zutrittsberechtigung ist nicht gegeben, weil das Ticket bei der SBB gekauft worden ist.
  2. Die Zutrittsberechtigung ist nicht gegeben, weil der Nachtzug durch die österreichischen Bundesbahnen betrieben wird.
  3. Nachtzugtickets berechtigen nicht zur Nutzung der DB-Lounge.

(Im Internet findet man auch Auskünfte von DB-Mitarbeitenden, dass der Zugang mit meinen Tickets erlaubt gewesen wäre).

Leider erwähnen die aktuellen Nutzungsbedingungen der DB-Lounge PDF-Dokument Nachtzüge nicht, weder als zugelassene noch als ausgenommene Zugkategorie:

dblounge.jpg

Diese Situation ist für mich unbefriedigend. Ich habe darum zwei Bitten:

Bitte 1: Liebe DB, klärt die Zugangsberechtigung für Nachtzüge in den Nutzungsbedingungen

Es wäre sehr hilfreich, wenn in den Nutzungsbedingungen auch die Nachtzüge explizit erwähnt würden. Das würde die Sache - egal wie - klären und ich müsste mich als Kunde nicht im Internet auf die Sache nach (widersprüchlichen) Antworten eurer Kundenberater machen. (Zu dieser Klärung gehört auch, dass die Platzkategorie bei der ÖBB "Deluxe" heisst (was auf 1. Klasse hindeutet), dies aber auf dem Ticket der SBB als "Grande" bezeichnet wird (auf der Quittung aber wiederum "Deluxe" steht).

Bitte 2: Liebe ÖBB, SBB und DB, rauft euch zusammen

Via Twitter habe ich von der DB im Laufe der Diskussion folgende Antwort erhalten:

Für mich ist das nicht sehr kundenfreundlich: Ich habe bei A eine Leistung von B gebucht, die zum Teil im Bahnhof von C stattfand. So wie ich davon ausgehe, dass ich im Bahnhof von C den Bahnsteig und die Toiletten nutzen darf, bin ich auch davon ausgegangen, dass ich als Käufer eines entsprechenden Tickets die Lounge von C nutzen darf.

Ich vermute ja stark, dass das Unternehmen A (=SBB) dem Unternehmen B (=ÖBB) etwas bezahlt und B wiederum C (=DB) einen Teil meines Geldes für die Nutzung von Schienen, Bahnsteig etc. bezahlen muss. Wie dies geregelt wird und dass A, B und C als Konzerne wiederum in unterschiedliche Konzernbereiche unterteilt sind, sollte mich doch als Kunden nicht kümmern müssen.

Wenn ich ein internationales Bahnticket kaufe, dann hoffe ich doch, dass die beteiligten Unternehmen zusammenarbeiten und ich mich nicht um die Details dieser Zusammenarbeit kümmern muss.

Bitte 3: Liebe Politik, macht es den Bahnfahrern doch auch beim Nachtzug möglichst angenehm

Eine dritte Bitte habe ich an die Politik: Angesicht der Klimadiskussion wäre es doch wünschenswert, das Zugfahren gegenüber dem Fliegen zu fördern. In diesem Sinne wäre es doch sinnvoll, dass nicht nur Reisende 1. Klasse mit Tagestickets die Lounges nutzen können, sondern auch Reisende mit Nachtzugtickets.

P.S.: Die Reise im Nachtzug selbst hat mich einmal mehr völlig zufriedengestellt!

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Responsive Biblionetz

03 Oct 2019 - 13:24 - Version 1 - BeatDoebeli

Ja, ich habe es eingesehen! Die mobilen Seiten meines Biblionetzes sind langsam untragbar geworden. Was bei der Einführung (ca 2013 noch einigermassen modern war, ist 2019 hoffnungslos veraltet:

biblionetzlight.png
Alte Biblionetz light-Darstellung

Von ca. 2013 bis Ende September 2019 hat der Webserver des Biblionetzes mobilen Geräten andere Seiten ausgeliefert als Notebooks und Desktops. Dieses "Biblionetz light" beruhte auf jQuery mobile und versuchte, nur diejenigen Inhalte auf mobilen Geräten darzustellen, die dort auch vernünftg konsumierbar waren.

Ich bin nun jedoch davon abgekommen und habe das Biblionetz light beerdigt, primär aus zwei Gründen:

  1. Bei immer mehr unterschiedlichen Displaygrössen war eine binäre Einteilung in mobil/desktop je länger, desto unsinniger
  2. Der Aufwand, zwei komplett unterschiedliche Screen-Ausgaben zu betreiben wurde immer mühsamer

Ich habe nun deshalb versucht, das Layout von Biblionetzseiten responsive zu gestalten. Das klappt mangels zeitlichen Ressourcen zwar noch nicht überall perfekt, aber es ist doch wieder ein Schritt vorwärts.

biblionetzresponsive.png
Responsive-Ansicht auf einem Smartphone

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Dagstuhl-Dreieck 2.0?

25 Sep 2019 - 16:18 - Version 2 - BeatDoebeli

Vor etwa dreieinhalb Jahren haben wir auf Schloss Dagstuhl überlegt, wie man Entscheidungsträgern im Bildungswesen möglichst einfach erklären könnte, was Schülerinnen und Schüler über Digitales wissen müsste und warum das verbindlich in der Schule vermittelt werden sollte.

Herausgekommen ist die Erklärung Bildung in der digitalen vernetzten Welt PDF-Dokument (Biblionetz:t18567) mit einer prägnanten Darstellung der drei Perspektiven auf digitale Phänomene:

dagstuhl_dreieck.png

Die Entwicklungsgeschichte dieses sogenannten Dagstuhl-Dreiecks (Biblionetz:w02886) habe ich damals ebenfalls in diesem Blog beschrieben unter dem Titel Dagstuhl-Dreieck: "Speak with one voice" reloaded.

In den letzten drei Jahren hat das Dagstuhl-Dreieck eine aus meiner Sicht überraschend erfreuliche Verbreitung erlebt. Es wurde nicht nur im deutschsprachigen Raum rezipiert, sondern ist auch in der französischsprachigen Schweiz auf fruchtbaren Boden gestossen und ist unterdessen auch auf englisch verfügbar und weiterverbreitet worden.

Die Lehrmittelreihe connected des Zürcherlehrmittelverlags hat das Dagstuhl-Dreieck als leitendes Modell übernommen und das Lehrmittel entsprechend strukturiert:

dagstuhl_lmvz.jpg

Natürlich ist das Dagstuhl-Dreieck nicht kritiklos geblieben. Neben Fundamental-Opposition von beiden Polen gab es auch moderatere Kritik zur Weiterentwicklung des Modells. Sowohl von Inforamtik- als auch von Medienbildungsseite wurde kritisiert, dass aus dem Dagstuhl-Dreieck nicht deutlich werde, dass es doch (auch) um eine Gestaltung der digitalen Welt gehe. Für mich persönlich war dies zwar implizit immer klar, kam aber tatsächlich durch die drei kurzen Fragen Wie funktioniert das? Wie wirkt das? und Wie nutze ich das? nicht explizit.

Im Sommer 2019 liegen nun zwei weitere Dreiecke vor, die als Weiterentwicklungen des Dagstuhl-Dreiecks betrachtet werden können oder sich selbst so bezeichnen (jaja, nicht die Dreiecke bezeichnen sich selbst so, sondern die Macherinnen und Macher der Dreiecke...).

So hat eine Gruppe von InformatikerInnen und MedienwissenschaftlerInnen in mehreren Überarbeitungsrunden das Frankfurt-Dreieck (Biblionetz:w03077) entwickelt und einen entsprechenden Text PDF-Dokument (Biblionetz:t25408) publiziert. Die Autorinnen und Autoren erklären darin:

Das Frankfurt-Dreieck ist eine Erweiterung und Fortschreibung des in der Dagstuhl-Erklärung enthaltenen Dagstuhl-Dreiecks und richtet sich in Ergänzung dazu nun in erster Linie an Forscher*innen und andere Personen, die sich primär reflexiv und theoretisch – mit Bildung im Kontext des digitalen Wandels beschäftigen. Das Papier will die aus verschiedenen Disziplinen an die Gruppe der Autorinnen und Autoren herangetragenen konzeptionellen Lücken beispielsweise zur Gestaltung von Informatiksystemen oder zur Einordnung und Rolle des Individuums als handelndes und medial adressiertes Subjekt schließen. Entsprechend gelten die politischen Forderungen der Dagstuhl-Erklärung (2016) weiterhin, werden konzeptionell ergänzt und auf außerschulische Bildungskontexte erweitert.

Dass sich das Dreieck eher an "Forscher*innen und andere Personen, die sich primär reflexiv und theoretisch – mit Bildung im Kontext des digitalen Wandels beschäftigen" merkt man meiner Ansicht nach der Darstellung an, sie ist wortreicher und für Praktiker*innen schwieriger zu verstehen geworden:

w03077.jpg

Neben dieser stärkeren Fokussierung auf Theorie und Reflexion hat aus meiner Sicht aber auch eine Verschiebung der drei Perspektiven stattgefunden. Ich habe die Anwendungsperspektive immer als sehr pragmatisch auf konkrete Nutzung ausgerichtet verstanden: Was muss ich konkret wissen und können, um derzeit verfügbare Hard- und Software einigermassen kompetent nutzen zu können. In der nun Interaktionsperspektive genannten dritten Perspektive des Frankfurter Dreiecks wird zusätzlich die Subjektivierung betont:

Aus der Interaktionsperspektive betrachtet, interessiert, welches Menschenbild durch diese Formen möglicher Selbstthematisierung konstituiert wird. Zweitens wird abstrakter auch die Frage gestellt, wie und vor dem Hintergrund welcher kulturellen Einschreibungen Subjekte in den jeweiligen Medien repräsentiert und adressiert sind, beispielsweise in Form von Interessenprofilen in Empfehlungs- und Filtersystemen oder auf Ebene von Interfaces und Interaktionsmöglichkeiten. Drittens sind beispielsweise im Angesicht von Data Analytics und Künstlicher Intelligenz traditionell auf Subjekte bezogene Konzepte wie Autonomie und Authentizität auch auf technologisch-medialer Ebene in den Blick zu nehmen.

In meiner Wahrnehmung würden diese Aspekte zur gesellschaftlich-kulturellen Perspektive gehören und durchaus mit der Frage Wie wirkt das? mitgemeint sein können. Für mich ist beim Dagstuhl-Dreieck ist relevant, dass die Anwendungsperpektive salopp und ungenau formuliert so das ECDL-Wissen umfasst und ich EntscheidungsrägerInnen somit relativ rasch und einfach anhand der anderen beiden Perspektiven aufzeigen kann, dass es eben mehr braucht als nur Anwendungskompetenzen. Mit der Umwandlung der Anwendungsperspektive in die Interaktionsperspektive verliere ich beim Frankfurter Dreieck diese einfache Erklärungsmöglichkeit.

Für meinen pragmatischen Bedarf in der Bildungspolitik ist somit das Frankfurter Dreieck nicht sehr hilfreich, weil es sich nicht dafür eignet, in einem elevator pitch einem Journalisten oder einer Entscheidungsträgerin die wesentlichen Aspekte eines Wissens _über digitale Phänomene zu erklären. Auch in der Aus- und Weiterbildung werde ich weiterhin das einfacher zugängliche Dagstuhl-Dreieck verwenden.

Ein andere Weiterentwicklung des Dagstuhl-Dreiecks ist in der Charta Digitale Bildung (https://charta-digitale-bildung.de/, Biblionetz:t20900) zu finden und geht in die andere Richtung. Die gesamte Charta hat bequem auf einer A4-Seite Platz:

charta-digitale-bildung.jpg

Die Grafik, stellt nun das Gestalten in den Mittelpunkt, was mir sehr gefällt (und hoffentlich auch andere glücklich macht):

Wermutstropfen für mich: Der Doppelpfeil, der für mich (oder auch für Petra Grell, siehe ihre Keynote an der GMW 2019 in der Minute 28) schön symboliserte, dass es sich bei der Frage Wie wirkt das? nicht um eine Einbahnstrasse handelt, sondern die Frage eigentlich korrekter Wie wechselwirkt das? heissen müsste, wurde durch ikonisierte Menschen ersetzt.

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.