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Digitalisierung, Digitalität & Co. (Beitrag am Entstehen...)

18 Sep 2020 - 07:25 - Version 4 - BeatDoebeli

Endlich habe ich eine Grafik gezeichnet, die ich bereits seit längerem mit mir herumtrage. Einmal mehr geht es um Begrifflichkeiten (ein Thema, das man auch als praxisfern bezeichnen kann, siehe Ach diese Begrifflichkeiten).

Die Grafik versucht, mein derzeitiges Verständnis verschiedener in aktuellen Bildungsdiskursen verwendeter Begriffe zu visualisieren:

digitalisierung-digitalitaet.jpg

In der Grafik verstecken sich u.a. folgende Sichtweisen:

  • Es gibt einen technischen Auslöser einer Veränderung: Durch Digitaltechnik werden Dinge möglich, die früher nicht oder nur massiv aufwändiger möglich waren. Diese Möglichkeiten verändern Handlungs- und Lebensweisen der Gesellschaft und führen so zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel.
  • Die Möglichkeiten der Digitaltechnik sind begrenzt. Irgendwann wird ihr Veränderungspotenzial erschöpft sein. Die Gesellschaft kommt in einen Zustand nach dem Wandel.
  • ...

Jede Grafik vereinfacht (The map is not the territory, Biblionetz:a00009):

  • Digitaltechnik schafft Möglichkeiten. Individuen und Gesellschaft bestimmen aber massgeblich mit ob und wie diese Möglichkeiten genutzt und wie sie weiterentwickelt werden. Also gegenseitige Beeinflussung von Technologie und Gesellschaft, kein simpler Technikdeterminismus (Biblionetz:w02180).
    In der Grafik könnte somit statt Auslöser auch Ermöglicher stehen. Gefällt mir aber (noch) nicht, weil es für mich zu einseitig klingt.
    Zudem ist im Laufe der Entwicklung in bestimmten Kontexten digitale Technologie nicht mehr einfach nur eine Möglichkeit (take it or leave it), sondern aus gesellschaftlichen Gründen durchaus auch ein Zwang.
    Der letzte Aspekt, der mich dazu bringt, beim Begriff Auslöser zu bleiben: In meiner Wahrnehmung als Informatiker sind es nicht nur gesellschaftliche Entwicklungen. Ohne die technologische Basis wäre die Veränderung nicht möglich. Weil ich als Fachdidaktiker der Meinung bin, dass man bestimmte Aspekte der Digitaltechnolgie verstehen sollte, um ihr Veränderungspotenzial mindestens ansatzweise verstehen zu können, lege ich Wert darauf, dass es ein Auslöser ist. Wir reden über den ganzen Kram, weil Menschen den Computer entwickelt haben.
  • ...

Die Grafik dient mir zu verschiedenen Zwecken:
  • Ich versuche damit, für mich selbst, meine Gedanken wieder einmal zu büscheln.
  • Ich provoziere durch die Grafik Widerspruch und lerne daran andere Sichtweisen zu erkennen und evtl. zu verstehen.
  • Ich versuche durch die Grafik das Einfache und Unwidersprochene beiseite legen zu können um danach auf Ungeklärtes fokussieren zu können.
  • Nach Abschluss dieser Prozesse hoffe ich anderen beim Nachdenken über das Thema helfen zu können.

Zu den zu diskutierenden Fragen gehören für mich mindestens:

  • Endet der digitale Wandel? In meiner Darstellung als S-Kurve endet der digitale Wandel irgendwann (in meiner Wahrnehmung, weil das Potenzial ausgeschöpft ist). Es gibt aber andere Stimmen die davon ausgehen, dass der Wandel künftig die einzige Konstante darstellen wird. Stimmt das? Welche Vorstellung ist hilfreicher beim Nachdenken über sinnvolle Handlungsweisen?

  • Wie lange dauert die Wandelphase? Wenn wir davon ausgehen, dass der digitale Wandel eine Phase mit Anfang und Ende darstellt, so ergibt sich daraus die Frage, wie wir die Phase zeitlich begrenzen. Und hier zeigen sich dann eben auch die Grenzen der Vereinfachung. Jenachdem, was ich verstehen oder erklären will, sind andere Grenzen sinnvoll. In meinem Verständnis hat die Phase angefangen mit den ersten Computern und endet erst, wenn sich das Innovationspotenzial der Digitaltechnologie erschöpft hat.
    In gewissen Teilaspekten ist die Digitalisierung aber bereits erfolgt. Digital ist das Leitmedium in sehr vielen Bereichen unserer Gesellschaft, es liesse sich also argumentieren, dass der digitale Leitmedienwechsel vorüber sei und wir besser vom Zustand der Postdigitalität sprechen würden.
    Für bestimmt Diskurse ist es wichtig, dass wir betonen, dass das Digitale (bereits seit längerem) da ist und nicht etwa in ferner Zukunft kommen wird (z.B. die Frage, wie lange neue Medien noch neu sind). In anderen Diskursen ist aber ebenso wichtig aufzuzeigen, dass die Entwicklung noch lange nicht vorbei ist, sondern wir erst am Anfang stehen. An vielen Orten in unsrer Gesellschaft nutzen wir Digitaltechnologie bisher nur zur Effizienzsteigerung alter Abläufe. Wir haben weder die technologischen Potenziale ausgeschöpft noch unsere Handlungsabläufe verändert (Im Bildungsbereich: Bisher gibt es praktisch keine digitalen Lehrmittel, die von Anfang an digital gedacht wurden, meist steckt gedanklich noch das gedruckte Lehrmittel dahinter; Die durch persönliche Geräte und übergreifende Plattformen immer zahlreicher verfügbaren Daten der Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler werden bisher nur spärlich genutzt, datafication (Biblionetz:w03135) in education ist meist noch Zukunfts- oder höchstens Forschungsthema, aber noch nicht im Alltag angekommen).

  • Wo stehen wir heute? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn man sich auf eine Antwort auf die Frage Wie lange dauert die Wandelphase? geeinigt hat.

  • Wird "Kultur der Digitalität" deskriptiv oder normativ verwendet?
    Wie sieht die Welt nach dem digitalen Wandel aus? Begriffe, die diesen Zustand beschreiben, können zweierlei Funktion haben. Sie können schlicht eine Name sein für einen irgendwie gearteten Zustand (deskriptiv) oder sie können auch einen Wunschzustand definieren (normativ). Insbesondere bei der "Kultur der Digitalität" gilt es in Diskussionen zu klären, wie der Begriff verwendet wird.

To be continued...

Eine erste Diskussion der Grafik hat sich bei Twitter ergeben.

 
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A Ram Sam Sam...

23 Jan 2009 - 21:42 - Version 3 - WikiGuest

Diese Woche im trauten Familienkreis (jaja, man kann das Privatleben nicht vollständig vom Berufsleben trennen): Klein-Caspar verlangt ultimativ: "Singen!" Also wird gesungen.

Um die motorischen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern natürlich Lieder, zu denen man auch Bewegungen machen kann. Aber die Erinnerung an solche Lieder und die entsprechenden Bewegungen sind schwach, schliesslich ist es lange her, seit man diese Lieder in der eigenen Jugend gehört hat. So fehlen in einem bestimmten Lied in einem Abschnitt die passende Bewegung. Ich als absoluter Nichtsinger bin etwas hilflos und habe keine Ahnung.

Da ich etwas einseitig begabt bin, komme ich irgendwann auf die Idee, nach dem Lied im Internet zu suchen. Dort findet man ja alles. Hmm, nur: Wie sucht man nach einem Liedtext, der irgendwie "A Ram Sam Sam" geschrieben werden könnte? Genau so. Und nach kurzem sagt einem Google, dass dieses Lied scheinbar in jedem Pfadfinderliederbuch auf dem Erdball abgedruckt worden ist. Nur: Da stehen zwar die Strophen, aber keinerlei Icons oder Skizzen, wie die Bewegungen dazu aussehen sollten.

Hmm, "nicht immer nur mit Google suchen" pflege ich den Studierenden und Lehrpersonen in meinen Veranstaltungen jeweils zu sagen. Vielleicht sollte ich mich selbst auch an diese Regel halten. Wenn ich Bewegungen will, muss ich vielleicht in einer Bewegungs-Suchmaschine verwenden, sprich YouTube.

Tatsächlich: Die Suche nach ram sam sambei YouTube ergibt ca. 300 Treffer! Da ist alles vertreten, von eher quäkenden Kindern, die von ihren begeisterten (vornehmlich us-amerikanischen) Eltern angespornt, gefilmt und auf veröffentlicht werden bis zu professionell wirkenden Chören oder Gruppen von Studierenden und öffentlichen Veranstaltungen mit Bühne und Publikum. Faszinierend. Da sage noch einer, YouTube sei zu nichts Sinnvollem zu gebrauchen!

Beim Durchschauen der Filme wird's noch faszinierender: Nicht überall auf der Welt werden die gleichen Bewegungen gemacht. Eine erste Durchsicht verleitet zur Vermutung, dass die Bewegungen regional geprägt sein könnten, die Deutschen scheinen die gleichen Bewegungen zu machen wie die Schweizer, nicht aber die Indonesier. Nun schlägt der Mediendidaktiker vollends mit mir durch: Bewegungen vergleichen, Bewegungen nachmachen, kulturelle Unterschiede feststellen oder widerlegen. Musik, Bewegung, ICT-Einsatz, Mensch und Umwelt, was will man mehr? wink

Die quiekenden Kinder müssen selbst gesucht werden...

A Ram Sam Sam https://www.youtube.com/watch?v=aU_jmzbildw

https://www.youtube.com/watch?v=ybjp1lQ7QGE

https://www.youtube.com/watch?v=rlYIvNtsaPw

https://www.youtube.com/watch?v=UhP82WuPu5o

https://www.youtube.com/watch?v=7RSnw5Vot4Y

https://www.youtube.com/watch?v=8KHffjc22T4

https://www.youtube.com/watch?v=pQdtxBQKKCM

https://www.youtube.com/watch?v=hh-IY-0ZP8Y

https://www.youtube.com/watch?v=6zgrA0eBFmY

https://www.youtube.com/watch?v=yE91tM_AS1Q

https://www.youtube.com/watch?v=mSndsn14-xE

https://www.youtube.com/watch?v=UK8Tcc7aWo0

https://www.youtube.com/watch?v=v-EZQDIyej0

https://www.youtube.com/watch?v=-TBuskJ03Ew

https://www.youtube.com/watch?v=HwoXD_RVETg

https://www.youtube.com/watch?v=E-ZgdnOF_b0

https://www.youtube.com/watch?v=dkf8fOVVoPA

https://www.youtube.com/watch?v=-NxdiXLV-ag

https://www.youtube.com/watch?v=8SDUQDF4Jas

https://by-clips.com/video/ptI95gvDLPU/aram-sam-sam.html

Und dann nochmal ganz anders: https://www.youtube.com/watch?v=Pd2OaqyWPIU

https://www.youtube.com/watch?v=V100KquKCRY

https://www.youtube.com/watch?v=LE7dOFAI52Q

https://www.youtube.com/watch?v=RcmJJ6EqCWw

-- WikiGuest - 01 Jun 2019

Die Lieblingsversion meiner 3 Jährigen: https://www.youtube.com/watch?v=9W36DUhgLQY&vl=de

-- WikiGuest - 30 Jul 2020

 
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Erkenntnisse aus dem Notfallfernunterricht

11 Jun 2020 - 06:50 - Version 1 - BeatDoebeli

Gegen Ende der vom Bundesrat verordneten Schulschliessungen für die Volksschulstufe empfand ich im Mai 2020 den Wunsch, gewisse in den acht Wochen der Schulschliessungen gemachte und mit meinen Berufskolleginnen und -kollegen diskutierte Wahrnehmungen möglichst prägnant zu formulieren. Ich habe dafür die Form von Infografiken verwendet. Einerseits, weil eine gut gemachte Grafik mehr als tausend Worte sagt und andererseits, weil sich solche prägnanten Grafiken gut zur Verbreitung auf sozialen Medien eignen.

Mitte Mai 2020 habe ich so innerhalb von wenigen Tagen ca. 10 bis 15 Grafiken auf Twitter und Facebook veröffentlicht. Die Grafiken haben erfreuliches Interesse geweckt, von freudiger Zustimmung bis zu verärgerter Ablehnung. Womit ich nicht gerechnet hatte: Weil ich als Stilmittel unter jede Grafik eine Legende mit Bildnummer gesetzt hatte, vermuteten einige eine entstehende Publikation im Hintergrund. Innerhalb von 48h erhielt ich eine handvoll Anfragen zur vermeintlichen Publikation, darunter auch von einer kantonalen Bildungsdirektion.

Ich sah mich deshalb einerseits genötigt, den kleinen Scherz aufzulösen und folgende Grafik zu publizieren:

Andererseits merkte ich, dass ich das Projekt vielleicht doch nicht einfach bei den Grafiken ohne Erklärung belassen konnte, sondern dass die Grafiken eine zitierbare Quelle und eben vielleicht doch gewisse Erklärungen und Referenzen benötigen würden.

Aus diesem Grund habe ich in einem Wiki die Grafiken referenzierbar und erklärt zur Verfügung gestellt:

https://wiki.doebe.li/Notfallfernunterricht

 
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