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Aber sicher gehört Programmieren in die Grundschule!

07 Dec 2019 - 12:55 - Version 1 - BeatDoebeli

In einem Gastkommentar für die Welt formuliert Klaus Zierer (Biblionetz:p13834) am 7.12.19 unter dem Titel Programmieren ist nichts für die Grundschule (Biblionetz:t25784) vier Argumente:

  1. Programmieren ist nicht wichtig zum Verständnis der heutigen Welt
    "Wir Menschen müssen nicht programmieren können, um zu verstehen, wie ein Computer funktioniert."
  2. Andere Kompetenzen sind wichtiger als das Programmieren (logisches Denken, Kooperationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Umgang mit Fehlern)
    "Zweitens arbeiten Befürworter des Programmierens gerne mit der Angst: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Die Biografien erfolgreicher Programmierer widerlegen das: logisches Denken, Kreativität, Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit, Selbstbeherrschung und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern – und zwar jenseits von 0 und 1! – sind entscheidend."
  3. Programmieren verstärkt die Verkopfung der Schule
    "die Debatte über das Programmieren zu einer weiteren Verkopfung von Schule und damit zu einer Reduzierung von Bildung auf das Kognitive."
  4. Programmieren wird von Befürwortern nur aus ökonomischen Gründen gefordert und das ist problematisch
    "Viertens ist das Hauptargument der Befürworter des Programmierens ein ökonomisches: Wir dürfen nicht den Anschluss verlieren – an eine Milliarde Chinesen, die in einem Land mit der höchsten Selbstmordrate im Primarbereich und einer der höchsten Burn-out-Raten im Tertiärbereich leben? Wohl kaum."

Es ist vermutlich nicht überraschend, dass ich mit keinem der vier Argumente einverstanden bin. Noch schlimmer: Über Argument 1 lässt sich streiten, die Argumente 2-4 sind für mich unseriöse, rhetorische Strohmänner.

1. Informatik ist für das Weltverständnis heute so wichtig wie Physik, Chemie und Biologie (und Programmieren ist eine wichtige, aber nicht die einzige Aktivität in der Informatik)

Die Lebenswelt von heutigen Grundschülerinnen und Grundschülern ist heute stark geprägt von Informatiksystemen, angefangen von Smartphones, Staubsaugerrobotern über Sprachassistenten wie Siri und Alexa bis zu Lernapps, Empfehlungsalgorithmen bei Youtube und computergesteuerten Avataren in Computerspielen. Genau so, wie Kinder verstehen wollen und sollen, warum gewisse Dinge im Wasser schwimmen und andere sinken, wie eine Kläranlage und eine Bäckerei funktioniert, so wollen und sollen Kinder auch wissen, wie Informatiksysteme um sie herum funktionieren. Programmieren ist eine aktive Tätigkeit, mit der Kinder bereits im Grundschulalter gewisse Konzepte von Informatiksystemen erkennen können und dies mit viel Spass auch tun.

2. Programmieren ist eine Möglichkeit, um wichtige Kompetenzen des 21. Jhds zu fördern

Geschieht dies mit Hilfe von entsprechenden Robotern, so passiert Programmieren auch nicht primär am Bildschirm, sondern enaktiv in der physischen Welt. Es gibt genügend gut dokumentierte und frei verfügbare Unterrichtsbeispiele für Informatik und Programmieren in der Grundschule die belegen, dass Programmieren neben logischem Denken auch "Kreativität, Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit, Selbstbeherrschung und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern" fördern - also genau das, was Zierer in seinem Gastkommentar als wichtig bezeichnet, aber dem Programmieren in der Grundschule abspricht!

(Ebenfalls strohmannartig muten Zierers Annahmen an, zu Lasten welcher Inhalte denn Programmieren in der Grundschule eingeführt werden würde. Würde Programmieren beispielsweise als Teil der Mathematik verstanden, würde sich an der kognitiven Schwere des Grundschulunterrichts nicht viel ändern: Programmieren könnte aber ganz im Sinne von Seymour Papert (Biblionetz:p00192) ein motivierendes und lernförderliches Instrument eines modernen Mathematikunterrichts bereits in der Grundschule sein. Paperts Konstruktionismus (Biblionetz:w00561) besagt im Wesentlichen: Begriffen habe ich ein Konzept, wenn ich es selbst konstruieren, oder einem Computer beibringen kann).

3. Programmieren muss in der Grundschule keineswegs überaus kopflastig sein

Hier sehe ich ein Hauptproblem in Zierers Argumentationsweise: Er malt - absichtlich oder unabsichtlich - ein seltsames Zerrbild des Programmierens in der Grundschule. Niemand fordert unter dem Stichwort "Programmieren in der Grundschule" ernsthaft das dröge, kopflastige Auswendiglernen und Anwenden von Befehlen einer Programmiersprache. Die bereits erwähnten Roboter aber auch computer science unplugged -Aktivitäten (Biblionetz:w02379) und Entwicklungsprojekte erlauben einen Grundschulunterricht, der auch beim Programmieren Kopf, Hand und Herz integriert.

4. Fachkräftemangel ist keine ernsthafte Begründung für Programmieren in der Grundschule

Zierers Griff zu argumentativen Strohmännern geht aber noch weiter: Bei zwei Argumenten unterstellt er imaginären Befürwortern, sie würden mit der Angst der Zuhörenden arbeiten oder aus ökonomischen Gründen Zustände wie in China anstreben. Ich kenne aber keine ernsthafte Expertinnen oder Experten, die aus ökonomischen Gründen Programmieren bereits in der Grundschule fordern würden. Aufgabe der Grundschule ist die Allgemeinbildung und programmiert zu haben (nicht zwingend programmieren zu können) ist im 21. Jahrhundert ein notwendiger Teil der Allgemeinbildung.

 
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Liebe SBB, ÖBB und DB...

09 Nov 2019 - 13:44 - Version 1 - BeatDoebeli

Liebe SBB, ÖBB und DB,

ich reise oft und gerne mit euch. Darum habe auch eine Bitte an euch drei: Bitte rauft euch zusammen und klärt etwas, damit für mich als Kunden von euch das Reisen (noch) angenehmer wird.

Worum geht es?

Ich hatte für gestern Abend (8.11.2019) ein Einzelabteil mit Dusche und WC im Nachtzug von Berlin nach Zürich gebucht und wollte vor der Abfahrt in der DB-Lounge noch etwas arbeiten. Leider ist mir aber der Zutritt zur DB-Lounge verwehrt worden. Der Grund dafür ist mir immer noch nicht so ganz klar, ich habe vor Ort und im Internet verschiedene Antworten gefunden:

  1. Die Zutrittsberechtigung ist nicht gegeben, weil das Ticket bei der SBB gekauft worden ist.
  2. Die Zutrittsberechtigung ist nicht gegeben, weil der Nachtzug durch die österreichischen Bundesbahnen betrieben wird.
  3. Nachtzugtickets berechtigen nicht zur Nutzung der DB-Lounge.

(Im Internet findet man auch Auskünfte von DB-Mitarbeitenden, dass der Zugang mit meinen Tickets erlaubt gewesen wäre).

Leider erwähnen die aktuellen Nutzungsbedingungen der DB-Lounge PDF-Dokument Nachtzüge nicht, weder als zugelassene noch als ausgenommene Zugkategorie:

dblounge.jpg

Diese Situation ist für mich unbefriedigend. Ich habe darum zwei Bitten:

Bitte 1: Liebe DB, klärt die Zugangsberechtigung für Nachtzüge in den Nutzungsbedingungen

Es wäre sehr hilfreich, wenn in den Nutzungsbedingungen auch die Nachtzüge explizit erwähnt würden. Das würde die Sache - egal wie - klären und ich müsste mich als Kunde nicht im Internet auf die Sache nach (widersprüchlichen) Antworten eurer Kundenberater machen. (Zu dieser Klärung gehört auch, dass die Platzkategorie bei der ÖBB "Deluxe" heisst (was auf 1. Klasse hindeutet), dies aber auf dem Ticket der SBB als "Grande" bezeichnet wird (auf der Quittung aber wiederum "Deluxe" steht).

Bitte 2: Liebe ÖBB, SBB und DB, rauft euch zusammen

Via Twitter habe ich von der DB im Laufe der Diskussion folgende Antwort erhalten:

Für mich ist das nicht sehr kundenfreundlich: Ich habe bei A eine Leistung von B gebucht, die zum Teil im Bahnhof von C stattfand. So wie ich davon ausgehe, dass ich im Bahnhof von C den Bahnsteig und die Toiletten nutzen darf, bin ich auch davon ausgegangen, dass ich als Käufer eines entsprechenden Tickets die Lounge von C nutzen darf.

Ich vermute ja stark, dass das Unternehmen A (=SBB) dem Unternehmen B (=ÖBB) etwas bezahlt und B wiederum C (=DB) einen Teil meines Geldes für die Nutzung von Schienen, Bahnsteig etc. bezahlen muss. Wie dies geregelt wird und dass A, B und C als Konzerne wiederum in unterschiedliche Konzernbereiche unterteilt sind, sollte mich doch als Kunden nicht kümmern müssen.

Wenn ich ein internationales Bahnticket kaufe, dann hoffe ich doch, dass die beteiligten Unternehmen zusammenarbeiten und ich mich nicht um die Details dieser Zusammenarbeit kümmern muss.

Bitte 3: Liebe Politik, macht es den Bahnfahrern doch auch beim Nachtzug möglichst angenehm

Eine dritte Bitte habe ich an die Politik: Angesicht der Klimadiskussion wäre es doch wünschenswert, das Zugfahren gegenüber dem Fliegen zu fördern. In diesem Sinne wäre es doch sinnvoll, dass nicht nur Reisende 1. Klasse mit Tagestickets die Lounges nutzen können, sondern auch Reisende mit Nachtzugtickets.

P.S.: Die Reise im Nachtzug selbst hat mich einmal mehr völlig zufriedengestellt!

 
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Responsive Biblionetz

03 Oct 2019 - 13:24 - Version 1 - BeatDoebeli

Ja, ich habe es eingesehen! Die mobilen Seiten meines Biblionetzes sind langsam untragbar geworden. Was bei der Einführung (ca 2013 noch einigermassen modern war, ist 2019 hoffnungslos veraltet:

biblionetzlight.png
Alte Biblionetz light-Darstellung

Von ca. 2013 bis Ende September 2019 hat der Webserver des Biblionetzes mobilen Geräten andere Seiten ausgeliefert als Notebooks und Desktops. Dieses "Biblionetz light" beruhte auf jQuery mobile und versuchte, nur diejenigen Inhalte auf mobilen Geräten darzustellen, die dort auch vernünftg konsumierbar waren.

Ich bin nun jedoch davon abgekommen und habe das Biblionetz light beerdigt, primär aus zwei Gründen:

  1. Bei immer mehr unterschiedlichen Displaygrössen war eine binäre Einteilung in mobil/desktop je länger, desto unsinniger
  2. Der Aufwand, zwei komplett unterschiedliche Screen-Ausgaben zu betreiben wurde immer mühsamer

Ich habe nun deshalb versucht, das Layout von Biblionetzseiten responsive zu gestalten. Das klappt mangels zeitlichen Ressourcen zwar noch nicht überall perfekt, aber es ist doch wieder ein Schritt vorwärts.

biblionetzresponsive.png
Responsive-Ansicht auf einem Smartphone

 
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