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Symbolisches Bilder-Löschen in der Informationsgesellschaft

26 May 2015 - 09:23 - Version 1 - BeatDoebeli

Es ist ja nett diese Geschichte. Da macht ein junger Mensch in Bern ein Selfie mit dem französischen Staatspräsidenten und zeigt dazu den Stinkefinger. Natürlich geht das diplomatisch gar nicht. Also entschuldigt sich der junge Mann und löscht das Bild.

Und die Medien berichten darüber:

stinkefinger.jpg

Dann ist ja jetzt alles gut, denn das Bild ist ja gelöscht.

Genau.

 
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Learnify - ein erster Eindruck

22 May 2015 - 09:38 - Version 1 - BeatDoebeli

Seit kurzem ist die schwedische Lernplattform Learnify in einer Beta-Version auch in der Schweiz verfügbar. Ich habe mich etwas umgesehen und versucht, mir einen ersten Eindruck zu verschaffen.

learnify-01.jpg
Ja, Learnify ist auch physisch in der Schweiz angekommen und hat sogar ein Klingelschild ;-)

Was ist/kann Learnify?

Selbst beschreibt sich Learnify folgendermassen:

Learnify wurde zusammen mit Schwedischen Schulen über einen Zeitraum von 10 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Zur Zeit arbeiten in Schulen rund um Stockholm über 100’000 SchülerInnen und Lehrpersonen mit dieser Plattform. Learnify ermöglicht als digitaler Hub den Unterricht mit den Vorteilen des Internets und dem Computer zu kombinieren. Die Grundfunktionen von Wikipedia, Facebook, WordPress und die Metastruktur der Khan Academy wurden gebündelt und für den Schulbereich adaptiert.

In meiner Wahrnehmung ist Learnify eine Mischung aus Lernplattform und Authoring Tool, die den Fokus auf den Austausch von Unterrichtsmaterial setzt, den Lehrpersonen mit Hilfe von Material aus dem Internet erstellen. Zu diesem Zweck gibt es eine nach Lehrplanzielen strukturierte Ressourcen-Bibliothek aus der sich Lehrpersonen bedienen und in die Lehrpersonen ihre Materialien wieder einspeisen können.

learnify-02.jpg

Eine Lehrperson eröffnet für ihre Lernenden eine sogenannte Lernzone und kann in dieser Lernzone Material zur Verfügung stellen, mit Schülerinnen und Schülern via eine so genannte Wall kommunizieren, einen (internen oder weltweit einsehbaren) Blog betrieben und sich Arbeitsergebnisse abgeben lassen.

USP von Learnify

Mir gefällt die Ausrichtung von Learnify auf das möglichst einfache und offene Erstellen und Austauschen von Unterrichtsmaterial. Dabei erinnert mich Learnify an Plafformen wie blogger.com oder jimdo.com, mit dem Vorteil von Learnify, eine werbefreie, in der Schweiz gehostete Plattform zu sein und gewisse schulspezifische Erweiterungen zu bieten (Struktur Lehrperson - Klasse oder Einreichen und Bestätigen von Arbeitsergebnissen).

Auch die Idee, die Unterrichtsmaterialsammlung gleich in Learning Management System zu integrieren, gefällt mir. Ein Login, eine Oberfläche, das vermindert "digitale Medienbrüche" und könnte die Nutzungshürde für Lehrpersonen senken.

Klar ist es Beta, aber...

Ansonsten ist mein erster Eindruck von Learnify etwas verhalten. Klar, http://learnify.ch ist eine Betaversion, ich werde mich also nicht an fehlenden Übersetzungen oder ähnlichen Details stören (sondern habe solche leicht behebbaren Probleme bereits mehrfach an die Schweizer Betreiber zurück gemeldet). Die kleinen Dinge werden sich relativ rasch lösen lassen.

Es sind eher gewisse grundlegende Design-Entscheidungen, die Learnify aufgrund seiner zehnjährigen Geschichte mit sich trägt, die mir Sorgen im Hinblick auf eine Verbreitung in der Schweiz machen. Die folgenden Punkte sind weniger ein Vorwurf an Learnify, sondern eher die Folge der raschen Entwicklung in diesem Gebiet und der Devise "Das Bessere ist der Feind des Guten".

Modern ist anders

Man merkt Learnify.ch die zehnjährige Geschichte an:

  • Learnify.ch ist derzeit eher auf Notebooks als auf Tablets oder gar Smartphones ausgerichtet. Die Darstellung auf kleineren Bildschirmen ist nicht immer optimal, die entsprechenden Apps sind bisher nur für die schwedische Version von Learnify
verfügbar. Wann werden die Apps lokalisiert sein? Was werden sie können?
Für eine 2015 in der Schweiz neu antretende Plattform aus meiner Sicht eine schwierige Ausgangslage.

  • Learnify erlaubt derzeit kein Co-Editing. Learnify erleichtert das Erstellen von Content. Das ist gut. Aber das können unterdessen viele Plattformen. Learnify erlaubt derzeit kein gleichzeitiges Arbeiten an einer Ressource, was Etherpad, Google Docs, Office 365 und andere Plattformen seit längerem bieten. Auch hier ist Learnify.ch nicht uptodate mit dem, was ausserhalb der schulspezifischen Plattformen heute erwartet wird. (Ich kenne diese Problematik aus eigener Erfahrung. Jahrelang habe ich Wikis propagiert, weil sie zeitversetztes Co-Editing inkl. Versionsverwaltung gebracht haben. Unterdessen genügt dies oft nicht mehr, bzw. das Bessere ist der Feind des Guten: Solange Hyperlinks unwichtig sind, bieten heute Google Docs & Co. mehr Komfort als Wikis.)

Content is King: Solange es wenig Content hat

In meiner Wahrnehmung wird Learnify in Schweden deshalb eingesetzt, weil entsprechender Content verfügbar ist. Einerseits kommerzieller, kostenpflichtiger Content und andererseits usergenerated Content, erstellt durch die Learnify nutzenden Lehrpersonen. Dieser Content fehlt bisher in der Schweiz.

Aus meiner Sicht ist dies ein Knackpunkt der erfolgreichen Verbreitung von Learnify in der Schweiz: Wie kommt Learnify.ch zu Content?

  • Welche öffentlichen/kommerziellen Partner (Fernsehen, Zeitungen, Lehrmittelverlage) sind bereit, ihren Content in Learnify zur Vrefügung zu stellen?
  • Was motiviert Lehrpersonen, ihren Content bei Learnify zu veröffentlichen?
    • Warum sollten sie überhaupt motiviert sein, ihre Unterrichtsmaterialien zu veröffentlichen?
      (Ein uraltes Problem, das bereits http://www.zum.de, http://www.swisseduc.ch etc. kennen und zum Grundproblem von user generated content in der Schule gehört).
    • Was macht Learnify hier attraktiver als bisherige Publikationsmöglichkeiten? Warum bei Learnify veröffentlichen und nicht sonst auf dem Netz?
    • Hier sehe ich eine Chance von Learnify: Erstellung, Nutzung und Freigabe erfolgen alle auf der gleichen Plattform, das könnte die Hürde senken, Material zuerst für die eigene Klasse zu nutzen und danach freizugeben.

Hier stellt sich ein gewisses Huhn-Ei- oder Bootstrap-Problem: Warum sollte jemand auf einer leeren, bisher nicht genutzten Plattform sein Material zur Verfügung stellen bzw. in dieser Plattform erarbeiten? Ich sehe zwei Massnahmen, um diese Huhn-Ei-Problematik zu entschärfen:

  • Initialcontent: Es braucht bereits zu Beginn Content, welcher die Nutzung von Learnify attraktiv macht. Warum sollte ich als Lehrperson den Einarbeitungsaufwand leisten, um Yet another CMS nutzen zu können?

  • Exportmöglichkeit für das eigene Material: Learnify.ch bietet derzeit keine Exportmöglichkeit für erstellte Materialien, als AutorIn habe ich somit wenig Möglichkeiten, meine Arbeit aus Learnify zu "retten", sollte ich aus irgendwelchen Gründen Learnify irgendwann mal verlassen wollen. Ich liefere mich somit dem zukünftigen Schicksal von Learnify.ch aus.
Für die Nutzung der Plattform ist das eine Sache, für die Entwicklung von Material eine ganz andere.

Content is King: Sollte es mal viel Content haben

Ich mache mir aber beim derzeitigen Stand von Learnify.ch auch Sorgen, wenn es mal viel Content haben sollte:

  • Learnify.ch fehlen derzeit die sonst im Contentbereich gängigen sozialen Funktionen zur Erfassung persönlicher Präferenzen. Bei Amazon, Youtube etc. ist man sich unterdessen gewöhnt, dass einem ähnlicher Content angeboten wird, dass man Content raten und entsprechend sortieren kann. Ich kann Content-Autoren bzw. deren Kanäle abonnieren oder im Gegenteil auch ignorieren etc.
    In Learnify.ch ist davon bisher nicht viel zu sehen. Bisher scheine ich als Lehrperson nicht mal Learnify.ch mitteilen zu können, auf welcher Stufe ich arbeite und welche Fächer/Themen ich unterrichte. Solange ich das nicht kann, macht auch die nicht verfügbare Funktion Neue Ressourcen anzeigen wenig Sinn.

  • Learnify fehlt eine Verlags/Lektoren/Prüffunktion und setzt komplett auf Selbstevaluation der Community. Bei viel Content würde ich mir wünschen, dass ich einen Filter nur geprüfte Materialien anwählen könnte.

  • Wer übernimmt urheberrechtliche Prüfungen? Bei einer schweizweiten Plattform darf nicht mehr alles einfach so verwendet werden, nur weil es sich um Schule handelt. Gibt es hier bereits Überlegungen dazu, wie eingestellte Inhalte dahingehend geprüft werden können, um nicht den Zorn der Urheberrechteinhaber auf sich zu ziehen und damit die Zukunft der Plattform zu gefährden?

  • Learnify.ch fehlt eine Versionsverwaltung. Ich würde mir wünschen, dass Learnify mit Versionen von Material umgehen könnte. Wenn ich eine Kopie einer Ressource erstelle, so würde ich mir wünschen, dass der ursprüngliche Ersteller der Ressource darüber informiert wird. Umgekehrt wüsste ich dann gerne, wenn nach einem Jahr die ursprüngliche Ressource überarbeitet wird. (Die Programmierplattform ScratchR geht in diese Richtung).

Erstes Fazit

Derzeit würde ich early-adopter-Lehrpersonen empfehlen, mit Learnify zu experimentieren. Wer selbst schon mit blogger.com oder jimdo.com eigene Seiten für Schülerinnen und Schüler gemacht hat, wird sich in Learnify rasch zurechtfinden und Vor- und Nachteile entdecken und abschätzen können.

Für ganze Schulen sehe ich aber zwei Probleme:

  • Das Bewährte ist der Feind des Neuen: Bietet Learnify.ch wirklich den erforderlichen Mehrwert, dass ich die Plattform als Institution mit allen Konsequenzen (Schulung, Support etc.) einführen will? Oder sind zwar educanet2, moodle etc. etwas altbackener, aber bereits in der Schweiz eingeführt und bewährt?

  • Das Neuere ist der Feind des Nicht-so-ganz-Neuen: Lohnt sich das Einlassen auf die schulspezifische Plattform Learnify oder soll eine Schule nicht besser eine cloudbasierte Office-Lösung von Google, Microsoft oder Apple für ihre Zwecke adaptieren? Diese Plattformen sind alle top up-to-date was ihre Nutzung auf allen möglichen Geräten von Desktops bis praktisch Smartwatches anbelangt, synchronisieren alle Inhalte, sind offline nutzbar und bieten auch gleichzeitiges Editieren etc. an. Der Einarbeitungsaufwand in eine solche Lösung ist nicht nur im Schulkontext nutzbar sondern auch auserhalb und darüber hinaus, die Zukunft dieser Plattformen ist gesicherter als diejenige von Learnify, ich kann exportieren etc. Man verzichtet auf schulspezifische Funktionen, hat dafür aber die modernste und vermutlich zukunftssicherste Lösung...
    Ja ich kenne die notwendigen Bedenken bezüglich kommerzieller Plattformen im staatlichen allgemeinbildenden Unterricht inkl. Datenschutz etc. Aber genau das muss diskutiert und abgewogen werden.

So, das wärs fürs Erste. Nun bin ich gespannt, wie sich Learnify.ch in der Schweiz weiter entwickelt.

P.S.: Zur organisatorischen Einbettung und zur längerfristigen Finanzierung will Learnify.ch bis Mitte nächster Woche weitere Informationen publizieren, so dass ich diesen Aspekt in diesem Posting nicht berücksichtigt habe.


 
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i-factory ein Erfolg: Verlängert bis 2020

12 May 2015 - 07:56 - Version 1 - BeatDoebeli

Die Informatik-Ausstellung i-factory im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern und insbesondere das Angebot für Schulen ist ein Erfolg. Seit der Eröffnung Ende 2010 konnten laut Angaben der Hasler Stiftung über 800 Lehrpersonen geschult werden, die ihrerseits mit über 20'000 Schülerinnen und Schülern von der Hasler Stiftung finanziert die Ausstellung besucht haben.

ifactory02.jpg

Am Abschlussevent des Sonderprogramms FIT in Informatik hat die Hasler Stiftung nun bekannt gegeben, dass die Ausstellung und das Angebot für Schulklassen bis ins Jahr 2020 verängert wird. Gleichzweitig wurde auch ein Kurzfilm zur Ausstellung präsentiert:

Da es immer noch interessierte Lehrpersonen gibt, die das Angebot nicht kennen, hier nochmals die Kurzbeschreibung:

Die i-factory kann von Schulklassen reserviert werden. Lehrpersonen, welche den teachers workshop besucht haben, profitieren vom i-factory school kit als Gratispaket. Der reservierte Schulbesuch (Anreise mit dem ÖV, Museumseintritt sowie Reservationskosten) wird von der Hasler Stiftung offeriert.

Mehr Infos ...

 
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