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Erkenntnisse aus dem Notfallfernunterricht

11 Jun 2020 - 06:50 - Version 1 - BeatDoebeli

Gegen Ende der vom Bundesrat verordneten Schulschliessungen für die Volksschulstufe empfand ich im Mai 2020 den Wunsch, gewisse in den acht Wochen der Schulschliessungen gemachte und mit meinen Berufskolleginnen und -kollegen diskutierte Wahrnehmungen möglichst prägnant zu formulieren. Ich habe dafür die Form von Infografiken verwendet. Einerseits, weil eine gut gemachte Grafik mehr als tausend Worte sagt und andererseits, weil sich solche prägnanten Grafiken gut zur Verbreitung auf sozialen Medien eignen.

Mitte Mai 2020 habe ich so innerhalb von wenigen Tagen ca. 10 bis 15 Grafiken auf Twitter und Facebook veröffentlicht. Die Grafiken haben erfreuliches Interesse geweckt, von freudiger Zustimmung bis zu verärgerter Ablehnung. Womit ich nicht gerechnet hatte: Weil ich als Stilmittel unter jede Grafik eine Legende mit Bildnummer gesetzt hatte, vermuteten einige eine entstehende Publikation im Hintergrund. Innerhalb von 48h erhielt ich eine handvoll Anfragen zur vermeintlichen Publikation, darunter auch von einer kantonalen Bildungsdirektion.

Ich sah mich deshalb einerseits genötigt, den kleinen Scherz aufzulösen und folgende Grafik zu publizieren:

Andererseits merkte ich, dass ich das Projekt vielleicht doch nicht einfach bei den Grafiken ohne Erklärung belassen konnte, sondern dass die Grafiken eine zitierbare Quelle und eben vielleicht doch gewisse Erklärungen und Referenzen benötigen würden.

Aus diesem Grund habe ich in einem Wiki die Grafiken referenzierbar und erklärt zur Verfügung gestellt:

https://wiki.doebe.li/Notfallfernunterricht

 
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Vorurteile gegenüber Informatikern

07 Jun 2020 - 16:04 - Version 2 - BeatDoebeli

Es ist ja nichts Neues, dass Menschen Vorurteile gegenüber Informatikern haben (Biblionetz:f00159). Die Corona-Krise hat die Sache diesbezüglich nicht einfacher gemacht im Gegenteil. Zwar haben einige in der Krise gemerkt, dass gewisse Informatiker im wahrsten Sinne des Wortes systemrelevant sind (weil nämlich ohne sie das Computersystem nicht läuft), aber das hat sie von bösen Scherzen nicht abgehalten, wie dieses Beispiel zeigt:

a-programmer.jpg

Ich möchte diesem Bild ein- für allemal widersprechen, weil es einfach nicht stimmt! Vor der Corona-Krise hatte ich vier Bildschirme auf dem Pult, seither sind es deren fünf:

Die Frage Wie viele Bildschirme braucht der Mensch? beschäft mich ja schon seit Jahren (2006, 2007, 2009, 2011, 2012, 2015).

Während der Corona-Krise wuchs bei mir der Bedarf nach einem Monitor-Monitor, mit dem ich z.B. Load und Aktivitäten von https://www.LernenTrotzCorona.ch aus den Augenwinkeln verfolgen konnte, der auch dann weiterlief (und nicht alle ssh-Verbindungen verlor), wenn ich den Notebook irgendwo anders in der Wohnung nutzen wollte.

Also: Ein Raspberry Pi musste her, welcher diesen Monitor (Nummer 5, ganz rechts im Bild) bedient. Nun ist es aber mühsam, wenn dieser zweite Computer eine eigene Maus und Tastatur benötigt (und nicht alles lässt sich bequem remote per ssh steuern...).

Bei der Recherche habe ich Synergy entdeckt, welche die Nutzung einer Maus und einer Tastatur auf unterschiedlichen Computern gleichzeitig ermöglicht, unabhängig vom verwendeten Betriebssystem. Ich kann jetzt also mit meiner am Windows-Notebook angeschlossenenen Maus ganz nach rechts fahren. Irgendwann verlässt sie den letzten Bildschirm des Windows-Rechners und taucht sofort am linken Rand des Raspberry-Monitors auf. Ab dann werden auch die Tastatureingaben des Windows-Rechners auf den Raspberry weitergeleitet - so lange, bis ich die Maus wieder zurück auf den Windows-Bildschirm holen. Hat mich 29$ gekostet, aber meinen Arbeitsplatz von einer zweiten Tastatur und Maus befreit.

 
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Warum Lehrpläne bei neuen Themen zu Beginn zu viel verlangen (müssen)

29 May 2020 - 07:56 - Version 1 - BeatDoebeli

Im Rahmen der digitalen Transformation geht es unter anderem auch darum, neue Kompetenzen in den Lehrplänen (Biblionetz:w01274) der verschiedenen Schulstufen zu verankern. Bei entsprechenden Projekten habe ich bereits öfters die Kritik gehört: "Was Sie da vorschlagen, ist viel zu anspruchsvoll! Das begreifen nicht einmal die Lehrpersonen - ja selbst ich als leitender Beamter in der Bildungsadministration verstehe trotz Doktortitel nicht, wovon sie sprechen. Wie sollten das Kinder verstehen?"

Die eine heikle bildungspolitische Aufgabe besteht dann jeweils darin, dem leitenden Beamten zu erklären, dass das vorgeschlagene Thema durchaus erfolgreich schon mit Kindern erprobt worden ist ;-)...

Zum anderen gibt es aber mehrere Gründe, warum es sinnvoll ist, dass bei neuen Themen die Lehrpläne zu Beginn Unerfüllbares verlangen:

  • Stundendotation: Nur wenn der gewünschte/notwendige/erforderliche Umfang mit konkreten Inhalten unterfüttert wird, lässt sich seriös uin die harte Diskussion der Stundendotation einsteigen und argumentieren, warum diese Unterrichtslektionen notwendig sind.
    Würde man stattdessen das derzeit Erreichbare in den Lehrplan schreiben, würden alle argumentieren, dass dafür ja praktisch keine Unterichtszeit notwendig sei.

  • Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen: Nur wenn die künftigen Ziele bekannt sind, kann der Bedarf des Umfangs und des Inhalts von Lehreraus- und Weiterbildung (Biblionetz:w01617) definiert werden.
    Würde man stattdessen das derzeit Erreichbare in den Lehrplan schreiben, so wäre nicht einzusehen, warum entsprechende Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen notwendig ist.

  • Lehrmittelentwicklung: Nur wenn die künftigen Ziele bekannt und als verbindlich definiert sind, werden Lehrmittelverlage (Biblionetz:w02223) den Aufwand zur Entwicklung von Lehrmitteln leisten wollen.

  • Austausch zu den neuen Themen: Erfahrungsgemäss können sich Themenfremde unter dem neuen Thema wenig bis nichts vorstellen und haben somit entweder keine oder falsche diesbezügliche Vorstellungen. Lehrplanziele sind eine erste, meist aber zu abstrakte Möglichkeit um Themenfremden eine Vorstellung über künftige Inhalte zu bieten.

Mit dieser Argumentation soll keineswegs der Entwicklung überfüllter und auf Dauer unerreichbarer Lehrpläne Vorschub geleistet werden. Es soll aber das Verständnis dafür erhöhen, dass zu Beginn ein leichtes Gefühl der Überforderung durchaus sinnvoll und eben auch notwendig ist. Um die Beteiligten nicht zu überfordern und/oder zu verärgern ist es deshalb wichtig darauf hinzuweisen, dass neue Lehrpläne nicht am Tag ihres Inkrafttretens zwingend 100% umsetzbar sind, sondern dass es einer angemessenen Übergangsfrist bedarf.

 
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