Archiv

Kategorien

Mehr als 0 und 1

Letzte Postings

Tweets

für gesamten Blog

You are here: Beats Weblog » WebLog

Beats Weblog

13 Feb 2013 - 07:39 | Version 31 |


Angefangen am 23 Jun 2016 - 14:05 - Version 3

Mit dem Windows-Notebook drahtlos auf den Apple TV

Drahtloses Übertragen von Videobildern ist cool - wenn es denn funktioniert! Vor zwei Jahren hatte ich einige Lösungen vorgestellt, bei denen ein Computer ein Apple TV simuliert und als Empfänger für AirPlay-Signale dient (Fall 1).

airparrot1.png

Ich nutze zu diesem Zweck seit einiger Zeit unter Windows das Programm AirServer. Funktioniert bestens mit Airplay, funktioniert bei mir bisher nicht mit MiraCast. Kostet ca. 10 Euro/Franken/Dollar.

Nun habe ich vor kurzem den umgekehrten Weg ausprobiert: Den Windows-Bildschirm drahtlos an einen Apple-TV senden (Fall 2):

airparrot2.png

Ich verwende dazu die Software AirParrot 2. Was ich dabei sehr cool finde: Ich kann nicht nur einen Bildschirm auswählen (ja, ich habe 3 externe Bildschirme angeschlossen...), sondern ich kann auch ein einzelnes Fenster auf das Apple-TV und damit den Beamer übertragen:

airparrot3.png

Das ist z.B. in Unterrichtssituationen sehr brauchbar, wenn ich nur ein Fenster, nicht aber meinen ganzen Bildschirm zeigen will. Ebenfalls cool ist, dass ich damit Filme auf dem Beamer ausgeben kann, ohne dass sie auf dem internen Bildschirm angezeigt werden.

Airparrot2 kostet ca. 13 Franken/Euro/Dollar.

Beide Lösungen bedingen ein gemeinsames WLAN aller beteiligter Geräte.

-- WikiGuest - 27 Jul 2019

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 22 Apr 2019 - 22:01 - Version 3

Machen Sie den Bücher-Check - Folge 327

Es ist keine Woche her, seit die Kolumne Machen Sie den Bücher-Check publiziert worden ist, da lese ich in der Süddeutschen Zeitung den Gastkommentar von Sandra Richter, Leiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Unter dem Titel Blättern und Wischen (Biblionetz:t24185) schreibt sie:

Textdeutungen auf Knopfdruck können Computer bislang nicht liefern. Vielleicht ist die Interpretation, das Gespräch zwischen Autor, Text und Leser, ja eine spezifisch menschliche Gabe? Dem Computer sind Sinn und Bedeutung gleichgültig. Sinnerfüllte und historisch informierte Textdeutungen lassen sich ebenso wenig maschinell erzeugen wie zwischenmenschliche Erfahrungen und ausgewogene Urteile. Algorithmen für Einordungsvermögen, ästhetischen Sinn und textsensible Deutung sind nicht in Aussicht. Als Lehrer, Vorbild oder Meisterinterpret taugt der PC nicht.

Ersetzen wir nun in diesem Abschnitt den Begriff Computer durch den Begriff Buch, so sieht der Abschnitt folgendermassen aus:

Textdeutungen auf Knopfdruck können Bücher bislang nicht liefern. Vielleicht ist die Interpretation, das Gespräch zwischen Autor, Text und Leser, ja eine spezifisch menschliche Gabe? Dem Buch sind Sinn und Bedeutung gleichgültig. Sinnerfüllte und historisch informierte Textdeutungen lassen sich ebenso wenig durch Druckerpressen erzeugen wie zwischenmenschliche Erfahrungen und ausgewogene Urteile. Algorithmen für Einordungsvermögen, ästhetischen Sinn und textsensible Deutung sind nicht in Aussicht. Als Lehrer, Vorbild oder Meisterinterpret taugt das Buch nicht.

Damit wird deutlich, dass im ursprünglichen Abschnitt etwas von Computern verlangt wird, was Bücher auch nicht können - der Vergleich ist somit sinnlos und ähnelt einem Strohmann-Argument. Allen ist klar, dass nicht das Medium (egal ob Buch oder Computer), Sinn und Bedeutung liefern, sondern Menschen, die darüber nachdenken und diskutieren.

Es ist echt bemühend, 2019 immer noch auf diesem Niveau diskutieren zu müssen...

Super! Bitte mehr davon!

-- WikiGuest - 23 Apr 2019

Ich bewundere deine Ausdauer. Aber du hast Recht: Es muss immer wieder am aktuellen Beispiel exerziert werden: Medien sind mehr als das Alltagsverständnis wahr haben will (mehr als bloss Mittel) und viel weniger als das Alltagsverständnis wahrhaben will (keine Zaubermittel).

-- WikiGuest - 22 May 2019

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 07 May 2015 - 15:05 - Version 13

[[WebHome][ Mit dem Windows-Notebook drahtlos auf den Apple TV]]

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 21 Apr 2019 - 11:52 - Version 1

Machen Sie den Bücher-Check!

Die ewigen Schwarz-weiss-Diskussionen zur Digitalisierung in der Bildung sind sowas von ermüdend. Meine ewigen Aufrufe zu differenzierteren Auseinandersetzungen vermutlich auch:

t24000.jpg

Der Schweizer Medienpädagoge Heinz Moser schrieb in seinem Buch «Der Computer vor der Schultür» im Jahr 1986: «Anpassung oder Widerstand, das ist heute eine überholte und verfehlte Frage. Weigern sich Lehrer, Eltern oder Schulbehörden, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen, dann geben sie lediglich ihr Mitspracherecht sang- und klanglos preis. Denn die Computer sind schon da, mitten in unserer Gesellschaft – nur manche haben dies noch nicht gemerkt.»

Heute, 33 Jahre später, dürften dies alle gemerkt haben. Die Digitalisierung hat längst alle Bereiche unseres Lebens durchdrungen und verändert, sowohl Berufs- und Privatleben als auch politische und gesellschaftliche Kontexte. Es ist deshalb wichtig und richtig, dass auch verstärkt über die Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens kontrovers diskutiert wird. Gerade weil sich vieles ändert, müssen wir uns als Gesellschaft streiten, in welche Richtung sich die Informationsgesellschaft bewegen soll – welche Entwicklungen wir uns wünschen und welche wir lieber verhindern möchten.

Sorge bereitet mir hingegen, dass auch über dreissig Jahre nach Mosers Worten oft immer noch schwarz-weiss argumentiert wird: Wald oder Web? Buch oder Bildschirm? Tinte oder Tastatur? Diese scheinbaren Gegensätze beschreiben jedoch unsere Realität immer weniger. Schreiben von Hand und Computer schliessen sich längst nicht mehr aus, weil immer mehr Geräte das handschriftliche Notieren mit Stift ermöglichen. Bücher lassen sich nicht nur auf Papier, sondern auch auf Tablets und E-Reader lesen. Und eine Schulklasse kann sehr wohl am Vormittag den Wald besuchen und am Nachmittag den Fuchs, den sie im Wald nicht getroffen hat, im Web bewundern.

Bald vierzig Jahre nach dem Einzug der ersten Computer in Schweizer Schulen und Privathaushalte hat sich das Digitale ähnlich stark mit unserem Alltag verwoben wie etwa die Schrift. Ein Leben ohne ist zwar noch knapp vorstellbar, aber doch eher alltagsfern. Niemand würde bei der Schrift behaupten, sie sei an sich gut oder böse. Niemand würde vor zu viel Schrift warnen oder einen schriftfreien Tag pro Woche einfordern – denn selbst beim Wandern in der Natur ist es nicht schlecht, den Wegweiser lesen zu können.

Genauso sollten wir beim Digitalen einsehen, dass es nicht um ein simples «Mehr!» oder «Weniger!» gehen kann. Wir müssen genauer hinschauen. «Jetzt sitzt er oder sie schon wieder vor dem Bildschirm!», kann vieles heissen. Liest er ein Buch? Schaut sie fern? Macht er Hausaufgaben? Spielt sie ein Computerspiel? Kommuniziert er mit Kollegen?

Wenn uns jemand erzählt, im Silicon Valley würden immer mehr Eltern ihre Kinder in Waldorf-Schulen schicken, müssen wir uns fragen, woran das liegt: Wollen die Computerfachleute ihre Kinder möglichst lange vor dem Digitalen bewahren oder können sich Gutverdienende schlicht eher Privatschulen mit besserer Betreuung leisten?

Auch die Geschichten von Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Gründer Bill Gates, die ihre Kinder angeblich vor digitalen Medien ferngehalten haben, klingen erst einmal überzeugend: «Die beiden wussten um die problematischen Aspekte dieser Geräte – vielleicht sollten wir das mit unseren Kindern ähnlich handhaben!» Ruft man sich aber in Erinnerung, dass die zwei ihr Studium abgebrochen haben, wünscht man sich vielleicht doch andere Vorbilder für Sohn und Tochter.

Deshalb: Seien Sie kritisch! Einerseits: Digital ist nicht automatisch besser. Andererseits: Trifft die Kritik wirklich nur auf das Digitale zu? Machen Sie den Bücher-Check, wenn Ihnen wieder mal ein Argument gegen die Digitalisierung begegnet! Ersetzen Sie im Argument den Begriff «Computer » durch «Bücher» und fragen Sie sich: Ist das mit Büchern nicht ähnlich? Macht ständiges Lesen wirklich weniger einsam und dick als Computer und Internet? Geben Bücher nicht genauso nur eine medial vermittelte Wirklichkeit wieder, wie dies Computern und Internet vorgeworfen wird? Ich freue mich auf künftige Diskussionen mit mehr Farben als bloss Schwarz und Weiss!

Quelle: Bote der Urschweiz, 18.04.2019 PDF-Dokument (Biblionetz:t24000)

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 07 Apr 2019 - 15:35 - Version 1

Warum mein Biblionetz vor veralteten Seiten warnt

Das Biblionetz ist unterdessen mehr als 20 Jahre alt. Es gibt darin gewisse Themen, die ich nicht mehr so aktiv beackere. Seit mehreren Jahren gibt es deshalb einen Automatismus, der auf Biblionetzseiten, die sich seit mehr als sechs Monaten inhaltlich nicht mehr geändert haben, eine entsprechende Warnmeldung platziert:

warnmeldung.jpg

Warum mache ich das?

Bei gedruckten Texten ist die Sache vergleichsweise einfach: Es genügt die Angabe eines Publikationsdatums, damit Leserinnen und Leser wissen, zu welchem Zeitpunkt letztmals aktuelle Informationen in einen Text hätten aufgenommen werden konnten, denn schliesslich lassen sich gedruckte Texte nicht nachträglich aktualisiert werden.

Bei digital online verfügbaren Texten ist es komplizierter: Es ist jederzeit möglich, die Inhalte zu verändern. Das Erstpublikationsdatum einer online verfügbaren Ressource sagt somit nichts darüber aus, wann diese Ressource letztmals verändert worden ist - es ist somit nicht auf einen Blick ersichtlich, wie veraltet die Ressource sein könnte. Aus diesem Grund erachte ich es als sinnvoll, wenn meine Webseiten deutlich deklarieren, wann sie zum letzten Mal aktualisiert worden sind.

Für mich ist dies eine Dienstleistung für Besucherinnen & Besucher und ich bin eigentlich erstaunt, dass ich keine anderen Webseiten kenne, die dies auch so handhaben.

Ganz pragmatisch ersparen mir diese Hinweise auch zahlreiche Mails von Besucherinnen und Besuchern, die mich - erraten - auf veraltete Informationen hinweisen wollen.

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 01 Apr 2019 - 20:48 - Version 2

Verkürzte Zitate - Folge 138

Bereits in der 137. Folge der verkürzten Zitate war Andreas Schleicher (Biblionetz:p04057), OECD-Direktor für Bildung und verantwortlich für die PISA-Studien (Biblionetz:w01358) betroffen. So auch in der 138. Folge.

Teaching children coding is a waste of time, OECD chief says lautet der Titel eines Artikels aus dem Februar 2019 im Telegraph (Biblionetz:t24114) und fährt fort mit den Worten

Teaching children coding is a waste of time, the OECD’s education chief has said, as he predicts the skill will soon be obsolete.

Andreas Schleicher, director of education and skills at the Organisation for Economic Co-operation and Development, said that the skill is merely “a technique of our times” and will become irrelevant in the future.

schleicher.jpg

Gemäss diesem Artikel soll Schleicher also der Meinung sein, Programmieren zu lernen sei eine Zeitverschwenung, weil diese Fertigkeit bald überflüssig sein werde. (Biblionetz:f00114)

Kritisiert Schleicher somit den Informatikunterricht als kurzlebig und damit überflüssig?

Schaut man sich das Blogposting von Andreas Schleicher vom 22.03.2019 Should schools teach coding? (Biblionetz:t24113) an, so klingt das gleich ganz anders:

In today’s technology-rich world, many schools have begun teaching coding, the language we use to instruct today’s computers. It’s a skill that is in high demand, and there are intriguing examples of schools across the world teaching it in ways that are relevant and engaging for students. But the risk is that we will again be teaching students today’s techniques to solve tomorrow’s problems; by the time today’s students graduate, these techniques might already be obsolete. We should instead focus on the computational thinking that underpins these techniques – and that students can use to shape the technologies of tomorrow.

Schleicher spricht davon, dass Programmieren vielleicht überflüssig werden könnte und man deshalb eher auf computational thinking (Biblionetz:w02206) statt auf blosses Programmieren setzen sollte.

Er macht diese Überlegung weiter unten im Text nochmals deutlich, wenn er schreibt:

How can we focus learning on the “essence” of a subject rather than the “mechanics of the moment” – the computational thinking that underpins the concept of algorithms, rather than the specific methods of coding an algorithm itself? Coding can be a great means to achieve this, but there is a serious risk that it becomes the end, and that school systems will continue teaching it years after it is obsolete.

Programmieren ist somit gemäss Schleicher Mittel zum Zweck und darf nicht zum Selbstzweck werden. Programmieren ist jedoch ein wichtiges Mittel, um Konzepte der Informatik zu begreifen. Auch die meisten InformatikdidaktikerInnen würden wohl der Aussage zustimmen, dass Informatik mehr ist als Programmieren! (Biblionetz:a01157)

P.S.: Nein, Andreas Schleicher sagt im Blogposting auch nirgends, dass man Informatik / computational thinking ohne Progrmammieren unterrichten sollte.

P.S.II: Ja, im Jahr 2017 war Schleicher der Informatik gegenüber ingesamt noch kritischer eingestellt (Biblionetz:t19429), aber das nennt man dann wohl lebenslanges Lernen wink

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 12 Mar 2019 - 07:00 - Version 1

Schweizer Leistungsschutzrecht betrifft auch das Biblionetz

Am heutigen 12. März 2019 wird im Ständerat der aktuelle Entwurf des zu revidierenden Urheberrechts PDF-Dokument diskutiert.

Der erst kürzlich eingefügte Artikel 13b lautet dabei folgendermassen:

Art. 13b Zugänglichmachen von journalistischen Werken

¹ Wer, als Betreiber eines sozialen Netzwerks, eines Informations- oder Unterhaltungsdienstes oder einer anderen Kommunikationsplattform im Internet, journalistische Sprachwerke oder Fotografien so zugänglich macht, dass Personen von Orten und Zeiten ihrer Wahl dazu Zugang haben, schuldet den Urhebern und den Urheberinnen hierfür eine Vergütung.

In meinem Verständnis betrifft dies auch mein Biblionetz, das ich seit über 20 Jahren auf nichtkommerzieller Basis betreibe. Unter anderem aggregiere ich auch Zeitungsartikel ("journalistische Sprachwerke") und mache sie so zugänglich, "dass Personen von Orten und Zeiten ihrer Wahl dazu Zugang haben".

Dabei geht es nicht um die Zugänglichmachung der Volltexte, den das ist bereits unter dem aktuellen Urheberrecht nicht einfach so erlaubt. Es geht um die Zugänglichmachnung von so genannten "Snippets", also Anrissen der jeweiligen Artikel.

lsr.jpg
Ein Zeitungsartikel im Biblionetz inkl. zitiertem Lead und Ausschnitt (Biblionetz:t24066)

Artikel 13b nimmt im aktuellen Entwurf keine Einschränkung auf kommerzielle Anbieter vor. Somit würde auch das Biblionetz als nicht kommerzielles Angebot darunter fallen, denn man kann das Biblionetz auch als Aggregator von "journalistischen Sprachwerken" bezeichnen.

In der (Twitter-)Diskussion wurde mir auch schon gesagt, dass ich doch bitte gesunden Menschenverstand walten lassen solle, das Gesetz würde ja nicht mich kleinen Fisch, sondern die grossen Internetkonzerne betreffen. Nur, ich mag mich bei der Diskussion von Gesetzesentwürfen nicht auf den gesunden Menschenverstand verlassen sondern halte mich lieber an die genauen schriftlichen Formulierungen. Und da ist eben keine Einschränkung auf die grossen Internetkonzerne vorgesehen. Es mag ja sein, dass auch bei Annahme dieses Artikels nie ein Verlger mit Forderungen auf mich zu kommen würde. Doch alleine die Gefahr solcher Forderungen müsste ja dazu führen, dass ich mir die Weiterführung des Biblionetzes zumindest überlegen müsste.

Dass das Biblionetz vom vorgeschlagenen Leistungsschutzrecht betroffen wäre, ist nur ein kleiner Nebenschauplatz und nicht der Grund warum ich dagegen bin (aber dieses Detail zeigt meiner Meinung nach, dass der Gesetzesentwurf nicht sehr sorgfältig formuliert worden ist).

Meine Hauptargumente gegen das Leistungsschutzrecht (Biblionetz:w02369) sind die folgenden:

  • Ein Leistungsschutzrecht in der vorgeschlagenen Form bringt Zeitungsverlagen kein Geld
    Zeitungsverlage sind stärker auf den Traffic durch die grossen Internetkonzerne angewiesen als diese auf den journalistischen Content. Dies hat sich in Deutschland und Spanien gezeigt. In Spanien ist der Abruf von Nachrichtenseiten um 13% zurückgegangen, nachdem Google aufgrund eines Leistungsschutzrechts Verweise auf ebendiese Seiten eingestellt hat. In Deutschland haben grosse Verlage Google kostenlose Lizenzen erteilt, weil sie verlinkt werden wollten.
  • Ein Leistungsschutzrecht in der vorgeschlagenen Form bedroht kleine Anbieter auf dem Internet
    Während grosse Anbieter solche Lizenzabkommen mit den Internetkonzernen schliessen könnten, würde es eine gewisse Zeit dauern, bis evtl. automatisierte Syteme (wie robots.txt) greifen würden, damit die Rechtsunsicherheit auch bei kleinen Abietern beseitigt wäre.

Die Diskussion um ein Leistungsschutzrecht ist ja nicht neu (ich habe bereits im Jahr 2012 darüber gebloggt. Ich hege je länger, desto stärker den Verdacht, dass auch die Verlegerinnen und Verleger wissen, dass das LSR in dieser Funktion nicht klappen wird (die sind ja nicht dumm...). Die Diskussion um das LSR ist aber eine gute Möglichkeit, um auf ihre Sorgen und ihr schwindendes Geschäftsmodell hinzuweisen. (Die Tatsache, dass ich diese Sorgen teile und eine funktionierende Presse für demokratierelevant halte, führt trotzdem nicht dazu, dass ich das LSR befürworte, denn es erreicht das erhoffte Ziel nicht). Ich würde mich nicht wundern, wenn das LSR in der Schweiz abgelehnt würde und der Schweizer Verlegerverband kurz danach staatliche Unterstützung erbitten würde mit der Formulierung "Nun, da das LSR ja abgelehnt worden ist..."

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 03 Mar 2019 - 11:51 - Version 1

Pseudo-Neuro-Bullshit

Ich weiss, ich sollte dieses Weblog eigentlich nicht mit Kritik an Digitalkritik füllen, sondern mich mit Relevanterem beschäftigen, statt nur zu lästern. Weil ich aber in jüngerer Vergangenheit mehrfach auf die Texte von Prof. Getraud Teuchert-Noodt (Biblionetz:p15652) hingewiesen worden bin, die ich doch bitte beachten möge, hier meine Antwort darauf.

Frau Prof. Getraud Teuchert-Noodt ("Neurobiologin, ehem. Universität Bielefeld. Leitung des Bereichs Neuroanatomie an der Fakultät für Biologie von 1979 – 2006") tritt in letzter Zeit an verschiedenen Orten im Internet in Erscheinung, teilweise mit eigenen Texten, teilweise in Interviews. Bei mindestens zwei Interviews scheint es sich dabei um identische Texte zu handeln, bei denen einfach die Reihenfolge der Fragen vertauscht worden ist (Quelle 1 und Quelle 2).

Frau Teuchert-Noodt wird u.a. gefragt, warum man angesichts eines Bildschirms nichts lernen kann:

Sie postulieren, dass es kein digitales Lernen geben kann. Warum bleibt im Kopf nichts hängen, wenn man mit dem Finger über einen Display wischt?

Das trifft den Kern des Problems. Das Gehirn ist ein Konstrukt, das während der Entwicklung nach ganz einfachen Regeln von einem klugen Baumeister, der Selbstorganisation, aufgebaut wird. Der Aufbau startet im Embryo und ist den Reifungssequenzen des gesamten Körpers unterstellt. Jedes Organ und alle Sinne entwickeln im neuronalen Substrat des Gehirns eine „Repräsentation“, eine Punkt-zu-Punktverbindung. Die nervösen Verbindungen zu den körperlichen Ursprüngen bleiben lebenslang bestehen und Aktivitäten garantieren den Dialog zwischen Körper und Hirn. Ähnlich der Blutversorgung durch Gefäße sind Nervenbahnen unsere Lebensadern. Digitale Medien schneiden das reifende Gehirn des Kindes von diesen Lebensadern ab und lassen nicht zu, dass sich in der Hirnrinde sinnbezogene Repräsentationen anlegen.
Quelle PDF-Dokument (Biblionetz:t23912)

Ich finde diese Antwort absolut faszinierend! Da werden im ersten Teil der Antwort einige neurologische Fachbegriffe und Fakten erzählt, denen vermutlich niemand widersprechen würde. Im zweiten Teil der Antwort wird dann ohne kausale Verknüpfung behauptet, digitale Medien würden verhindern, dass das kindliche Gehirn sinnbezogene Repräsentationen anlegen kann. Null, aber wirklich null Erklärung, was das mit digitalen Medien zu tun hat und warum dies z.B. bei einem Buch nicht der Fall sein sollte.

Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass hier versucht wird, die Glaubwürdigkeit durch Neurologie zu erhöhen. Man weiss ja, dass Menschen dazu neigen, Aussagen überzeugender finden, wenn sie in einem neurologischen Zusammenhang erzählt werden (siehe dafür Biblionetz:a00961).

Wie so oft, lohnt sich bei solchen Argumenten der Bücher-Check: Ist das bei Büchern nicht genau so?

Besonders gut lässt sich dieser Check z.B. bei der folgenden Antwort von Frau Teuchert-Noodt anwenden:

Wie also müssten Kinder aufwachsen, um gegen die Gefahren der neuen Techniken gewappnet zu sein?

Das Tablet im Kinderzimmer versetzt das Kind in eine digitale Zwangsjacke. Elementare Bedürfnisse wie Krabbeln, Laufen, Klettern werden unterdrückt. Diese Bedürfnisse dienen dazu, die Sinne zu schärfen, die Muskeln zu stärken, den Geist und die Freude an körperlicher Ertüchtigung zu wecken. Nur wenn die Nervenzellen der einzelnen Hirnfelder sehr viele Kontakte mit sehr vielen anderen Zellen ausbilden, kann ein intelligentes Gehirn heranreifen.

Dagegen setzt eine Kaskade von Behinderungen ein, wenn Schaltkreise des Großhirns von den Lebensadern durch digitale Spielsachen abgeschnitten sind: Das Sprechenlernen verzögert sich, die Händchen können ihre Fähigkeit nicht entfalten, einen Mal- oder Schreibstift zu halten. Kürzlich erreichte uns eine Alarmmeldung aus London, weil Sechsjährige den Stift nur mit dem Fäustchen halten konnten und die Einschulung gefährdet war.
Quelle PDF-Dokument (Biblionetz:t23912)

Ersetzen wir das Digitale doch durch Gedrucktes:

Wie also müssten Kinder aufwachsen, um gegen die Gefahren der neuen Techniken gewappnet zu sein?

Das Buch im Kinderzimmer versetzt das Kind in eine papierene Zwangsjacke. Elementare Bedürfnisse wie Krabbeln, Laufen, Klettern werden unterdrückt. Diese Bedürfnisse dienen dazu, die Sinne zu schärfen, die Muskeln zu stärken, den Geist und die Freude an körperlicher Ertüchtigung zu wecken. Nur wenn die Nervenzellen der einzelnen Hirnfelder sehr viele Kontakte mit sehr vielen anderen Zellen ausbilden, kann ein intelligentes Gehirn heranreifen.

Dagegen setzt eine Kaskade von Behinderungen ein, wenn Schaltkreise des Großhirns von den Lebensadern durch gedruckte Bücher abgeschnitten sind: Das Sprechenlernen verzögert sich, die Händchen können ihre Fähigkeit nicht entfalten, einen Mal- oder Schreibstift zu halten. Kürzlich erreichte uns eine Alarmmeldung aus London, weil Sechsjährige den Stift nur mit dem Fäustchen halten konnten und die Einschulung gefährdet war.

Die Beispiele liessen sich beliebig weiterführen... :-/

Liebe Digitalkritiker, es gibt durchaus ernsthafte Bedenken und Gefahren des Digitalen, die wir diskutieren müssen. Aber auf diesem Niveau bringt das einfach nichts.

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 13 Jan 2019 - 18:16 - Version 4

Meta-Meta-Studien sind auch nicht mehr, was sie einmal waren

Ich handle mir damit vermutlich wieder einmal den Vorwurf ein, auf Details herumzureiten statt mich den wesentlichen Fragen zu stellen. Aber eine Meta-Meta-Studie, die Meta-Studien auswerten kann, die Studien ausgewertet haben zu Geräten, die erst drei (Smartphone) bzw. fünf (Tablet) Jahre nach den Studien auf den Markt kamen, lassen mich doch an der Datengrundlage und damit an der Qualität der Meta-Meta-Studie zweifeln:

meta-meta-smartphone.jpg

Dies ist mit Absicht eine sehr plakative Kritik an den Resultaten der Hattie-Studie. Es geht mir darum, innert 30 Sekunden ohne statistische Details erklären zu können, dass Aussagen aus Visible Learning (Biblionetz:b04477) nicht unhinterfragt übernommen werden sollten. Eine ausführlichere inhaltliche und methodische Kritik bieten Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach in Fehler in John Hatties «sichtbarem Lernen» (Biblionetz:t17260)


Na ja, wer glaubt, dass iPhones die ersten Smartphones waren, der hat nicht wirklich einen Überblick über technische Entwicklungen ...

-- TimoMeister - 14 Jan 2019

Auch mir ist klar, dass das iPhone nicht das erste Smartphone auf dem Markt war. Aber vor dem iPhone war praktisch kein Smartphone-Markt und schon gar kein nennenswerter Einsatz in Schulen. Das gleiche gilt für das iPad.

Ich nehme gerne sachdienliche Hinweise zu schulischen Smartphone-Projekten vor 2008 entgegen. (Meine Literaturliste zu Mobiltelefon in der Schule befindet sich unter Biblionetz:w01971)

-- BeatDoebeli - 14 Jan 2019

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.

Angefangen am 26 Dec 2018 - 11:10 - Version 2

Weihnachtslektüre 2018

weihnachtslektuere2018.jpg

Woher krieg ich die vier Wochen Weihnachtsferien, um all das zu lesen?

b06550 b06851 b06714 b06328 b06840 b04771 b06890 b06378 b06342 b06636 b06792

und "Paul Watzlawick 4.0" ist noch nicht einmal dabei. Dirk Baecker hat dort auch einen Beitrag drin. (Ok. Tina Piazzi ... auch ;-)))

-- WikiGuest - 11 Jan 2019

 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.


 
Zum Kommentieren ist eine Registration notwendig.